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Literaturclub Buchtipps

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Dieser Podcast hat
53 Episoden
Sprache
German
Erstellt am
2009/08/28
Neueste Episode
2026/10/20
Durchschnittsdauer
28 min.
Veröffentlichungsintervall
10 Tage

Beschreibung

SRF Literatur bietet Orientierung im Bücherdschungel und intelligente Unterhaltung für Leseratten und Bücherwürmer. Zweimal pro Monat legen Redaktorinnen und Redaktoren des Literaturteams diejenigen Bücher auf den Literaturstammtisch, die man unbedingt lesen sollte. Vorgestellt werden aktuelle belletristische Werke aus der Schweiz und aus aller Welt.

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Aktuelle Buchempfehlungen: Rebekka Salm und Martin Suter
2026/10/20
In ihrem neuen Buch «Metzina» erzählt Rebekka Salm die Lebensgeschichte einer mutigen Frau im 14. Jahrhundert, die der Hexerei angeklagt wird. Und Martin Suter schreibt mit «Ein und Alles» einen spannenden Krimi mit unerwarteten Wendungen. Metzina Wächter soll 1384 in Solothurn als Wetterhexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Vorher erzählt sie ihr Leben als heilkundige Hebamme, von ihrem Wissen, das den Mächtigen unheimlich ist, und von der Willkür dieser Mächtigen, denen sie ausgeliefert ist. Am Ende dreht sich das Rad des Schicksals unerwartet weiter. Rebekka Salm erzählt diese Lebensgeschichte in kurzen Sätzen und mit einer angenehm und adäquat der mittelalterlichen Welt angepassten Sprache, urteilt Markus Gasser. Sie zeigt uns eine frauenfeindliche, gewaltvolle Welt, in der sich so etwas wie Gerechtigkeit nur mit List erschleichen lässt. Mila und Sascha sind unzertrennlich. Als Sascha eines Nachts nicht von der Arbeit zurückkehrt, weiss Mila sofort: Ihm muss etwas zugestossen sein. Doch seltsamerweise bleibt sie ruhig. Sie spürt, dass ihr «Ein und Alles» ganz in der Nähe ist. Eine rätselhafte Spurensuche beginnt, die dann aber um die halbe Welt bis in den Südpazifik führt. Endlich wieder ein Krimi von Martin Suter, der überrascht und packt, findet SRF-Literaturredaktorin Annette König. Buchangaben Martin Suter. Ein und Alles. 304 Seiten. Diogenes, 2026. Rebekka Salm. Metzina. Erzählung. 120 Seiten. Knapp, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Bonnie Garmus und Urs Zürcher
2026/10/13
Bonnie Garmus erzählt von einem jungen Mann, der sich gegen künstliche Intelligenz und für menschliche Kreativität einsetzt. Und der Schweizer Autor Urs Zürcher beleuchtet die rechtsextreme Szene und ihre Verstrickungen in die jüngere Schweizer Geschichte. Nach ihrem Welterfolg «Eine Frage der Chemie» erzählt die US-Amerikanerin Bonnie Garmus in ihrem zweiten Roman «Peck & Peck» von einem jungen Mann, der einen Job in einem renommierten Lyrikverlag ergattert. Obwohl er zunächst in der Kopierabteilung landet, nimmt er mutig den Kampf gegen künstliche Intelligenz auf und setzt sich für Kreativität und Originalität ein. Wie schon in ihrem Debüt zeigt Garmus, wie sich ein vermeintlich unscheinbarer Mensch gegen mächtige Strukturen behaupten kann. Eine politische Lektüre voller Herz und Humor, urteilt Literaturredaktorin Britta Spichiger. Im Juli 1989 sterben beim Brand eines Asylbewerberheims in Chur vier Menschen aus Sri Lanka. Die Täter werden nie ermittelt, doch Spuren führen in rechtsextreme Kreise. Hier setzt Urs Zürchers Roman «Verschwinden» an. Er erzählt die fiktiven Lebensgeschichten dreier möglicher Täter, die aus unterschiedlichen Milieus stammen, aber der Hass auf das Fremde verbindet. Dabei zeichnet Zürcher ein beklemmendes Bild davon, wie sich die rechtsextreme Szene in der Schweiz über Jahrzehnte zu einem weitverzweigten Netzwerk entwickelt hat. Eindrücklich und beängstigend real, urteilt Literaturredaktor Markus Gasser. Buchhinweise: Bonnie Garmus. Peck & Peck. Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. 544 Seiten. Piper, 2026. Urs Zürcher. Verschwinden. 315 Seiten. Bilger, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Sven Regener und Sierra Greer
