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Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren

Werben im Podcast: Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren

Dieser Podcast hat
124 Episoden
Sprache
German
Herausgeber
Börsen-Zeitung
Explizit
Nein
Erstellt am
2021/10/06
Neueste Episode
2026/10/01
Durchschnittsdauer
31 min.
Veröffentlichungsintervall
16 Tage

Beschreibung

Der Sustainable-Finance-Podcast der Börsen-Zeitung Wer definiert, was nachhaltig ist? Wo beginnt Greenwashing? Und wie müssen sich Investoren, Finanziers, Unternehmen und Dienstleister positionieren, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Diese Fragen beleuchtet „Nachhaltiges Investieren“, der Podcast der Börsen-Zeitung rund um Sustainable Finance, ESG-Investments, Nachhaltigkeitstransformation & Co. Wir sprechen mit Expertinnen und Experten, die etwas zu sagen haben. Unsere Gäste sind Professionals aus Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen, andere bringen ihre Perspektive als Wissenschaftler, Regulierer oder Dienstleister ein. In jeder Episode nehmen wir im Interview ein aktuelles Thema oder eine besondere Herausforderung in den Blick und sprechen über professionelle und persönliche Einschätzungen. Zum Abschluss liefert unser Newsblock einen Überblick über die wichtigsten Meldungen aus der Sustainable-Finance-Community. Nachhaltiges Investieren erscheint jeden zweiten Donnerstag, Redaktion: Sabine Reifenberger. Feedback und Fragen sind willkommen: podcast[at]boersen-zeitung[dot]de Sie interessieren sich für ein Sponsoring des Podcasts oder für die weiteren ESG-Produkte der Börsen-Zeitung? Dann tretet gern in den Austausch mit unserem Sales-Team. Eva Kammler: E.Kammler[at]boersen-zeitung[dot]de

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Der Markt für CO₂-Entnahme erhält regulatorischen Rückenwind
2026/10/01
Die Atmosphäre gleicht einer Badewanne ohne Abfluss: Jedes Jahr fließen rund 40 Gigatonnen CO₂ hinein. „Und wir sehen, dass diese Badewanne keinen Ablauf hat", sagt Stefan Schlosser, Geschäftsführer des Deutschen Verbands für negative Emissionen (DVNE), im Podcast „Nachhaltiges Investieren" der Börsen-Zeitung. Genau hier setzt Carbon Dioxide Removal (CDR) an, die aktive Entnahme von CO₂ aus der Luft mit dauerhafter Speicherung. Noch ist der Markt klein und kaum transparent. Das soll sich bald ändern: Die EU-Kommission will Entnahmen in den Emissionshandel integrieren, Berlin plant eine Langfriststrategie mit gesetzlichen Zielmengen, und der Bundeshaushalt sieht bereits mehr als 500 Mio. Euro für den Marktaufbau vor. Schlosser hält das wirtschaftliche Potenzial für gewaltig, für Deutschland beziffert er es auf 70 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr. Er erklärt, welche Rolle Banken und Versicherer künftig spielen können, und benennt offen die Risiken: Rückfreisetzung von CO₂, Lieferausfälle junger Anbieter, Baurisiken bei Großanlagen und eine Marktnachfrage, die bislang stark von wenigen Abnehmern wie Microsoft und zuletzt Google abhängt.
