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Credit to the Edit Podcast

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Dieser Podcast hat
70 Episoden
Sprache
German
Explizit
Nein
Erstellt am
2020/12/27
Neueste Episode
2026/09/30
Durchschnittsdauer
61 min.
Veröffentlichungsintervall
33 Tage

Beschreibung

"Filmschnitt ist gar nicht so kompliziert!". In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit diversen Schnittgenres. In Gesprächen mit Filmeditoren erfahren wir, was den Schnitt in ihrem Bereich ausmacht, wundern uns über Unterschiede und entdecken Gemeinsamkeiten. Egal ob es dabei um den Schnitt eines News-Stücks geht, um einen Youtube-Beitrag, einen Spielfilm oder ein Hochzeitsvideo. Lernt diese Schnittgenres gemeinsam mit uns kennen. Mehr Informationen zu den einzelnen Folgen unter www.credittotheedit.de Feedback gerne an [email protected] Abonniert uns! Das würde uns freuen.

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Transitions - Der unsichtbare Schnitt
2026/09/30
Ein Schritt nach vorn, ein Foto. Noch ein Schritt, noch ein Foto. Und dann, dreißig, vierzig, hundert Fotos später, entsteht daraus ein Fluss aus Bildern, in dem sich Kirchtürme drehen, Fassaden vorbeiwirbeln und ganze Städte in wenigen Sekunden an einem vorbeirauschen. Der Schnitt? Ist da. Man sieht ihn nur nicht. Im Credit to the Edit Podcast geht es diesmal um genau diese Kunst des Unsichtbaren: den seamless flow, das Verstecken der Schnittkante, die Montage als reine Bewegung. Zu Gast ist Andras Ra, den seine Community im Netz auch "Hyperlapse King" nennt. Er erklärt, wie ein Hyperlapse eigentlich funktioniert (kurz: Zeitraffer auf Steroiden, bei dem sich nicht nur die Zeit, sondern auch der Raum bewegt), warum jeder einzelne Frame in der Post stabilisiert werden muss und wie er mit Google Street View seine Drehwege plant, bevor er überhaupt am Zielort ankommt. Es geht um Musik, die immer vor dem ersten Foto feststeht, um die Frage, worauf der Blick gerade fokussiert, kurz bevor geschnitten wird, und um den kleinen, feinen Unterschied zwischen einem Hyperlapse und einem inszenierten Hyperlapse, der gesehen werden will. Nebenbei verrät Andras, warum Touristen sein größtes Problem sind, wie ihm KI heute als Ideenzulieferer für Übergänge dient und weshalb ihm der Schnitt daheim, mit heruntergelassenen Rollos, immer noch lieber ist als das Reisen selbst. Andras Ra kommt ursprünglich aus Ungarn und lebt in München. Er hat einen Bachelor in Film und Fernsehen mit Schwerpunkt Schnitt, arbeitet als Freelancer für Marken wie Adobe, DJI, Insta360 und Beautiful Destinations und ist zertifizierter Adobe Video Editor. Was mit Call-of-Duty-Montagen auf YouTube begann, ist heute eine sehr eigene Nische zwischen Editing Suite, Gimbal und 360-Grad-Drohne. Eine Folge über Planung, Kontrollverlust an den passenden Stellen, das Handwerk dahinter und die Frage, ob man aus der eigenen Schublade eigentlich wieder herauskommen möchte, wenn sie so gut läuft. Reinhören lohnt sich, auch wenn man dabei die Schnitte partout nicht zählen kann.   "Ich würde meinen Style als seamless flow bezeichnen."   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 02:14  Gesprächsstart / Was ist ein Hyperlapse? 04:25  Planung und Aufnahmetechnik am Set 10:57  Schnitt, Musik und KI als Inspiration 20:46  Style, Nische und der unsichtbare Schnitt 29:23  Editor mit Leib und Seele 34:22  Kategorien 47:36  Blick in die Zukunft 50:45  Abmoderation   Weiterführende Links Andras Ra Andras Ra (Instagram) Videos & Referenzen Andras Ra bei DJI (Hyperlapse Wizard) Andras Ra x DJI (YouTube) Andras Ra Video (YouTube) Andras Ra Video (YouTube) Andras Ra x Insta360 X5 (YouTube) Andras Ra Reel (Instagram) Andras Ra Video (YouTube) Andras Ra Video (YouTube) Adobe MAX 2025 Session mit Andras Ra
Creator - Zwischen Sahara und Schnittplatz
2026/09/01
Ein Motorrad, 48 Grad an der bulgarisch-türkischen Grenze, vier Kameras und die leise Frage im Hinterkopf: Was passiert eigentlich, wenn ich mich selbst zum Protagonisten meiner eigenen Geschichte mache? Und wichtiger noch: Was passiert, wenn diese Geschichte einen Sponsor hat, der Klicks sehen will? Im Credit to the Edit Podcast ist heute Lucas Bardic zu Gast, und was als Gespräch über YouTube-Schnitt beginnt, wird schnell zu einer sehr ehrlichen Bestandsaufnahme des Creator-Daseins. Lucas erzählt, wie er als Kind mit gecrackter Schnittsoftware anfing, über Gaming- und Motorsport-Videos in die Motorrad-Nische rutschte und dort etwas machte, was vorher kaum jemand gemacht hatte: Er erzählte Geschichten.  Und es geht um die Kehrseite dieser Rechnung. Um den Punkt, an dem Social Media anfängt, immer extremere Reisen zu belohnen, an dem Sponsoren fragen, warum das letzte Video "nur" 500.000 Views hatte, und an dem man plötzlich diskutiert, ob man eine Reise abbricht oder durchzieht, weil der Filmtitel sonst nicht funktioniert.  Lucas Bardic arbeitet als Editor unter anderem für Simplicissimus in Amsterdam und unterstützt Creator wie Roofless Cat bei der Montage ihrer Formate. Er hat an Produktionen mitgewirkt, die für den Deutschen Fernsehpreis und die Rose d'Or nominiert waren, den DAfFNE Award 2025 gewannen und bei den New York Festivals TV & Film Awards 2025 mit Gold ausgezeichnet wurden. Auf seinem eigenen Kanal verbindet er Videoproduktion mit Abenteuerlust und war für Marken wie Honda unterwegs. Eine Folge über Schnitt, Storytelling, den Preis der Reichweite und die Frage, wie man sich selbst treu bleibt, wenn der Algorithmus etwas anderes will. Reinhören lohnt.   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 02:56  Gesprächsstart / Schneiden oder Motorradfahren? 03:38  Vita: Vom My-Video-Kid zum Motorrad-Creator 09:02  Storytelling auf Tour: Konflikt, Mission, Grenzen 21:02  Abschied vom Motorrad-Kanal und Four Tracks 30:40  Creator zwischen Kunst und Business 38:05  Kategorien 47:14  Film-Editor, Video-Editor oder egal? 53:39  Abmoderation   Weiterführende Links Personen Lucas Bardic (Gast) Lucas Bardic auf LinkedIn YouTube-Kanäle & Formate Adventurist / Lucas Bardic Simplicissimus fern Roofless Cat Chase (Bikepacking-Format, Folge 1) Manhunt Manhunt (offizielle Webseite) 7 vs. Wild Tomatolix Casey Neistat Erwähnte Themen & Hintergrund Sophia Flörsch - Unfall Macau Grand Prix 2018 DWDL-Artikel zu Manhunt und YouTube-Produktionslogik Electrify Video Partners (Simplicissimus/fern Investor)
