
Werben im Podcast: Passage
Dieser Podcast hat
51 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)Explizit
Nein
Erstellt am
2012/01/24
Neueste Episode
2026/04/17
Durchschnittsdauer
56 min.
Veröffentlichungsintervall
7 Tage
Beschreibung
Die Sendung «Passage» steht für radiophone Exzellenz auf SRF 2 Kultur. Hier verbinden sich Wort und Musik, Ton und Stille.
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Die letzten Venezianer. Eine Stadt kämpft ums Überleben
2026/04/17
30 Millionen Besucher im Jahr: Venedig versinkt in den Touristenfluten. Doch die lokale Politik treibt den Ausverkauf der Stadt weiter voran. Wer profitiert davon?
48’283 Einwohner leben heute in Venedig. Vor hundert Jahren waren es rund 160’000. Jedes Jahr verliert Venedig rund tausend Einwohner. In der vom Overtourism erstickten Stadt ist das tägliche Leben nicht mehr vorgesehen. Während die letzten Bewohner darum kämpfen, dass der Stadt der Sonderstatus als «Insel» zuerkannt und sie auf die Liste des gefährdeten Weltkulturerbes gesetzt wird, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Bürgermeister Luigi Brugnaro wegen Bestechung und illegalen Bieterabsprachen. Wie kann es den Venezianern gelingen, ihre Stadt zu retten?
Beherzte Bohemienne – das bewegte Leben der Aline Valangin
2026/04/10
Schön, unerschrocken und eine wunderbare Erzählerin – das war die Westschweizer Autorin Aline Valangin (1889-1986). Sie stammte aus bestem Haus, aber Ideale waren ihr wichtiger als Konventionen. Ihr Grossvater, der Schweizer Friedensnobelpreisträger Élie Ducommun, hatte sie diesbezüglich geprägt.
Friedensaktivistin, Pianistin, Bohemienne, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin, grosse Liebende – was immer Aline Valangin tat, sie tat es beherzt. Sie unterhielt in den 1930er Jahren in Zürich einen Salon für die internationale Kulturelite. Gleichzeitig unternahm sie mit ihrem Mann, dem russisch-jüdischen Anwalt Wladimir Rosenbaum, riskante Manöver, um Flüchtlinge zu retten. Später wurde ihr Ferienschlösschen im Onsernone-Tal zum sicheren Hafen für verfolgte Künstlerinnen und Künstler. Eine Spurensuche mit dem Historiker Peter Kamber und der Literaturvermittlerin Liliane Studer.
Aus «Jasm» wird «Jazz» – warum das Wort bis heute polarisiert
2026/04/03
Die Fakten sind klar: Jasm war ein Slang-Wort im 19.Jh. und bedeutete «Energie», «Pep». 1915 wurde es – inzwischen verkürzt zu «Jazz» – von weissen Konzertpromotern in Chicago verwendet, um die neuartige Musik aus New Orleans anzupreisen.
Neben den Fakten geistern viele Herkunftsgeschichten herum. Die meisten sind falsch: «Jazz» sei eine Abkürzung für «Jasmine», wird zum Beispiel behauptet, vom Parfum, das anfangs des 20.Jh von den Prostituierten in New Orleans getragen worden sei. Auch die Behauptung, «Jazz» sei von Beginn weg abwertend gemeint gewesen, ist sprachwissenschaftlich nicht haltbar. Trotzdem fühlen und fühlten sich viele Musiker:innen unwohl mit dem Begriff. Warum polarisiert «Jazz» bis heute? Was überhaupt ist alles «Jazz»? Jazzredaktor Jodok Hess macht sich in der Passage auf die Suche nach Antworten.
Transzendenz & Spiritualität bei Leonard Cohen und Nick Cave (W)
2026/04/03
Leonard Cohens und Nick Caves Lieder haben eine starke Wirkung. Diese hat massgeblich damit zu tun, dass beide spirituell Suchende sind. Dabei ist es vor allem der als abwesend erlebte Gott, dem das gebrochene «Halleluja» gilt.
Nick Cave und Leonard Cohen haben einiges gemeinsam: Das Dunkle und Düstere hat einen zentralen Platz in ihrer Musik, ihrer Kunst. Doch die Bewegung in ihren Liedern ist immer wieder «In Richtung Licht», wie Nick Cave sagt. Und Leonard Cohen singt: «There’s a crack in everything – That’s how the light gets in». Die «Passage» spürt der Kraft nach, die im Werk von Leonard Cohen und Nick Cave spürbar ist. Cave bezieht sich explizit auf Cohen. Was hat diese Energie mit der Auseinandersetzung mit Dunkelheit, Zerbruch und Leid zu tun? Wie zeigen sich spirituelle Suche und religiöse Traditionen?