Dax-Konzerne verlieren Klimaziele aus dem Blick
2026/09/17
Die Klimatransition der Dax-Familie hat 2025 an Dynamik eingebüßt. Das zeigt der am Donnerstag veröffentlichte „What if“-Report des Climate-Tech Right°. Darin untersucht das Unternehmen, wie stark die betrachteten Konzerne zur Erderwärmung beitragen. Die Modelle zeigen, wie stark sich die Erde bis zum Jahr 2100 erwärmen würde, wenn sie dieselbe Klimaperformance hätte wie das betrachtete Unternehmen. Eine ernüchternde Erkenntnis brachte der Report mit Blick auf selbstgesteckte Klimaziele: Ein ambitioniertes Ziel erhöht nämlich den Daten zufolge nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen tatsächlich auf Paris-konformem Kurs liegt. „Das ist natürlich schon ein bisschen bitter", sagt Right°-CEO Hannah Helmke im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Sie findet Ziele weiterhin sinnvoll – „weil es sehr klar darstellt, wo will ich hin“ und damit Orientierung gebe. Oft scheiterten Unternehmen aber beim Übersetzen der Ziele in konkrete Handlungen: „Ich glaube, dass die Umsetzung von diesem Ziel einfach massiv unterschätzt wird“, sagt Helmke. Nach Helmkes Einschätzung sind die Unternehmen spätestens durch Erfahrungen mit Hitze und Dürre im zurückliegenden Sommer und den Iran-Krieg wieder stärker für Klima und Dekarbonisierung sensibilisiert. Von den Ergebnissen des diesjährigen Reports will sie sich nicht entmutigen lassen: „Der Track Record im Jahr 2025 ist eine Momentaufnahme, das kann nächstes Jahr anders sein“, sagt sie. Es gebe „tolle Transformationsunternehmen“ im Dax, etwa die Deutsche Telekom. „Die sind fast da, die sind on track auf 1,8°C“, berichtet Helmke. Gestartet sei der Konzern bei 5°C, seit 2021 sinke der Wert aber kontinuierlich. Solche Unternehmen sind für sie Hoffnungsträger: „Die haben was zu erzählen über Transformation, davon will man lernen, wie es gehen kann.“
Hitze, Dürre, Niedrigwasser: Wenn das Klima zum Geschäftsrisiko wird
2026/09/03
Eine Durchschnittstemperatur um 3,3°C über dem langjährigen Mittel, wenig Regen: Auch Unternehmen haben die extremen Bedingungen des Sommers zu spüren bekommen. „Wir sehen das jetzt bei den Calls zu den Quartalszahlen: In jedem zehnten Call wird das Thema Dürre, Waldbrand und Co. angesprochen“, berichtet Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer der Union Investment, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Je größer das die Firma, desto wahrscheinlicher, dass man an irgendeinem Produktionsstandort betroffen ist.“ Zwar hätten Unternehmen wie Thyssenkrupp oder BASF die Situation in diesem Jahr gut gemeistert, doch das Thema sei international bedeutsam. „Wasserknappheit ist nicht nur Niedrigwasser am Rhein, es ist genauso Halbleiterproduktion in Taiwan, es ist genauso Bergbau in Chile“, sagt Pontzen. Das Thema sei jeden Tag irgendwo auf der Welt präsent. Durch die sichtbaren Folgen des Klimawandels rückt für ihn die Transformation von einer fossilen hin zu einer elektrisch betriebenen Industrie weiter in den Fokus. „Der Megatrend, der sich noch immer weiter beschleunigt, das ist der zur Elektrifizierung.“ Über Gewinner und Verlierer der jüngsten Entwicklungen spricht Henrik Pontzen in dieser Podcast-Episode.