BFS - Zwischen Sender und Schnittraum
2026/07/31
Es gibt Menschen, die schneiden Filme. Und es gibt Menschen, die dafür sorgen, dass die, die Filme schneiden, dafür auch gehört und gewürdigt werden. Silke Spahr gehört zur zweiten Sorte. Und wenn man ihr eine Stunde zuhört, versteht man, warum sie einen Sendervertreter dazu bringen kann, in der Rauchpause plötzlich zu verraten, wo seine roten Linien wirklich liegen. Der Credit to the Edit Podcast hat diesmal die Geschäftsstelle des Bundesverbands Filmschnitt (BFS) in Berlin besucht, und mit Silke Spahr darüber gesprochen, was so ein Verband eigentlich den ganzen Tag macht. Es geht um Verhandlungen mit ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Amazon und Netflix, um jene kleinen Nachzahlungen, die plötzlich auf dem Konto landen, wenn ein Cobra-11-Format zum zwanzigsten Mal ins Ausland verkauft wird, und um die grundsätzliche Frage, wie man als einzelne Person überhaupt einem Sender gegenübertritt, ohne unterzugehen. Es geht aber auch um globale Themen: um das Zuhören, um Supervision, um Ohnmacht in Verhandlungen und darum, wo die Energie herkommt, wenn man seit fast zehn Jahren zwischen den Fronten sitzt. Und um eine Zukunftsfrage, die im Gespräch immer lauter wird: Wo hört Filmschnitt eigentlich auf? Gehören die Leute, die Twitch-Streams schneiden, TikTok-Creator:innen, YouTube-Cutter:innen nicht längst dazu? Der Fall Papaplatte und sein Cutter Pamabu hallt hier noch nach.   zu Gast Silke Spahr ist seit dem 1. Januar 2016 Geschäftsführerin des BFS. Als Juristin hat sie zuvor über zehn Jahre lang die ARD-Vertriebstochter german united distributors geleitet und internationale Koproduktionen mitverantwortet. Nach einer Ausbildung zur Supervisorin und Organisationsentwicklerin beriet sie Vertriebs- und Produktionsunternehmen strategisch, unter anderem als Interimsgeschäftsführerin des Progress-Filmverleihs. Heute vertritt sie den BFS im Verwaltungsrat der VG Bild-Kunst, im Beirat der Künstlersozialkasse, bei der bagsv und in der Urheber-Allianz.   Eine Folge über das, was passiert, bevor der Schnitt beginnt, und lange nachdem der Film abgenommen ist. Wer schon immer wissen wollte, warum plötzlich 200 Euro von RTL auf dem Konto liegen, oder wer sich fragt, ob ein Verband für einen selbst überhaupt der richtige Ort ist, sollte reinhören.   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 02:20  Gesprächsstart / Rundgang durch die Geschäftsstelle 05:29  Was macht der BFS? 07:11  Verhandlungen mit Sendern und Folgevergütungen 13:56  Silke Spahr Werdegang 18:59  Wie wir zum BFS gekommen sind 23:57  Wen erreicht der Verband? Cutter, Creator, YouTube 37:24  Energie, Ohnmacht und Supervision 46:52  Kategorien 54:35  Abmoderation   Weiterführende Links Personen Silke Spahr (Geschäftsführerin BFS) Janine Dauterich Stefan Essl Barbara Hennings Papaplatte (Kevin Teller) Pamabu Filme & Serien Gravity (Alfonso Cuarón, 2013) Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei (RTL)
Montage lehren 2 - Schnittschule
2026/07/03
Es gibt diesen Moment im Schneideraum, in dem man merkt: Das Material hat schon eine Meinung. Kamera, Regie, Drehbuch, tausend Menschen haben mitgedacht, bevor die erste Klappe fiel. Und dann sitzt man davor und soll den Studierenden erklären, was Montage eigentlich ist. Beatrice Babin hat für sich einen anderen Weg entschieden: nicht fertige Szenen sezieren, sondern die Studierenden selbst drehen lassen. Kleines iPhone, kleine Crew, große Frage: Wie erzählt man das eigentlich? Zu Gast im Podcast ist Beatrice Babin, die sich mit Michael Palm die Professur für Montage an der HFF München teilt. Sie spricht über den Impuls, den ihr ein Montagekongress 2020 gegeben hat, über die Lust, Studierende ins Ausprobieren zu schubsen, und darüber, warum das "Wie" fast immer wichtiger ist als das "Was". Es geht um die Schule des Sehens, um das Wippen am Stehtisch, um Empathie als Handwerkszeug und um Humor als Überlebensstrategie im Schneideraum. Zwischendurch bekommt man eine Anekdote geschenkt, für die dieser Podcast eigentlich gemacht wurde: wie eine junge Studentin aus einer Telefonzelle südlich von Rom monatelang bei Federico Fellini anrief, und am Ende tatsächlich ein Interview bekam. Beatrice Babin hat in München Philosophie und Filmwissenschaft studiert und 1990 ihre Magisterarbeit über die Clownfigur bei Fellini geschrieben. Nach längeren Aufenthalten in New York, Rom, Brasilien und Afrika, wo sie als Theaterdramaturgin und Fotografin arbeitete, kam sie über die Videokunst zur Montage. Sie hat unter anderem mit Emily Atef, Volker Koepp, Wael Shawky, Wim Wenders und Markus Imhoof gearbeitet, dessen "Eldorado" 2018 als Schweizer Beitrag für den Auslandsoscar eingereicht wurde. Seit 2019 hat sie zusammen mit Michael Palm die Professur für Montage an der HFF München inne. 2027 startet dort ein neuer Studiengang Filmmontage mit Bachelor und Master. Wer wissen will, warum sechs Studierende genau die richtige Zahl sind, warum man beim Schneiden besser mitwippt und wie man Fellini am Telefon austrickst: reinhören lohnt sich.   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 02:22  Gesprächsstart / Wie unterrichtet man Montage? 05:58  Selber drehen statt fertiges Material schneiden 10:34  Schule des Sehens und Arbeitsbedingungen 18:08  Wer kann Montage lernen? 21:34  Kategorien 23:12  Die Fellini-Anekdote 30:19  Was Beatrice von den Studierenden lernt 35:07  Abmoderation   Weiterführende Links Personen Beatrice Babin Beatrice Babin (BFS-Profil) Beatrice Babin (HFF München) Michael Palm (HFF München) Filme Eldorado (Markus Imhoof, 2018) La voce della luna (Federico Fellini, 1990) Institutionen & Archive Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) Lehrstuhl Montage (HFF München) Cinecittà (Rom) Bundesverband Filmschnitt Editor e.V. (BFS) Deutsche Filmakademie
