
Werben im Podcast: MUT - Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran
Dieser Podcast hat
30 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Tijen OnaranExplizit
Nein
Erstellt am
2024/09/16
Neueste Episode
2026/06/14
Durchschnittsdauer
44 min.
Veröffentlichungsintervall
29 Tage
Beschreibung
Deutschland braucht Veränderung, darüber sind wir uns alle einig. Doch wie diese Veränderung aussehen soll, darauf hat die Politik derzeit keine Antwort. In diesem Video-Podcast von Tijen Onaran gemeinsam mit Focus online diskutieren wir pragmatische Lösungen für die Zukunft von Deutschland. Kein Blick zurück, keine Ego-Polit-Show: MUT- Der Deutschland Talk mit Tijen Onaran ist ein Format, das Mut machen soll – und Lust auf, das, was kommt. In zehn Folgen denken Tijen und ihre Gäste Deutschland weiter – auf Augenhöhe, konfrontativ, aber immer konstruktiv.
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Wie hält man ein Pfeifkonzert von 80.000 Menschen aus, Herr Aytekin?
2026/06/14
Deniz Aytekin war einer der weltbesten Fußball-Schiedsrichter. In der Special-Ausgabe des „MUT-Talks“ vonFOCUS online sprach Aytekin mit Tijen Onaran über sein Ego, den Umgang mit Kritik, echte Fehlerkultur und einen simplen Trick gegen das Jammern.
In der MUT-Special-Folge im Rahmen des „Constructive World Award“ von FOCUS online sprach Host und Unternehmerin Tijen Onaran mit Aytekin über Resilienz, Respekt und seine Erfahrungen im Spitzensport.
Aytekin kennt Gegenwind und Ablehnung bestens: 2011 wählten ihn die Bundesliga-Spieler sogar zum schlechtesten Schiedsrichter. Den Grund dafür sieht er rückblickend in seinem eigenen Verhalten. „Ich hab am Ende Härte mit Stärke verwechselt“, gesteht er. Sein großes Ego sorgte damals dafür, dass er jede noch so kleine Rückfrage als direkten Angriff wertete.
Aus dieser Krise zog Aytekin eine wichtige Lehre und etablierte ein neues Leitmotiv: „Klar in der Sache, aber zum Menschen herzlich.“ Er erkannte den Unterschied zwischenvertikalem Respekt, der einem Menschen allein durch eine Funktion zuteil wird und horizontalem Respekt, der durch echtes, menschliches Interesse an anderen entsteht. Diese Einstellung half ihm auch dabei, Pfeifkonzerte von 80.000 Zuschauern im Stadion auszublenden:„Ich habe immer meine Funktion getrennt von der Person“.
Für den Erfolg von Unternehmen ist laut Aytekin vor allem die psychologische Sicherheit im Team entscheidend. Dafür müssten Führungskräfte transparent eigene Fehler vorleben,ihre Mitarbeiter proaktiv und konkret einladen, ihre Meinung zu sagen, und diese Kritik anschließend professionell und ohne Sanktionen annehmen.
Trotz seiner beruflichen Erfolge äußert Aytekin auch Reue. Seinen größten Fehler sieht er darin, in jungen Jahren getrieben gewesen zu sein: „Ich habe teilweise meineTochter nicht aufwachsen sehen.“ Heute achtet er strikt darauf, mental im Moment anzukommen und seiner Familie die „maximale Aufmerksamkeit“ zu schenken, die sie verdiene.
Gegen das Gefühl der Machtlosigkeit in unsicheren Zeiten rät er zur Eigenverantwortung: Man solleaufhören zu jammern und sich stattdessen zwingen, acht Lösungsoptionen aufzuschreiben. Wer das Lamentieren dennoch nicht lassen kann, für den hat er einen simplen Trick parat: Fünf Minuten lang den ganzen Frust in dieHandy-Kamera jammern und sich das Video täglich anhören. Das Resultat laut Aytekin: „Spätestens nach dem dritten Tag ist man geheilt.“
Wie bringt man Klimaschutz und Wirtschaftskraft zusammen, Gabriele Hässig?
2026/06/03
Im aktuellen „MUT-Talk“ besucht Tijen Onaran Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Procter & Gamble, am Forschungsstandort bei Frankfurt. Hässig arbeitet seit mehr als 35 Jahren für den internationalen Konzern, zu dem Marken wie Pampers, Ariel und Gilette gehören.
Hässig nimmt bei ihrem Herzensthema Nachhaltigkeit eine doppelte Veränderung war. Zum einen sei „der Hype vorbei“. Zum anderen habe die Bedeutung des Themas angesichts des Klimawandels weiter zugenommen. Die P&G-Geschäftsführerin kritisiert, dass der Nachhaltigkeitsdiskurs lange von einer kleinen, aktivistischen Gruppe dominiert wurde, die sich einen Überbietungswettbewerb geliefert habe, wer der bessere Mensch sei.
Hässig erklärt im „MUT-Talk“ ihren Ansatz: Wer wirklich etwas verändern wolle, müsse bei den Bedürfnissen der Menschen anfangen. Produkte müssten genauso gut sein wie zuvor und gleichzeitig nachhaltiger werden. Einen Kompromiss zwischen Leistung und Ökologie akzeptiere die breite Mehrheit nicht.
Als konkretes Beispiel nennt Hässig eine gemeinsame Initiative von Ariel und dem WWF. P&G hat analysiert, dass das Erhitzen von Wasser beim Wäschewaschen der größte einzelne CO2-Posten über alle Kategorien und Marken hinweg ist. Mit der Kampagne „Wir drehen runter“ soll die durchschnittliche Waschtemperatur gesenkt werden. „Ich kann die Waschmaschine nutzen, die ich zu Hause habe. Ich muss nichts investieren und bekomme die Wäsche total sauber“, so Hässig. „Ohne Zeigefinger, sondern mit einem besseren Angebot“ soll so Klimaschutz betrieben werden.
Hässig berichtet, dass P&G derzeit eine gewisse Kaufzurückhaltung erlebt. „Wenn man sich die Daten anschaut, sieht man, dass die Stimmung sehr weit unten und die Inflationserwartung sehr hoch ist.“ Als Unternehmen sei es dann wichtig, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis für Kunden zu schaffen.
Hässig nimmt dabei auch die Politik in die Pflicht. Sie fordert den Abbau von Überregulierung: „Man kann die Zukunft nicht durchregulieren“, erklärt die Geschäftsführerin. „Das macht uns nicht innovationsoffen.“ Ordnungspolitik sei wichtig – aber sie solle den Rahmen setzen, nicht die Lösung vorschreiben.
