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Dieser Podcast hat
1452 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
DOMRADIO.DEExplizit
Nein
Erstellt am
2019/03/06
Neueste Episode
2026/02/04
Durchschnittsdauer
4 min.
Veröffentlichungsintervall
2 Tage
Beschreibung
Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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Um was geht es wirklich?
2026/02/04
Bei uns in der direkten Nachbarschaft ist ein sehr altes Haus generalsaniert worden und ich konnte von meinem Zimmer aus die Fortschritte immer wieder beobachten. Aber ich konnte und kann die Bauarbeiten auch immer hören: die Anlieferung von Gerüsten und den Aufbau, die Betonmischer und Lastenheber, die Bauarbeiter und ihre Musik, die Kräne für die großen Betonteile. Jetzt ist das Haus fertig und die ersten Mieter sind schon eingezogen. Aber das ringsum, die Wege und Kanten müssen noch gemacht werden und das ist echt laut. Seit Tagen sind die Bauarbeiter mit Rüttelmaschinen beschäftigt, die den Boden verfestigen und so laut sind, dass ich die ersten Tage immer einen Hubschrauber vermutet und den Himmel danach abgesucht habe.Ich musste tatsächlich erst ums Haus herumlaufen um zu sehen, dass es tatsächlich nur eine solch kleine Maschine ist, die einen solchen Lärm veranstaltet. Das sind so Sachen, die wir aus dem normalen Miteinander im Alltag auch kennen: da gibt es eine Vermutung, einen Verdacht, einen Argwohn, und wenn man dem nicht wirklich nachgeht, um die wirkliche Ursache zu klären, bleibt ein dummes Gefühl im Raum und wird zu einem Gerücht, zu einer Mutmaßung, einer Unterstellung. Im Evangelium, das heute gelesen wird, wundert sich Jesus darüber, dass die Leute aus seiner Heimatstadt seiner Botschaft nicht glauben können. Sie sind so damit beschäftigt, sich über ihn und seine Familie und sein Umfeld aufzuregen, und ihm alles Mögliche zu unterstellen, dass sie die wirkliche Botschaft überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Man kann sich über die Kirche, die Mitarbeitenden der Kirche, deren Fehler und Sünden und die Strukturen sosehr aufregen, dass man überhaupt nicht mehr mitbekommt, worum es eigentlich geht: um die Verkündigung der guten Nachrichten Gottes an seine Menschen.Es ist eine gute Idee, immer mal wieder den Dingen um mich herum auf den Grund zu gehen um mich nicht immer nur von den lauten Äußerlichkeiten beeindrucken zu lassen, sondern auf den wirklichen Kern der Botschaft zu kommen.
Kein katholischer Hokuspokus
2026/02/03
Jede und jeder kennt das: es gibt Zeiten und Phasen im Alltag, da wachsen uns Sorgen irgendwie über den Kopf. Wenn Krankheit, Schwierigkeiten im Beruf und in der Familie, finanzielle Probleme oder grundsätzliche Entscheidungen schlaflose Nächte machen.Dann haben wir manchmal das Gefühl, dass es uns die Kehle zuschnürt, dass wir kein Wort mehr herausbekommen oder sogar mühsam nach Luft schnappen.Und dann gibt es einen Segen, der viele Jahrhunderte alt ist und völlig aus der Zeit gefallen scheint: den Blasiussegen. Zwei gekreuzte, brennende Kerzen ganz nahe vor das Gesicht gehalten und ein Segensgebet gesprochen. Das ist kein katholischer Hokuspokus, sondern ein Gebet das zusagt, dass Gott durch all diese Sorgen und Nöte mitgeht und Dich im Blick behält und Dich stärkt. Das ist die eine Seite dieses Segens. Es gibt noch eine andere Seite.Die katholische Gemeinde Sankt Blasien im Schwarzwald weist darauf hin, dass der Heilige Bischof Blasius, an den wir heute denken, eben auch als jener "Schutzpatron gegen die Gefahr des schnellen, unpassenden und vor allem verletzenden Wortes" empfohlen werde - um den Frieden zu wahren. Was schnelle, unpassende und verletzende Worte anrichten können, erleben wir jeden Tag in den Nachrichten und den Medien. Wir selber sind davon aber auch nicht immer frei, weil man manchmal raushaut, was im Inneren brodelt und es uns dann manchmal leidtut, wenn es ausgesprochen worden ist.Ich hoffe also auch für mich und uns, dass wir durch die Fürsprache und den Segen bewahrt werden vor Halskrankheiten und allem Bösen aber auch vor unpassenden und verletzenden Worten gegenüber anderen aus unserem eigenen Mund.Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Dass uns ein Licht aufgeht