Cuts restaurieren – Die Archäologin des Kintopps
2026/05/31
Berlin, vierter Stock, Deutsche Kinemathek. Zwischen einem Steenbeck und einer Umrolle steht eine Person, die sich beruflich mit etwas beschäftigt, das die meisten Filmschaffenden lieber verdrängen: dem Älterwerden ihrer Arbeit. Dem Verblassen der Farben, dem Essiggeruch zersetzter Acetatfilme, den fehlenden Bildern, den verlorenen Fassungen. Und der unbequemen Frage, was eigentlich das "Original" eines Films ist, wenn es nie nur eine Version gab. In der aktuellen Folge geht es im Credit to the Edit Podcast um Filmrestaurierung als Schwesterdisziplin der Montage. Julia Wallmüller erzählt, wie ihr Team Filme von der Stummfilmzeit bis in die 2000er für die digitale Welt rettet, warum jede Restaurierung im Grunde eine zweite Schnittentscheidung ist, und wie sie aktuell an "Jenseits der Straße" (1929) arbeitet, mit zwei sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien, einem italienischen Duplikatnegativ und einer russischen Kopie, die im Anfang anders aufgebaut ist. Es geht um Vinegar Syndrome, um den Brand im brasilianischen Filmarchiv, und um die ernüchternde Erkenntnis, dass weltweit nur rund 20 Prozent der Stummfilmproduktionen überhaupt erhalten sind. Daneben: ein Plädoyer für analoge Ausbelichtung, ein kurzer Schwenk zum Nitrate Picture Show Festival im George Eastman Museum in Rochester, und die Frage, wie man eigentlich digitale Daten so archiviert, dass sie in fünfzig Jahren noch existieren.   zu Gast Julia Wallmüller wurde in Graz geboren und ist diplomierte Filmrestauratorin, ein Beruf, zu dem sie über das Interesse an der Restaurierung selbst kam, nicht über den Film, und für den sie damals aus Österreich nach Berlin zog, weil sie hier im deutschsprachigen Raum die einzige Studienmöglichkeit fand, und zwar an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) den Studiengang "Konservierung/Restaurierung von Foto, Film und Datenträgern", heute "Konservierung/Restaurierung von audiovisuellem und fotografischem Kulturgut - Moderne Medien (AVF)". Seit Abschluss ihres Studiums 2006 arbeitete sie in zahlreichen praktischen, theoretischen und akademischen Projekten im Bereich der digitalen Filmrestaurierung, mit einem besonderen Schwerpunkt auf ethischen und ästhetischen Fragestellungen. Seit 2010 arbeitet sie im Filmarchiv der Deutschen Kinemathek und leitet das Restauratorenteam für das Förderprogramm Filmerbe, ein vom Bund, den Ländern und der Filmförderungsanstalt finanziertes Digitalisierungsprojekt.   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 00:30  Gesprächsstart / Studium der Filmrestaurierung 06:15  Was macht die Deutsche Kinemathek? 08:37  Vom Förderantrag zur Materialrecherche 13:13  Fassungsfragen und Restaurierungsethik 23:38  Digitalisierung, Nitrofilm und Bildraten 27:43  Praxisbeispiel: Jenseits der Straße 44:00  Kategorien: Tipps am Schneidetisch & Lieblingsbegriffe 49:42  Aktuelle Projekte und Festival Film Restored 53:46  Abmoderation   Weiterführende Infos Filme Jenseits der Straße (Leo Mittler, 1929) Sylvester – Tragödie einer Nacht (Lupu Pick, 1924) Cyankali (Hans Tintner, 1930) Personen Julia Wallmüller (Deutsche Kinemathek, Team Management FFE und Filmrestaurierung) Stephen Horne (Stummfilmmusiker und Komponist) Institutionen & Archive Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Cineteca Nazionale (Centro Sperimentale di Cinematografia, Rom) Bundesarchiv (Filmarchiv) Kinematheksverbund George Eastman Museum (Rochester) Festivals & Veranstaltungen Film Restored – Das Filmerbe-Festival (Deutsche Kinemathek, Ende Oktober) San Francisco Silent Film Festival Nitrate Picture Show (George Eastman Museum, Rochester)
Partitur - Cut to the Conductor
2026/05/07
Wer schon einmal eine Übertragung der Berliner Philharmoniker im Stream geguckt hat, hat wahrscheinlich gar nicht bemerkt, dass da jemand in einer Regie sitzt und im Sekundentakt entscheidet, was zu sehen ist. Erste Geige? Pauke? Dirigent? Halbtotale? Der Mann hinter diesen Entscheidungen liest dabei nicht den Spielplan, sondern die Partitur. Heute geht es im Credit to the Edit Podcast um eine Variante des Schneidens, die in Echtzeit passiert: Live-Bildregie bei klassischen Konzerten. Zu Gast ist Sascha Etezazi, der für den WDR und andere Sender Konzerte als Streams und Filme begleitet. Sascha erzählt, wie er Wochen vor einem Konzert mit der Partitur "ins Bett" geht, wie er aus jedem Takt eine Bildidee macht und warum sein Job am Ende vor allem eines verlangt: Vertrauen. Vertrauen vom Bildmischer, der seine Anweisungen sekundengenau umsetzen kann. Vertrauen vom Orchester, das sich nicht ungerecht ins Bild gesetzt sehen will. Und Vertrauen ins eigene Bauchgefühl, wenn der Dirigent plötzlich vom Plan abweicht. Sascha Etezazi ist Tonmeister, Klangregisseur und Komponist. Er studierte Tonmeister am Erich-Thienhaus-Institut der Hochschule für Musik Detmold bei Bernhard Güttler und Komposition an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bei Oliver Schneller. Seine Arbeit bewegt sich zwischen CD- und Radioproduktion, Bildregie, Klangregie und eigener Komposition für Konzert und Klanginstallation. Als Video Recording Producer gestaltet er seit Jahren die Bildregie der Klangkörper des WDR und ihrer internationalen Gäste; als Klangregisseur ist er regelmäßig bei den Darmstädter Ferienkursen, den Donaueschinger Musiktagen und Podium Esslingen aktiv. Aktuell beschäftigt er sich verstärkt mit der musikalischen Erkundung virtueller Umgebungen und mit den künstlerischen Mechanismen der Digitalität. Eine Folge über das Schneiden ohne Schnitt-Taste, über die Dramaturgie eines Konzertabends als Filmgrammatik und über den einen Konzertschnitt, der gegen die Maus verloren hat.   