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Gesundheitspolitische Gespräche

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Dieser Podcast hat
15 Episoden
Sprache
German
Herausgeber
Dr. Olaf Gaus
Explizit
Nein
Erstellt am
2023/02/02
Neueste Episode
2026/07/21
Durchschnittsdauer
32 min.
Veröffentlichungsintervall
91 Tage

Beschreibung

Im DMGD-Talk „Gesundheitspolitische Gespräche“ diskutieren Expertinnen und Experten über Chancen, Herausforderungen und Trends im Bereich Digitale Gesundheit.

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40 | Prof. Dr. med. Joachim Labenz
2026/07/21
Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie im Klinikum Siegen, über die sektorenübergreifende Patientenversorgung im Hinblick auf Überlastung und Unterfinanzierung des deutschen Gesundheitssystems. Im Mittelpunkt stehen veränderte Anforderungen an das Gesundheitssystem, die Reformen notwendig machen. Dazu zählen mangelnde Regulierungen der Gesundheitsversorgung, bürokratische und wirtschaftliche Hürden sowie erforderliche Digitalisierungsmaßnahmen für eine sektorenübergreifende Versorgung. Das Gesundheitssystem passt für Prof. Labenz nicht mehr zu den heutigen Anforderungen. Er sieht einen deutlich gestiegenen Anspruch auf medizinische Versorgung und kritisiert den unregulierten Zugang: „Mit deiner Eintrittskarte in die Krankenkasse kannst du das Gesundheitssystem so oft und wo du möchtest in Anspruch nehmen“. Zudem bemängelt er das sektorale Gesundheitssystem. „Sektoren, wie wir sie haben, sind nicht mehr zeitgemäß und nicht miteinander kompatibel“, betont Prof. Labenz und führt beispielhaft unterschiedliche Abrechnungssysteme im ambulanten und stationären Sektor an. Dadurch ist es nach Ansicht des Chefarztes auch schwierig, inhaltlich Kompatibilität zu gewährleisten. Der Experte sieht großen Reformbedarf. „Wir sind das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem in Europa“, betont Prof. Labenz und führt Bürokratiekosten von etwa 25 Prozent an, die nicht den Patient*innen zugutekommen. Der Experte gibt am Beispiel internistischer Fachabteilungen an, dass „drei Stunden pro Tag jeder Arzt, drei Stunden pro Tag jede Schwester“ allein mit der Dokumentation beschäftigt seien. Hinzu kämen Fehlanreize durch unternehmerische Strukturen. Hier bestehe Optimierungspotential. Weiter müsse die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung dringend vorangetrieben werden, um den Informationsaustausch und die Vernetzung der Sektoren zu fördern. Prof. Labenz fordert daher umfassende Strukturreformen zugunsten eines modernen, sektorenübergreifenden Gesundheitssystems. Außerdem sprechen Dr. Olaf Gaus und Prof. Labenz über das Triage-System in den Notaufnahmen, die Versorgung in ländlichen Regionen und damit verbundene Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte sowie über wichtige Schritte, die laut Prof. Labenz als erstes angegangen werden müssten.