2026/02/02
Immer Anfang des Jahres bekommen wir eine Liste mit den Jubilarinnen unserer Ordensgemeinschaft in den verschiedenen Ländern. Und in diesem Jahr gibt es sage und schreibe eine Schwester, die 80 Jahre im Kloster ist und einige mit 75 oder 70 Jahren. Sie haben sich also in ganz jungen Jahren dazu entschieden und sind diesen Weg ein Leben lang in Geduld gegangen und haben auch ihre Pflichten treu getan.Auch Maria und Josef tun ihre religiöse Pflicht. Sie bringen ihren Erstgeborenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und geben die vorgeschriebene Opfergabe ab. Aber dann passiert, dass der sehr alte Simeon dieses eine Kind, unter den vielen Neugeborenen, die im Tempel Gott geweiht werden, dieses eine Kind als das erkennt, das bedeutsam für sein Volk und sein eigenes Leben werden soll. Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm war gesagt worden, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."Und auch Hannah, eine uralte Prophetin, die seit Jahrzehnten im Tempel lebt, erkennt dieses Kind und spricht darüber zu allen, die im Tempel sind. Simeon und Hannah haben ihr ganzes Leben darauf gewartet und gehofft, dass sie es sein werden, die diesen Messias noch erleben werden, der seit hunderten von Jahren verheißen und vom Volk erwartet wird. Und ihre Hoffnung wird erfüllt. Sie konnten aber nicht ahnen, dass es ein Säugling sein würde, den sie begrüßen und sehen würden. Viele haben einen Fürsten, einen König, einen Revolutionär, einen Kämpfer, einen Machthaber erwartet, der das Volk von innerer und äußerer Fremdherrschaft erlöst und befreit. Aber es ist ein Kind. Und sie erkennen ihn, weil sie sich auf Gott und nicht auf ihre eigenen Vorstellungen verlassen. Ihnen ist in diesem Kind sozusagen ein Licht aufgegangen.Beten wir heute für uns alle in unserer Kirche, genau um das: dass uns ein Licht aufgeht und wir ein bisschen mehr erkennen, wie dieser Gott liebt und lebt und wie deshalb Christsein heute gehen kann. Und dass er uns Geduld gebe zu diesem Warten auf ihn und für all den Alltagskram, der im Moment von jedem von uns die je eigene Geduld fordert.
Gott kennt seine Kinder
2026/01/30
Auf Facebook und anderen mehr oder weniger sozialen Medien nutzt man ja die Möglichkeit Leute zu entdecken, sie anzufragen, ob man befreundet sein will und wird in die Freundesliste aufgenommen. Oder ich werde selbst angefragt. Dieser Tage kommt also eine Anfrage von einer jungen Frau und ich habe mir die Fotos und Informationen angeschaut und dann zugesagt. Fast augenblicklich haben wir dann mit einem Chat begonnen mit der Frage dieser jungen Frau: Kennen Sie mich noch?Oje, ich musste gestehen, ich hatte keine Ahnung, woher ich sie kennen sollte, und habe etwas ausweichend geantwortet. Aber für sie war es eine ausreichende Zusage und es sprudelte nur so aus ihr heraus: Ich war doch im Mutter-Kind-Haus in Olpe und Sie haben sich immer mit mir unterhalten. Es war eine tolle Zeit für mich und mein Kind und habe so viel gelernt und bin so froh, mich damals so entschieden zu haben usw. und so fort.Ich war ganz angerührt und habe nach einer ziemlich langen Zeit gefragt, wie es denn heute geht. Sie hat mir erzählt, dass sie schon drei Jahre in einer neuen festen Partnerschaft lebt und ihr Sohn nicht mehr bei ihr lebt, sie ihn aber besucht und er schon groß und schon sieben Jahre alt ist. Und dass es ihr gut geht. Und da waren dann mehr als zwei Seelen in meiner Brust: Ich war sehr froh, dass sie die Zeit in Olpe als gute Zeit erlebt und reflektiert hat. Ich war traurig, dass ihr Sohn nicht mehr bei ihr lebt und habe Mitgefühl mit dem Kind, und ich bin froh, dass sie eine für sie schon so lange bestehende Beziehung hat, die ihr gut tut und sie gut damit leben kann.Nach dem Chat bin ich in die Kapelle gegangen und habe für sie gebetet und für Ihren Sohn und für Ihre Beziehung und für die Zukunft. Bei Gott bin ich mir sicher, dass sie nicht fragen muss: Kennst Du mich noch? Gott kennt seine Kinder und begleitet sie durch ihr Leben auf all ihren für uns oft so scheinbar verworrenen Wegen. Und das tröstet mich sehr.