Unternehmen suchen den Business Case für Nachhaltigkeit
2026/07/23
Seit 2022 geben Unternehmen und Finanzmarktakteure für den Sustainability Transformation Monitor Auskunft zur Transformation der Wirtschaft. Mit mehr als 820 befragten Organisationen aus Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zählt der Monitor zu den umfassendsten Erhebungen. Bei der jüngsten Auflage gab es eine Neuerung – und die hatte es in sich: „Wir hatten eine neue Frage hinzugefügt zum Business Case“, berichtet Jakob Christof Kunzlmann, Senior Expert im Bereich Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft bei der Bertelsmann Stiftung, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Das Ergebnis sei für die Nachhaltigkeits-Community nicht besonders positiv ausgefallen, berichtet Kunzlmann, der den Monitor verantwortet hat. 83% der befragten Unternehmen sehen demnach keinen Business Case für Nachhaltigkeit. Zwar erkennen 43% der Unternehmen einen finanziellen Mehrwert darin, dass ihr Unternehmen in nachhaltige Transformation investiert. Doch dieser Mehrwert liegt noch unter den damit verbundenen Kosten. Teile der Community haben es Kunzlmann zufolge sehr positiv aufgenommen, dass der Report den Finger in diese Wunde lege. „Es ist nicht alles ein Win-Win-Wonderland. Es gibt Zielkonflikte.“ Allerdings gab es auch Kritik. Manche hielten die Fragestellung für „unterkomplex“, sagt Kunzlmann. Tatsächlich sei es nicht leicht, den Business Case von Nachhaltigkeit sofort finanziell nachzuweisen, räumt er ein. Das anfängliche Investment könne man zwar messen, etwa den Aufwand für den Aufbau von Know-how oder für ein Reporting-System. Langfristige positive Effekte hingegen seien schwieriger zu ermitteln. „Das kann ich noch nicht nach einem halben Jahr, wenn ich das erste Mal ein Reporting-System aufgebaut habe, klar sagen.“ Derzeit bremsen seiner Ansicht nach auch unsichere Rahmenbedingungen die Investitionen in Nachhaltigkeit. Er sieht „einen ziemlichen Zickzackkurs in der Politik zur Nachhaltigkeitstransformation“. Unternehmen fehle es an Planungssicherheit. Intern setzt das manche ESG-Stäbe unter Druck. „Wir wissen, dass Budgets auch teilweise eher rückläufig sind“, sagt Kunzlmann. Allerdings sieht er einen Nachholeffekt in bestimmten Bereichen der Wirtschaft: „Die Großunternehmen haben schon in den letzten Jahren viel gemacht. Jetzt zieht der Mittelstand so ein bisschen nach.“ Auch auf Bankenseite ist seiner Einschätzung nach viel passiert – nicht zuletzt, weil die Institute aufsichtsrechtlich angehalten sind, ESG-Daten in ihr Risikomanagement zu integrieren. In Finanzierungsgesprächen spielt Nachhaltigkeit allerdings eine abnehmende Rolle, darin sind sich Unternehmen und Banken einig. Während Sustainability-linked-Produkte vor allem von Großkonzernen genutzt würden, dominierten im Mittelstand klassische Förderprodukte, beobachtet Kunzlmann. Er ist dennoch überzeugt, dass Unternehmen sich dem Thema Nachhaltigkeit weiter widmen werden – und Banken ohnehin: „Transformation benötigt Kapital, und Banken verleihen Kapital. Das ist für die schon mal ein Business Case.“
Valueverde-Gründer setzt auf Renaissance von Genossenschaftsanteilen
2026/07/09
Seit dem 1. Januar 2025 ist es in Deutschland möglich, Genossenschaftsanteile digital zu zeichnen. Das Leipziger Startup Valueverde will es Anlegern ermöglichen, sich direkt an Energiegenossenschaften zu beteiligen, und setzt auf einen Schub durch die digitale Option. In der aktuellen Episode von „Nachhaltiges Investieren“, dem Sustainability-Podcast der Börsen-Zeitung, spricht Nathanael Meyer, Gründer und CEO von Valueverde, über die Vorteile von Genossenschaftsanteilen als nachhaltige Anlageklasse und skizziert die Risiken und andere aus Sicht von institutionellen Investoren kritische Punkte. Gleichwohl hofft Meyer auf eine Entwicklung wie beim Aktienmarkt: „Vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass Aktien in Deutschland einmal einen Hype haben könnten. Das Gleiche sehe ich bei Genossenschaften kommen, sobald sie bekannter werden.“
Zwischen „Wissenschafts-Elfenbeinturm“ und Bayer-Beirat
2026/06/25