2026/10/06
Sven Regener schickt zwei Brüder durch das verschneite Westberlin der 1980er-Jahre. Und die US-amerikanische Autorin Sierra Greer erzählt von einem weiblichen Roboter, der um seine Freiheit kämpft. Westberlin, 23. Dezember 1980: Die Brüder Frankie und Freddie Lehmann ziehen durch die verschneite Stadt auf der Suche nach einer verschwundenen Tasche. Unterwegs holen sie nach, was sie seit Jahren nicht mehr getan haben: Sie sprechen sich aus. In «Frankie und Freddie» erzählt Sven Regener vom Erwachsenwerden, von Entscheidungen, die man später vielleicht bereut, und vom Leben in einer Stadt, die von der Aussenwelt abgeschnitten ist und allmählich vor die Hunde geht. Diesen Fragen geht Regener in seiner gewohnt eloquenten und unterhaltsamen Art nach. In ihrem Debütroman «Annie Robot» erzählt die US-Amerikanerin Sierra Greer die Geschichte eines weiblichen Roboters namens Annie. Sie lebt in naher Zukunft und gehört dem Mittdreissiger Doug, der glaubt, an der Menschmaschine hemmungslos sein chauvinistisches Frauenbild ausleben zu können. Annie soll putzen, kochen und sich ihm jederzeit sexuell zur Verfügung stellen. Doch dann beginnt sie zu lernen – und damit beginnt ihr Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. Der packende Roman biete «einen guten Mix aus Unterhaltung und Tiefgang» und sei thematisch «voll auf der Höhe der Zeit», urteilt Literaturredaktor Felix Münger. Buchhinweis: Sven Regener. Franke und Freddie. 288 Seiten. Galiani Berlin, 2026. Sierra Greer. Annie Robot. Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. 351 Seiten. Liebeskind, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Sonja Sophie Kreis, Julia von Lucadou
2026/09/15
«Zeiten erhöhter Gefahr» der deutschen Schriftstellerin Julia von Lucadou und der soeben für die Shortlist des Schweizer Buchpreises nominierte Roman «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis sind die aktuellen Buchtipps der SRF-Literaturredaktion. Anna besucht ihren Bruder in Grönland, der aber irgendwo im Landesinnern festsitzt. Beim Warten notiert sie Erinnerungen an ihre Familie. Im Zentrum von «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis steht Annas Mutter, die nach dem Krieg von der deutschen auf die Schweizer Bodenseeseite geheiratet hatte und dort unglücklich wurde. Über vier Generationen spannt sich die Erzählung und enthüllt das Bild einer Familie, in der über alles geschwiegen wird und alle einsam sind. Das grosse Eis in Grönland wird so zum Spiegel für die innerlichen Vergletscherungen, sagt Markus Gasser, der das Buch im Gespräch vorstellt. «Zeiten erhöhter Gefahr» von Julia von Lucadou erzählt von einem Mittfünfziger, der von obsessivem Sicherheitsdenken getrieben ist. Er unterhält im Keller seines Hauses einen atombombensicheren Bunker, arbeitet in einer Firma für Festungsanlagen und beschäftigt sich auch in der Freizeit mit Sicherheitsfragen. Als der Mann im Wald eine Leiche entdeckt, gerät seine Welt aus den Fugen. Literarisch geschockt verbindet das Buch das stark verbreitete Gefühl der Verunsicherung aufgrund der globalen Lage mit inneren Konflikten eines Einzelnen - und biete dadurch eine überaus fesselnde Lektüre, sagt Felix Münger. Buchhinweise: Sonja Sophie Kreis. Das grosse Eis. 255 Seiten. Rowohlt Berlin, 2026. Julia von Lucdou. Zeiten erhöhter Gefahr. 221 Seiten. Hanser Berlin, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Alain Claude Sulzer und Micha Lewinsky