Timeline-Shortcuts 00:06  Anmoderation 01:55  Gesprächsstart / Was machst du als Video Recording Producer? 06:18  Vorbereitung & Partitur: Wochen vor dem Konzert 14:20  Dramaturgie der Bilder: Mikro, Makro, Dirigent als Anker 24:30  Zeitdruck, Vertrauen & Konflikte am Bildmischer 36:00  Schnittschau & Tipps: Karajan, Sokolov, Messiaen 46:25  Kategorien: Anekdote & Liebling der Woche 52:58  Abmoderation   Weiterführende Links Konzert, das wir besprochen haben: Resonanzen – Hadelich & Schostakowitsch (WDR Sinfonieorchester, Dima Slobodeniouk, 17./18.04.2026 Kölner Philharmonie, Live-Mitschnitt) Resonanzen – Hadelich & Schostakowitsch | Programm Kölner Philharmonie Mehr über Sascha Etezazi: Klassiktonmeister – Sascha Etezazi Sascha Etezazi auf LinkedIn Sascha Etezazi auf IMDb Westfalen-Blatt-Porträt: »Mein Beruf? Ich bin Streamer!« Filme & Aufnahmen, die in der Folge besprochen wurden: Vom Ende der Welt in Görlitz – Olivier Messiaen und sein Quatuor pour la fin du temps (ARTE / Accentus Music, 2021, Regie: Ute Feudel) Grigory Sokolov spielt Bach: Partita Nr. 1 BWV 825, La Roque d'Anthéron 2015 (Regie: Bruno Monsaingeon)
Videografie – Schnittmenge aus Kamera und Timeline
2026/03/01
Stell dir vor, du bist Regie, Kamera, Ton, Schnitt, Marketing-Abteilung und Buchhaltung in Personalunion. Während viele Editor:innen im Schneideraum auf das Material warten, das andere gedreht haben, fängt für Videograf:innen die Arbeit schon beim ersten Händeschütteln mit der Kundschaft an. Doch wie behält man den Überblick, wenn man die gesamte Pipeline allein stemmen muss?  Heute geht es im "Credit to the Edit Podcast" um die Welt der Videografie. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen eines Arbeitsmodells, das radikale Flexibilität verlangt: Vom Recruiting-Film über Event-Dokus bis hin zu Social-Media-Hooks, die in den ersten drei Sekunden sitzen müssen. Wir besprechen, warum es ein riesiger Vorteil sein kann, den Schnitt schon beim Dreh im Kopf zu haben, und warum Zuverlässigkeit manchmal das wichtigste Marketing-Tool überhaupt ist. zu Gast Laura Grocholl ist eine in Köln tätige Videografin und Videoproduzentin. Sie absolvierte am SAE Institute Köln ein praxisorientiertes Studium im Bereich Digital Film (bzw. Digital Film Making) & VFX und schloss dieses 2016 mit einem Bachelor of Arts ab. Seit 2015 arbeitet Grocholl selbstständig und realisiert Videoproduktionen vor allem im B2B-Umfeld. Lust auf einen Einblick in die Welt einer "One-Woman-Show"? Dann ist diese Folge genau richtig für dich.   Timeline-Shortcuts 00:14  Anmoderation   02:53  Gesprächsstart / „Was ist Videografie eigentlich?"   04:14  Recruiting, Event, Social und Testimonials 11:38  One-Woman-Show 23:42  Schnittgeschwindigkeit 26:29  Sichtbarkeit: Website und der USP als Klammer   40:39  „Wir können alles schneiden" 42:47  Anekdote & Abmoderation Weiterführende Links Laura Grocholl
Imagefilm - Aus Information Emotion montieren
2026/02/12
Manchmal reicht ein einziger Schnitt, und plötzlich wird aus dem Wirtschaftsfilm eine kleine Sketch-Comedy. In dieser Folge geht es im Credit to the Edit Podcast um genau diesen Moment: wenn ein Imagefilm mal nicht nach "Drohnenflug über das Firmengelände" klingt, sondern nach Menschen mit Geschichten. Im Gespräch wird der Imagefilm als Genre ernst genommen und gleichzeitig entmystifiziert. Was macht einen schlecht geschnittenen Imagefilm aus? Für Fabian ist das ziemlich klar: Einer, der keine Story und keine Emotion vermittelt, sondern bloß Fakten abspult. Von dort aus geht's tief rein in die Praxis: Mal über Humor und Selbstironie, mal über Rhythmus und Musik, mal über Struktur. Und zwischendrin wird deutlich: Imagefilm-Montage ist nicht „leichter" als andere Genres, sondern nur anders. Oft sogar gnadenlos anders, weil der Witz sitzen muss, sonst fällt das ganze Konstrukt in sich zusammen. Wer wissen will, wie man aus O-Tönen erst eine belastbare Tonspur baut (inklusive Abnahme-Schleife), warum Shortcuts kreatives Denken freiräumen und weshalb ein Satz wie „Das verspielt sich" im Schneideraum Gold wert sein kann: Dann ist diese Folge ist euer Play-Button. Zu Gast Fabian Prager hat sein Handwerk klassisch gelernt: Von 2007 bis 2010 absolvierte er bei der ProSiebenSat.1 Produktion eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild & Ton. Danach ging's Richtung Unternehmertum, bis klar wurde: Das Administrative ist nicht sein Spielfeld. Stattdessen zog es ihn in den Schneideraum: Als Video-Editor war er über mehrere Jahre bei der Bavaria Communications (heute in Bavaria Entertainment aufgegangen) tätig und merkte dabei, dass ihm der Schnitt fremden Materials mehr liegt als die ursprünglich anvisierte Regie. Nach einem kurzen Ausflug in den TV-Schnitt arbeitet er seit Dezember 2021 als festangestellter Senior Video Editor bei Al Dente Entertainment im Corporate-Film-Bereich, wo er u.a. Imagefilmen Rhythmus verleiht. Timeline-Shortcuts 00:06 Anmoderation 02:06 Gesprächsstart 04:26 Was ist ein schlecht geschnittener Imagefilm? 10:29 Menschlichkeit, Humor, Selbstironie – und der „nackte Mann" als Konzept 22:49 Konzept schlägt Produkt: Der „Menschen-Film" & die Reaktions-Montage 34:29 Workflow im Schnitt: O-Ton-Abnahme → Musik → Bilder 42:25 Kategorien 52:44 Abmoderation Weiterführende Links Fabian Prager Al Dente Entertainment – Team (Fabian Prager) Fabian Prager bei Crew United Al Dente Entertainment – Awards Fabian Prager auf LinkedIn Al Dente Website Al Dente Instagram Filme/Beispiele DBL // Nichts zu verstecken Hagedorn // Die Möglichmacher Dräxlmaier // A Story of Character FIEGE // Wir sind Fiege What does a Good Life mean? // Emotional Employer Branding Film (Wernsing Food Family) PINCK // Mission TGA Fabians Darling Jindal Steel – „The Steel Of India" (YouTube) Buch / Hintergrund „Filmische Mittel, industrielle Zwecke – Das Werk des Industriefilms" (Amazon) Eintrag in der Deutschen Digitalen Bibliothek (Titel/ISBN) Festival / Kategorien Cannescorporate Festival – Kategorien Internationale Wirtschaftsfilmtage – Kategorien