Gleichzeitig lobt Hässig den „großartigen Standort“ Deutschland. Sie macht das unter anderem an einer gut ausgebildeten Bevölkerung, einer guten Infrastruktur und einem guten Forschungsnetzwerk fest. „Es gilt, das weiter auszubauen, um diese Stärken besser zu nutzen“, fordert die P&G-Geschäftsführerin.
Kann Deutschland mehr, Herr Birnbaum?
2026/04/24
Im „MUT“-Talk mit Tijen Onaran spricht E.ON-CEO Leo Birnbaum offen über den Stand der Energiewende in Deutschland, den Umgang mit technologischen Chancen – und die grundlegende Frage, ob das Land bereit ist, die notwendigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen für seine Zukunft zu leisten. Onaran beschreibt ihn am Ende des Gesprächs als „Klartext-CEO“, der auch bei politischen Themen nicht ausweicht, sondern klare Positionen bezieht.
Ein zentraler Punkt ist die Kostenrealität der Energiewende. Birnbaum widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Geld dabei keine entscheidende Rolle spiele. Der Umbau des Energiesystems erfordere enorme Investitionen und die Bereitschaft, diese auch zu tragen. Gleichzeitig sieht er die größere Herausforderung weniger in fehlenden Ressourcen als in der gesellschaftlichen Haltung. Deutschland neige dazu, sich stark auf Defizite zu konzentrieren, statt die eigenen Stärken stärker in den Fokus zu rücken – obwohl das Land im internationalen Vergleich weiterhin gut dastehe.
Wie sehr politische und regulatorische Entscheidungen den Fortschritt bremsen können, verdeutlicht Birnbaum am Beispiel der Smart-Meter-Einführung. Frühere Einschätzungen, komplexe Vorgaben und hohe Datenschutzanforderungen hätten dazu geführt, dass Deutschland beim Rollout deutlich hinterherhinkt. Vorschläge aus der Wirtschaft für einen schnelleren, flächendeckenden Ausbau seien politisch nicht aufgegriffen worden. Statt Prozesse zu vereinfachen, sei zusätzliche Komplexität entstanden – mit dem Ergebnis eines Systems, das aus seiner Sicht nur schwer effizient weiterzuentwickeln ist.
Über die Energiepolitik hinaus richtet Birnbaum den Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Auf die Frage, welches heute selbstverständliche Gut in Zukunft zum Privileg werden könnte, nennt er eine jederzeit verfügbare Krankenhausversorgung für alle. In einer alternden Gesellschaft und unter wachsendem finanziellen Druck werde es immer schwieriger, dieses Versprechen aufrechtzuerhalten. Damit macht er deutlich, dass die Herausforderungen der Energiewende nicht isoliert betrachtet werden können, sondern eng mit den Belastungen anderer zentraler Systeme verbunden sind.
Trotz seiner kritischen Analyse verfällt Birnbaum nicht in Pessimismus. Er wirbt für mehr Realismus, aber auch für mehr Zuversicht im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Deutschland verfüge weiterhin über erhebliche wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Ressourcen, auf die es aufbauen könne. Entscheidend sei, diese Potenziale konsequenter zu nutzen und schneller ins Handeln zu kommen. Sein Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Verdrängung oder Schönreden, sondern durch Investitionsbereitschaft, klare Entscheidungen und den Mut, bestehende Strukturen grundlegend zu hinterfragen.
Wie finden wir Mut zur Nuance in einer Welt voller einfacher Antworten, Tupoka Ogette?
2026/03/18
Im „MUT“-Talk spricht Tupoka Ogette mit Tijen Onaran über ihr neues Buch „Trotzdem Zuhause“, über Zugehörigkeit – und die Frage, wie wir in einer Welt voller einfacher Antworten den Mut zur Nuance bewahren können. „Es lohnt sich, die Anstrengung zu unternehmen, auf Nuancen zu schauen“, sagt Ogette. „Beides kann existieren und wahr sein.“
Ogette, eine der prägenden Stimmen der Rassismuskritik in Deutschland, gibt dabei einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in ihre eigene Geschichte. In „Trotzdem Zuhause“ beschreibt sie ihr Aufwachsen in der DDR, den tiefgreifenden Einschnitt durch die Ausreise und die langjährige Suche nach einem Gefühl von Zugehörigkeit. Den Schreibprozess bezeichnet sie als intensive „Seelenarbeit“, bei der sie sich noch einmal bewusst mit prägenden Erfahrungen und schmerzhaften Erinnerungen auseinandersetzen musste.
Im Zentrum des Gesprächs steht das von ihr geprägte Bild des „Brückenmenschen“. Ogette beschreibt damit einen Zustand zwischen verschiedenen Welten – ein Leben in Übergängen, ohne klare Zuordnung. Diese Position sei zugleich eine Stärke und eine Herausforderung: Wer sich in der Mitte der Brücke befinde, könne unterschiedliche Perspektiven einnehmen und verbinden, müsse aber auch aushalten, nirgendwo vollständig dazuzugehören. Zugehörigkeit werde so nicht zu einem festen Zustand, sondern zu etwas, das immer wieder neu verhandelt werden müsse.
Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wird Ogette deutlich. In einer Zeit wachsender Polarisierung, in der einfache Antworten und vermeintliche Gewissheiten an Attraktivität gewinnen, warnt sie vor genau diesen Vereinfachungen. Besonders kritisch sieht sie die Sehnsucht nach einem idealisierten „Früher“, das oft als Gegenentwurf zur komplexen Gegenwart herangezogen wird. Für Ogette liegt die eigentliche Stärke jedoch im Aushalten von Widersprüchen und im differenzierten Blick auf Realität. Die Zwischentöne seien kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck von Reife und Erkenntnis.
Das Gespräch beleuchtet auch die persönlichen Kosten von Ausgrenzung und Rassismus. Ogette schildert eindrücklich, wie frühe Erfahrungen des Andersseins ihr Selbstbild geprägt haben. Ständige Zuschreibungen und das Gefühl, nicht dazuzugehören, können dazu führen, die eigene Existenz infrage zu stellen. „Irgendwann hinterfragst du deine Daseinsberechtigung“, sagt sie – und macht damit deutlich, wie tief solche Erfahrungen wirken können.