2026/09/08
Der Basler Autor Alain Claude Sulzer bringt uns das Theater als Lebensweise näher. Und der Zürcher Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky erzählt vom Älterwerden und davon, was bleibt, wenn jugendliche Ideale auf die Realität treffen. Ein bedeutender Regisseur und Intendant eines Berliner Thaters stirbt auf tragische Weise. Jetzt treffen sich seine früheren Mitstreiterinnen und Mitstreiter zur Trauerfeier. Alain Claude Sulzers Theaterroman erzählt im Wesentlichen die Biografien der verschiedenen Theaterleute auf dieser Feier. Der Roman überzeugt mitunter dadurch, dass der Autor sehr genau weiss, wovon er spricht, sagt SRF-Literaturredaktor Michael Luisier. Konkret heisst das, dass Alain Claude Sulzer das Theater als das beschreibt, was es tatsächlich ist: eine Lebensweise. Zürich in den 1990er-Jahren: besetzte Häuser, illegale Bars und für viele junge Leute das Gefühl, die Welt neu erfinden zu können. In seinem neuen Roman «Freunde von früher» blickt der Filmemacher und Schriftsteller Micha Lewinsky auf diese Zeit zurück und erzählt die Geschichte von Béla, der auf einmal die Chance hat, zusammen mit seinen alten WG-Kameraden, ein Haus zu kaufen. Ein unterhaltsamer Roman über das Älterwerden und vom Altern jugendlicher Ideale, meint SRF-Literaturredaktorin Jennifer Khakshouri. Buchhinweise: Alain Claude Sulzer. Szenenwechsel. 255 Seiten. Galiani Berlin, 2026. Micha Lewinsky. Freunde von Früher. 272 Seiten. Diogenes, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Ruth-Maria Thomas und Ronja von Rönne
2026/08/25
Von Lügen und Liebe: «Die zweitgrösste Liebe» von Ruth-Maria Thomas und «Alles Liebe» von Ronja von Rönne, dies die beiden Romane dieser Ausgabe von «Literaturclub Buchtipps». Er: grossgeworden mit Au-pairs und Austern. Sie: Aufgewachsen in Ostdeutschland als Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die Tag für Tag im Altenheim malochen musste. Als die beiden einander begegnen, funkt es sofort. Aber kann eine Beziehung halten, wenn die Startbedingungen ins Leben dermassen unterschiedlich waren? Diese Frage lotet die deutsche Autorin Ruth-Maria Thomas in ihrem Roman «Die zweitgrösste Liebe» aus. 300 Seiten mit knackigen Sexszenen, Beschreibungen behaglicher Liebesmomente sowie mit Diskussionen ums Geld. Literaturredaktorin Katja Schönherr ist begeistert von diesem Buch. Ronja von Rönnes Figuren sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Nähe. Ihr Mittel zum Zweck sind immer dreistere Lügengeschichten. Die deutsche Autorin führt in ihrem neuen Roman «Alles Liebe» vor, wie weit Menschen für etwas Zuneigung gehen – und seziert nebenbei gesellschaftliche Konzepte von Lüge, Wahrheit und Liebe. Simon Leuthold hat das Buch grosses Vergnügen bereitet, nicht zuletzt wegen des moralischen Glatteises, auf das ihn die Autorin beim Lesen geführt hat. Buchhinweise: Ruth-Maria Thomas. Die zweitgrösste Liebe. 304 Seiten. dtv, 2026. Ronja von Rönne. Alles Liebe. 240 Seiten. dtv, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Yael Inokai und Alex Capus
2026/08/18
Die Schweizer Autorin Yael Inokai wartet mit ihrem ersten Krimi auf. Und der Schweizer Autor Alex Capus erzählt eine wahre Schmugglergeschichte. Yael Inokai, 37 Jahre alt, stammt aus Basel und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Dort spielt auch ihr neuer, ihr nunmehr vierter Roman – der Krimi «Die Auster». Die Handlung: Dr. Joachim Bronstett, schwerreicher Geschäftsführer eines Luxus-Kaufhauses, wird eines Morgens tot in seiner Villa aufgefunden, und zwar von seiner Putzfrau. Doch anstatt die Polizei zu rufen, tut sie, was sie immer tut: Sie putzt. Überaus gründlich…SRF-Literaturredaktorin Katja Schönherr ist angetan von Yael Inokais erstem Krimi, zumal dieser auch die Schere zwischen Arm und Reich thematisiert. Es sind gleich zwei Geschichten, die der Oltner Schriftsteller Alex Capus in seinem neuen Roman «Querfeldein» erzählt. Zum einen eine wahre «Asterix-Geschichte», in der sich ein Dorf im Kanton Schaffhausen an der deutschen Grenze gegen einen Übergriff der Nazis wehrt. Zum anderen die fiktive Geschichte eines Wirtes in demselben Dorf, der sich der Aufgabe gestellt hat, sein Leben so zu leben, wie es ihm entspricht. Ein feiner und lebensnaher Roman über Familie, Respekt und Zusammenhalt, sagt Literaturredaktor Michael Luisier. Buchhinweise: Yael Inokai. Die Auster. 220 Seiten. Hanser Berlin, 2026. Alex Capus. Querfeldein. 288 Seiten. Hanser, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Jérémie Gindre und Lilli Tollkien (W)
2026/08/11
Zwei literarische Stimmen sind zu entdecken: Der Genfer Autor und bildende Künstler Jérémie Gindre, der Frauen beschreibt, die buchstäblich am Rande des Abgrunds stehen. Und die Debütantin Lilli Tollkien mit ihrem Roman über eine Kindheit in einer Berliner Männer-Kommune der 1980er-Jahre. «Tombola» erzählt von Frauen, die einen Schritt aus dem Alltag wagen und dabei konfrontiert werden mit einer Natur und einer Männerwelt, die sie latent bedrohen. Zita wandert mutterseelenallein in den savoyischen Alpen durch Nebel und Schnee - Absturz vorprogrammiert. Saskia besucht nach Jahren ihren cholerischen Vater - Eskalation unumgänglich. Jedesmal passiert dann aber das Unerwartete. Über sieben Erzählungen hält uns der Genfer Autor und bildende Künstler Jérémie Gindre den Spiegel unserer (negativen) Erwartungen vor Augen. Ein ungewöhnliches, sprachlich virtuoses Leseerlebnis zwischen Reiseführer und Abenteuerroman, findet Literaturredaktor Markus Gasser. «Mit beiden Händen den Himmel stützen» ist das Debüt der deutschen Autorin Lilli Tollkien. Und zwar ein «Debüt von grösster Wucht», wie SRF-Literaturredaktorin Katja Schönherr findet, die das Buch auch als «atemlos und temporeich» bezeichnet. In dem Roman geht es um das Mädchen Lale. Es wächst in den 1980ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Vor allem aber wird getrunken, gekifft und gefeiert. Lale darf wach bleiben, solange sie will, Süssigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen (körperlichen) Grenzen immer wieder übertreten werden. Buchhinweise: Jérémie Gindre. Tombola. Aus dem Französischen von Ruth Gantert und Steven Wyss. 200 Seiten. Die Brotsuppe, 2026. Lilli Tollkien. Mit beiden Händen den Himmel stützen. 255 Seiten. Aufbau, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 17.03.2026
Aktuelle Buchempfehlungen: Roberto Saviano, Birgit Birnbacher (W)
2026/08/04
Der italienische Bestsellerautor Roberto Saviano erzählt in seinem neuen Roman von Liebe, Mafia und Tod. Und die österreichische Autorin und Soziologin Birgit Birnbacher widmet sich in ihrem neuen Roman dem Thema ADHS. Vor zwanzig Jahren zeigte Roberto Saviano als Investigativjournalist mit seinem Weltbestseller «Gomorrha» die Strukturen und Machenschaften der Camorra auf. Seit dann haben seine Arbeit und sein Erfolg als Autor einen hohen Preis: Saviano lebt unter ständigem Polizeischutz. Nun legt er einen neuen Roman vor. In «Meine Liebe stirbt nicht» erzählt er von Liebe, Mafia und Tod und zwar auf eine Weise, die Saviano-Fans mitreisst, findet Jennifer Khakshouri. Sie empfiehlt das Buch. Wie geht man um mit einem Kind mit ADHS? Wie wehrt man sich gegen Zuschreibungen? Und vor allem: Welche Chancen bietet der «Wildwuchs im Denken» für die Gesellschaft? Die Schriftstellerin und studierte Soziologin Birgit Birnbacher hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und mit «Sie wollen uns erzählen» einen bedeutenden Beitrag zu einem aktuellen Thema geleistet. Inhaltlich wie literarisch findet Literaturredaktor Michael Luisier. Buchhinweise: Roberto Saviano. Meine Liebe stirbt nicht. Aus dem Italienischen von Anna und Wolf Leube. 400 Seiten. Hanser, 2026. Birgit Birnbacher. Sie wollen uns erzählen. 224 Seiten. Zsolnay, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 13.01.2026