Schlagzeilen
2026/01/29
Wenn ich morgens die Zeitung in die Hand nehme, sehe ich nur die dickste Überschrift, also die Hauptschlagzeile. Die Zeitung selber lese ich meistens mittags oder abends. Die Hauptschlagzeilen der letzten 4 Tage waren: "Auf der Piste mit der Bergwacht", dann "Fast wie im Bürgerkrieg", als nächstes "Traut euch" und dann "24 Asse serviert".Und bei allen vier Schlagzeilen wusste ich sofort, worum es gehen würde: um den Rettungsdienst in Skigebieten, um die unglaublichen Zustände in den USA, um die Ankündigung einer Messe für Hochzeitstrends und um ein glänzendes Tennismatch von Alexander Zverev. Ich kann das wissen, weil ich mich dauerhaft informiere und vielfältige Infoquellen nutze.So geht es auch mit den Schlagzeilen der Bibel, des Alten und Neuen Testamentes und vieler Kirchentexte. Oft kann ich sie nur verstehen und davon wissen, wenn ich mich immer weiter informiere, immer wieder die täglichen Lesungen anschaue, Hintergründe erforsche und neuere Kommentare zur Bibel lese.In der heutigen Lesung aus dem 1. Petrusbrief heißt es: "Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!" Zunächst klingt das in unseren heutigen Ohren, als sei das ein Verwaltungsakt, der zu erledigen sei. Und damals waren Verwalter die bekannten Leute, die für die Gutsbesitzer die gesamte Arbeit organisiert haben. Aber dieses 4. Kapitel im 1. Petrusbrief will über das richtige Verhalten als Christ in der Welt informieren. Und damit sind alle gemeint, die von Gott so vielfältige Gaben und Talente bekommen haben. Und die sollen sie nutzen für die Mitmenschen und das Zusammenleben. Denn dafür hat man sie bekommen.Die Hauptschlagzeile über dem heutigen Tag könnte also lauten: "Behaltet eure Talente und Fähigkeiten nicht für euch selbst, sondern setzt sie ein für die Gemeinde, die Gesellschaft, die Kirche, das Land." Und ich denke, dass kann jede und jeder von uns verstehen.
"Wahrheit tief verborgen"
2026/01/28
Für Thomas von Aquin, dessen Tag wir heute feiern, war die Stadt Köln Ursprungsort seines späteren Wirkens. Von 1248 bis 1252 lebte und studierte er hier. In Köln war er mit seinem Lehrer Albertus Magnus (um 1200-1280) an der Gründung des Studienhauses der Dominikaner beteiligt, das zum Vorläufer der Universität wurde. In Köln erhielt er als Assistent Alberts die wesentlichen Prägungen seines Denkens. Dort entstanden seine ersten Werke. Und in Köln empfing er die Priesterweihe.Ich habe meine Mitschwester, die begeisterte Theologin ist, gefragt, was ihr zu Thomas von Aquin so ganz spontan einfallen würde. Und sie hat gelacht und mir zwei Dinge erzählt: zum einen, dass es seinen Schreibtisch wohl noch gibt, der an der Seite, an dem Thomas zu sitzen pflegte, halbrund ausgesägt war, weil Thomas eine solche Körperfülle hatte, dass es sonst zu unbequem gewesen wäre. Und sie hat von einer Führung in der Kölner Diözesan- und Dombibliothek erzählt, wo man ihnen frühe theologische Werke zeigen konnte, die Thomas zu seinem Studium benutzt hat und wo Thomas als Student reingeschrieben, Randbemerkungen und neuere Erkenntnisse drübergeschrieben hatte. Man konnte das genau nachweisen, weil man die Handschrift erkannt hat. Was mir und uns zu diesem großen Theologen – glaub ich – eher bekannt ist, ist eine seiner großen Hymnen aus seinen Dichtungen und Gebeten zur damals neu aufgekommenen Fronleichnamsprozession und grundsätzlich zur Anbetung der hl. Eucharistie. "Gottheit tief verborgen", wobei die ursprüngliche Übersetzung, wenn man seinem Werk und Denken folgen würde, eigentlich heißen müsste "Wahrheit tief verborgen, betend nah ich Dir". Mich beeindruckt sehr, dass ein so großer Universalgelehrter seiner Zeit solche tiefgründigen Hymnen und Gebete geschrieben hat, die der einzigen Wahrheit seines Lebens huldigen, dem Herrn Jesus Christus.