Erstsendung: 20.12.2024
Inklusives Musiktheater: Wenn Barrierefreiheit zu Kunst wird (W)
2026/03/27
Im Kollektiv «inoperabilities» kommen blinde und sehende, hörende und gehörlose Künstlerinnen und Künstler zusammen. Sie machen Musiktheater für alle Sinne – und für Menschen mit verschiedensten Wahrnehmungsmöglichkeiten. Barrierefreiheit ist dabei von Beginn an Teil des künstlerischen Prozesses.
Wenn Opern- und Theaterhäuser barrierefreie Vorstellung anbieten, bedeutet das meistens: Audiodeskription per Kopfhörer für blindes Publikum, eine Übersetzung in Gebärdensprache für Gehörlose. «Inoperabilities» sieht Barrierefreiheit nicht als Extra-Service, sondern als künstlerisches Mittel. Ihr Stück «Die Insel» ist eine Collage aus Lautsprache und Gebärdensprache, aus Audiodeskription, Gesang und Übertiteln. Es spricht alle Sinne an. Wenn es auf der Bühne auf hohe See geht, fächern die Darstellenden dem Publikum Wind zu. Und wenn das Cello spielt, vibriert die Publikumstribüne.
Erstsendung: 11.7.2025
Giora Feidman und der Wunsch vom Frieden durch Musik
2026/03/20
Er machte den Klezmer weltweit bekannt. Doch mit seiner Musik verbindet Giora Feidman auch den Wunsch, Menschen wieder zu vereinen. Giora Feidman steht wie kaum ein anderer für die Idee vom «Frieden durch Musik». Doch wie tragfähig ist diese Vision in einer polarisierten Welt?
Die Klarinette ist Giora Feidmans (*1936) «Mikrofon der Seele»: Sie lacht, klagt und erzählt Geschichten. Er wächst in Buenos Aires in der Klezmer-Tradition seiner Familie auf. Später spielt er im Israel Philharmonic Orchestra, bevor er in den 1970er-Jahren den Klezmer in die Konzertsäle der Welt bringt. Musik ist für Feidman auch ein Auftrag: Brücken bauen, Versöhnung ermöglichen. Noch mit 90 Jahren steht er auf der Bühne und spricht über seine Vision. Anlässlich seines Geburtstages ordnen Weggefährtinnen und Forschende sein Wirken ein – zwischen Inspiration, Ideal und kritischer Reflexion.
Buschfeuer in Australien – was sie uns lehren
2026/03/13
Die Bilder australischer Buschfeuer sind immer wieder schockierend. Die Feuersbrünste bedrohen Mensch und Natur. Unter welchen Umständen sich die Artenvielfalt jedoch erstaunlich schnell erholen kann, zeigt das Beispiel Kangaroo Island.
Kangaroo Island gilt als wahres Naturparadies und wird oft das «Galápagos Australiens» bezeichnet. Kängurus, Koalas, Pinguine, Robben, Seelöwen und Schnabeligel – die Insel von der Größe Mallorcas spiegelt die einzigartige Biodiversität Südaustraliens wider. Als 2020 verheerende Feuersbrünste Zweidrittel der Insel verwüsteten, schien das Naturwunder in Gefahr. Bilder toter Wildtiere gingen um die Welt. Doch die «Arche Noah Down Under» hat sich überraschend schnell erholt.
«Blyyb verspiilt» – Querschnitt durch die Basler Fasnacht 2026
2026/03/06
Der Querschnitt durch die Basler Fasnacht bringt auch in diesem Jahr wieder Geschichten von der Basler Fasnacht und Eindrücke aus der Stadt. Vor allem aber präsentiert er die besten Schnitzelbängg des Jahrgangs 2026.
Mit dem Motto «Blyyb verspiilt» stellt die Fasnacht 2026 für einmal den Nachwuchs ins Zentrum. Die Kinder, die sich heute wieder sehr viel stärker für die Fasnacht engagieren und interessieren als noch in vergangenen Jahrzehnten. Dabei geht es aber auch um eine Haltung, die Erwachsene von den Kindern übernehmen können. Das Verspielte, Leichte, Fröhliche nämlich, das genauso zur Basler Fasnacht gehört wie das Kritische, Mystische und Ernste. Schauen – beziehungsweise hören – wir doch, wo diese Haltung an der Fasnacht 2026 auftaucht!