Aktuelle Buchempfehlungen: Martin Suter und Kurt Prödel (W)
2026/07/28
Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter wartet mit neuen Kolumnen aus der «Business Class» auf. Und der deutsche Schriftsteller Kurt Prödel überzeugt mit seinem zweiten Coming-of-Age-Roman. Die «Business Class»-Kolumnen sind zurück: Der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter hat nach mehrjähriger Pause seinen nunmehr zwölften Band mit seinen legendären satirischen Kolumnen über die Mangerwelt herausgebracht. Der Wiederkennungswert ist hoch, allerdings hat sich in der Zwischenzeit die Welt verändert: Homeoffice ist gang und gäbe und das Topkader hadert mit dem Verlust der Kontrolle und der Bühne zur Selbstprofilierung. Wer die «Business Class» möge, komme auch in diesem Band auf die Rechnung, sagt Felix Münger. Er hat gerade sein Abitur mit Bestnote abgeschlossen, aber sonst läuft es für Marko nicht besonders: Fürs Medizinstudium wird er nicht zugelassen, seine Beziehung mit Claire geht in die Brüche, und Marko und sein Vater leiden beide noch immer unter dem frühen Tod von Markos Mutter. Der Protagonist versackt zwischen TikTok und Zukunftsangst im tristen Wohnblock, bis er sich aufrafft, um in Ungarn zu studieren. Auch Kurt Prödels zweiter Roman sei eine berührende Jugendgeschichte geworden, in der der Autor das Chaos aus familiären, körperlichen und psychischen Krisen von Marko und Claire zu einem rührenden und süffig lesbaren Roman verwebe, findet Simon Leuthold: Ein Buch, das trotz aller Krisen zuversichtlich stimmt. Buchhinweise: Martin Suter. Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice. 208 Seiten. Diogenes, 2026. Kurt Prödel. Salto. 272 Seiten. park x ullstein, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 07.04.2026
Aktuelle Buchempfehlungen: Pedro Lenz und Gabriella Zalapì (W)
2026/07/21
Der Schweizer Autor Pedro Lenz hat «Mit linggs» ein berührendes Buch über den Ausnahme-Fussballer Diego Maradona geschrieben. Und die italienische Autorin Gabriella Zalapì erzählt eine aufwühlende Familiengeschichte. Der Buchtitel «Mit linggs» spielt auf den starken linken Fuss von Diego Armando Maradona an, den für viele besten Fussballer, den es je gab. Pedro Lenz lässt in seinem Buch, das zum gleichnamigen Bühnenprogramm erscheint, Maradona sein Leben aus der Ich-Perspektive erzählen. Lenz' Maradona ist ein Melancholiker zwischen Grössenwahn und Selbstlosigkeit. «Mit linggs» konfrontiert die Lesenden ungeschützt mit der emotionalen Achterbahn des ballverliebten Jungen, der die Welt erobert und an dieser Welt zerbricht. Sehr berührend, sehr anregend, findet Markus Gasser, der das Buch vorstellt. Die achtjährige Ilaria hängt kopfüber an einer Metallstange auf dem Schulhof in Genf, als ihr Vater sie mit dem Auto abholt. Anstatt sie zur Mutter zu bringen, fährt er mit Ilaria über die Grenze nach Italien. Es ist der Beginn einer Entführung, die zwei Jahre dauern wird. Für ihren Roman hat sich die französischsprachige Schriftstellerin mit Schweizer Wurzeln, Gabriella Zalapì, von ihrer eigenen Lebensgeschichte inspirieren lassen. Aus der Perspektive des Kindes schildert sie Ilarias Angst und Verunsicherung – und zugleich die