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Architektur, Stadt, Planung

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Dieser Podcast hat
47 Episoden
Sprache
German
Erstellt am
2020/06/02
Neueste Episode
2026/10/01
Durchschnittsdauer
44 min.
Veröffentlichungsintervall
61 Tage

Beschreibung

Der Berufsstand der Planer*innen aus Architektur, Innenarchitektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung steht vor enormen Herausforderungen. Die große Transformation des gesamten Bausektors schreitet langsam, aber stetig voran. Sie erfordert eine neue Auseinandersetzung mit dem Beruf. Im Interview-Podcast "Architektur, Stadt, Planung" spricht Kerstin Kuhnekath mit ihren Gästen über wichtige Aspekte der Planungspraxis in Zeiten von Klimawandel und der globaler Verantwortung. Die Gäste kommen aus unterscheidlichen Disziplinen und sind Expert*innen auf ihrem Gebiet. Sie geben vielfältige Anregungen, Denkanstöße und Einblicke in ihre Arbeit.

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E46 – Jonas Tratz, FAKT: Wege aus der Wiederholung
2026/10/01
Anonyme Wettbewerbsverfahren gelten als das stärkste Instrument für Baukultur und Chancengleichheit, doch in der Praxis stehen junge und kleinere Büros vor fast unüberwindbaren Hürden. Überladene Auslobungen und stetig steigende Detailanforderungen verlangen den Teilnehmenden immense Ressourcen ab. Starre Referenzkriterien fördern nur die, die bereits gebaut haben, wofür man ein Planungsbüro sucht und sorgen für ewige Wiederholungen des Bestehenden. Jonas Tratz erlebt diese Systemkrise aus allen Blickwinkeln: Als Partner von FAKT – Office for Architecture, als Fachpreisrichter und als ehemaliges Mitglied im Ausschuss „Wettbewerbe und Vergabe” der Architektenkammer Berlin. Um dem aufgeblähten Standard etwas entgegenzusetzen, fordert er ein unbürokratisches Gegenmodell. Den Gebäudetyp E als Vorbild, soll dieses schlanke Format den administrativen Aufwand drastisch reduzieren, Kommunen die Scheu vor Verfahren nehmen und den Raum für architektonisches Experimentieren zurückgewinnen. Im Gespräch spricht er über die Verknappungsfalle bei nicht-offenen Wettbewerben, das Potenzial kollaborativer Büro-Allianzen und die Notwendigkeit, Preisgerichte diverser und generationenübergreifender zu besetzen.
Podcasts als Denkraum der Branche
2026/06/17
In dieser Sonderfolge blickt Kerstin Kuhnekath in Form eines Audio-Essays auf das Podcast-Medium selbst. Die Anzahl deutschsprachiger Architekturpodcasts ist in den Jahren seit der Pandemie enorm gestiegen. Das unbegrenzte Audio-Format eignet sich, um tiefer in spezifische Themen einzutauchen, als klassische Fachzeitschriften. Stimmen transportieren Emotionen und machen das Denken und Schaffen wichtiger Akteur*innen unmittelbar erlebbar. Ob beim Joggen, im Auto oder beim Putzen: Podcasts bieten eine freie, flexible Bühne für den Diskurs. Wie haben sich die Debatten über Politik, Technik, Klimaschutz und die Bauwende in den letzten Jahren verschoben? Warum tritt die klassische Architekturkritik zugunsten von Rahmenbedingungen in den Hintergrund? Und in wessen Auftrag wird eigentlich gesendet? Ein akustischer Deep Dive in das Denkarchiv unsere Branche.
E45 – Anett Maud-Joppin, Dietz Joppin Architekten: Was Auslober gewinnen
2026/05/11
Wer ein Wettbewerbsverfahren auslobt, gewinnt mehr als einen Entwurf. Anett-Maud Joppien sitzt seit 1993 in rund 400 nationalen und internationalen Preisgerichten und beschreibt, was Auslober tatsächlich bekommen: eine Aufgabenstellung, die in der Preisrichtervorbesprechung geschärft wird, mehrere geprüfte Lösungen im direkten Vergleich, ein kollektives Urteil aus Fach- und Sachpreisrichter*innen statt Einzelgeschmack, präzise Überarbeitungshinweise für die weitere Beauftragung – und einen öffentlichen Diskurs, der Genehmigungsprozesse beschleunigt. Die Jury-Empfehlung ist nicht bindend: Auch ein zweiter oder dritter Preis kann beauftragt werden. Ein Gespräch über die Innensicht der Jury, was ein Verfahren zurückgibt und warum junge Büros stärker eingebunden gehören.