Wissenschaft und Praxis müssen sich im Alltag begegnen, davon ist Christian Klein, seit 2013 Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, überzeugt. „Es ist genau das, was ich so liebe: aus unserem Wissenschafts-Elfenbeinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern“, sagt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Seit sechs Jahren ist der Wissenschaftler Teil des Sustainability Council bei Bayer. Der Beginn war jedoch holprig: Ein Bayer-Mitarbeiter habe ihn nach einem Vortrag auf einer Tagung angesprochen und ihm von den Council-Plänen berichtet. „Ich habe den ausgelacht“, erinnert sich Klein. „Ich habe gesagt, das ist eine nette Idee, aber es wird euch kein Mensch glauben. Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing.“ Weitere Gespräche seien ähnlich verlaufen, auch ein Call mit dem damaligen CEO. „Ich habe genau das Gleiche gesagt – dass das nicht funktionieren wird.“ Kurz darauf kam der Ruf in den Beirat. „Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nicht verstanden, dass das quasi Bewerbungsgespräche waren“, sagt Klein. Er ist sich sicher: „Die haben mich genommen, weil sie wussten, das ist ein Typ, der unbequeme Fragen stellen wird.“ Sein Lehrstuhl für Nachhaltige Finanzwirtschaft war der erste mit diesem Schwerpunkt in Deutschland. Für seine eigene Forschungsarbeit hat er die Devise „Jetzt erst recht“ ausgerufen. „Deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden, sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen, was wir für wichtig halten.“ Er ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsrisiken im Moment wieder steigen. „All das, was wir jetzt ausbremsen, werden wir eines Tages nachholen müssen.“
Warum ESG-Daten selten so eindeutig sind, wie sie aussehen
2026/06/11
Nachhaltige Geldanlage braucht verlässliche Daten – doch ESG-Informationen sind oft fragmentiert, Ratings messen häufig Unterschiedliches, die Datenqualität ist ein grundlegendes Problem und auch wenn KI die Auswertung verbessern kann, schafft sie gleichzeitig neue Prüfbedarfe. Matthias Breier, CPO von Weefin, erklärt im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung, wie Investoren inmitten des zunehmenden politischen ESG-Gegenwinds durch das Datenlabyrinth navigieren können.
Impact-Investing vor dem Wendepunkt
2026/05/28
Die neue EU-Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) erkennt erstmals den Impact-Begriff an. Das sei „tatsächlich ein großer Durchbruch“, sagt Eric Prüßner, Geschäftsführer von Advanced Impact Research, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Er befasst sich mit der Frage, wie man den Impact bei Finanzprodukten messen und vergleichbar machen kann. Dabei dürfte der schwerste Teil der Definitionsarbeit erst noch kommen, erwartet Prüßner. Die SFDR 2.0 arbeitet mit Kategorien wie ESG Basics, Transition und Sustainable. Die bisherige Unterteilung in Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds wird dadurch abgelöst. Der Vorschlag behandelt bislang allerdings erst einmal nur Level eins der Regulierung, legt also die Prinzipien und Grundlagen fest. „Bei Impact sind die Definitionen oder die Merkmale noch recht allgemein gehalten“, sagt Prüßner. Auf Ebene der Investmentprozesse lasse sich Vergleichbarkeit bereits recht gut herstellen. Komplex werde es bei konkreten Indikatoren. Während sich Emissionen in konkrete Zahlen fassen lassen, sind Konzepte wie Biodiversität schwieriger zu greifen. Prüßner hat Sympathien für ein Konzept, das in der Gesamtbetrachtung die Frage stellt, ob sich ein Investment im Rahmen planetarer Grenzen bewegt. Er wünscht sich, dass man Investoren in einigen Jahren die Möglichkeit an die Hand geben kann, ihr Portfolio oder auch einzelne Assets daraufhin zu analysieren. „Weil das eben die wissenschaftlich fundierten Grenzen sind, in denen man sich bewegen sollte.“
Trotz wachsenden ESG-Gegenwinds auf Green Tech setzen
2026/05/13
Das TechQuartier will seine Rolle als Innovationsplattform für Green Tech, Sustainable Finance und Digitalisierung weiter ausbauen. Geschäftsführerin Alice Rettig beschreibt im Podcast der Börsen-Zeitung, wie das Netzwerk Startups, Banken und Investoren zusammenbringt, um nachhaltige Innovationen voranzutreiben. Zu den wichtigsten Initiativen zählen die gemeinsam mit der Landwirtschaftliche Rentenbank entwickelte „Growth Alliance“ für Agrar- und Food-Startups sowie das Impact Festival, das mit mehr als 4.000 Besuchern als größte deutsche B2B-Veranstaltung für Nachhaltigkeitsinnovationen gilt. Künftig soll dort vor allem die Verbindung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung – die sogenannte „Twin Transformation“ – im Mittelpunkt stehen. Daneben arbeitet das TechQuartier mit dem neuen „Tech & Data Lab“ an einer digitalen Sandbox für Finanzinstitute, in der gemeinsam mit Startups neue Anwendungen getestet werden können – perspektivisch auch für Green-Tech- und Sustainable-Finance-Lösungen. Trotz zunehmenden politischen Gegenwinds gegen ESG-Themen hält Rettig nachhaltige Innovationen für unverzichtbar. „Es ist nicht leichter geworden, aber es ist umso wichtiger geworden“, sagt sie mit Blick auf die internationale Entwicklung. Nachhaltigkeit dürfe kein Randthema bleiben, sondern müsse „Kern von einem Unternehmen sein“.