Yes or No Games - Wenn Schnitt entscheidet
2026/01/12
Was passiert, wenn eine einfache Ja-oder-Nein-Frage auf 128 Menschen, 30 Mikrofone und eine virtuelle Welt trifft? Und wie erzählt man daraus eine spannungsgeladene Show, die gleichzeitig Quiz und Reality ist? In dieser Folge des "Credit to the Edit Podcast" geht es um genau diese Grenzfrage, erzählerisch wie montagetechnisch. Im Mittelpunkt steht die neue Original-Show "Yes or No Games" (zu sehen ab dem 16. Januar 2026 bei Prime Video): ein Format, das klassische Quizmechaniken mit Reality-Elementen und Virtual Production verbindet. Gemeinsam mit den Gästen wird diskutiert, wie Spannung entsteht, wenn hunderte Erzählfäden gleichzeitig entstehen, und wie der Schnitt aus riesengroßen Menge an Material klare Dramaturgie formt. Es geht um Materialaneignung dutzender Tonspuren, um die Frage, wann O-Töne die Spannung erhöhen oder verhindern, und um das ständige Austarieren von Live-Gefühl und erzählerischem Flow. Dabei wird schnell klar: Diese Show entsteht nicht erst im Schneideraum. Dramaturgische Entscheidungen werden bereits im Development getroffen: durch Musik, durch Set-Design, durch das immer wiederholte Durchgehen der Show in zahllosen Teammeetings, also eben durch die bewusste Reduktion von Möglichkeiten. Und der Schnitt wird dann zur archäologischen Arbeit: Dialoge freilegen, Figuren finden, Inseln bauen, ohne den Flow des Quiz zu brechen. Daher sprechen wir mit zwei zentralen Stimmen der Produktion: der Senior Producerin Anna Eva Heymer und dem Head-Cutter Daniel Quack die zusammen Einblicke geben, wie eng Redaktion, Regie, Producing und Montage bei diesem Format verzahnt waren. Und warum man manchmal erst im Schnitt versteht, was man eigentlich gedreht hat.   Zu Gast Anna Eva Heymer ist Senior Producerin bei ITV Studios Germany und verantwortet diverse Show- und Reality-Formate für Streamingplatformen und (klassisches) TV. Mit einem starken Fokus auf Dramaturgie und Formatentwicklung begleitet sie Projekte von der ersten Idee bis in die Postproduktion. Zu den Formaten, an denen sie maßgeblich beteiligt war, zählen Licht aus (2024, Prime Video), Song Clash (2023, VOX), Dance Dance Dance (2016/2017, RTL) und Let's Love – Eine Hütte voller Liebe (2021, RTL Zwei).   Daniel Quack arbeitet seit vielen Jahren als Filmeditor im Reality- und Showbereich. Seine besondere Expertise liegt in der Strukturierung extrem komplexer Produktionen. Zu den Formaten, die er geschnitten hat, zählen Licht aus (2024, Prime Video), Good Luck Guys (Staffel 1 & 2, 2023 / 2024, Joyn) und Let's Love - Eine Hütte voller Liebe (2021, RTL Zwei) sowie Der Promihof (2025, RTL/TV-Ausstrahlung).    Reinhören! Warum? Weil diese Folge zeigt, wie moderne Unterhaltung erzählt wird, nämlich im Wechselspiel von Technik, Intuition und klaren Entscheidungen. Und weil sie eine seltene Innenansicht bietet, wie Schnitt bei großen, komplexen Showformaten wirklich entscheidend ist. Timeline-Shortcuts 00:14 Anmoderation 03:18 Was ist „Yes or No Games"? Quiz trifft Reality 08:21 Development: Skripte schreiben für die Realität 15:15 Die Tonspur-Archäologie: Wenn man hört, aber nicht sieht 23:05 O-Töne vs. Live-Atmosphäre: Was den Fluss stört 33:04 Der Cube: Schnitt und Virtual Production 46:45 Der wichtigste Tipp: Sichten, sichten, sichten! 52:03 Kategorien: Das Schnitt-Quiz 64:18 Abmoderation Weiterführende Links Format Yes or No Games – Offizielle Seite bei ITV Studios Germany Gäste & Team Anna Eva Heymer – Senior Producerin, ITV Studios Germany Daniel Quack – Head-Cutter „Yes or No Games" Artikel & Pressemeldung Yes or No Games – Prime-Video-Pressemeldung: „Yes or No Games: Prime Videos erste Quizshow startet im Januar"
Montage lehren - Wenn Schnitt Schule macht
2025/12/01
Kann man Montage unterrichten? Kann man Intuition und Kreativität in einem Seminarraum weitergeben? Oder ist der Schneideraum ein mystischer Ort, dessen Gesetze man nur durch jahrelanges, einsames Schneiden erlernt? Diese Fragen sind so alt wie die Filmschulen selbst. Doch wenn jemand vom Schauspiel vor die Kamera stolpert, um dann dahinter seine wahre Berufung zu finden, lohnt es sich, genau zuzuhören. Heute geht es im „Credit to the Edit Podcast" um genau diesen Spagat zwischen Theorie und Praxis. Wir sprechen darüber, wie man Studierenden die Angst vor dem leeren Timeline-Fenster nimmt und warum das Drehbuch manchmal nur eine höfliche Empfehlung ist. Zu Gast ist der Filmeditor Kaya Inan, der nicht nur preisgekrönte Filme  montiert, sondern sein Wissen auch u.a. an der Filmakademie Baden-Württemberg weitergibt. Dabei geht es weniger um den erhobenen Zeigefinger, als vielmehr um das „Hosen runterlassen": Kaya berichtet entwaffnend ehrlich, warum er seinen Studierenden auch mal seine misslungenen Rohschnitt-Fassungen zeigt und weshalb ein „Safe Space" im Schneideraum wichtiger ist als jedes Tastaturkürzel. Kaya Inans Weg zur Montage war dabei alles andere als geradlinig. Ursprünglich wollte er Schauspieler werden und landete über ein Casting in einer Gratiszeitung sogar in einem Kinofilm. Doch am Set faszinierte ihn nicht das Rampenlicht, sondern das, was danach passierte. Der Besuch im Schneideraum wurde zur Initialzündung. Heute vermittelt