E44 – Matthias Sauerbruch, Sauerbruch Hutton: Wettbewerbe als Innovationsmotor
2026/04/01
Ein kleines, unerfahrenes Architekturbüro aus London gewann 1991 den Wettbewerb für das GSW-Hochhaus in Berlin, zog daraufhin in die Stadt und entwickelte sich zu einem der renommiertesten Architekturbüros Deutschlands: Sauerbruch Hutton. Heute ist das kaum mehr möglich, da aktuelle Ausschreibungen Referenzen für den jeweiligen Gebäudetypus verlangen. Kein Schwimmbad gebaut? Keine Schule realisiert? Kein Zugang. Matthias Sauerbruch beschreibt, was damals den Unterschied machte: Bauherren, die loyal blieben, als der neue Senatsbaudirektor das Projekt kippen wollte, Bezirksverordnete, die überzeugt werden mussten und eine Portion Naivität. Heute vermisst er Verfahren, die Risikobereitschaft und Erfindergeist belohnen. Ein Gespräch über Aufbruch, Zugangsbedingungen und die Frage, welche Architektur entsteht, wenn nur noch die Erfahrenen zugelassen werden und Innovation nicht mehr gefördert wird.
E43 – Christopher Schriner, Bezirksstadtrat Berlin Mitte: Wettbewerbe als gelebte Demokratie
2026/03/02
Warum wird der Großteil öffentlicher Bauaufträge nicht über offene Architekturwettbewerbe vergeben – obwohl sie das stärkste Instrument der Qualitätssicherung sind? Christopher Schriner kennt das System aus drei Perspektiven: als Planer, als Verfahrensbetreuer und heute als Bezirksstadtrat für Straßen und Grünflächen in Berlin-Mitte. Bei C4C betreute er Wettbewerbe im gesamten Bundesgebiet, darunter das Bauhausmuseum Dessau mit 831 Teilnehmenden. Er erklärt, warum der offene Wettbewerb nicht für jede Aufgabe die richtige Wahl ist und warum das Verfahren trotzdem unterschätzt wird: als Schutz vor individueller Präferenz, als Zeitgewinn für Bauherren und als Chance, Öffentlichkeit einzubinden. Ein Gespräch über Vertrauen, Vergaberecht und Verfahrenskultur als Teil gelebter Demokratie.
E42 – Norbert Post, Lanstroper Wohnhöfe GbR: Beweisen, dass es geht – Ein praktischer Beitrag zur Wohnungsfrage
2025/12/05
Zwölf Architekturbüros, ein städtisches Grundstück und der Wille, zu zeigen, dass es geht: Mit den Lanstroper Wohnhöfen soll in Dortmund ein qualitätvolles und zukunftsfähiges Wohnquartier mit bezahlbaren Mietwohnungen entstehen – und das ganz ohne das vermeintliche „Allheilmittel“ des modularen oder seriellen Bauens. Die Architekt*innen setzen auf die Analyse des Ortes sowie die Entwicklung und Planung qualitätsvoller öffentlicher, halböffentlicher und privater Räume. Norbert Post, einer der drei Projektleiter, sieht in der Planung die Hauptaufgabe und -kompetenz unseres Berufsstandes. In den gängigen Abläufen kommt sie jedoch oft zu kurz, weil man glaubt, hier kürzen und sparen zu können. Warum genau das teurer wird, wie es gelingt, Kommunen zu überzeugen, und was es braucht, damit ein Entwickler sich auf die Zusammenarbeit mit zwölf Büros einlässt, erzählt Post in dieser Episode. Ein Gespräch über Vertrauen, Verantwortung, die gesellschaftliche Bedeutung professioneller Planung und den Beweis, dass Architekt*innen jenseits von konkurrierenden Wettbewerben erfolgreich zusammenarbeiten können. Foto: Cornelia Suhan
E41 – Florian Liedtke: Dritte Orte als Chance für die Stadt
2025/11/01
Im Rahmen seiner Doktorarbeit am Institute for Sustainable Urbanism der TU Braunschweig hat Florian Liedtke untersucht, wie es in Tokio gelingt, dass gewerbliche Räume Funktionen übernehmen, die hierzulande eindeutig dem privaten Wohnraum zugeordnet sind. Schlafen, Entspannen, Rückzug, sogar Körperpflege. Als Reaktion auf kleine Wohnräume bieten Manga-Cafés, Kapsel- oder Lovehotels als „dritte Orte“ nicht nur Dienstleistungen, sondern auch Vertrautheit, Komfort und Alltagstauglichkeit. Liedtke beleuchtet, welche Möglichkeiten und Hürden es in deutschen Städten gibt, um das Tokioter System zu übertragen und den Wohnraummangel dadurch zu beheben. Ein Gespräch über urbane Routinen, neue Raumkonzepte und darüber, was wir von Tokio lernen können.