Wie man Kunden zu mehr Nachhaltigkeit motiviert
2026/04/30
Die Procredit erbringt Finanzdienstleistungen vorwiegend für Unternehmen in Ost- und Südosteuropa. Dabei geht es der Bank auch um einen transformatorischen Ansatz. „Wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Förderung müssen sich vereinen“, sagt Christian Dagrosa, CFO der Procredit Holding, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Bestimmte Industriesektoren sind ausgeschlossen, etwa weil sie schädlich für die Umwelt sind. In erster Linie setzt Procredit aber auf Zusammenarbeit. „Es geht nicht darum, Leute von Finanzdienstleistungen auszuschließen. Es geht darum, die Transformation der lokalen Wirtschaften – ob das jetzt aus ökologischer, aus sozialer Sicht oder aus ökonomischer Sicht ist – voranzutreiben.“ Im Portfolio finden sich Mikrokunden mit einem Finanzierungsbedarf um 100.000 Euro jährlich, die größten Kunden benötigen einen zweistelligen Millionenbetrag an Finanzierung. Zwar seien die Margen im KMU-Bereich niedriger als im Consumer Lending, räumt Dagrosa ein. „Aber auch die Risikokosten sind deutlich geringer.“ Durch die oft langjährigen Kundenbeziehungen ließen sich Risiken gut einschätzen und bepreisen. Geschäftlich setzt Procredit auf Cross-Selling-Potenzial etwa im Zahlungsverkehr und der Handelsfinanzierung. Die Kundenberater bildet Procredit an einer eigenen Akademie aus. Dort stehen nicht nur Finanzthemen auf dem Lehrplan. Neben Aspekten der Banksteuerung gehe es etwa um Geschichte, Philosophie oder auch Literatur, „um nicht nur Banker hochzubringen, sondern Leute, die mit Kunden auf Augenhöhe sprechen können und die eben Weltmenschen sind“, sagt Dagrosa. Der Dialog mit den Beratern sei oft zentral, um Kunden zu nachhaltigem Handeln zu motivieren. „Themen wie erneuerbare Energien, das kann man den Kunden nicht aufbinden“, sagt Dagrosa. „Wenn der Kunde nicht will, dann will er es nicht. Aber man kann ihm eben die Vorteile aufzeigen. Man kann ihm einen Pfad geben und sagen: wir haben auch Expertise im Haus, die dann da beraten kann.“
ESG-Transparenz für KMU und die Grenzen freiwilliger Offenlegung
2026/04/16
Angesichts der vielfältigen regulatorischen Veränderungen zuletzt stellt sich für Investoren die Frage, wie sich verlässliche Daten insbesondere von kleinen und mittelgroßen Unternehmen erheben und auswerten lassen. Conda, ein Anbieter in der digitalen Unternehmensfinanzierung aus dem Bereich Schwarmfinanzierung/Crowd Investing hat auf der eigenen Plattform für KMU einen Fragenkatalog zu ESG-Daten entwickelt, das in ein Scoring-Modell mündet. Welche Hürden es bei der Umsetzung gab und welche Herausforderung es bei der Validierung der freiwillig erhobenen Daten gibt, erläutert Dirk Littig, Geschäftsführer und Co-Gründer der Conda Gruppe, in der aktuellen Episode.