Wer die Sendung am Radio hören möchte:
Freitag, 27.02.2026, 20:05 Uhr, Radio SRF Musikwelle
Mittwoch, 04.03.2025, 20:05 Uhr, Radio SRF 1
Freitag, 06.03.2026, 20:00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Sonntag, 08.03.2026, 15:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Vom Kuhschrei zum Jodeldiplom: Geschichte einer Vokaltradition
2026/02/27
Der Schweizer Jodel ist Teil des Immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO. Doch was steckt hinter dieser Vokaltradition? Wie hat sich der Jodel im Laufe der Geschichte verändert? In Bezug auf seinen Klang, seine Funktion und seine Wahrnehmung in der Gesellschaft?
Die Geschichte des Jodels ist vielseitig: Bereits im 16. Jahrhundert werden Viehlockrufe schriftlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert findet der Kuhreihen als Inbegriff der Alpenromantik seinen Weg in die klassischen Konzertsäle. Im 20. Jahrhundert entsteht das streng reglementierte Jodellied mit heimatlich-patriotischen Texten. Und im 21. Jahrhundert entstehen der experimentelle Wildjodel und Jodellieder mit aktuellen Inhalten. Wie ist die Wechselwirkung zwischen Alltagskultur und Hochkultur, zwischen emotionalem Ausdruck und nationalistischer Symbolkraft bis hin zum Hochschulstudium?
Hinweis:
Sendung «Kulturplatz Talk: Wie der Schweizer Jodel immaterielles UNESCO Weltkulturerbe wurde» vom 17.12.2025, Radio SRF 2 Kultur. Den Link zur Sendung finden Sie unter «Mehr zum Thema» auf dieser Sendungsseite.
Notgelandet – US-Militärangehörige im 2. Weltkrieg in der Schweiz
2026/02/20
Kurhotel und Straflager: 1500 US-Armeeangehörige waren im 2. Weltkrieg in der Schweiz interniert – zum Teil unter Bedingungen, die ein diplomatisches und politisches Nachspiel hatten.
Oft ist es die junge Generation, die gezwungen ist, ihr Leben im Krieg zu riskieren oder zu opfern. Diesen Menschen widmet der Historiker Jürg Flückiger sein Buch «Gefangene Befreier». Anhand von Tagebüchern, Gesprächen mit Nachfahren und Archivmaterial dokumentiert er die Geschichte von US-Amerikanern, die während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz notlanden mussten und interniert wurden. Manche schlossen hier Freundschaften fürs Leben, andere wurden nach einem Fluchtversuch im Straflager Wauwilermoos inhaftiert und trugen lebenslange Belastungen davon. Die Passage gibt Einblick in ein Kapitel der Schweizer Geschichte, das bisher kaum erforscht ist.
Guyanas Ölrausch – wie der plötzliche Reichtum das Land verändert
2026/02/13
Guyana ist die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt. Riesige Ölfunde haben es sehr schnell sehr reich gemacht – pro Kopf gerechnet, reicher als Deutschland. Der Blick ins Land zeigt allerdings noch ein anderes Bild.
Noch vor zehn Jahren zählte Guyana zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Dann entdeckte ExxonMobil 2015 gewaltige Ölvorkommen vor der Küste. Seither hat sich das kleine Land in Südamerika rasant verändert: Die Wirtschaft wächst in Rekordtempo, die Staatskassen sind prall gefüllt. Und Guyana erlebt eine Generation an Fortschritt in nur wenigen Jahren. Doch wo plötzlich Reichtum ist, wächst auch die Kluft: 40 Prozent der Bevölkerung leben weiterhin in Armut. Viele Guyaner sagen heute: Vor dem Öl war das Leben besser. Was bedeutet es, der vielleicht letzte entstehende Petrostaat der Welt zu sein?
Black Power in Deutschlands Goldenen Zwanzigern – Louis Brody
2026/02/06
Louis Brody, geboren 1892 in «Deutsch-Kamerun», war in den Goldenen Zwanzigern der bekannteste Schwarze Filmschauspieler Deutschlands. Seine Nachfahren haben erst vor kurzem erfahren, dass er und seine Familie mit anderen Kolonialmigranten auch gegen Rassismus kämpften.
