
Werben im Podcast: Draussen mit Claussen: ein RefLab-Podcast
Dieser Podcast hat
143 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Johann Hinrich ClaussenExplizit
Nein
Erstellt am
2020/07/02
Neueste Episode
2026/10/07
Durchschnittsdauer
54 min.
Veröffentlichungsintervall
16 Tage
Beschreibung
Die Kultur der Gegenwart ist voller Religion – ob es einem gefällt oder nicht. Das Gute daran: Es schafft Anlässe, mit ganz unterschiedlichen Menschen Gespräche zu führen. Über überraschende kulturelle Entwicklungen, tolle neue Kunstwerke oder aktuelle Konflikte. Nicht als journalistisches Frage-Antwort-Spiel, sondern als gemeinsames, ernsthaft-unterhaltsames Nachdenken. Alle zwei Wochen mit Johann Hinrich Claussen und immer einem anderen Gast.
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Pierre Sfendules: Pumping for Jesus
2026/10/07
Wer sich als junger Mann bei Instagram anmeldet, bekommt es bald mit Fitnesstipps zu tun. Zeigt man dann noch ein Interesse für Christliches, werden einem Clips über frommes Krafttraining entgegengespült: «Pumping for Jesus». Man könnte darüber schmunzeln, aber dieses Muskel-Christentum übt Einfluss auf viele Jugendliche und junge Männer aus. Was ist daran problematisch oder politisch gefährlich?
Pierre Sfendules, Kirchenhistoriker aus Kiel, hat angefangen, über das Muskel-Christentum zu forschen. Dabei hat er herausgefunden, dass es eine lange Geschichte besitzt, die bis weit ins 19. Jahrhundert reicht. Das hält viele Überraschungen bereit. Wer hätte gedacht, dass ein Ursprung im christlichen Sozialismus liegt? Die Verbindung zum Kraftsport ist übrigens nichts, was es nur im Christentum gäbe. In Japan, im Hinduismus und im Zionismus finden sich erstaunliche Parallelen. Nur, wie sind diese Muskel-Religionen zu deuten?
Martin Rüsch: Wie Kunst und Kirche gemeinsam Freiräume eröffnen
2026/09/25
Das Klischee sagt, dass die reformierte Kirche bilder-, ja kunstfeindlich sei. Für Martin Rüsch, Pfarrer am Grossmünster in Zürich, ist das Zusammenspiel von Kunst und Kirche ein Lebensthema. Dauerhaft installierte Kunstwerke, wie die Fenster von Siegmar Polke im Grossmünster, oder zeitweise Ausstellungen und Aktionen können ein überraschendes, irritierendes und beglückendes Erleben von Freiheit in einen Kirchraum bringen. Und umgekehrt kann eine Kirche für eine Kunst, die sich nicht allein an den Massstäben des Kunstmarkts messen lassen will, zu einem Freiraum werden.
Rüsch aber ist wichtig, dass dies nichts ist, was nur grossen Kirchen in grossen Städten vorbehalten wäre. Es gibt viele Beispiele, wie Kunst und Kirche auch in Kleinstädten oder in Dörfern miteinander in Spiel kommen können. Und dieses «miteinander-ins-Spiel-Kommen» ist gerade in Zeiten der Krise, der Neuausrichtung und des Sparens unverzichtbar.
Manuel Schmid: Absolute Autorität – in Theologie und Politik
2026/09/11
Der globale Rechtsruck hat viele Ursachen. Häufig wird übersehen, dass es auch theologische Faktoren gibt, die eine grosse Rolle spielen. Manuel Schmid hat ein besonders interessantes, hierzulande kaum bekanntes Beispiel untersucht. Der Neu-Calvinismus hat im Kampf gegen liberale Tendenzen im evangelikalen Lager eine theologische Neuausrichtung durchgesetzt. Ihr Kernmotiv ist ein radikalisierter Gottesgedanke: Gott ist absolute Autorität, im strengen Sinne allwissend und allmächtig, immer mit sich eins, über jeden Zweifel erhaben.