E40: Emma Stiehle, vonwegenleer: Pionierprojekt Pop-Up Wohnen
2025/10/01
Hamburg hat rund 850.000 m² leere Büroflächen – und gleichzeitig Wohnungsnot. Emma Stiehle vom Kollektiv vonwegenleer erklärt, warum Umnutzungen oft an Standards, Genehmigungen und Eigentum scheitern. Doch das Pionierprojekt Pop-Up Wohnen zeigt: Temporäres Wohnen in Bürohäusern ist möglich – und bietet gerade Studierenden eine konkrete Perspektive.
E39: Dr. Carolin Genz, vhw: Wohnen als gesellschaftliche Aufgabe
2025/06/04
Dr. Carolin Genz forscht an der Schnittstelle von Stadtanthropologie, Humangeografie und Planungspraxis. Im Podcast spricht sie über aktuelle Herausforderungen kommunaler Wohnraumversorgung – von der Transformation bestehender Wohnformen über Suffizienzstrategien bis zur Konzeptvergabe. Sie erläutert, wie interdisziplinäre Forschung Perspektiven öffnet, und beschreibt, mit welchen Instrumenten gemeinwohlorientierte Boden- und Wohnungspolitik wirksam werden kann. In ihrer Forschung lenkt sie den Fokus auch auf Themen, die in der Wohnungsdebatte meist zu wenig Beachtung finden –beispielsweise Gendergerechtigkeit in der Stadtentwicklung, Gewalt im Wohnumfeld oder rechtspopulistische Einflussnahme auf Wohnungsfragen. Genz berichtet über internationale Wohnrealitäten zwischen Berlin, Wien und Toronto und von ihrer Arbeit im Forschungscluster „Wohnen in der Stadtentwicklung“ beim vhw und über ihr Buchprojekt „Wohnwissen“.
E38: Sascher Zander, zanderroth: Politisch blockierter Wohnungsbau
2025/04/30
Das Berliner Architekturbüro Zanderroth entwickelt seit den 1990er Jahren Wohnungsbauten – nicht nur, aber hauptsächlich in Berlin. Gegen die Wohnungsnot haben sie ein Konzept entwickelt. Doch jegliche Versuche, es der Politik in Berlin, vorzustellen, sind gescheitert. Es könnte an der Idee liegen, dass Eigentumswohnungen die Sozialwohnungen querfinanzieren sollen. Sascha Zander versteht die Bedenken allerdings nicht: Berlin ist laut Verfassung dazu verpflichtet, die Bildung von Wohneigentum zu fördern. Ein Gespräch über Bodenpreise, Bürokratie, politische Blockaden und die Frage, ob die Wohungsnot in erster Linie ein politisches, oder ein gesellschaftliches Problem ist.
E37 – Andrea Gebhard, BAK, Dr. Arn Sauer, BSGS: Gleichberechtigung zur Normalität machen
2025/04/01
Andrea Gebhard und Dr. Arn Sauer sprechen über Rück- und Fortschritte in Sachen Chancengleichheit. Der Blick auf die Geschichte der Gleichstellung, auf politische Versäumnisse, und Negativfaktoren wie Gender Pay Gaps und die Einstellung zur Care-Arbeit zeigt: Es ist noch ein weiter Weg, bis eine echte Gleichberechtigung zur Normalität gehört. Wie können die strukturellen Hürden überwunden werden, damit Planerinnen nicht länger benachteiligt werden und endlich gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen arbeiten können? Sichtbarkeit ist wichtig, aber nicht genug. Das WIA-Festival 2025 setzt genau hier an und zeigt nicht nur auf, wie eine vielfältige und gerechte Baukultur entstehen und aussehen kann, sondern bringt die benachteiligten Gruppen zusammen, damit sie sich verbünden und gemeinsam den Systemwandel vorantreiben können.