Gleichzeitig bleibt der Ton des Gesprächs nicht resignativ. Ogette formuliert eine klare Haltung im Umgang mit Unsicherheit und Veränderung. Für sie ist Kontrolle eine Illusion – und gerade darin liegt eine Chance. Statt an starren Vorstellungen von Heimat festzuhalten, plädiert sie für ein dynamisches Verständnis: ein Zuhause, das sich verändert, mitwächst und neue Erfahrungen zulässt. „Ich möchte ein Zuhause, das sich bewegt“, sagt sie. Stillstand bedeute für sie nicht Sicherheit, sondern das Ende von Entwicklung.
Ihr Buch versteht Ogette deshalb auch als Einladung: einen Resonanzraum zu schaffen, in dem Menschen sich selbst, ihre Widersprüche und ihre Brüche wiederfinden können. Es geht darum, die eigene Geschichte anzunehmen, ohne sie zu vereinfachen – und den Mut zu entwickeln, in einer komplexen Welt differenziert zu bleiben.
Ihr Fazit: Der Mut zur Nuance ist keine Schwäche, sondern eine zentrale Fähigkeit unserer Zeit. Nur wer bereit ist, Ambivalenzen auszuhalten und unterschiedliche Wahrheiten nebeneinander bestehen zu lassen, kann sowohl persönlich als auch gesellschaftlich wachsen.
Link zum Buch "Trotzdem Zuhause":
https://www.penguin.de/buecher/tupoka-ogette-trotzdem-zuhause/buch/9783328604495
Ist Deutschlands Marine bereit für den Ernstfall in der Ostsee, Oliver Burkhard?
2026/02/03
Im „MUT“-Talk spricht Oliver Burkhard, CEO von TKMS, über Sicherheit, Verantwortung – und die unbequeme Frage, ob Deutschland und Europa auf einen militärischen Ernstfall in der Ostsee vorbereitet sind. „Wir sind kein Profiteur des Krieges“, betont Burkhard. „Wir stellen Dinge her, die unsere Werte und unsere Freiheit weltweit verteidigen.“
Burkhards eigener Weg ist ungewöhnlich: Vom Verhandlungstisch der IG Metall führte ihn sein Karriereweg an die Spitze eines der wichtigsten europäischen Marineschiffbauer. Heute verantwortet er die Entwicklung und den Bau moderner Marineschiffe und U-Boote – mit einem Auftragsbuch von mehr als 18 Milliarden Euro, das TKMS bis in die 2040er-Jahre auslastet. Doch volle Bücher bedeuten für ihn keinen Anlass zur Entwarnung. Burkhard warnt vor einer sicherheitspolitisch kritischen Phase Ende des Jahrzehnts. Insbesondere die Jahre 2029/30 könnten in der Ostsee zu einem „Hotspot“ werden, sollte Russland nach einem möglichen Ende des Ukraine-Kriegs die NATO an den Grenzen der baltischen Staaten testen.
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist Deutschlands technologische Stärke unter Wasser. TKMS gilt als weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten – vor allem dank einer außenluftunabhängigen Brennstoffzellen-Technologie. Während klassische Diesel-U-Boote regelmäßig auftauchen müssen, um Sauerstoff für die Batterien aufzunehmen, ermöglicht diese Technologie sehr lange Tauchzeiten. „Wir haben eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff Energie erzeugt, die wiederum die Batterien lädt“, erklärt Burkhard. „Man kann damit sehr, sehr lange tauchen.“
Doch Burkhard macht klar: Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Die größte Schwäche sieht er nicht im fehlenden Know-how, sondern in langsamen Prozessen. Die Zeitenwende habe zwar Geld gebracht, aber kaum Geschwindigkeit. „Nur weil man mehr Geld hat, heißt das noch nicht automatisch, dass man auch in der Lage ist, mehr auszugeben“, sagt er. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungen und politische Entscheidungswege kosteten wertvolle Zeit – Zeit, die angesichts wachsender Bedrohungen fehle.
Auch europäisch rechnet Burkhard mit bestehenden Strukturen ab. Während Russland mit einer weitgehend einheitlichen Flotte operiere, leiste sich Europa eine extreme Zersplitterung – unter anderem mit 24 verschiedenen Fregattentypen. Seine Forderung: eine industrielle Konsolidierung nach dem Airbus-Prinzip. Nur durch Zusammenarbeit könne Europa technologisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch bestehen.
Trotz der ernsten Analyse verfällt Burkhard nicht in Alarmismus. Er mahnt zu mehr Sachlichkeit und gesellschaftlicher Gelassenheit. Europa sei stärker, als viele glauben – vorausgesetzt, es nutze sein industrielles Potenzial und handle entschlossener. Sein Fazit: Wehrhaftigkeit entsteht nicht durch Panik, sondern durch Tempo, Pragmatismus und den Mut, alte Denk- und Entscheidungsstrukturen zu überwinden.
Wer macht unseren Strom so teuer, Philipp Schröder?
2026/01/13
Im MUT-Talk mit Tijen Onaran wird es grundlegend: Energieunternehmer und Ex-Tesla-Deutschland-Chef Philipp Schröder spricht über hohe Strompreise, politische Fehlanreize – und die Frage, warum günstige Energie in Deutschland trotzdem teuer bleibt.
Sein Befund ist eindeutig: „Strom könnte fast kostenlos sein.“ Dass er es nicht ist, sei kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis eines dysfunktionalen Systems.
Deutschland leidet unter europaweit höchsten Stromkosten. Für Schröder ist das die Folge politischer Entscheidungen und mächtiger Strukturen. Der Gründer von 1Komma5° spricht von einer „unheiligen Allianz“ zwischen Politik und großen Netzbetreibern. Die eigentliche „Gelddruckmaschine der Energiewende“ stehe nicht bei Wind- oder Solaranlagen, sondern „im Keller der Netzbetreiber“.
Besonders scharf kritisiert Schröder die Netzentgelte. Während Strom aus Sonne und Wind immer günstiger erzeugt werde, kämen die Ersparnisse bei den Verbrauchern nicht an. „In manchen Regionen zahlt man 22 Cent allein für das Netz“, sagt er. Netzbetreiber hätten keine Konkurrenz und garantierte Renditen. „Eon verdient sein Geld nicht mit Strom, sondern mit dem Netz. Das ist wie die GEZ.“ Je mehr investiert werde, desto höher falle die Rendite aus – zulasten der Verbraucher.