tiefe Zuneigung zu einem Vater, der die Trennung von seiner Frau nicht akzeptieren kann. Für Tim Felchlin ist es ein aufwühlender Roman, der neben seiner Ernsthaftigkeit aber auch eine feine Italien-Nostalgie der 1980er-Jahre heraufbeschwört. Kurztipp: Das Sach-Bilderbuch «Auf in die Berge!» gewinnt den diesjährigen Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Die Illustratorin Katja Seifert erzählt darin von der Geschichte des Bergsteigens. Das wunderschön illustrierte Buch thematisiert vieles: Wissenswertes, die mystische Wirkung der Berge, Herausforderungen, Veränderung und Gefährdung. Empfehlenswerte Lektüre für die ganze Familie. Buchhinweise: Pedro Lenz. Mit linggs. 120 Seiten. Der gesunde Menschenversand, 2026. Gabriella Zalapì. Ilaria. 162 Seiten. Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Suhrkamp, 2026. Katja Seifert. Auf in die Berge!. 64 Seiten. NordSüd, 2025. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 17.02.2026
Aktuelle Buchempfehlungen: Pascal Mercier und Leïla Slimani (W)
2026/07/14
Mit «Trag das Feuer weiter» beendet die marokkanisch-französische Schriftstellerin Leïla Slimani ihre autorbiografisch verwurzelte Familiensaga und mit «Der Fluss der Zeit» erscheinen nochmals Kurzgeschichten aus dem Nachlass des verstorbenen Schweizer Erfolgsautors Pascal Mercier. Man kennt ihn für seinen Bestseller «Nachtzug nach Lissabon»: Pascal Mercier. 2023 verstarb der Schweizer Schriftsteller. Nun erscheint posthum ein Band mit Kurzgeschichten aus seinem Nachlass. «Der Fluss der Zeit» ringt mit elementaren Themen wie Freiheit, Identität und Vergänglichkeit. Fünf philosophische Miniaturen. Die letzte Zugabe Pascal Merciers. SRF-Literaturredaktorin Katja Schönherr stellt den Erzählband vor. Mit «Trag das Feuer weiter» vollendet Leïla Slimani ihre dreiteilige Familiensaga. Die Trilogie erzählt von der 1974 in Marokko geborenen Mia, die zwischen Tradition und Globalisierung ihren Weg sucht und in Paris eine zweite Heimat findet. So baut Slimani Brücken zwischen Orient und Okzident und zeigt, wie Politik ins Private wirkt. Multiperspektivisch, lebendig, nah an der Realität liest sich Slimanis Roman in einem Zug weg, findet SRF-Literaturredaktorin Annette König. Buchhinweise: Pascal Mercier. Der Fluss der Zeit. 112 Seiten. Hanser, 2026. Leïla Slimani. Trag das Feuer weiter. 448 Seiten. Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Luchterhand, 2026. Wiederholung der Sendung Literaturclub Buchtipps vom 13.01.2026
Aktuelle Buchempfehlungen: Caroline Roger und Kiran Desai
2026/06/23
Die Schweizer Autorin Caroline Roger erzählt in ihrem Debütroman von einer Kindheit im Gastrobetrieb. Und die indische Booker-Preisträgerin von zwei jungen Menschen, die nach Liebe suchen. Die Schweizer Autorin Caroline Roger erzählt in ihrem Debütroman «Unter Gästen» von einer Kindheit im Gastrobetrieb, zwischen dem lebendig-wuseligen Bistro der Mutter und dem französisch-eleganten Restaurant des Vaters. Sie nimmt uns mit an die Tische unterschiedlicher Gäste und begegnet ihnen mit genauem, empathischem Blick. Auch wenn die Erzählerin für ihre Eltern nie im Zentrum steht, erfährt sie auf tröstliche Weise doch, woraus Familie bestehen kann: aus Menschen, mit denen man sich verbunden und von denen man sich getragen fühlt, aus Lebenden und aus Toten. Die indische Booker-Preisträgerin Kiran Desai hat mit «Die Einsamkeit von Sonia und Sunny» einen dicken Schmöker geschrieben. 750 Seiten. 20 Jahre lang hat Desai daran gearbeitet. Herausgekommen ist ein Epos über zwei junge entwurzelte Menschen namens Sonia und Sunny, die nach Liebe suchen. Bewegend und modern ist dieser Roman, und man erfährt viel über das heutige Indien. Ein Buch, das das Gefühl von Vereinsamung in einer globalisierten Welt festhält. Buchhinweise: Caroline Roger. Unter Gästen. 208 Seiten. Limmat, 2026. Kiran Desai. Die Einsamkeit von Sonia und Sunny. Aus dem Englischen von Robin Detje. 752 Seiten. S. Fischer, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Amélie Nothomb und Ondřej Hübl