E36 – Johannes Ernst, Steidle Architekten: Was die Stadt nachhaltig bereichert (statt sie kulturell zu melken)
2024/10/31
Die Transformation und Weiterentwicklung des preisgekrönten Werksviertels im Münchner Osten gelang durch den respektvollen Umgang und Erhalt der vorhandenen Bausubstanz und Kultur. Das ehemalige Industriegebiet wurde 2023 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Die Jury lobte das Stadtquartier als eines der „außergewöhnlichsten Projekte der jüngeren Vergangenheit“. Johannes Ernst von Steidle Architekten berichtet über die Entwicklung des Areals, wie es gelungen ist, dass alle Akteur*innen an einem Strang ziehen und was man von diesem Projekt für die nachhaltige Stadtentwicklung im Allgemeinen lernen kann.
E35: Karin Hartmann – Worauf es bei der Chancengleichheit jetzt ankommt
2024/10/01
Seit 10 Jahren wird die Sichtbarkeit von Frauen in der Architektur thematisiert: Es gibt Ausstellungen, Festivals und Publikationen. All das ist wichtig, hat aber an den strukturellen Ungerechtigkeiten wenig geändert. Karin Hartmann, Architektin und Autorin des Buches „Schwarzer Rolli, Hornbrille“, ordnet ein, wo wir in der Debatte stehen und welche Schritte jetzt folgen müssen, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Sie erklärt auch, warum der Begriff „feministische Stadtplanung“ umstritten, aber wichtig ist, um zu verstehen, dass das, was wir „normale“ Stadtplanung nennen, nichts anderes ist als die Interessenvertretung einer kleinen Gruppe. Wie eine gerechte Gestaltung der Berufspraxis und unserer Stadträume aussehen kann, erzählt Hartmann in dieser Episode.
E34: Barbara Buser – Drei Pfeiler eines Projektstarts
2024/09/01
Barbara Buser ist Architektin, Dozentin an der ETH Zürich und preisgekrönte Pionierin der Wiederverwendung gebrauchter Bauteile. Sie legte den Grundstein für das zirkuläre Bauen und gründete bereits 1995 die erste Schweizer Bauteilbörse. Später gründete sie zusammen mit Eric Honegger das baubüro in situ gegründet, das spätestens mit dem mehrfach preisgekrönten Leuchtturmprojekt „Kopfbau Halle 118“ in Winterthur nationale und internationale Aufmerksamkeit erlangte. Darüber hinaus gründete sie zahlreiche weitere Firmen und Initiativen zur Umsetzung von Projektideen. Ein herausragendes Projekt ist beispielsweise das Stadtquartier Gundeldinger Feld in Basel, das als Vorzeigeprojekt in der Quartierentwicklung gilt. Auf welchen Pfeilern die erfolgreiche Lancierung ihrer Projekte beruht, erzählt sie in dieser Episode.
E33: Anna Heringer – Soziale Baupraxis mit Lehm
2024/06/01
Anna Heringer baut international ausgezeichnete Lehmarchitektur. Lehm, sagt sie, ist ein sozialer Baustoff: Er ist kostenlos im Boden, verursacht keine Umweltschäden und sorgt für gesellschaftlichen Zusammenhalt. In den ärmsten Ländern der Welt wird deshalb standardmäßig mit Lehm gebaut. Bei uns dagegen ist Bauen mit Lehm purer Luxus. Woran liegt das? Zum einen an unseren Normen und den fehlenden Zulassungen für den erdigen Baustoff, zum anderen an unserem Wirtschaftssystem und einer wenig sozialen Baupraxis. Vom Bauen als Gemeinschaftsleistung haben wir uns weit entfernt. Lieber überlassen wir das Bauen den Expert*innen und Maschinen. Anna Heringer liefert handfeste Argumente, warum es sich für die Gesellschaft lohnt, aus der Passivität auszubrechen und mehr Selbstwirksamkeit zu erfahren. Welche Rolle der Lehm dabei spielt und wie sie es schafft, auch hierzulande gemeinschaftlich zu bauen, erzählt sie in dieser Episode.

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