Wohlbehütet
2026/01/27
In früheren Jahrhunderten war es völlig unüblich, ohne Kopfbedeckung, also ohne Schleier, Tuch oder Hut das Haus zu verlassen. Und wer etwas auf sich hält, wie man früher sagte, tut es auch heute noch. Eine alte Dame hier im Städtchen würde nie ohne Hut sonntags in die Kirche kommen und auch sonst ist sie immer mit passendem Hut zu Mantel oder Kostüm ausgestattet. Manche kennen noch den Ausdruck "gut betucht sein". Ganz klassisch bedeutete es tatsächlich, in besonders guter Kleidung zu sein und wenn man sich gute Kleidung, gutes Tuch leisten konnte, hatte man genügend Geld, war also gut betucht.Aber mit den Hüten ist es ganz anders. Wenn man sagt: "Der ist aber gut behütet", dann ist tatsächlich nicht gemeint, dass er besonders teure und edle Hüte trägt. Das habe ich früher tatsächlich bei diesem Wort immer gedacht. "Bleiben Sie behütet", das sagt immer mal am Ende eines Vortrages ein Exerzitienmeister. Was heißt das denn dann? Im Netz habe ich mehrere Bedeutungen gefunden: auf etwas Acht geben, es bewachen, sichern und vor Schaden schützen. Auf jemanden Acht geben, aufpassen, betreuen und vor Unangenehmem bewahren. Also bedeutet dieser Wunsch des Exerzitienmeisters: Bleib bei dem Gedanken, dass Gott dich beachtet, auf dich achtet, vor Schaden bewahrt, dich sicher geleitet und beschützt."Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht" ist eines der vielen Lieder, die genau das besingen und dem Singenden zusagen, dass er daraus Mut und Zuversicht und Hoffnung schöpfen kann, weil da einer ist, der mich behütet. Also egal ob du Tuch oder Kapuze, Schleier oder Kopftuch, Helm oder Hut aufhast, bleib unter Gottes Schutz wohl behütet.
Mein Lebensweg: normal und gut, aber doch irgendwie anders
2026/01/26
Diese Woche ist für mich und viele andere eine besondere Woche. Im Mutterhaus begleite ich jeden Tag eine sechste Klasse bei ihrem „Klostertag“ Seit vielen Jahren gibt es diese besonderen Tage für die SchülerInnen und ihre Lehrer. In unserer Franziskusschule, die seit 1870 besteht, waren früher alle Lehrerinnen Schwestern unserer Gemeinschaft, und so war es normal, dass die Schüler Ordensleute erlebt und kennengelernt haben. Da das aber seit 2005 nicht mehr so ist, haben wir uns diese Klostertage einfallen lassen. Die Klasse kommt also zu 8 Uhr ins Mutterhaus und wir beginnen mit einer gemeinsamen Gebetszeit in der großen Mutterhauskirche. Immer werden ein oder zwei Geschichten aus dem Leben von Franziskus von Assisi erzählt und manchmal bin ich erstaunt, wieviel die Kinder tatsächlich schon über ihren Schulpatron wissen.Danach gehen sie in drei Gruppen zu drei verschiedenen Angeboten, die dann alle 45 Minuten wechseln. Und mittendrin ist Frühstück im großen Speisesaal mit einigen Schwestern. Und kurz vor Schluss ist dann immer eine rasante Runde mit: Was ich schon immer mal fragen wollte. Und da wird es spannend. Die Kinder haben ihre Scheu abgelegt und wagen zu fragen nach Lebensart der Schwestern, Kleidung, Gebet und Alltag. Aber natürlich auch nach Smartphone, Auto, Fernseher und Computer und so weiter. Und voriges Jahr hat ein Mädchen in Ruhe der ganze Runde zugehört und als sie dran war gesagt: das klingt alles ziemlich normal aber ist doch irgendwie anders. Das hat mir gefallen. Leben und Zusammenleben kennen die Kinder von zuhause und dass die Schwestern arbeiten und dazu die Materialien brauchen, haben sie erkannt und auch, dass sie zusammen beten. Dieses „irgendwie anders“ hat sie so beschäftigt, dass sie im Advent zum Mädchenwochenende ins Mutterhaus gekommen ist, um mehr davon mitzubekommen. Für sich selbst zu erkennen, dass es Lebenswege gibt, die normal und gut sind, aber doch irgendwie anders, ist eine gute Voraussetzung für eigene Entscheidungen später.