39 | Tristan Vitt
2026/04/24
Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert Tristan Vitt, Bürgermeister der Stadt Siegen, über die Herausforderungen in der regionalen Gesundheitsversorgung und den wachsenden Versorgungsbedarf aus kommunaler Perspektive. Gesundheitspolitische Zuständigkeiten sind formal auf Kreis-, Landes- und Bundesebene angesiedelt. „Die Handlungsmöglichkeiten sind aktuell nicht immer so groß, wie wir uns das wünschen, aber ich habe eine starke Grundüberzeugung als Politiker und deswegen bin ich angetreten: Wir kriegen das schon hin“, so Tristan Vitt. Seine Handlungsoptionen sieht der Bürgermeister insbesondere im Bereich von Standortfaktoren, die nicht nur die Stadt Siegen, sondern auch die Region Südwestfalen sowie den Kreis Siegen-Wittgenstein betreffen. Ein attraktiver Standort kommt der Fachkräftebindung zugute. So ist es im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung entscheidend, medizinische und pflegerische Fachkräfte langfristig an die Region zu binden. Tristan Vitt attestiert jungen Mediziner*innen gute Entwicklungsmöglichkeiten in Siegen. Dabei berücksichtigt er auch die wirtschaftliche Perspektive für Familienangehörige. „Wir bieten ein gutes Gesamtpaket mit den niedrigsten Mieten in ganz Nordrhein-Westfalen bei einer attraktiven Gesamtsituation der Region – sowohl städtisch als auch landschaftlich. Das einzige Defizit, was Siegen hat, ist, das alles nach außen zu verkaufen. Und da sehe ich meine Aufgabe in der kommenden Zeit, die Vorteile und die Attraktivität Siegens deutlich stärker in den Fokus zu stellen“, betont der Bürgermeister und ergänzt an die Universität Siegen gerichtet: „Ehrlicherweise würde es auch helfen, wenn man hier die Gesundheitsberufe etwas stärker in den Fokus stellt“. Darüber hinaus sprechen Dr. Olaf Gaus und Tristan Vitt über die Siegener Kliniken im Kontext der Krankenhausreform, Handlungsoptionen im Bereich psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und weitere gesundheitspolitische Themen.
38 | Dr. med. Thomas Bandorski
2026/03/06
„Eine digitale Praxis ist etwas, wo man mit digitalen Tools als Hilfsmittel eine Patientenjourney abbilden kann“, definiert Dr. Bandorski zu Beginn. Er betont, dass Digitalisierung dabei kein Selbstzweck ist, sondern als Hilfsmittel in die intersektoralen Prozesse eingegliedert sein muss. Besonderen Wert legt er auf den erkennbaren Nutzen für die Patient*innen. Dr. Bandorski betreibt eine digitale Praxis in Etteln, einem kleinen Dorf in der Nähe von Paderborn. Nachdem die Arztpraxis fünf Jahre lang unbesetzt blieb, eröffnete er im September 2025 dort die digitale DIHVA-Praxis Borchen-Etteln. Hier arbeitet eine speziell geschulte Mitarbeiterin, die mit den Patient*innen KI-gestützt einen Anamnesebogen erstellt und die Diagnostik durchführt. Die gewonnenen Informationen werden Dr. Bandorski, niedergelassener Hausarzt in der Praxis Dr. Bandorski + Schäfer, zugestellt. Auf dieser Basis entscheidet er über das weitere Vorgehen. „Ich verlasse mich auf meine Mitarbeiter vor Ort. Das mache ich in der Praxis auch. Ich benutze eine KI. Auch da muss man sich erst mal drauf einlassen. Aber die Rückmeldung der Patienten ist extrem gut“, so der Experte. In diesem Zusammenhang schreibt Dr. Bandorski auch der Delegation an entsprechend qualifizierte Berufsgruppen, beispielsweise Physician Assistant (PA), Entlastende Versorgungsassistenz (EVA) und Nichtärztliche-Praxisassistenz (NäPa), eine besondere Bedeutung zu. „Wir werden die Versorgung allein mit Ärzten nicht sichern können“, so der Facharzt und ergänzt: „Wir müssen Versorgung anders denken“. Die Rolle der Ärztin und des Arztes wird sich seiner Einschätzung nach weiter verändern, indem die Arbeit an den Patient*innen abnimmt und Delegation zunimmt. Wie Dr. Bandorski zum eRezept und zur elektronischen Patientenakte (ePA) steht, wie sich das Modell der digitalen Praxis am Beispiel von Etteln auf die Patient*innen auswirkt und wie wichtig nachhaltige, generationenübergreifende Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitsprävention sind, wird in dieser Folge ebenfalls diskutiert.