Zwischen einem theologischen Gedanken und einer politischen Haltung gibt es nicht immer einen eindeutigen Zusammenhang. Hier sollte man sich vor Kurzschlüssen hüten. Aber eine Theologie, die auf der absoluten Autorität Gottes (und der Bibel) aufruht, verbunden mit einer höchst repressiven Theologie- und Kirchenkultur, fördert die Tendenz, auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen rechtsextreme Optionen zu wählen.
In dem sehr lesenswerten, gerade erschienenen Band «Christlicher Nationalismus in den USA» (hg. von Thorsten Dietz und Maria Hinsenkamp) hat Manuel Schmid einen wirklich Augen öffnenden Beitrag veröffentlich, über den ich mit ihm in Zürich gesprochen habe.
Andreas Kubik: Religionsunterricht – das kann sehr gut werden
2026/08/28
Pünktlich zum Ende der Sommerferien geht es um ein Thema, das man für nicht so bedeutsam halten könnte, das aber über für das Verhältnis von Staat und Kirche sowie überhaupt für die heutige Religionskultur eine immense Bedeutung besitzt, nämlich den Religionsunterricht.
Hier ist sehr viel in Bewegung, neues Modelle werden eingeführt, alte Abgrenzungen zwischen Konfessionen und Religionen fallen, viele kleine Experimente werden gewagt. Ein exzellenter Kenner ist Andreas Kubik, Professor für Religionspädagogik in Osnabrück. Er erklärt, was sich in Deutschland in Sachen Religionsunterricht tut – mit einem vergleichenden Blick in die Schweiz.
Er beschreibt zudem, warum der Religionsunterricht so bedeutsam sein kann – für Kinder und Jugendliche sowie für die Lehrkräfte. Hier zeigt sich, was Religionsfreiheit im positiven Sinne sein kann.
In Verbundenheit leben
2026/07/17
Im Juni fand in Zürich das KIN-Festival (https://kinshipfestival.ch/) mit grossem Erfolg statt. Es verband Kunst und Engagement. Feministische Stimmen kamen zu Wort, Fragen von Menschen mit Behinderung wurden diskutiert. Reflab war am Festival beteiligt.
Ein Begriff, der sich durch viele der künstlerischen und diskursiven Aktionen zog, war «Verbundenheit». Wie können wir miteinander und nicht nur gegeneinander leben: als Menschen mit unterschiedlichen Herkünften, Prägungen und Positionen, überhaupt als Menschen in dieser Welt?
Darüber hat Marah Rickli, die Leiterin des KIN-Festivals, ein Podiumsgespräch geführt. Ich hatte vor einigen Wochen einen Podcast über «Behindert sein, behindert werden» aufgenommen. (https://www.reflab.ch/marah-rikli-eine-behinderung-haben-behindert-werden/) Hier kommt nun als summer special ihr Gespräch mit Geneva Moser, Hannan Salamat und Ivna Žic über die Verbundenheiten des Lebens.
Bei dieser Folge handelt es sich um eine Live-Aufnahme, was sich gelegentlich in der Audioqualität widerspiegeln kann.
Janna Horstmann: Einfach mal über den Gottesdienst reden
2026/07/03
Der Gottesdienst ist für viele Menschen ein unbekannter Kontinent, wenn nicht eine ferne Galaxie. Geht da überhaupt jemand hin, findet das noch statt?
So denken manche, die die Kirche nur aus schlechten Nachrichten kennen. Wer aber eigene Erfahrungen gemacht hat (oder machen möchte), findet im Gottesdienst vieles, worüber sich gemeinsam nachzudenken lohnt.
Da ich beim Reflab-Festival im vergangenen Sommer einen schönen «So etwas wie Gottesdienst» mit Janna erlebt habe, wollte ich mit ihr einmal über ihre (und meine) Erfahrungen und Überlegungen rund um den Gottesdienst sprechen.