Auch die Energiepolitik nimmt Schröder ins Visier. Die geplanten Subventionen für neue Gaskraftwerke hält er für wettbewerbsverzerrend und kontraproduktiv. Deshalb hat er Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. „Das ist ein Foul“, sagt er. Staatlich geförderte Großkraftwerke würden dezentrale Lösungen ausbremsen und die Strompreise weiter nach oben treiben. Kritisch äußert er sich zudem über personelle Nähe zwischen Politik und Energiekonzernen: „Das nehme ich mittlerweile als störend wahr.“
Gleichzeitig räumt Schröder mit gängigen Ängsten auf – etwa rund um die Wärmepumpe. Die Debatte über unbezahlbare Kosten sei überzogen und von falschen Informationen geprägt. „Wer weiter mit Gas heizt, wird immer mehr zahlen“, warnt er. Steigende CO₂-Preise und Netzkosten machten fossile Energie langfristig unattraktiv. Die Wärmepumpe dagegen sei „magisch“ – besonders in Kombination mit Photovoltaik. Sein Ziel: Häuser zu kleinen Kraftwerken machen und Menschen von der Preisangst befreien.
Persönlich wird es beim Blick zurück auf seine Zeit bei Tesla. Zwar habe er dort viel gelernt, die Arbeitskultur unter Elon Musk beschreibt Schröder jedoch als „sehr toxisch“. Massenentlassungen und permanenter Druck seien Teil des Systems gewesen. Heute setzt er bewusst andere Prioritäten – auch symbolisch. Privat fährt er BMW.
Trotz aller Kritik blickt Schröder nicht pessimistisch nach vorn. Er sieht Deutschland an einem Wendepunkt. „Der Groschen fällt langsam“, sagt er – in Fragen der Energieversorgung, der wirtschaftlichen Resilienz und der strategischen Unabhängigkeit. Sein Appell: weniger Bürokratie, mehr Ehrlichkeit, konsequente Nutzung günstiger Erneuerbarer. Denn Wohlstand und Sicherheit seien kein Selbstläufer. Mut bedeute, bestehende Strukturen infrage zu stellen – bevor sie uns weiter teuer zu stehen kommen.
Wie krank ist Deutschland – und unser Gesundheitssystem, Jens Baas?
2025/12/23
TK-Chef Jens Baas warnt im MUT-Talk vor massiv steigenden Beiträgen: 2026 drohen Zusatzbeiträge über 3 Prozent. Er fordert radikale Reformen gegen Ineffizienz und staatliche Ungerechtigkeit im System.
Baas korrigiert die optimistischen Prognosen der Politik nach unten und warnt vor massiv steigenden Beiträgen: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird die 3-Prozent-Marke überschreiten und der Gesamtbeitrag für die Krankenversicherung wird in einigen Jahren bei über 20 Prozent liegen. „Die Politik hat sich hier etwas vorgemacht. Aber Wunder gibt es bei uns eben nicht“, stellt Baas klar.
Statt populistischer Schnelllösungen fordert Baas einen echten Strukturwandel:digital vor ambulant vor stationär, eine intelligentere Steuerung der Versorgung und ein Krankenversicherungssystem, das soziale Gerechtigkeit mit finanzieller Nachhaltigkeit verbindet.
Besonders konkret wird er mit einem Drei-Punkte-Plan, der Beitragszahler kurzfristig um über 20 Milliarden Euro entlasten könnte – von einer Mehrwertsteuersenkung auf Medikamente über faire Pharma-Preise bis hin zu einer ehrlichen Finanzierung der Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger.
Diese Folge ist ein Weckruf:Für Ehrlichkeit statt SchönrechnereiFür Reformen statt neuer BelastungenFür ein Gesundheitssystem, das auch morgen noch bezahlbar ist.
Wie viel Angst haben Sie um Ihre Familie – und um unser Land, Ahmad Mansour?
2025/11/25
Im Special-„MUT-Talk“ mit Tijen Onaran und Florian Festl wird es persönlich: Ahmad Mansour spricht über Ängste, Verantwortung – und die Frage, wie wir unsere Debattenkultur retten können. „Unsere Debattenkultur ist kaputt“, sagt er. Gleichzeitig fordert er: „Mut statt Gratismut.“
In einer bewegenden Live-Aufzeichnung im Rahmen der „Mut Maker Awards“ in Karlsruhe spricht der Psychologe und Islamismus-Experte offen über Bedrohungen, Anfeindungen und über die emotionale Last, die auch seine Familie mitträgt. Und trotzdem bleibt er klar: Er habe Deutschland als Wahlheimat bewusst gewählt – und sehe es als Pflicht, Demokratie zu verteidigen: „Das gibt es nicht zum Nulltarif.“
Mansour rechnet mit Vorwürfen aus Teilen der Medienlandschaft und der politischen Szene ab: Diffamierungen, pauschalisierte Rassismuskritik und der Vorwurf „erer Politik“ seien „eine glatte Lüge“. Er widerspricht deutlich: „Ich bin vielleicht Shitstorm-Experte – aber ich kämpfe für Menschenrechte und Freiheit.“
Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorne: Es brauche eine ehrliche Debatte über Migration, Integration und Sicherheit – ohne Empörungsschleifen, ohne moralische Etiketten. Denn, so Mansour: „Wir haben keine Strategie, wie wir aus Fremden Demokraten machen.“
Zum Schluss folgt ein Appell: Mut bedeute nicht laut zu sein, wenn alle applaudieren – sondern dort zu sprechen, wo es unbequem wird. „Wenn wir diese Demokratie schützen wollen, dann dürfen wir nicht warten, bis andere es tun.“
Funkloch statt Fortschritt: Wo ist die Deutschland-Power geblieben, Marcel de Groot?