37 | Dr. med. Andreas Gassen
2026/02/13
Die ambulante Versorgung deckt laut Dr. Gassen 97 Prozent der Gesundheitsversorgung in Deutschland ab. Dabei bildet sie lediglich 16 Prozent der jährlichen Ausgaben für Gesundheitsleistungen ab und ist vergleichsweise schlecht finanziert. Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert der Vorstandsvorsitzende der KBV Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der ambulanten Versorgung sowie Einsparpotentiale. „Was die Menschen brauchen, ist eine gewisse Verlässlichkeit, eine belastbare Versorgungssituation“, so Dr. Gassen. Die hausärztliche Praxis ist als Einzelpraxis ein Modell, das weiterhin Zukunft hat. Um neue Niederlassungen insbesondere in ländlichen Gebieten zu fördern, spricht sich der Experte gegen regulatorische Zwänge aus und plädiert für Maßnahmen, die zur Steigerung der Standortattraktivität in den betreffenden Regionen führen. Weiter decken gesetzliche Krankenversicherungen versicherungsfremde Leistungen ab, die laut Dr. Gassen in den Sozialhaushalt gehören. „Der Leistungsumfang ist international unerreicht. Das ist nicht auf Dauer gewährleistet“, erklärt Dr. Gassen. Hier könnten Verantwortlichkeiten geklärt und die Beitragszahler entlastet werden. „Ich bin vehement dafür, dass man mal eine ehrliche Diskussion über die Sozialsysteme und ihre Finanzierbarkeit führt“, so der Vorstandsvorsitzende. Potentiale sieht Dr. Gassen in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Im europäischen Vergleich hängt Deutschland aktuell stark hinterher: Die elektronische Patientenakte (ePA) ist krankenkassenindividuell, wodurch die Akzeptanz in der Bevölkerung gering bleibt. Weniger als vier Prozent der Versicherten nutzen die ePA und auch die Praxisverwaltungssysteme sind nicht optimal auf die ePA eingestellt. Ebenso weisen das eRezept und die Gematik-Server Schwächen auf. Dr. Gassen spricht sich aus für einen Neustart der Digitalisierungsmaßnahmen: Eine bundeseigene, sichere und moderne interoperable Infrastruktur, die den Datenaustausch zwischen allen beteiligten Akteuren wie Praxen, Krankenhäuser, Pflege und Apotheken sicherstellt. Darüber hinaus diskutieren Dr. Olaf Gaus und Dr. med. Andreas Gassen über die Reform der Notfallversorgung sowie die Krankenhausreform und über die Ausweitung von Delegation nicht-ärztlicher Kompetenzen auf andere Professionen und den Fachkräftemangel.
36 | Jens Kamieth
2025/10/10
„Das System steht massiv unter Druck, und zwar aus unterschiedlichen Richtungen“, erklärt Jens Kamieth MdL und bezieht sich auf den demografischen Wandel sowie die aktuelle wirtschaftliche Lage. Unter diesen Gesichtspunkten stellt sich dem Landtagsabgeordneten die Frage, wie eine qualitativ hochwertige Versorgung insbesondere im ländlichen Raum auch zukünftig sichergestellt werden kann. Jens Kamieth und Dr. Olaf Gaus sprechen über die Stärkung des Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung, das wiederum einen gesünderen Lebensstil fördere und so zu mehr Lebensqualität verhelfe. So spricht sich Jens Kamieth als Jugendpolitiker dafür aus, dies schon in der Grundschule mitzudenken und durch Lehrpläne ein Bewusstsein für Gesundheitsthemen zu schaffen. Das sei in den Curricula bereits enthalten, müsse aber noch stärker im Unterricht etabliert werden. Neben dem Bildungsaspekt sieht der Abgeordnete auch in Anreizsystemen hohes Potential zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens. Dazu gehören Beitragserstattungen durch Krankenkassen bei Teilnahme an Gesundheitsprogrammen. Solche Angebote müssten nach Einschätzungen des Politikers noch bekannter und weiter ausgebaut werden. Weitere Potentiale zur Stabilisierung des Gesundheitssystems stellen für Jens Kamieth eine effizientere Übermittlung von Patientendaten und die Auflösung von Doppeluntersuchungen dar. Schon auf dem Weg von der Notaufnahme in die eigentliche Fachabteilung entstünden Datenbrüche. „Wir müssen intensiv darüber nachdenken, dass wir versuchen den Ärzten wirklich nur die Arbeit zu lassen, die nur sie machen können und vorgelagerte und nachgelagerte Arbeiten bei Untersuchung, Anamnese oder Medikation in die Ebene der ärztlichen Mitarbeiter zu geben“, ergänzt Kamieth. Auch sei über Demokratieabbau im Bereich der Gesundheitsversorgung nachzudenken. Weiter diskutieren Jens Kamieth MdL und Dr. Olaf Gaus das Thema Datenschutz und die Diskrepanzen, die sich hier nach Ansicht des Abgeordneten ergeben, sowie über nächste notwendige Schritte aus politischer Sicht, um die Probleme im Gesundheitssystem nachhaltig anzugehen.