Was ist uns wichtig? Was möchten wir gestalten – und wie? Mit wem und für wen suchen wir nach einer Begegnung mit Gott und geistlichen Inspirationen für unser Leben?
Thomas Medicus: Literatur als „Werk der Barmherzigkeit“?
2026/06/19
Der Schriftsteller Thomas Medicus hat ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Vaterlos“ und wird von ihm als „Tatsachenroman“ bezeichnet. Darin erzählt Medicus vom Suizid seines Vaters und den Folgen für seine Familie.
Lange konnte er sich mit diesen einschneidenden Ereignis seiner Jugend nicht auseinandersetzen. Zu groß waren der Schrecken und die Scham. Nun hat er nach vielen Wegen und Umwegen eine Form gefunden, das Schweigen zu beenden und diese Geschichte zu erzählen. Das eröffnet Wege zum Verstehen dessen, was doch ganz unverständlich ist. So kam ihm der ferne, früh verlorene Vater sehr nah. Aber auch die tief verletzte Mutter konnte er nun besser verstehen.
Vor kurzem hat Thomas Medicus in der Berliner St. Matthäuskirche eine beeindruckende Kanzelrede über die Barmherzigkeit gehalten. Wir sprechen darüber, wie man dieses alte, kostbare Wort verstehen und für die Gegenwart aufschlüsseln kann, was sie mit der bildenden Kunst, der Literatur und dem Glauben zu tun hat. Und wir sprechen darüber, inwiefern sein jüngstes Buch ein „geistliches Werk der Barmherzigkeit“ darstellt.
Marah Rikli: eine Behinderung haben – behindert werden
2026/06/05
Vom 11. bis zum 27. Juni findet in Zürich etwas Besonderes statt: das KIN Festival. Ein Thema beschäftigt Gesamtleiterin Marah Rikli dabei besonders: das Leben mit Behinderung. Sie ist Autorin, Kuratorin und Aktivistin sowie Mutter eines Kindes mit einer kognitiven Entwicklungsstörung.
Sie weiss aus eigenem Erleben, was es bedeutet, eine Behinderung zu haben, aber auch was es heisst, behindert zu werden – durch die Ausgrenzung von anderen. Aber Behindertenrechte sind Menschenrechte, und Menschenrechte gehen alle an, auch diejenigen, die meinen, nicht oder noch nicht betroffen zu sein.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen einiges verbessert. Aber diese Fortschritte bedroht – durch Kosten-Debatten und durch Angriffe von rechts aussen. Deshalb ist es wichtig, sich politisch für Behindertenrechte einzusetzen. Eine Grundlage dafür ist ein Menschenbild, das Vielfalt zulässt und begrüsst. Es ist also auch notwendig, neue und bessere Menschen-Bilder zu malen. Was die Kunst dazu beiträgt, darüber kann Marah Rikli begeisternd erzählen. Das hat bei mir so einige theologischen Assoziationen ausgelöst.
Das RefLab ist Partnerin des KIN-Festivals, insbesondere für ein Podiumsgespräch: Verbundenheit in Gesellschaft, Kultur- und Glaubensräumen: Gemeinsam sprechen die Autorin Ivna Žic, Geneva Moser (Co-Redaktionsleiterin der Zeitschrift «Neue Wege») und Hannan Salamat. Fr, 19. Juni 2026, 19-20.10 Uhr.
Mehr Infos zum KIN-Festival: https://kinshipfestival.ch/
Jakob Johannes Koch: Warum nimmt der «Kirchen-Vandalismus» zu?
2026/05/22
Seit etwa zehn Jahren hört und liest man über immer mehr – und immer krassere – Fälle von Vandalismus in Kirchen. Aber dies ist ein Thema, das sich nicht leicht fassen lässt. Man erfährt nur gelegentlich in vermischten Kurzmeldungen davon – so, als ob es sich um Einzelfälle handelte.