2025/09/30
Im MUT-Talk mit Tijen Onaran spricht Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot über die aktuelle Lage Deutschlands und zeigt sich trotz aller Herausforderungen optimistisch. „Ich glaube, Deutschland ist ein bisschen verschnupft“, sagt er. Als gebürtiger Niederländer habe er immer auf Deutschland geschaut – „als sehr fleißiges und sehr erfolgreiches Industrieland. ‚Made in Germany‘ steht für hervorragende Qualität.“ Umso wichtiger sei es jetzt, nicht den Mut zu verlieren: „Ich hoffe, dass wir das wieder in den Griff bekommen. Ich glaube sogar: unbedingt. Es braucht nur Mut, es braucht Durchgreifen und es braucht den Glauben an die Wende.“Eine zentrale Rolle spiele dabei die Digitalisierung des Mittelstands. „Wir wissen, dass Unternehmen, die gut durchdigitalisiert sind, geschützt sind und in der modernen Zeit angekommen sind, 23 Prozent mehr Umsatz und Gewinn erzielen als jene, die es nicht sind. Das ist eine riesige Chance.“De Groot warnt jedoch davor, schnelle Wunder zu erwarten. „Die Dinge lassen sich nicht in einigen Monaten ändern. Es braucht Zeit. Die aktuellen Probleme sind auch nicht in kurzer Zeit entstanden.“ Wichtig sei, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln. „Wir sollten nicht immer nur auf die Regierung schauen, sondern selbst in der Wirtschaft Dinge in die Hand nehmen, um Deutschland wieder nach vorne zu treiben.“ Deutschland habe schon einmal bewiesen, dass es große Umbrüche meistern könne: „Das Wirtschaftswunder ist hier erfunden worden. Ich bin mir ganz sicher, dass wir mit dem richtigen Ansatz und der richtigen Unterstützung wieder nach vorne kommen.“Für Vodafone bleibe Deutschland ein zentraler Markt. „Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Standort, das Herzstück unseres Unternehmens“, betont de Groot. „Es ist die drittgrößte Wirtschaft der Welt mit viel Potenzial, Dinge zu verbessern und nach vorne zu treiben – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Menschen.“ Technologie könne dabei ein entscheidender Treiber sein: „In den letzten 20 Jahren war Mobilfunk enorm wichtig für das weltweite Wachstum, und wir haben eine zentrale Rolle, Deutschland weiter voranzubringen.“Am Ende gehe es für ihn nicht nur um Profit, sondern um Wirkung: „Was mich antreibt, ist die Frage, was wir als Unternehmen für Europa und ganz konkret für Deutschland bedeuten. Diese digitale Wende voranzutreiben, macht mir unheimlich viel Spaß und gibt mir sehr viel Energie.“
Wie viel Mut steckt in deinem Erfolg, Julia Engelmann?
2025/09/29
"Ich glaube, man kann etwas über sich lernen, indem man mutig ist."
Im MUT-Podcast spricht Poetry-Slammerin und Autorin Julia Engelmann mit Tijen Onaran über den Mut, neue Wege zu gehen – und darüber, was es bedeutet, sich als Künstlerin immer wieder neu zu erfinden. Bekannt wurde Engelmann mit ihrem viralen Auftritt „Eines Tages, Baby“ – jetzt hat sie mit Himmel ohne Ende ihren ersten Roman veröffentlicht.
Im Gespräch erzählt sie, warum Erfolg nicht immer mit Selbstvertrauen einhergeht, wie sie mit Zweifeln umgeht und warum Verletzlichkeit oft die größte Stärke ist. Gemeinsam mit Onaran diskutiert sie, warum Mut nicht nur im Rampenlicht, sondern vor allem im Stillen beginnt – beim Schreiben, beim Scheitern, beim Sich-Zeigen.
Eine Folge über Kreativität, Persönlichkeit und den Weg vom gesprochenen Wort zur literarischen Stimme.
Sterben unsere Restaurants – und kann Migration die Gastro retten, Steffen Greubel?
2025/08/26
Im MUT-Podcast warnt Metro-Chef Steffen Greubel vor dem stillen Sterben vieler Restaurants. Er fordert mehr lokale Lebensmittelproduktion, weniger bürokratischen Irrsinn und beantwortet dieFrage, ob am Ende vielleicht mehr Migration die gebeutelte Branche retten kann.
Im MUT-Podcast von FOCUS online spricht Metro-Chef SteffenGreubel mit Tijen Onaran über die Krise der Gastronomie, steigende Lebensmittelpreise und die Herausforderungen für die Branche. Gleich zu Beginn macht er deutlich, wie er selbst beim Einkauf vorgeht: „Ich bin ein Riesenanhänger von Rohprodukten und eigener Verarbeitung – entweder zu Hause oder in der Gastronomie. Diese ganzen Ersatz- und Fertigprodukte möchte ich nicht.“ Für ihn ist klar: Qualität und natürliche Lebensmittel sindentscheidend – sowohl privat als auch im professionellen Bereich.
Ein zentrales Thema ist die Förderung lokalerLebensmittelproduktion. Greubel fordert: „Wir müssen wirklich auf Lokalität, auf Selbstversorgungsmöglichkeit, auf Autarkie setzen und die lokale Produktion fördern.“ Nur so lasse sich die Versorgungssicherheit gewährleisten und Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten reduzieren. Gleichzeitigkritisiert er die aktuelle Regulierung: „Wir müssen die Regularien sogestalten, dass lokale Produktion im großen Stil wieder möglich ist.“
Die Gastronomie selbst steht laut Greubel unter massivemDruck: steigende Kosten, Bürokratie und Personalmangel bedrohen zahlreiche Betriebe. „Daran werden viele Restaurants zugrunde gehen“, warnt er. Besondersabsurde Vorschriften belasten Gastronomen unnötig: „Wenn du ein Omelett aus zwei Bio-Eiern machst, bekommst du Todesärger, weil die ganze Karte zertifiziert sein muss.“
Als Gegenmaßnahme hebt er steuerliche Entlastungen hervor:„Die Gleichbehandlung von Speisen und Getränken durch die7-Prozent-Mehrwertsteuer ist längst überfällig. Das wird hunderte, wenn nichttausende Betriebe davor retten, aufzugeben.“ Ziel müsse sein, Bürokratieabzubauen, Rahmenbedingungen für Start-ups und kleine Unternehmen zu verbessernund faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Personalfragen sind ein weiteres zentrales Thema. Greubelsieht Migration als Chance, den Fachkräftemangel zu bekämpfen. „Statt über mehr oder weniger Migration zu reden, würde ich erst mal überlegen: Wie kriegt man die Leute motiviert, in die Gastronomie einzusteigen?“ Wichtig seien niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten, etwa für Spüler oder Küchenhilfen, bei denen Sprachkenntnisse zunächst keine Hürde darstellen. Wer arbeite, lerne im Job sowohl die Sprache als auch den Beruf. Zudem müsse die Alternative, nicht zu arbeiten, unattraktiv gestaltet werden, um Motivation zu erhöhen. So könne die Gastronomie ein wertvoller Einstieg für Schüler oder neu zugewanderte Menschen sein.