er genau diese Faszination in Seminaren. Zu Gast Kaya Inan, 1983 im schweizerischen Muri als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren, ist ein vielfach ausgezeichneter Filmeditor, der zwischen Schweiz und Deutschland arbeitet. Über ein Streetcasting landete er als Neunzehnjähriger zunächst als Schauspieler in der Schweizer Komödie „Achtung, fertig, Charlie!", entdeckte dort aber seine Leidenschaft für den Schnitt und studierte von 2006 bis 2011 Montage an der Filmakademie Baden-Württemberg, inklusive eines Auslandsjahres an der Ryerson University in Toronto. Heute montiert Kaya Spiel- und Dokumentarfilme wie „Above and Below", „Cahier Africain", „In den Gängen", „Wanda, mein Wunder", „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes" oder die Serie „Hausen" und wurde u. a. zweimal mit dem Schweizer Filmpreis für die beste Montage sowie dem Bild-Kunst Schnitt Preis ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Schweizer, der Deutschen und der Europäischen Filmakademie und gibt seine Erfahrung als Lehrender an Filmhochschulen wie der Filmakademie Baden-Württemberg und der Zürcher Hochschule der Künste weiter, wo er mit Seminaren zu szenischer und musikalischer Montage die nächste Generation von Filmeditor:innen begleitet.  Hört rein, wenn ihr wissen wollt, warum man Filme manchmal am besten lernt, wenn man sie komplett neu erfindet – und warum selbst erfahrene Editoren manchmal nicht weiterwissen (und das völlig okay ist).   Timeline-Shortcuts 00:00 Anmoderation 03:20 Kann man Montage lehren? 05:55 Vom Schauspieler zum Editor: Kayas Werdegang 15:34 „Entschleunigung": Die Kunst des Sichtens 18:40 Dozent oder Editor? Über Ehrlichkeit im Unterricht 28:00 In die Figur hineinversetzen: Empathie als Schnittwerkzeug 38:30 Musikalische Montage & „Above and Below" 43:10 Seminar „Reinventing the Scene": Das Drehbuch als Option 52:56 Kategorien feat. Liv, Jolle, Revan und Viola ❤️ 01:05:41 Abmoderation Weiterführende Links Kaya Inan – Wikipedia Filmakademie Baden-Württemberg
Manhunt – Cut to the Chase
2025/11/01
Wer hat als Kind "Räuber und Gendarm" gespielt? Wahrscheinlich alle, aber nicht mit einem 96-stündigen Zeitlimit, quer durch riesige Großstädte, dokumentiert von einer Armada an Kameras. Und das alles mit dem Ziel, über 1000 Stunden Material für den Schnitt zu sammeln. In der neuesten Folge des Credit to the Edit Podcasts geht es tief hinein in die Welt des erfolgreichen YouTube-Formats "Manhunt". Und darum, wie aus einem logistischen und kreativen Albtraum eine fesselnde Action-Reality-Serie entsteht. Bei diesen Materialmengen muss ein fünfköpfiges Editor:innen-Team nicht nur die Handlung strukturieren, sondern auch ein striktes chronologisches Diktat einhalten. Die präzise Zeiteinhaltung ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Formats, aber hilft gleichzeitig, der Materialflut Herr zu werden. Dabei muss das Team den typischen YouTube-Rhythmus beibehalten, Figuren aus den chaotischen Aufnahmen formen und dabei die Balance zwischen spannenden Verfolgungsjagden und emotionalen Momenten finden. Eine Karte dient dabei als eine Art Drehbuch-Ersatz, um in der Timeline die Begegnungspunkte von Jägern und Gejagten zu identifizieren. Über die Arbeit berichten Peter Rautek, Regisseur und Produzent von "Manhunt". Er entwickelte die ursprüngliche Idee. Unterstützt wird er von Karol Choma, der als technischer Experte und erfahrener Editor die Umsetzung übernahm und die erste Staffel im Alleingang schnitt. Julia Böhmn, die jüngste Verstärkung des Teams, bringt Erfahrung aus dem traditionellen Reality-TV ein und musste sich zunächst an den schnelleren, sprunghafteren Schnittstil anpassen.   Julia Böhm Julia Böhm arbeitet als selbstständige Editorin in Wien. Nach Bachelor und Master in Digitalen Medientechnologien an der FH St. Pölten war sie zunächst in einer Fernsehproduktionsfirma tätig, 2018 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit, seit 2022 ausschließlich frei. Sie schneidet vor allem Langformate für das Fernsehen, darunter Dokumentationen und Reportagen; Manhunt ist ihr erstes Projekt im YouTube-Bereich.     Peter Rautek Peter Rautek ist Regisseur, Autor und Produzent. Mit seinem Unternehmen RTX Film realisierte er zahlreiche Reportagen und Dokumentationen für Sender in Österreich, Deutschland und der Schweiz und arbeitet daneben an Kurz- und Spielfilmen. Als Mitentwickler und Spielleiter von Manhunt verantwortet er gemeinsam mit Karol Choma das Format und führt die Manhunt Media GmbH.     Karol Choma Karol Choma ist Editor und Regisseur mit Medientechnik-Ausbildung und beruflichem Einstieg über den Tonbereich in die Postproduktion. Nach mehreren Jahren Festanstellung arbeitet er seit 2017 freiberuflich an Fernsehinhalten und Formatentwicklungen, häufig in Zusammenarbeit mit Peter Rautek. Er ist Mitentwickler von Manhunt und arbeitete an der ersten Staffel als Editor.     Ob beim Weglassen bestimmter Storylines oder bei der konsequenten Anwendung des Mottos „Kill your darlings", die Gäste machen deutlich: Die gesamte Dramaturgie der Serie entsteht im Schneideraum. Wie das Team auf Community-Kritik reagierte und daraufhin die Regeln für die dritte Staffel anpasste, welche Shortcuts bei der Organisation des Materials helfen und warum eine Staffel nicht zu viele Folgen haben darf, all das wird in dieser Folge besprochen. Jetzt reinhören in den Credit to the Edit Podcast und einen Einblick bekommen in die aufwändige Montage eines der spannendsten Reality-Formate auf YouTube.   Timeline-Shortcuts 00:06 - Anmoderation 03:12- Gesprächsstart / Was ist MANHUNT? 12:32 - Material & Rollen: Wie schneidet man 1000 Stunden? 20:50 - Chronologie, Minimap & Spannung im Schnitt 50:19 - Kategorien 66:01 - Abmoderation   Links Manhunt – YouTube-Kanal Manhunt (Website) Manhunt S3: „0 | MANHUNT New York | Es beginnt" Manhunt S2: Folge 1 „Die Flucht in die Zonen" Manhunt S2: Folge 10 „In der Falle" The Race – offizieller Kanal The Race – Staffel 1 Playlist 7 vs. Wild – YouTube 7 vs. Wild – Wikipedia „Das Millionenspiel" – Wikipedia