30 | David Löher
2025/04/04
„Es lässt einen manchmal verzweifeln, wenn man weiß, dass wir in Unternehmen Lösungen und Produkte haben, die morgen sofort Nutzen stiften können, die wir aber nicht sofort einsetzen können“, sagt David Löher und bezieht sich dabei auf Hürden aufgrund politischer, gesetzlicher, institutioneller als auch unternehmerischer Strukturen. „Wenn man uns in zehn Jahren fragt, ‚Habt ihr das damals nicht gesehen?‘, dann müssen wir doch selbstkritisch sagen, ‚Natürlich wussten wir das; wir wussten, dass wir diese Defizite haben‘“, führt der Geschäftsführer weiter aus. Er betont, dass die Umsetzung von Innovationen aktiv angegangen werden muss. Seiner Einschätzung nach sei dies eine Frage des Mindsets. So herrsche in anderen Ländern bspw. eine andere Art von Pragmatismus, wenn es darum geht innovative Lösungen in die Anwendung zu bringen. Es könne helfen, sich an den Best Practices aus anderen Ländern zu orientieren. Im Hinblick auf den Wissenschafts- und Technologietransfer beschreibt David Löher einen wechselseitigen Nutzen zwischen Wissenschaft und Industrie. „Wenn es jemandem gelungen ist einen Prozess in einem Fertigungsbetrieb papierlos zu machen, dort papierlos zu dokumentieren, wieso sollen wir diese Best Practices nicht eins-zu-eins versuchen zu übertragen in das Gesundheitswesen“, bringt der Geschäftsführer beispielhaft an. Neben der universitären Transferleistung können genauso unternehmerische Lösungen aus anderen Branchen überführt werden in das Gesundheitswesen. Außerdem sprechen Dr. Olaf Gaus und David Löher über Technikakzeptanz und relevante Faktoren, die die universitären Bildungswege im Gesundheitswesen betreffen.
23 | Prof. Josef Hecken
2024/08/02
Dr. Olaf Gaus und Prof. Josef Hecken diskutieren gemeinsam über Lösungen für den absehbaren Mangel an Haus- und Fachärzt*innen in Deutschland. Mittlerweile sei allen klar, dass insbesondere in ländlichen Regionen nicht genügend Allgemeinmediziner*innen bereit seien, sich dort niederzulassen. „Für die Grundversorgung […] müssen wir dann auch bereit sein, auf dem Land mehr Geld in die Hand zu nehmen“, argumentiert Prof. Hecken. Im Gespräch wird ebenfalls erörtert, wie der Experte die vom Bundesgesundheitsminister angestoßene Krankenhausreform einschätzt und welche weiteren strukturellen Veränderungen aus seiner Sicht umgesetzt werden sollten. Angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen durch den demografischen Wandel sowie den zeitgleich rasanten medizinisch-technischen Fortschritt stellt Prof. Hecken die wichtige Rolle des Gemeinsamen Bundesausschusses als Akteur in der deutschen Gesundheitspolitik heraus. Beim G-BA gehe es nicht darum, politischen Begehrlichkeiten gerecht zu werden, sondern um einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Geldern der Beitrags- und Steuerzahler*innen. Gemäß der beiden Leitprinzipien – dem Qualitäts- und dem Wirtschaftlichkeitsgebot – treffe der G-BA seine Entscheidungen streng nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Er plädiert in Hinblick auf die steigenden Gesundheitsausgaben dafür, die aktuellen Strukturen des Gesundheitssystems schnellstmöglich zu optimieren: "Wir geben 12% unseres Bruttoinlandprodukts für Gesundheit aus. Dieser Kuchen ist mittlerweile so groß, dass man nicht davon ausgehen kann, dass er beliebig wachsen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Effizienzsteigerung für mich das absolute Credo, das wir in den nächsten Jahren nachhaltig betreiben müssen." Insbesondere die Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie die Ambulantisierung von Versorgungsleistungen müssten konsequent weiter vorangetrieben werden, um eine stärkere Verzahnung der beiden Sektoren zu ermöglichen, so der Experte.