Trotz aller Herausforderungen blickt Greubel optimistisch indie Zukunft: „Erstens mal, volkswirtschaftlich, die Inflation geht runter, die Löhne steigen signifikant, das verfügbare Einkommen der Haushalte geht nach oben.“ Das werde das Konsumverhalten normalisieren und die Menschen wieder mehr ausgeben lassen. Gleichzeitig betont er die Bedeutung von Stabilität und sichtbaren politischen Maßnahmen: Bürokratieabbau und Infrastrukturinvestitionen müssten spürbar sein, sonst verliere das Vertrauen der Bürger.
Greubel appelliert auch an den gesellschaftlichenOptimismus: Unternehmerisches Handeln, neue Gastronomiebetriebe und Start-ups sollten gefeiert werden. „Wir brauchen diesen Optimismus zurück… Bei jedem Unternehmen, das sich gründet, müsste der Kanzler auf so einen Gong hauen und sagen: Geil, jetzt ist wieder eins da.“ Für ihn ist das ein wichtiger Impuls, um Wirtschaftswachstum zu fördern, Innenstädte zu beleben und die Vielfalt in der Gastronomie zu erhalten.
Was wird aus unserem Land – und was aus Ihnen, Wolfgang Grupp?
2025/07/01
Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp rechnet im MUT-Talk mit Politik, Leistungsdebatte und Migration ab: „Mit der AfD muss man sprechen“, findet er. „Schulden machen gibt es bei mir nicht“, schießt er in Richtung Berlin. Am Ende blickt er auf sein Leben zurück und ist den Tränen nah.
Im „MUT-Talk“ mit Tijen Onaran spricht Wolfgang Grupp offen und pointiert über Politik, Wirtschaft und persönliche Werte. Zunächst kritisiert er den Umgang der CDU mit der AfD kritisiert er: „Was mich gestört hat, ist, dass Herr Merz als Demokrat gesagt hat: Mit der AfD spreche ich nicht.“ In einer Demokratie müsse man mit allen sprechen – „vor allem, wenn ich der Meinung bin, ich habe ein Problem, dann muss ich noch mehr sprechen.“
Eine Koalition mit der AfD schließt die Unternehmerlegende nicht aus: „Wenn ich sage, ich bin in einer Demokratie und habe die zweitstärkste Partei, dann kann ich die nicht ausschließen.“ Protestwähler gewinne man nur durch Dialog zurück: „Ich muss immer mehr sprechen. Dann gibt es nicht so viele Protestwähler.“
Wirtschaftlich setzt Grupp auf völlige Unabhängigkeit: „Schulden machen gibt es bei mir nicht.“ Er übernahm Trigema hoch verschuldet, brach seine Promotion ab und baute das Unternehmen aus eigener Kraft auf. „Wir haben 100 Prozent Eigenkapital. Ich bin von keinem abhängig.“ Leistung beginne beim Vorbild: „Ich muss ein gewisses Vorbild für meine Mitarbeiter abgeben.“ Für eine Vier-Tage-Woche gebe es bei ihm keine Lehrstelle. Wer sich anstrenge, werde gefördert.
Den Standort Deutschland verteidigt der Ex-Trigema-Chef hingegen leidenschaftlich: „Ich möchte nirgends anders produzieren.“ Wandel sei nötig, aber: „Wer viel Geld verdienen will, muss auch mehr Leistung bringen.“ Verantwortung sei für ihn entscheidend: „Wir brauchen die Haftung vom Unternehmer wieder zurück.“ Vollkasko ohne Risiko dürfe nicht gleich belohnt werden wie unternehmerisches Handeln mit Eigenverantwortung.
Zur Außenpolitik sagt Grupp: „Wir müssen sprechen und nicht Krieg führen.“ Waffenlieferungen an die Ukraine lehnt er ab: „Diese Tausenden Toten und die Milliarden sind so sinnlos wie nur etwas“, findet er. Auch den Kurs der USA und die Nato-Osterweiterung kritisiert er scharf. Trump schätzt er mittlerweile als jemanden, „der Probleme zu lösen versucht“ – Hauptsache, man spreche, so Grupps Meinung.
Emotional wird der Unternehmer beim Thema Migration: Ein langjähriger, bestens integrierter Mitarbeiter wurde trotz seiner Fürsprache abgeschoben. „Ich habe der Politik angeboten, die volle Verantwortung zu übernehmen – es half alles nichts.“ Straffällige Flüchtlinge hingegen dürften oftmals bleiben. „Das sind zwei Welten für mich.“ Grundsätzlich sehe er Migration aber positiv: „Wir haben 40 Nationalitäten – ich stehe hinter jedem Flüchtling.“ Doch bei schweren Verbrechen sei Schluss: „Dann muss radikal reagiert werden.“
Zum Schluss spricht Grupp über Alter, Glück und Verantwortung und wird dabei sehr emotional. „Ich bin 83, habe alles verschenkt an meine Frau und Kinder. Jetzt kann man nur noch auf das Ende warten.“ Glück sei eine Frage der Entscheidung: „Wenn ich die richtige Frau heirate und auch in schweren Zeiten zu ihr stehe, dann ist das ein schönes Familienleben.“ Was ihn erfüllt? „Wenn ich einen Mitarbeiter am Sonntagabend anrufe und er sagt: ‚Herr Grupp, ich komme.‘ – dieses Glück zu haben, das ist doch schön.“
Ist die Krise jetzt vorbei, Bettina Orlopp?
2025/06/25
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sieht im „MUT-Talk“ erste Aufbruchstimmung: „Die Stimmung wird deutlich besser.“ Sie fordert Tempo bei Reformen, verteidigt die Bank gegen Übernahmegerüchte und ruft Frauen auf: „Einfach mal probieren. Mut zahlt sich aus.“
Im Gespräch mit Tijen Onaran spricht Orlopp über Deutschlands wirtschaftliche Lage, internationale Unsicherheiten, die Rolle der Commerzbank und über Mut. Sie sieht positive Signale für die Wirtschaft: „Die Stimmung wird deutlich besser. Wir haben leichtes Wachstum – ein Miniwachstum, aber immerhin.“ Für 2026 rechnet sie mit einem Aufschwung, „stark unterstützt durch das Investitionspaket der neuen Bundesregierung“. Auch bei Firmenkunden nehme die Investitionsbereitschaft zu.