Amrum – Berührend montiert
2025/10/08
Willkommen zu einer neuen Episode des Credit to the Edit Podcasts! In dieser Sonderausgabe präsentieren wir erneut ein Crossover mit dem Podcast „Hinter der Kamera" und tauchen ein in die Welt des Filmschnitts, fokussiert auf den Film "Amrum" von Fatih Akinn ach einem Drehbuch von Hark Bohm, der am 9. Oktober in Deutschland in die Kinos kommt. Rainer Nigrelli und Timo Landsiedel begrüßen dazu Filmeditor Andrew Bird und parallel beleuchtet die Episode des Podcasts „Hinter der Kamera" die Bildgestaltung von "Amrum" mit dem DoP Karl Walter Lindenlaub. Es gibt Geschichten, die schneiden sich selbst, und solche, die man Schicht für Schicht freilegen muss. "Amrum" gehört zur zweiten Sorte. In der neuen Folge des Credit to the Edit Podcasts tauchen wir gemeinsam mit Editor Andrew Bird tief in den kreativen Prozess hinter diesem Film ein: ein Werk über eine deutsche Kindheit während des Zweiten Weltkriegs und die Suche nach Zugehörigkeit. Andrew, der seit fast dreißig Jahren mit Fatih Akin zusammenarbeitet, öffnet den Schneideraum und erzählt, wie sich aus einem 240-seitigen Drehbuch ein konzentrierter, emotional präziser Film entwickelte. Dabei wird deutlich: Schnitt ist hier kein nachträglicher Eingriff, sondern Teil des Erzählens selbst. Schon in der Drehbuchphase liest Andrew Fassungen, gibt Feedback, diskutiert Strukturen und hilft mit, das Tempo und die Perspektive des Films zu formen. „Manchmal entdeckt man erst im Schnitt, worum es wirklich geht", sagt Bird. Und spricht damit nicht nur über Amrum, sondern über die Essenz der Arbeit von Filmeditor:innen. Zwischen Lesungen im Büro, täglichen Telefonaten während des Drehs und Testscreenings entstand eine intime Zusammenarbeit, die weit über technische Montage hinausgeht. Andrew beschreibt, wie er und Akin in stiller Verständigung Entscheidungen treffen, Szenen kürzen, Strukturen verschieben. Und wie das Vertrauen aus jahrzehntelanger Arbeit ihnen erlaubt, filmisches Neuland zu betreten. Andrew Bird ist ein in London geborener Filmeditor, der überwiegend im deutschen bzw. europäischen Arthouse-Kino arbeitet. Er schnitt unter anderem Gegen die Wand, Auf der anderen Seite und Soul Kitchen und gewann 2008 den Deutschen Filmpreis („Lola") für Auf der anderen Seite. Zu seinen weiteren Arbeiten zählen Absolute Giganten, Gut gegen Nordwind, A Symphony of Noise sowie Mohammad Rasoulofs Oscar®-nominierter Film Die Saat des heiligen Feigenbaums (2024), der ihm erneut eine Lola-Nominierung einbrachte sowie eine Nominierung für den Besten Schnitt beim Montagefestival "Edimotion". Andrew lebt in Hamburg, Bird ist Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie sowie der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. In dieser Folge geht es um Vertrauen, um das richtige Tempo und um die Kunst, einen Film durch Weglassen größer zu machen.   Timeline-Shortcuts 00:06  Anmoderation 01:22  Gesprächsstart / Wie Andrew zum Projekt Amrum kam 06:51  Drehbuchprozess und frühe Zusammenarbeit 16:40  Die besondere Arbeitsbeziehung zu Fatih Akin 25:20  Erste Schnittfassungen und was gestrichen wurde 36:00  Kinderperformance schneiden & Herausforderungen im Detail 46:10  Testscreenings und die Rolle der Frauenfiguren 60:55  Kategorien 69:00  Abmoderation   Weiterführender Link Podcast-Crossover mit Hinter der Kamera: Timo Landsiedel und Rainer Nigrelli im Gespräch mit DoP Karl Walter Lindenlaub Links Amrum – Wikipedia Amrum – Festival de Cannes (Press Kit & Credits) Amrum – Beta Cinema (Produzentenseite) Amrum – Variety Review (Cannes-Premiere) Amrum – ScreenDaily Review Artikel über Dreharbeiten & Projektankündigung Andrew Bird (Filmeditor) – Wikipedia Andrew Bird – IMDb Head-On – Wikipedia Soul Kitchen – Wikipedia
Der Schuh und das Kanu des Manitu – Slapstick, Story, Schnitt!
2025/08/31
Wer über „Der Schuh des Manitu" spricht, sagt meist auch Michael „Bully" Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz. Man denkt an über 11 Millionen Kinozuschauer, einen der größten deutschen Kinoerfolge. Aber kaum jemand nennt Alexander Dittner, den Editor, der „Schuh" geschnitten hat (und überhaupt alle Projekte von Bully begleitet). Diese Folge ändert das. Aus Anlass des Kinostarts der Fortsetzung „Das Kanu des Manitu" geht es im Credit to the Edit Podcast um Alexanders Arbeit am Klassiker, wie auch um das neue Kapitel. Vor allem um den schmalen Grat, Humor präzise zu schneiden und dennoch Raum für den Flow der Story zu lassen. Und darum, wie man eine erfolgreiche Marke für heutige Sehgewohnheiten aktualisiert, ohne die eigene filmische DNA zu verlieren. Alexander Dittner erzählt, wie aus einem episch gedachten Einstieg beim „Schuh" eine dynamische Flashback-Eröffnung wurde, warum Produzent Bernd Eichinger zusätzliche Action forderte, und wie man Continuity-Unmöglichkeiten mit Karten auf dem Tisch und handwerklicher Eleganz überlistet. Es geht um Mikro-Timing in Gags, Makro-Bögen in der Dramaturgie und die Frage, wann Slapstick trägt, und wann er ohne Emotion zur reinen Benny-Hill-Nummer verpufft.   Zu Gast: Alexander  Dittner, Jahrgang 1967, ist ein deutscher Filmeditor, der seit den späten 1990ern arbeitet und mit Michael „Bully" Herbig nahezu alle großen Kinoarbeiten realisierte. Von „Erkan & Stefan" über „Der Schuh des Manitu" bis „Ballon" und „Tausend Zeilen". Für „Elser – Er hätte die Welt verändert" war er für den Deutschen Filmpreis nominiert.   Ein Plädoyer für den „Safe Space" im Schneideraum, in dem jede Idee erlaubt ist, solange sie dem Film dient. Und für alle, die wissen wollen, wie Nostalgie und Neuerfindung im Schnitt zusammenfinden: jetzt einfach Play drücken.   Timeline-Shortcuts 00:00  Anmoderation 03:10  Gesprächsstart 05:03  Vita 12:16  Bullyparade: „Learning by doing" 16:17  „Der Schuh des Manitu" 19:34  Nachdrehs mit Bernd Eichinger: Lorenfahrt & Zug-Crash – Slapstick als Kino-Motor 25:31  „Das Kanu des Manitu" 43:13  Kategorien 61:43  Safe Space Schneideraum 66:15  Abmoderation   Links Das Kanu des Manitu – Offizielle Filmseite (Constantin Film) Der Schuh des Manitu – Offizielle Filmseite (Constantin Film) Alexander Dittner – Profil beim BFS Michael „Bully" Herbig – Offizielle Website Bullyparade – Hintergründe (Wikipedia, EN) Ralf Wengenmayr – Offizielle Seite „Mumien, Monstren, Mutationen" (NDR-Reihe) – Überblick