19 | Lars Rettstadt
2024/03/01
„Die Hausarztpraxis ist kein Auslaufmodell“, beschreibt Lars Rettstadt und betont die Attraktivität und Vielfalt einer Tätigkeit als Allgemeinmediziner*in. Jedoch sei die ambulante, wohnortnahe Versorgung häufig gefährdet und vor allem die Praxen in ländlichen Gebieten seien an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Um dem entgegenzuwirken, müssten sich die Strukturen ändern. Insbesondere die Patientensteuerung, z. B. durch Hausarztverträge, sei für das Gesundheitssystem und die Kostenträger von großer Wichtigkeit. Auch mögliche Erleichterungen durch die fortschreitende Digitalisierung hebt Lars Rettstadt im Interview hervor. In seiner Praxis gibt es z. B. eine Patient*innen-App mit Chatfunktion. Über diese App können die Patient*innen nicht nur Kontakt zur Praxis aufnehmen, sondern auch ihre Krankenakte einsehen, Rezepte bestellen oder Blutdruckwerte übermitteln. Des Weiteren wird im DMGD-Talk darüber gesprochen, dass Mittel zur Förderung der Weiterentwicklung von hausärztlichen Praxen benötigt werden. Auch wird thematisiert, welche Bereiche in den Praxen sich bereits verändert haben oder zukünftig einem Wandel unterliegen werden.
12 | Prof. Dr. iur. Alexandra Jorzig
2023/08/04
„Wir müssen weg von der Arztzentriertheit“, erklärt Prof. Alexandra Jorzig. Die ärztliche Kompetenz bleibe unangetastet, würde jedoch durch digitale Tools unterstützt. Manche Tätigkeiten würden in den Arbeitsbereich von Gesundheitsfachkräften verlagert und auch die Eigenverantwortung der Patient*innen solle gefördert werden. Auch die Akademisierung von Gesundheitsfachberufen könne dem drohenden Mangel in der Gesundheitsversorgung entgegenwirken. Prof. Dr. iur. Alexandra Jorzig ist Fachanwältin für Medizinrecht, Inhaberin der Rechtsanwaltskanzlei „JORZIG Rechtsanwälte“, Dozentin der Deutschen Anwaltakademie sowie Lehrbeauftragte an Hochschulen. Bereits zum fünften Mal in Folge wurde sie von der WirtschaftsWoche und dem Handelsblatt Research Institute als „TOP Anwältin im Medizinrecht“ ausgezeichnet.
11 | Prof. Dr. Werner Mäntele
2023/07/07
Prof. Mäntele erläutert die Funktionsweise der entwickelten Technologie zur nicht-invasiven Glucosemessung. Ziel sei es, „optische Verfahren zu nutzen, um chemische oder biochemische Messmethoden abzulösen oder zumindest zu ergänzen“. Er berichtet, wie die Validierung des Verfahrens durch Tests erfolgte, wie die Finanzierung sichergestellt werden konnte und wann die ersten Geräte auf den Markt kommen werden.
10 | Heinrich Böckelühr
2023/06/02
Heinrich Böckelühr betont, dass die Einbeziehung digitaler Prozesse in die gesundheitliche Versorgung sinnvoll und notwendig ist, um die Hausarztpraxen zu entlasten. Vor allem der Datenschutz dürfe Digitalisierungsprozesse nicht behindern, sondern müsse deren Nutzen in den Vordergrund stellen. Um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranbringen zu können, sollte zügig der nötige Rechtsrahmen geschaffen werden.