2026/06/16
Die heute vorgestellten Bücher erzählen von einer Reise in die Vergangenheit: Nothomb trifft in Japan auf ihr früheres Ich, Hübl lässt seine Figuren in die Tschechoslowakei der 1950-er Jahre fahren. Die belgische Autorin Amélie Nothomb kehrt nach Jahren mit einer Freundin nach Japan zurück. Japan ist der Sehnsuchtsort ihrer Kindheit und frühen Erwachsenenjahre. Zwischen Kyoto, Nara und Tokio entfaltet sich eine Reise voller Wiederentdeckungen, Irritationen und leiser Komik. Doch je näher sie den Orten ihrer Vergangenheit kommt, desto deutlicher wird: Eine Rückkehr ist unmöglich. Nostalgisch, selbstironisch und berührend erzähle Nothomb von der Begegnung mit dem früheren Ich, meint Annette König. Der tschechische Autor Ondřej Hübl schickt seine Figuren auf eine Ferienreise der ganz besonderen Art: Josef Kaarls, schwerreicher Besitzer einer KI-Firma, will seiner antikapitalistisch aufbegehrenden Tochter zeigen, wie schlimm der Kommunismus gewesen sei. Darum bezahlt er ein kleines Vermögen dafür, dass eine darauf spezialisierte Firma ihn und seine Familie für einige Zeit in den tschechischen Kommunismus der 50er-Jahre zurückversetzt. Nur klappt das mit der Rückreise dann nicht ganz – und in der Folge entwickelt sich ein fast thrillerartiges Szenario rund um die Fragen, wer eigentlich gerade wen in der Hand hat und was Geld dabei für eine Rolle spielt. Simon Leuthold war von diesem Buch, das er trotz des künstlichen Settings in den 50er-Jahren für ziemlich aktuell hält, bestens unterhalten. Buchhinweise: Amélie Nothomb. Die unmögliche Rückkehr. Aus dem Französischen von Brigitte Grosse. 144 Seiten. Diogenes, 2026. Ondřej Hübl. Der Vorhang. 400 Seiten. Aus dem Tschechischen von Daniela Pusch. Voland & Quist, 2026.
Aktuelle Buchempfehlungen: Zum Tag der Schweizer Literatur
2026/06/09
Friedrich Schiller, Tim Krohn, Martina Clavadetscher. Zum Tag der Schweizer Literatur stellen Markus Gasser und Simon Leuthold Schweizer Bücher vor, die sich auf Schweizer Sagen und Mythen beziehen. Sagen sind literarisch, schon aufgrund ihrer Zutaten: die einfache Erzählung, der geografisch definierte Schauplatz, die Handlung, die für etwas Allgemeineres steht. Dazu greift häufig das Übersinnliche oder Unerklärliche ein. Kein Wunder, bedienen sich Autorinnen und Autoren immer wieder bei Sagenstoffen und schreiben sie weiter. Ohne Schiller wäre Tell vielleicht nie zu grossem Ruhm gekommen. Ohne Frisch wäre Tell der unberührbare Sockelheld geblieben. Literaturclub Buchtipps mit Markus Gasser und Simon Leuthold stellt eine Reihe von Schweizer Romanen vor, deren Wurzeln in der hiesigen Sagenwelt liegen. Buchhinweise: · Martina Clavadetscher. Die Schrecken der anderen. 333 Seiten. C.H. Beck, 2025. · Max Frisch. Wilhelm Tell für die Schule. 112 Seiten. Suhrkamp, 2026. · Sophie Hunger. Walzer für Niemand. 192 Seiten. Kiepenheuer & Witsch, 2025. · Tim Krohn. Quartemberkinder. 320. Diogenes, 2018. · Tim Krohn. Vrenelis Gärtli. 432 Seiten. Diogenes, 2010. · Joachim B. Schmidt. Tell. 288 Seiten. Diogenes, 2022. · Hansjörg Schneider. Sennetuntschi. Mit einem Bericht von Thomas Hürlimann und einem Nachwort von Ulrich Weber. 224 Seiten. Diogenes, 2024. · Friedrich Schiller. Wilhelm Tell. 168 Seiten. Reclam, 2025. · C. F. Ramuz. Die grosse Angst in den Bergen. Antiquarisch erhältlich

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