Dabei gibt es Muster – bei Diebstählen, Beschädigungen und Schändungen. Sie zeigen, dass hier um mehr als «Sachbeschädigung» geht. Diese Angriffe sind für die betroffenen Kirchengemeinden und Ortschaften sehr verletzend. Deshalb kann man in einigen Fällen durchaus von «hate crime» sprechen. Aber sie sind mit den Mitteln des Rechtsstaats schwer aufzuklären und zu bestrafen.
Zudem gibt es interessierte Gruppen, die solche Fälle massiv skandalisieren – nicht immer aus lauteren Motiven. Sie schreien einen antichristlichen Kulturkampf herbei. Gerade deshalb ist es gut, sich dieses Thema genauer anzuschauen und sachlich zu beurteilen. Was ist dran am neuen Kirchen-Vandalismus?
Jakob Johannes Koch, Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, beobachtet den zunehmenden Kirchen-Vandalismus seit längerem und hat dazu sehr hilfreiche Artikel publiziert. Wie kaum ein anderer im deutschsprachigen Raum kann er erklären, worum es geht und was zu tun ist.
Markus Witte: Warum eine Geschichte der Bibel unmöglich ist
2026/05/08
Regelmässig lade ich Menschen in meinen Podcast ein, die gerade ein Buch veröffentlicht haben. Dieses Mal mache ich es anders: Ich habe einen Gast bei mir, der gerade an einem Buch arbeitet, das sehr interessant werden dürfte – nur muss er sich eingestehen, dass dieses Buch eigentlich gar nicht möglich ist.
Markus Witte lehrt Altes Testament an der Fakultät für Evangelischen Theologie an Humboldt Universität Berlin. Er möchte eine Literaturgeschichte des Alten Testaments schreiben. Doch das dürfte kaum mehr möglich sein. Denn in der alttestamentlichen Forschung hat sich ein radikal neues Bild von der Entstehung der Bibel durchgesetzt: Es gab keine «Autoren», vielmehr haben «Redaktionen» in immer neuen Anläufen, Neudeutungen und Umschreibung das geschaffen, was nun als Buch vor uns liegt.
In meinem Studium hatte ich es noch ganz anders gelernt. Es hat in der alttestamentliche Forschung eine regelrechte Revolution stattgefunden – allerdings, ohne dass die breite Öffentlichkeit das mitbekommen hätte. Welche Folgen hat sie für unser Verständnis des Alten Israel, für unser Verhältnis zur Bibel, für unseren Glauben.
Christopher Spatz: Kinder im Krieg
2026/04/24
Es ist Krieg, in vielen Regionen der Erde. Besonders Kinder haben darunter zu leiden. Was erleben sie? Und welche Folgen wird dies für ihr späteres Leben haben? Eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg gibt eine Ahnung davon, was auf Kinder in der Ukraine, im Iran, in Gaza, Israel, im Libanon oder Sudan zukommen kann. Gerade hat die Gesellschaft für bedrohte Völker darüber eine Broschüre veröffentlicht.
Sie erzählt von den ostpreußischen «Wolfskindern», die nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs allein überleben mussten. Wer sich in ihre Geschichte vertieft, kann besser verstehen, was ein Trauma ist, aber auch was Kindern im Krieg hilft, später ein eigenes Leben aufzubauen. Der Historiker und Autor Christopher Spatz hat über die Wolfskinder geforscht und die sehr erfolgreiche Kampagne der Gesellschaft für bedrohte Völker begleitet.
Christian Gürtler: Warum wir über Hass im Internet reden müssen
2026/04/10
Langsam fragen sich manche, ob das mit dem Internet wirklich so eine gute Idee war. So viel Hass breitet sich dort aus. Aber was ist Hass eigentlich, und wie gewinnt er eine solche Macht im digitalen Raum?