Eltif & Co.: Europäische Ansätze für nachhaltige Finanzierung
2026/04/02
Seit gut zwei Jahren ist das Eltif-2.0-Regime in Kraft, das kleinere Vermögen über den European Long-Term Investment Fund für Investitionen in die grüne Transformation aktivieren soll. Die Struktur bringe „sehr viele Verbesserungen für Privatinvestoren“, sagt Karsten Kührlings, Geschäftsführer der GLS Investments, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Bei der Tochter der GLS Bank verantwortet Kührlings unter anderem das Investmentfondsgeschäft und Nachhaltigkeitsresearch. GLS hat einen Energie-Infrastrukturfonds als Eltif konzipiert, mit Fokus auf Wind- und Solarparks und Speichertechnologien. Für Privatanleger sei ein Eltif eine „Riesenchance“, in Realwerte zu investieren, findet Kührlings. „Aber es ist zweifelsfrei natürlich auch nur ein kleiner Depotbaustein.“ Nach wie vor würden Eltifs zudem oft als Produktkategorie aufgefasst – ein Missverständnis. „Wir reden nur über ein Regime, ein gesetzliches Rahmenwerk, das etwas regelt“, stellt Kührlings klar. „Und darunter sind sehr viele verschiedene Strukturen möglich.“ Die größten Herausforderungen sieht Kührlings derzeit auf Ebene der Nationalstaaten. „Wenn man den Privatkundensektor sieht, dann gibt es immer noch mal auf nationaler Ebene Besonderheiten und Hürden, so dass wir leider nicht von einem einheitlichen europäischen Markt reden können“, sagt er. Das erschwere den Vertrieb von Produkten, da man auch mit den Intermediären unterschiedliche Anforderungen abstimmen müsse. GLS engagiert sich in verschiedenen Netzwerken für mehr Harmonisierung, eins davon ist die Sustainable Banking Coalition. Darin haben sich elf nachhaltige Finanzinstitute aus acht EU-Staaten zusammengeschlossen, die GLS Bank war 2023 Gründungsmitglied.Neben Eingaben zu regulatorischen Neuerungen setzt das Netzwerk auf praktischen Austausch und auf Wissenstransfer. Während Initiativen nicht mehr operativ in Erscheinung treten, sieht Kührlings bei der Sustainable Banking Coalition weiterhin großes Engagement – „gerade, weil es sehr praxisbezogen ist und wir an konkreten Problemen und Lösungen arbeiten“.
ESG in der Sozialwirtschaft: Ein pragmatischer Ansatz für Sustainable Finance
2026/03/19
Der ESG-Backlash ist für Joachim Fröhlich nicht das Ende von Sustainable Finance. Das Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank in Kassel sieht vielmehr eine neue Phase in der Nachhaltigkeitsdiskussion gekommen. „Ich glaube, es ist ein Problem, dass eine gewisse Blase sich dieses Themas angenommen hat und dann gedacht hat: Das ist das, was alle denken“, sagt Fröhlich im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Manchmal sei ein „reinigendes Gewitter“ hilfreich. Als Betriebswirt treffe man eine einfache, rationale Entscheidung: „Der Klimawandel geht mit Risiken einher für mein ökonomisches Handeln. Da muss ich was für tun. Und wenn ich die Risiken nicht analysiere, wenn ich sie nicht bewerte, und wenn ich mich nicht vorbereite, dann werden sie irgendwann bei mir wahrscheinlich schlagend werden.“ Gerade in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, die zur Kernklientel der Evangelischen Bank zählt, prallen regulatorische Vorgaben allerdings auf enge finanzielle Spielräume. Viele Betriebe seien auf staatliche Zahlungen angewiesen. Doch diese sind oft zu knapp, um ambitionierte Ziele zu Klimaschutz, CO2-Reduktion und Gebäudeertüchtigung zu erreichen. Für die Bank sei dies ein „spannender Tradeoff“, räumt Fröhlich ein. Nachdem eine Sozialtaxonomie politisch versandet ist, hofft Fröhlich auch regulatorisch auf einen pragmatischen Ansatz, um Erleichterungen für Investitionen in soziale Infrastruktur wie Pflegeheime oder Schulen zu erzielen. Diese könne man beispielsweise unter dem Oberbegriff „kritischer Infrastruktur“ erfassen, so sein Wunsch. „Ich glaube, das funktioniert auch besser und schneller, als erstmal wieder eine Regulierung zu schaffen.“