Schnittgenres – Wild rumgefragt
2025/08/01
Wer sagt eigentlich, dass ein Podcast planbar sein muss? In dieser Folge von Credit to the Edit stürzen wir uns kopfüber in ein Experiment: Eine Liste voller Telefonnummern, ein Countdown pro Gespräch und der Versuch, die Montage durch die Stimmen von Filmeditor:innen aus allen Genres erlebbar zu machen. Von Dokumentarfilm bis Reality, von Spielfilm bis Trailer, von Werbung bis Animation… wir haben sie alle angerufen. Manche gingen sofort ran, andere erst nach dem dritten Versuch. Herausgekommen ist ein wilder Ritt durch die Welt der Montage, bei dem jede Stimme ein kleines Legoteil im großen Schnittmosaik ist. In den Gesprächen wird klar: Montage ist mehr als nur der technische Akt des Schneidens. Es ist Geschichtenerzählen, Verdichtung, Timing und oft auch ein Spiel mit Materialgrenzen oder deren völliger Auflösung. Ob es um die Essenz eines Dokumentarfilms geht, das Zusammensetzen einer Reality-Storyline aus Stunden von Rohmaterial, oder die Freiheit im Animationsschnitt: Alle bringen einen eigenen Blick auf diesen Beruf mit. Wer also schon immer mal hören wollte, wie es klingt, wenn die Montage selbst zur Dramaturgie eines Podcasts wird, dann  diese Folge ist euer "Final Cut".   Timeline-Shortcuts 00:00 Anmoderation 02:40 Erste Anrufversuche & Startschwierigkeiten 05:07 Anikas Perspektive: Dokumentarfilm & die Montage 08:43 Antons Sicht: Fiktion & die Begrenzung des Materials 12:56 Ilkas Welt: Musikvideo & die Kürze 17:50 Nicos Fokus: Dokumentation & das Thema Werbung 21:38 Fabians Einblick: Werbung & der Reiz längerer Formate 26:13 Andreas Erfahrung: Spielfilm & das Erzählen von Geschichten 30:32 Genresprünge & der erste Anruf bei Hannes (Reality) 36:27 Katjas Bereich: Fiktionale Serien & Figurenspiel 40:47 Bernadettes Spezialität: Trailer & die Verdichtung 45:35 Julians Blick: Daily Soap & schnelles Arbeiten 50:02 Kevins Rolle: Schnitt-Assistenz & die Organisation 54:49 Jeannines Sicht: Serien & die Vielfalt' 59:04 Revans Expertise: Animation & das Erfinden von Material 63:12 Abmoderation
Falling into Place - Montierte Emotion
2025/07/01
Winter auf der schottischen Insel Skye. Die Blicke von Kira (Aylin Tezel) und Ian (Chris Fulton) treffen sich. Sie lächeln. Sie wissen nichts voneinander, nur dass sie beide auf der Flucht sind. Nicht unbedingt vor etwas Konkretem, sondern vor allem vor sich selbst. Diese flüchtige Begegnung auf Skye wird sie tief verbinden, bevor sie ebenso plötzlich wieder auseinandergerissen werden und, ohne es zu wissen, in London parallel zueinander weiterleben. Heute geht es bei "Credit to the Edit Podcast" um "Falling into Place", einen Liebesfilm, der die Regeln des Genres neu setzt. Das Langfilmdebüt von Aylin Tezel, die nicht nur Regie führte und das Drehbuch schrieb, sondern auch eine der beiden Hauptrollen spielt, besticht durch seine poetische Erzählweise und eine Montage, die nicht nur Szenen verbindet, sondern vor allem die inneren Welten der Protagonisten erfahrbar macht.   Aylin Tezel Aylin Tezel ist einem breiten Publikum vor allem als Schauspielerin bekannt, unter anderem aus Produktionen wie "Am Himmel der Tag", "7500" oder "Unbroken". Mit "Falling into Place" gibt sie ihr Langfilm-Regiedebüt. Aylin wurde bereits vielfach ausgezeichnet und ist Mitglied der European Film Academy. Sie lebt in Berlin und pendelt häufig nach London.   David J. Achilles David J. Achilles zählt zu den profiliertesten Editoren des Landes. Seit 2003 arbeitet er als freiberuflicher Filmeditor in Berlin, seine Montage wurde u. a. in Hof ausgezeichnet und mit Nominierungen für den Deutschen Filmpreis und bei Edimotion bedacht. Zu seinen Arbeiten zählen Kino- und Fernsehproduktionen wie „CLEO", „Am Himmel der Tag" (ja, genau, der Film mit Aylin Tezel) und „Falling into Place". 2014 erschien sein Buch „Die Kunst der Auslassung – Montage im szenischen Film".   In dieser Folge wird klar: Filmschnitt ist mehr als das Aneinanderfügen von Szenen. Er ist emotionales Feintuning, rhythmische Komposition, ein Spiel mit Nähe und Distanz. "Falling into Place" ist der Beweis, dass Montage ein tragendes Erzählmittel sein kann, das sowohl Herz als auch Verstand berührt. Noch bis zum 12. Juli könnt ihr den Film in der arte-Mediathek sehen. (Und danach in diese Folge hören.)   Timeline-Shortcuts 00:06  Anmoderation   01:33  Gesprächsstart – Wie die Idee zu Falling into Place entstand   16:00  Vom Skript zum Schnitt: Team­findung & First Assembly   30:00  Rhythmus & Musik: Poetische Montage und 18 Songs 63:00  Kategorien 72:50  Abmoderation     Links Film Falling into Place – IMDb Falling into Place @ Arte Mediathek (bis 12.07.) Gäste & Buch Aylin Tezel – IMDb David J. Achilles – Crew United Die Kunst der Auslassung (Buch) – Halem Verlag Aylin Tezel: Was tut sich im deutschen Film? Lola-Nominierung David J. Achilles Referenzfilme Before Sunrise (1995) – Wikipedia Blue Valentine (2010) – Artikel zur 16 mm-Ästhetik The Broken Circle Breakdown (2012) Musik Jon Hopkins – Offizielle Website Ben Lukas Boysen – Original Score Cutting Crew – „(I Just) Died in Your Arms"

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