Mit Blick auf geopolitische Spannungen bleibt Orlopp vorsichtig optimistisch: „Im Moment sehen wir noch keine negativen Auswirkungen des Nahostkonflikts, aber wir beobachten das sehr eng.“
Die Bundesregierung müsse jetzt zügig handeln: „Wir gucken auf das, was die Regierung angekündigt hat: Bürokratieabbau, steuerliche Erleichterungen, Energiepreise. Da ist viel geplant, am besten noch vor der Sommerpause.“ Auch bei der Inflation zeigt sie sich zuversichtlich: „Ich glaube, wir werden nochmal einen kleinen Rückschlag erleben. Aber insgesamt hat sich das besser entwickelt, als gedacht.“
Zur Rolle der USA sagt Orlopp: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind extrem wichtig. Europa ist ein wichtiger Handelspartner für die USA und umgekehrt.“ Ein drohender Zollstreit wäre fatal: „Beim Thema Zölle gibt es in der Regel nur Verlierer.“ Sie setzt auf Vernunft: „Ich gehe davon aus, dass allen klar ist, dass sie Verantwortung haben.“
Ob die Bundesregierung bei ihr einen Kredit bekäme? Orlopps Antwort: „Das ist ja faktisch die Frage, ob man einen guten Job macht oder nicht. Ich finde, man sollte die neue Regierung einfach mal machen lassen.“ Wichtig sei ein gemeinsames Auftreten: „Das hilft – auch in der Wirtschaft. Und sie brauchen ein Stück weit auch unsere Unterstützung.“
Orlopp benennt klar das Problem: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Unternehmen bräuchten vor allem eines: „Wenn sie investieren wollen, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen.“ Doch das sieht nur eine Minderheit erfüllt: „In unserer Mittelstandsumfrage sagten nur 10 Prozent, dass sie sich mit den Rahmenbedingungen wohlfühlen.“ Die größten Hürden: Bürokratie, hohe Energiepreise, schlechte Infrastruktur, Engpässe in der Bildung.
Gleichzeitig sieht Orlopp eine positive Außenwahrnehmung Deutschlands: „US-Investoren schauen sehr positiv auf Deutschland, auf Europa und auf unsere Regierung.“ Das stehe im Kontrast zur oft skeptischen Stimmung im Land. „Das ist wohl eine Mentalitätsfrage. Häufig ist die Stimmung schlechter als die tatsächliche Lage.“ Jetzt sei das Momentum da – „und das müssen wir nutzen.“
Zur Übernahmefrage rund um Unicredit bezieht Orlopp klar Stellung: „Die Interaktionen mit der Unicredit beschränken sich auf Investoren-Gespräche. Sie ist ein großer Aktionär – nicht mehr, nicht weniger.“ Ihre Priorität sei: „Für unsere Stakeholder da zu sein – also für Aktionäre, Kunden und Mitarbeitende.“ Die Commerzbank konzentriere sich auf Weiterentwicklung – und werde deutlich, „wenn wir das Gefühl haben, dass jemand Dinge in eine falsche Richtung setzt.“
Zur Zukunft der Bank sagt Orlopp: „Sie bleibt erst mal die Bank für Deutschland.“ Zugleich betont sie: „Es ist eine Bank mit internationalem Ansehen – und das soll so bleiben.“ Vor allem: „Sie bleibt eine erfolgreiche Bank, die für Aktionäre, Kunden und Mitarbeitende da ist.“
Am Ende richtet Orlopp sich an Frauen: „Ich würde sagen, es gibt im Leben viele Chancen – und man muss sie einfach ergreifen.“ Sie ermutigt, weniger zu zweifeln, mehr auszuprobieren: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es nicht funktioniert. Dann mache ich halt was anderes.“ Ihr Appell: „Diesen Mut zu haben, ein bisschen Risikobereitschaft – das wünsche ich vielen.“
Wie gut funktioniert unsere Demokratie noch, Julia Klöckner?
2025/06/10
Mehr Mut, mehr Frauen, mehr Klartext: Julia Klöckner spricht im MUT-Special mit Tijen Onaran über politische Verantwortung, fehlende Frauen in entscheidenden Machtpositionen und erklärt, warum Demokratie kein Fertighaus ist, sondern ein Bauwerk, das Haltung und Beteiligung braucht.
In der MUT-Special-Folge im Rahmen des „Constructive World Award“ von FOCUS online sprechen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Unternehmerin Tijen Onaran über die Zukunft der Demokratie, das Vertrauen in die Politik und die Rolle von Frauen in Machtpositionen. Klöckner zeigt sich klar in ihrer Haltung: Sie fordert Authentizität, eine offenere Fehlerkultur, Bürgernähe und strukturelle Veränderungen – sowohl im politischen Betrieb als auch in der Gesellschaft insgesamt.
„Es muss authentisch sein“, sagt Klöckner auf die Frage, wie man wieder mehr Lust auf Demokratie machen könne. Politikerinnen und Politiker müssten Ecken und Kanten zeigen dürfen. Fehler seien normal – entscheidend sei, sie transparent zu machen und zu erklären. Kritik übt sie an überbordender Bürokratie: „Ich finde es eine Unverschämtheit, dass wir so mit unseren Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren.“ Bürgerfreundlichkeit müsse wieder ins Zentrum rücken: „Minister heißt: der Bevölkerung dienen.“
Die CDU-Politikerin verteidigt die demokratischen Prozesse gegen mediale Dramatisierung. Nach dem überraschenden Ausgang der Kanzlerwahl im Bundestag sei von „Chaos“ die Rede gewesen – sie widerspricht entschieden: „Die Ampeln sind nicht ausgefallen, Strom ist auch nicht ausgefallen. Kinder hatten zu essen.“ Für Klöckner steht fest: „Unsere Demokratie funktioniert.“ Sie warnt vor überzogenen Reflexen und plädiert für Meinungsfreiheit im Rahmen der Verfassung: „Wir kämpfen mit Worten und mit nichts anderem als mit Worten.“
Der Deutsche Bundestag ziehe jährlich Millionen Menschen an – für sie ein Beweis, dass Demokratie lebt: „Sie ist kein Fertighaus, sondern ein Bauwerk, an dem wir arbeiten müssen.“ Regeln im Parlament seien kein Selbstzweck, sondern Grundlage für einen respektvollen Umgang.
Als Bundestagspräsidentin sieht sich Klöckner in der Verantwortung, diesen Rahmen zu verteidigen – unabhängig von Parteizugehörigkeit. „Ich bin nicht die Supernanny von frei gewählten Abgeordneten. Aber es gibt Regeln in unserem Deutschen Bundestag.“ Dazu gehöre auch, den Ton zu wahren, Ordnungsrufe auszusprechen und Klarheit zu schaffen, wenn Grenzen überschritten werden.