09 | Sonja Laag
2023/05/05
Sonja Laag beschreibt im Interview zunächst die historischen Hintergründe unseres Gesundheitssystems, bevor sie auf die daraus resultierenden strukturellen Probleme eingeht. Sie spricht von „einem Jahrhundert Strukturaufholbedarf, um die Berufspflege überhaupt in die Lage zu versetzen, mitgestalten zu können.“ Im Rahmen der Digitalisierung werde dringend eine „Kommission für Systemarchitektur“ benötigt, um zu prüfen, an welchen Stellen alte Komponenten im System nicht mehr passen. Auch sieht die Expertin die Notwendigkeit, Praktiker*innen in die Versorgungsgestaltung einzubeziehen. Sonja Laag ist Expertin für eine integrierte Versorgungsinfrastruktur im Gesundheitssystem, ist seit dem Jahr 2002 bei der BARMER in Wuppertal als Versorgungsprogrammleiterin für Integrierte Versorgung tätig und ist Mitglied im IPAG-Expert*innenrat.
08 | Dr. med. André T. Nemat
2023/04/06
„Daten metaphrasieren wir mittlerweile als Rohstoff. [...] Diese zahlreichen Daten bilden zusammen mit wachsender Rechenleistung und algorithmischer Intelligenz die Treiber der Digitalisierung“, erklärt Dr. med. André T. Nemat im Gespräch mit Dr. Olaf Gaus. Das Qualitätsversprechen der Digitalisierung in der Medizin liege in der „Entwicklung des digitalen Zwillings“. Auf welche Weise solch ein „digitales Ich“ nicht nur aus medizinischen Daten entsteht, inwiefern die permanent erhobenen Big Data für Unternehmen wertvoll sind und warum es durch die großen Datenmengen zu einem Paradigmenwechsel in Medizin und Versorgung kommen kann, bei dem sowohl Prädiktion als auch Prävention einen immer größeren Stellenwert einnehmen, wird in dieser Ausgabe der Gesundheitspolitischen Gespräche thematisiert. Dr. med. André T. Nemat studierte zunächst Ingenieurwissenschaften und dann Medizin. Er war 15 Jahre als Chefarzt für Thoraxchirurgie an Krankenhäusern maximaler Versorgungsstufen tätig und ist u. a. Gründer und Managing Partner des Institute for Digital Transformation in Healthcare an der Universität Witten/Herdecke.
07 | Prof. Dr. med. Martin Mücke
2023/03/03
„Gerade im Bereich der seltenen Erkrankungen spielt die Digitalisierung eine sehr große Rolle“, erklärt Prof. Mücke im Gespräch mit Dr. Gaus. „Man weiß noch nicht viel über diese Erkrankungen und es gibt nur wenige Experten, die sich damit auseinandersetzen.“ Das rare Wissen darüber könne mit Hilfe von KI-Anwendungen vermittelt werden. Auch könne KI von Betroffenen ausgefüllte Fragebögen auswerten und damit vor allem Allgemeinmediziner*innen, die nicht an einem der Zentren für Seltene Erkrankungen beschäftigt sind und sich diesen Erkrankungen nur mit sehr beschränkten zeitlichen Kapazitäten widmen können, bei der Diagnostik unterstützen. Prof. Dr. med. Martin Mücke ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Direktor des Instituts für Digitale Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik RWTH Aachen und Vorstandssprecher des Zentrums für Seltene Erkrankungen Aachen (ZSEA).
06 | Prof. Dr. David Matusiewicz
2023/02/02
„Es gibt keine andere Branche, in der der Impact der Digitalisierung größer ist als im Gesundheitswesen.“, so Prof. Matusiewicz im Gespräch mit Dr. Olaf Gaus. „Das liegt zum einen daran, dass diese Branche rückständiger ist was Technologie angeht – im Gegensatz zu eCommerce, Automotive und anderen Branchen – und zum anderen gibt es nichts Wichtigeres als das Gut Gesundheit.“ Wie die digitale Transformation des Gesundheitswesens aussehen könnte und wie wichtig darauf abgestimmte Geschäftsmodelle sind, wird in dieser Ausgabe thematisiert. Prof. Dr. David Matusiewicz ist Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management. Er ist Dekan des Hochschulbereichs Gesundheit & Soziales und leitet das gleichnamige Forschungsinstitut (ifgs). Er unterstützt technologie-getriebene Start-ups im Gesundheitswesen. Sein kürzlich herausgegebenes Buch „Plattformen und Tech-Giganten“ (Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft) widmet sich zukunftsfähigen Geschäftsmodellen in der digitalen Gesundheitsökonomie.

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