Darüber spreche ich mit Christian Gürtler. Er ist Dozent am Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und digitale Theologie in Erlangen und arbeitet dort an seiner Doktorarbeit. Wir kennen uns von einem gemeinsamen Projekt: «Anstand digital» (https://anstanddigital.de/) – damit wollten wir ein paar Regeln für gute Kommunikation im Netz vorstellen.
Das hat sich leider noch nicht vollständig durchgesetzt. Deshalb wollte ich bei Christian Gürtler nachfragen, weil er sich intensiv mit dem Phänomen der digitalen Hassrede, ihrer Dynamik und Gewalt auseinandergesetzt hat. Von ihm wollte ich natürlich auch erfahren, was man tun kann für ein besseres Miteinander im Internet.
Negar Hakim: Kirchen in der islamischen Welt
2026/03/27
Wenig, zu wenig weiss man in Europa von dem christlichen Kulturerbe im Nahen Osten und in Nordafrika. Deshalb habe ich gemeinsam mit Negar Hakim ein Heft der traditionsreichen Zeitschrift «Kunst und Kirche» hierüber gestaltet. Hakim arbeitet als Architekturhistorikerin an der Technischen Universität Wien und stammt aus Isfahan im Iran.
Wir sprechen über alte und neue Kirchengebäude in Tunesien, Mauretanien, Ägypten, Katar oder im Libanon oder Iran. Wir sprechen aber auch darüber, wie bedroht diese Schätze sind – in Gaza oder in Syrien. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass diese christliche Kultur an vielen Orten in ihrer Existenz bedroht ist. Ihr Ende wäre auch für uns in Westeuropa ein riesiger Verlust.
Wir wollen aber auch einen Eindruck davon vermitteln, wie christliche Gemeinschaften in der islamischen Welt nicht nur überleben, sondern ein beeindruckendes Gemeindeleben entfalten und sich für ihr Gemeinwesen engagieren. Das sollten wir gerade in diesen Kriegszeiten zur Kenntnis nehmen.
Seher Ünlü: Sind Migrant*innen anders krank?
2026/03/13
Wenn ein Mensch in eine Arztpraxis kommt, ist wenig Zeit. Dabei bräuchte man für die Untersuchung und Behandlung besonders von psychischen und psychosomatischen Krankheiten Ruhe, um die Hintergründe der Schmerzen, der Ängste und Traurigkeiten zu verstehen. Das gilt besonders für Menschen mit einer Migrationsgeschichte. Sie sind anders krank als die Einheimischen. Aber wie genau „anders“?
Die junge Hausärztin Seher Ünlü hat dies in ihrer medizingeschichtlichen Doktorarbeit („Entstehungskonzepte psychiatrischer und psychosomatischer Krankheitsbilder bei türkischen Arbeitsmigrant*innen in der Bundesrepublik (1970–2000“) erforscht und dabei vieles herausgefunden, was einem die Augen öffnet und uns allen heute für das Zusammenleben mit Migrant*innen wichtig sein sollte. Und zugleich hat sie damit ein bedeutendes Thema ihrer eigenen Biografie und ihre Familiengeschichte bearbeitet.
Philine Claussen: Stricken als Lebenskunst
2026/02/27
Es ist nicht zu übersehen: Das Stricken erlebt eine Renaissance. Mit der Corona-Pandemie hat es für viele angefangen. Sie wollten die leere Zeit sinnvoll verbringen. Heute ist es ein gutes Mittel gegen übermäßigen Handy-Konsum und die Anstrengungen der alltäglichen Unruhe. Es ist eine ganz einfache Tätigkeit, zugleich aber kann man Stricken als Ausdruck einer modernen Lebenskunst verstehen.
Sie setzt sich ab von Arbeitsstress und Konsumgier, genießt ein ruhiges Tun, hat gar nichts gegen viele Wiederholungen einzuwenden, teilt diese Freude mit anderen und ist dabei ganz bei sich. So ist Stricken das Symbol eines nicht mehr entfremdeten Lebens. Man kann sich sogar fragen, ob im Stricken nicht auch ein spirituelles Element steckt.
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