Wie kann man glaubwürdig sein?
2026/01/23
Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche morgen, aber ich möchte Dir heute schon von ihm erzählen. Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie. Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurückzubringen. Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: In einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war. Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese. Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen. Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten. Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: Stimmen meine Worte mit dem überein was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage? Spannende Überlegungen!
Welche Spuren hinterlasse ich im Leben?
2026/01/22
Ich weiß nicht wie das bei Dir ist, ich mache sehr gerne Hausarbeit. Kochen, Backen, Spülen, Waschen, Bügeln sind wunderbare Sachen, bei denen die Gedanken schweifen können und bei denen mir immer die besten Ideen kommen. Sogar beim Putzen. Wenn ich in der Küche stehe und überall die Fingerabdrücke an den Armaturen von Herd, Mikrowelle und Spülmaschine sehe, nehme ich sofort ein Tuch und putze es, damit es schön sauber und glänzend ist. Fingerabdrücke sind Spuren meines Tuns und des Tuns meiner Mitschwestern in der Küche und an anderen Orten im Haus. Und da kommt die Frage nach den sonstigen Spuren meines und unseres Tuns ganz normal in den Sinn. Wo und wie hinterlassen Du und ich und wir Spuren, die deutlich machen, was wir arbeiten, denken, mit Engagement gerne machen?Die Lesung heute aus dem Römerbrief gibt da einen interessanten Gedanken für den Tag mit. Da heißt es: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt. Soweit die Lesung. Frieden und Freude zu bringen geht ja nur, wenn ich mit mir selbst halbwegs in Frieden und Freude lebe und daran auch arbeite, wenn es mal schwierig und kompliziert ist. Es gibt durchaus auch fromme und eigentlich geistliche Menschen, die weder eine freundliche noch eine friedliche Ausstrahlung haben. Der Jesuit Pater Eberschweiler hat einmal einen sehr schönen Satz gesagt, den ich gerne zitiere: "Die Heiterkeit und Freudigkeit des Herzens will ich zu bewahren suchen, um dadurch allen zu zeigen, einem wie guten Herrn ich diene.“ Daran zu arbeiten und den Heiligen Geist um seine Mithilfe zu bitten, ist immer möglich.
Glauben wir an die Kraft des Gebetes?
2026/01/21
Papst Leo hat dazu aufgerufen, in dieser Woche besonders um die Einheit der Christen zu beten. „Die Ursprünge dieser Initiative reichen zwei Jahrhunderte zurück und Papst Leo XIII. hat sie sehr gefördert“, erinnerte der Pontifex am Sonntagmittag nach dem Angelusgebet vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. „Vor genau hundert Jahren wurden zum ersten Mal ‚Vorschläge für die Gebetsoktav für die Einheit der Christen‘ veröffentlicht“, fuhr Leo fort. „Das Thema in diesem Jahr stammt aus dem Brief an die Epheser: ‚Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung‘ (Eph 4,4).“ „Die Gebete und Betrachtungen wurden von einer ökumenischen Gruppe vorbereitet, die von der Abteilung für interreligiöse Beziehungen der Armenisch-Apostolischen Kirche koordiniert wurde“, fügte er hinzu. „Ich lade daher alle katholischen Gemeinschaften ein, in diesen Tagen verstärkt für die volle sichtbare Einheit aller Christen zu beten.“ Diese Einladung des Papstes, über Radio Vatikan verbreitet, ist bei einigen unserer sehr alten Schwestern echt schon eher angekommen als bei mir. Als ich am Montag bei meiner Besuchsrunde durch unser Schwesternaltenheim war, traf ich eine 98jährige Schwester in ihrem Zimmer beim Rosenkranzgebet an. Auf meine Frage, in welcher Intention sie denn ihren Rosenkranz gerade betet, hat sie mich etwas erstaunt angeschaut und geantwortet: „Um die Einheit der Christen, wir sind doch in der Gebetswoche und wir haben den Auftrag zu beten. Also tue ich das.“ Ich gebe zu, dass sie mich ein bisschen beschämt hat, denn ich hatte das bisher völlig aus dem Blick verloren. Oder vielleicht vertraut diese Schwester, mehr als 30 Jahre älter als ich, eher der Kraft des Gebetes und tut es treu und unaufhörlich und spornt mich und vielleicht auch Dich heute dazu an.