Brody kam um 1900 ins Deutsche Kaiserreich – so wie hunderte weitere Afrikaner aus den Deutschen Kolonien auch. Als Schauspieler arbeitete er mit Filmgrößen wie Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Hans Albers, überlebte mit seiner Familie die Nazizeit und trat bis zu seinem Tod 1951 in Ost-Berlin in über 60 Kinofilmen auf. Oft musste er rassistische Figuren verkörpern: Diener, Bösewichte oder den «primitiven Wilden». Brody war aber auch ein Aktivist. Bereits 1918 forderte er z.B. mit einer Petition «gleiche Rechte» für Schwarze Menschen in Deutschland und in den Kolonien.
Von einem, der auszog: Ein junger Schweizer in der Waffen-SS
2026/01/30
Während des Zweiten Weltkriegs dienten rund 2000 Schweizer in der Waffen-SS. Darunter auch mein Onkel, der an seinem 17. Geburtstag im Juni 1943 ausriss und illegal über die deutsche Grenze ging. Was waren die Motive solcher Freiwilliger? Erkundung eines unschönen Kapitels der Schweizer Geschichte.
In meinem Elternhaus lag ein schmales Buch mit dem Titel «Zur Waffen-SS gezwungen». Mein verstorbener Onkel Franz Grüter beschreibt darin, wie er als Jugendlicher heimlich ins Deutsche Reich ging, weil es ihm zu Hause zu eng war. Er suchte Arbeit in einem Büro, wurde aber bald ins Ausbildungslager der Waffen-SS geschickt. Er desertierte zwei Mal und verbrachte den Rest des Kriegs im Straflager. Was bewog damals junge Leute zum Gang über die Grenze? Faszination für die NS-Ideologie, Naivität oder Abenteuerlust? Eine Spurensuche entlang von persönlichen Dokumenten und Tönen aus dem SRF-Archiv.
Macht der Musik – der kraftvollste Jazz war immer Widerstand (W)
2026/01/16
Kein Wunder, wollte der rassistische Drogenfahnder Harry Anslinger nicht nur Billie Holiday zur Strecke bringen, sondern auch «Strange Fruit» auslöschen. Der Song geht unter die Haut: «Die Bäume im Süden tragen seltsame Früchte ... schwarze Körper bewegen sich sanft in der südlichen Brise».
Eindringlich beklagt Billie Holiday in «Strange Fruit» die Lynchjustiz. Als sie mit 44 stirbt, von der Drogenfahndung ans Bett gekettet, lebt «Strange Fruit» weiter. Der Song steht am Anfang einer ganzen Playlist von Stücken, die bis heute für den kraftvollsten Jazz steht: den Jazz des Widerstands.
Peter Kemper hat die Geschichte der politischen Ästhetik des Jazz kürzlich aufgearbeitet. Er ist zu Gast in der Passage, und zu Wort kommt u.a. auch Matana Roberts: Mit dem mehrteiligen «Coin-Coin»-Projekt ist die non-binäre Saxophonist:in eine der heutigen Erb:innen von Billie Holiday und deren Kampf für mehr Rechte und Gerechtigkeit.
Erstsendung: 26.4.2024
Über die Zuversicht in dunklen Zeiten
2026/01/09
Angesichts aktueller Krisen macht sich der Autor auf die Suche nach mehr Zuversicht, lotet Möglichkeiten aus, aufgeklärt und informiert zu sein und trotzdem Zuversicht zu fördern. Diese sei dringend nötig, um den Problemen der Gegenwart kraftvoll begegnen zu können.
Die Weltkrise ist nur einen Klick entfernt. Klimakatastrophe. Krieg in der Ukraine. Krieg in Gaza. Das Gefühl der eigenen Ohnmacht wird täglich größer. Die Staatsbürgerpflicht zwingt dazu, sich zu informieren. Zugleich paralysiert der starre Blick auf die Nachrichten. Woraus lässt sich in dunkler werdenden Zeiten Zuversicht schöpfen? Es brauche Mut, die Unsicherheit zu akzeptieren, sagt der Publizist Ulrich Schnabel. Für die Philosophin Natalie Knapp ist Zuversicht die Grundvoraussetzung für jeden kreativen Akt, notwendig, damit Neues entstehen kann, wenn das Alte nicht mehr funktioniert.
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