Drei Antworten auf ESG-Datenlücken | Episode 111
2026/03/05
Im Kreditgeschäft mit Unternehmen sind Banken in Deutschland nach Wahrnehmung von Holger Wußler, Partner Financial Services bei KPMG, mit erheblichen Datenlücken konfrontiert, vor allem, was den Kreditbestand angeht. Durch die Omnibus-Gesetze der EU, die viele mittelständische Unternehmen von Datenanforderungen befreien, dürfte es für die Banken sogar noch schwieriger werden. Zumal die Bankenaufsicht von den Instituten fordert, ein funktionierendes Risikomanagement zu betreiben. „Die Banken sind nicht aus der Verantwortung entlassen“, sagt Wußler im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Sie könnten nicht einfach Felder freilassen, nur weil Kreditkunden nicht genug über ihre CO2-Sensitivität oder ihren Gender Pay Gap wissen. Für Wußler gibt es aber eine Option, über die es sich lohnt nachzudenken, nämlich Plattformlösungen. Anschauungsunterricht gibt es in Österreich.
Nachhaltige Investments zwischen Rheinmetall-Effekt und KI-Boom | Episode 110
2026/02/19
Kostet Nachhaltigkeit im Portfolio Rendite? Die Fragen beschäftigt den Markt seit Jahren. „Was man grundsätzlich sagen kann ist: Das Versprechen, nachhaltiges Investieren kostet nichts, das ist intakt“, sagt Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Langfristig stifte nachhaltiges Investieren einen Vorteil, „weil eben langfristige Risiken besser und intensiver analysiert werden“ – auch wenn es kurzfristig zu Einbußen kommen kann. Für das zurückliegende Kapitalmarktjahr sieht er insbesondere in Deutschland einen Sondereffekt: „Die Dax-Performance im letzten Jahr war eine Rheinmetall-Performance, ganz überwiegend“, erklärt Pontzen. „Wer Reinmetall nicht im Portfolio hatte, weil er als nachhaltiger Investor beispielsweise Rüstungsaktien ausschließt, der hatte dann tatsächlich einen signifikanten Nachteil. Das mag um die 7 Prozentpunkte ausgemacht haben und das ist sehr, sehr viel.“ An den internationalen Kapitalmärkten hingegen war entscheidender, wie sich Investoren bei Themen wie Technologie, Software und Künstliche Intelligenz positioniert haben. Nachhaltige Fonds hätten „typischerweise ein Übergewicht in Tech-Werten“, konstatiert Pontzen. In der globalen Betrachtung schneide daher die nachhaltige Benchmark um gut 2 Prozentpunkte besser ab als die konventionelle. „Wenn im deutschen Investmentuniversum gilt: Nachhaltigkeit hat gekostet, und zwar viel, so gilt im viel relevanteren globalen Investmentuniversum: Nachhaltigkeit war förderlich, und zwar sehr.“ Chancen für nachhaltige Investments sieht er im Bereich Klima-Adaption. Dieser Sektor umfasst Technologien, die zur Anpassung an den Klimawandel benötigt werden – und deren Nutzen häufig individuell spürbar ist. Während es für einen einzelnen schwer erscheint, etwas gegen die globale Erwärmung auszurichten, ist der Erwerb einer Klimaanlage für heiße Tage einfach. „Es mag sein, dass wir keine Mehrheit finden, um die Welt zu retten“, sagt Pontzen. „Aber Menschenleben und sich selbst rettet man immer.“

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