Kirche und Glauben schützen
2026/01/20
Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung, er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen, ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet.Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Schutzpatron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste, ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche, den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt.Und wenn wir zur Zeit schauen, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgten Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze Drumherum ja auch nicht so verkehrt.
Danke, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast
2026/01/19
Ich weiß nicht, ob Du das vielleicht auch kennst: Irgendwann packt mich die Aufräumwut oder die Lust dazu und ich mache ganz schnell ein paar Schubladen auf und werfe alles raus und sortiere neu ein und werfe ganz viel weg. Was ich da alles so gefunden habe: alte Handys, vielerlei Sorten Kabel, Kopfhörer, Anschlussstecker für alles Mögliche, Ladegeräte für längst abgelegte Gerätschaften, Einkaufsbeutel und so weiter. Manchmal denke ich: Meine Güte, wieviel Kram hebt man so auf. Immer nach dem Motto: Vielleicht könnte man es doch noch mal gebrauchen. Also weg damit.Aber dann habe ich eine alte Brille von mir gefunden. Ich sehe ziemlich schlecht und würde niemals ohne Ersatzbrille aus dem Haus gehen, weil ich ohne Brille hilflos bin. Aber das hier ist nicht die Ersatzbrille, sondern eine vor-vorherige Version, die ich wahrscheinlich nicht weggetan habe, weil sie mir früher so gut gefallen hat. Also habe ich sie aufgesetzt und da war wieder die gleiche Freude: Sie steht mir einfach gut und mein Gesicht und meine Augenpartie bekommt ganz andere Konturen, auch wenn ich mit ihr nicht mehr ganz so gut sehen kann.Eine ganze Zeit habe ich vor dem Spiegel gestanden und mit den verschiedenen Brillen geschaut, mit welcher ich mich am schönsten finde und am wohlsten fühle. Und dieses mich selbst mal in Ruhe Anschauen fand ich sehr schön. Wann tut man das schon mal. "Und Gott sah, dass es gut war", heißt es in der Bibel nach jedem Tag der Schöpfungsgeschichte. Ich sage heute früh mal vor dem Spiegel: Danke Gott, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast.Mit allen Falten, mit allen grauen Haaren, mit allem, was mich ausmacht und wie ich meinen Mitmenschen heute früh entgegentrete: Lass mich ein dankbarer Spiegel Deiner wunderbaren Schöpfung sein.