Besonders scharf kritisiert Klöckner die männlich dominierte Machtverteilung – etwa im Koalitionsausschuss: „Ich finde es wirklich unerträglich, dass im Koalitionsausschuss nur eine Frau sitzt. Und man hat den Eindruck, wenn’s richtig ernst wird, machen’s die Jungs unter sich aus.“ Für sie ist das ein strukturelles Problem: „Wir schneiden uns selbst ins Fleisch, wenn wir auf Frauen verzichten.“ Ihre Forderung: echte Wahlfreiheit für Frauen, Repräsentation auf Augenhöhe und gezielte Förderung weiblicher Vorbilder in Politik und Wirtschaft.
Auch symbolisch wird sie deutlich: Frauen müssten in höchste Ämter kommen – nicht nur, wenn sie perfekt seien. „Gleichberechtigung haben wir erst, wenn auch mal nicht so gut qualifizierte Frauen in Spitzenämtern sitzen – so wie bei Männern längst üblich.“ Daher spricht sie sich für eine Frau im höchsten Staatsamt aus: „Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil ich logischerweise voraussetze, dass sie qualifiziert ist.“
In ihrem abschließenden „MUT-Ausbruch“ ruft Klöckner zu mehr Zuversicht und Zusammenhalt auf: „Wir können wirklich mehr, als wir uns selbst manchmal zutrauen.“ Deutschland sei ein Land mit Raum für Widerspruch, Fortschritt, Fürsorge und Zweifel. „Wir müssen sie nur so einsetzen, dass jeder ein Gespür dafür hat, dass man nicht für sich alleine lebt, sondern jeder auch ein bisschen was ins große Ganze reingibt.“
Was plant Putin wirklich – und wie können wir uns darauf vorbereiten, Nico Lange?
2025/05/07
„Es ist leichter, als man denkt“, sagt Nico Lange im „MUT-Talk“ über die Lösung des Ukraine-Kriegs. Europa muss endlich Verantwortung übernehmen, schneller handeln und mit moderner Technik aufrüsten. Nur so kann der Frieden gesichert und Putin von der Umsetzung seines wahren Plans abgehalten werden.
Im MUT-Talk mit Tijen Onaran spricht Sicherheits- und Militärexperte Nico Lange mit großer Dringlichkeit über den Krieg in der Ukraine, Wladimir Putins Machtanspruch und die Risiken von Donald Trumps Präsidentschaft. Seine Botschaft ist klar: Europa muss die sicherheitspolitische Verantwortung endlich selbst übernehmen.
Lange warnt eindringlich vor einem russischen Sieg: „Putin macht kein Geheimnis daraus, was er will. Er will die volle Kontrolle über die Ukraine. Das ist aber nur ein Schritt – ein Schritt dahin, dass es eine andere Ordnung in Europa gibt.“ Diese Ordnung bedeute „weniger Demokratie, weniger individuelle Freiheit, weniger Rechte für Einzelne“. Europa müsse daher erkennen, dass seine eigene Sicherheit mit der der Ukraine unmittelbar verbunden ist.
Putins Vorgehen sieht Lange als gezielte Informationsmanipulation: „Was er als geschulter KGB-Agent den mentalen Krieg nennen würde das hat er verinnerlicht.“ Kritisch sieht er den westlichen Umgang mit vermeintlichen Gesprächsangeboten des Kremls. Putin verweigere sich trotz ukrainischer Gesprächsbereitschaft zu einem Waffenstillstand. Lange fordert: „Wann wollen wir denn eigentlich mal eine robuste Haltung dazu einnehmen?“
Doch nicht nur Putin bereitet Lange Sorgen – auch der Blick auf Donald Trump ist von tiefer Skepsis geprägt. Für ihn ist klar: „Ich möchte mich nicht mehr mit allem beschäftigen, was Donald Trump macht.“ Stattdessen fordert er: „Wir sollten uns weniger auf Trump und mehr auf uns konzentrieren.“
Dabei erkennt Lange durchaus Parallelen zwischen Trump und Putin: Beide hätten ein autoritäres Verständnis von Macht und agierten lieber auf persönlicher als institutioneller Ebene. Doch gerade diese Ähnlichkeit verhindere eine stabile Beziehung. „Putin kann nicht akzeptieren, dass der amerikanische Staatspräsident sein Boss ist. Und Trump kann überhaupt nicht akzeptieren, dass Putin sein Boss ist.“
Statt sich weiter in Debatten über Trump oder Putins Intentionen zu verlieren, fordert Lange eine strategische und praktische Neuausrichtung Europas – insbesondere in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Der Krieg in der Ukraine sei keine unlösbare Aufgabe: „Es ist leichter, als man denkt“, sagt Lange. Was es brauche, sei ein klares Signal an Putin: „Mach, was du willst, stell dich auf den Kopf, aber wir werden immer mehr produzieren als du und wir geben das auch alles der Ukraine. Du hast keine Chance, dich durchzusetzen.“
Besonders Deutschland sieht Lange in der Pflicht – und übt deutliche Kritik: „Wir machen alles wie immer, nur wir haben mehr Geld. Das führt dazu, dass man sehr viel Geld ausgibt, ohne die Einsatzbereitschaft zu bekommen.“ Das Sondervermögen sei falsch eingesetzt worden: „Jetzt nehmen wir noch mehr Geld und machen das alles genau wieder so mit den gleichen Leuten, mit den gleichen Strukturen. Das ist doch nicht logisch.“
Lange fordert weniger Bürokratie, schnellere Beschaffung, mehr Wettbewerb – und ein Umdenken bei der Ausrüstung. Statt alter Großsysteme brauche es moderne Technologien: „Was ist mit Satellitenfähigkeiten, mit Drohnen, mit autonomen Systemen?“ Der Rückstand sei offensichtlich: „Die Ukraine hat allein im Jahr 2024 3 Millionen Drohnen produziert.“ Deutschland dagegen nur wenige hundert – kaum eine davon einsatzbereit.
Auch das gesellschaftliche Bild vom Krieg müsse realistischer werden. „Wir müssen aufhören, uns Krieg so vorzustellen wie in den Dokumentationen, die spätabends im Fernsehen laufen.“ Langes Fazit: „Es muss in die richtige Richtung, technologisch nach vorn gehen. Es müssen strukturelle Veränderungen damit verbunden sein.“ Und: „Wir können jetzt noch jahrelang rumzögern und lamentieren oder es besser gleich machen.“
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