Musik im Herzen anstimmen
2026/01/16
Als eine der Aufgaben von Weihnachten, von denen ich gestern erzählt habe, hatte ich die erste mit Dir bedacht, wo es darum geht die Verlorenen zu finden. Und heute ist es die letzte der sieben Aufgaben, die ich mit Dir bedenken möchte. Ich gebe ehrlich zu, dass sie mich sehr verwundert. Die ersten sechs sind sehr ähnlich den Werken der Barmherzigkeit und Daueraufträge für alle, die Jesus in ihrem Leben Raum geben wollen. Aber diese siebte, Musik im Herzen anzustimmen, finde ich echt erstaunlich. Ich kenne Leute, die summen oder singen bei der Arbeit und man hat das Gefühl, dass sie mit sich, ihrem Tun und Leben im Einklang sind.Das ist, glaube ich, so ein Punkt. Das heißt nicht, dass die Arbeit oder das alltägliche Tun nicht anstrengend oder nervig oder lästig sein kann. Diese Leute schaffen es zu akzeptieren, was sie tun müssen und daraus trotzdem Mut und Zuversicht zu bekommen. Oder Kinder, die in unbeobachteten Momenten beim Spielen stillvergnügt singen und nachahmen, was andere ihnen vorgesungen haben. Unsere indische Mitschwester singt immer, wenn sie ihre Räume putzt und ist sich ja sicher, dass niemand ihre indischen Lieder versteht und sie vergewissert sich ihrer Herkunft und Heimat.Ein anderer Punkt ist das Tröstliche und Ermutigende im Inneren singen, wenn die Schwierigkeiten scheinbar überhandnehmen. Ein spanischer Tenor hat einmal erzählt, dass er während der Bestrahlungen wegen der Leukämie immer im Inneren Arien gesungen hat, die einfach aus ihm herausbrachen, ohne das geplant zu haben. Und viele von uns kennen auch das Singen und Summen unter der Dusche und spüren dabei, dass es einfach guttut für Leib und Seele und dieser Zusammenklang zum äußeren hörbaren Klang werden will. Musik im Herzen anstimmen kann auch aus Dankbarkeit und Liebe als ein stilles tiefes Empfinden da sein und mir selbst deutlich machen, was der Verstand noch gar nicht fassen kann.Genauso geht es mit dem Lob Gottes, das manchmal wie ein Ohrwurm im Inneren immer weiter singt, obwohl ich ein Lied, ein Musikstück oder Psalm heute noch gar nicht gehört, gesungen oder gespielt habe. Stimmen wir heute oder am Wochenende immer mal wieder Musik im Herzen an.
Die Aufgabe von Weihnachten
2026/01/15
Beim amerikanischen Autor, Menschenrechtler und Theologen Howard Thurmann, der 1981 gestorben ist, habe ich einen sehr interessanten Text gefunden, der noch einmal ganz anders mein derzeitiges Lieblingswort von der Weihnachtsnachfreude beschreibt. Der Text geht so:DIE AUFGABE VON WEIHNACHTENWenn das Lied der Engel ausklingt und der Stern im Himmel erloschen ist,die Könige und Weisen zu Hause und die Hirten wieder bei ihren Schafen sind,beginnt die Arbeit von Weihnachten:die Verlorenen zu finden, die Zerbrochenen zu heilen, die Hungrigen zu speisen,die Gefangenen zu befreien, die Nationen wiederherzustellen, den Frieden zu bringen,Musik im Herzen anzustimmen.Diese Aufzählung von Aufgaben von Weihnachten ist sehr konkret und ist nicht zu verwechseln mit Weihnachtsbaum abbauen, Deko verpacken, Sterne von den Fenstern abmachen und einmal durchsaugen. Die Aufgaben von Weihnachten sind all die Dinge, die Jesus getan hat und zu denen er uns, seine Jünger, Follower, Christen ebenso aufruft. Die Verlorenen finden hat vielerlei Aspekte: es können die sein, die sich irgendwann zurückgezogen haben und keinen Kontakt mehr wollten und jetzt den Neuanfang nicht mehr hinbekommen. Es können die sein, die durch Krankheiten, Süchte und Schicksalsschläge einsam und versteckt in der Anonymität der Masse mehr existieren als leben. Und es können die sein, die für sich keinen Sinn und keine Perspektive im Leben mehr sehen und nur noch einen Schritt vor dem drohenden Abgrund stehen.Um die Verlorenen zu finden braucht es offene Augen und Ohren im normalen Alltag. Nicht verschämt vorbeigehen an offensichtlicher Not und nicht die Straßenseite wechseln, um den Bettelnden auszuweichen. Die Aktion Glücklichter hier im Bistum Paderborn hat vielen Menschen, die sonst kaum gesehen und beachtet werden, Zuwendung, notwendige Lebensmittel und Alltagsnotwendigkeiten geschenkt und hat scheinbar Verlorene aufgespürt und ihnen aufgeholfen.Die Aufgaben von Weihnachten sind nicht so lieblich, gemütlich und heimelig wie die Krippe im Wohnzimmer unterm leuchtenden Tannenbaum. Die Aufgabe von Weihnachten ist es, wie dieses zu uns gekommene Gotteskind, Gottes Menschen zu suchen und zu finden und ihnen leben zu helfen.
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