
Werben im Podcast: MDR KULTUR trifft: Menschen von hier
Dieser Podcast hat
54 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Mitteldeutscher RundfunkExplizit
Nein
Erstellt am
2016/04/26
Neueste Episode
2026/10/10
Durchschnittsdauer
46 min.
Veröffentlichungsintervall
7 Tage
Beschreibung
Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.
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MDR KULTUR trifft Nadine Maria Schmidt
2026/10/10
Der Welthospiztag am 10. Oktober steht unter dem Motto „So bunt wie das Leben. Hospiz.“ Am 14. Oktober, dem Deutschen Hospiztag, wird der Arbeit von Hospiz- und Palliativdiensten gedacht. „Ich gehe menschlich wie musikalisch ein Stück Weg mit denen, die gerade kein Licht mehr sehen können, weil sie einen Menschen, den sie liebten, verloren haben.“, formuliert die in Leipzig lebende Liedermacherin Nadine Maria Schmidt. 2022 schrieb sie zum ersten Mal ein Lied für eine Familie, die ihren kleinen Jungen verlor. Eine einschneidende Erfahrung. 2023 gründete Nadine Maria Schmidt „Dein musikalisches Denkmal“, absolvierte eine Ausbildung in der Sterbe- und Trauerbegleitung und nahm ein Zweitstudium in der sozialen Arbeit auf. In ihrer Gründungsphase erhielt sie die Förderwürdigkeit des Landes Sachsen und FutureSAX mit dem Innostartbonus, stellte ihr Projekt auf der sächsischen Innovationskonferenz 2024 vor und gewann den 3. Platz. Zusammen mit der Leipziger Diakonie Hospizleiterin Silvia Beckert arbeitet Nadine Maria Schmidt jetzt an dem vom Europäischen Sozialfond geförderten Projekt „Dein musikalisches Denkmal in der Hospizarbeit.“. Erste Untersuchungsergebnisse zeigen, die musikalische Arbeit hilft Hospizgästen, aber auch ihren Familien, Gefühle auszudrücken, Abschied zu gestalten und Trauer zu verarbeiten. Dieses Modell soll weiter getestet, evaluiert und entwickelt werden, hin zu einem übertragbaren Konzept mit dazugehöriger Ausbildung.In Greiz wurde Nadine Maria Schmidt 1980 geboren. In der Kleinstadt Elsterberg im Vogtland wuchs sie auf. Mit 23 Jahren erst fand Nadine Maria Schmidt zur Musik, als Autodidaktin, ohne musikalische Vorbildung und der ärztlichen Diagnose zum Trotz, anatomisch nicht für den Gesang prädestiniert zu sein. 2007 stand Nadine Maria Schmidt das erste Mal auf der Bühne, englischsprachig. Parallel dazu schloß sie ihr Studium Deutsch als Fremdsprache, Journalistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig ab. Heute kann sie auf 500 Konzerte, Solo und mit Band in ganz Deutschland und Polen verweisen, darunter auch Konzerte für Alin Coen, Sarah Lesch, Manfred Maurenbrecher oder Tino Eisbrenner. Mit ihrer Band „Nadine Maria Schmidt & Frühmorgens am Meer“ veröffentlichte sie drei Alben. Alle wurden für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Zudem wurde sie 2016 mit dem renommierten Förderpreis der Liederbestenliste ausgezeichnet, den auch u.a. Dota und Felix Meyer erhielten. Nach einer Zeit des privaten Rückzugs arbeitete sie 2019 an einem weiteren Album. „Die Kinder an unseren Händen“, erschien coronapandemiebedingt erst 2023. In diesen Liedern geht es um Leben und Tod und auch um das Leben danach. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf
MDR Kultur trifft: Gabriele Stötzer - 2022
2026/10/06
Am 10. Oktober 2026 erhält die Künstlerin Gabriele Stötzer den Kaiserring der Stadt Goslar. Der weltweit renommierte Preis für Gegenwartskunst ging zuvor u.a. an Henry Moore, Anselm Kiefer und Gerhard Richter. Gewürdigt - so die Jury - werden ihr experimentelles, vielschichtiges Werk sowie ihr mutiger, aktivistischer Widerstand und ihre Pionierarbeit als Mitgründerin der Künstlerinnengruppe Erfurt in der DDR. Gabriele Stötzer war am 08. Oktober 2022 zu Gast bei "MDR Kultur trifft". Thomas Bille hat sie zu ihrem Leben und ihrer Kunst befragt.
MDR KULTUR trifft Peter Wurschi
2026/10/03
Seit 36 Jahren sind Ost- und Westdeutschland wieder vereint. Nach 45 Jahren Teilung trat am 03. Oktober 1990 der Einigungsvertrag in Kraft. Die zentralen Feierlichkeiten finden in diesem Jahr vom 02. bis 04. Oktober in Bremen unter dem Motto „Viele Stärken - Ein Land“ statt. Auch das Bundesland Thüringen wird sich dort präsentieren. Peter Wurschi, seit 2018 Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, besuchte am Vortag des 03. Oktober das Grenzmuseum Schifflersgrund zum 35sten Jubiläum. Es ist die älteste Gedenkstätte ihrer Art an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, gelegen zwischen Hessen und Thüringen. Das „Grüne Band“ in Deutschland, der größte zusammenhängende Biotopverbund, verläuft ca. 1400 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, erstreckt sich von Travemünde an der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof an der Grenze zu Bayern, Sachsen und Tschechien. Dieser historisch gewachsene Natur- und Erinnerungsraum verweist auf eine zentrale Erfahrung vieler Deutscher, stand für Trennungen von Familien und wirtschaftlichen Beziehungen und insbesondere für die Menschen im Osten Deutschlands für staatliche Überwachung und Zwangsumsiedlungen. 2018 wurde erstmals in einem Bundesland, in Thüringen, das „Grüne Band“ als nationales Naturmonument gesetzlich verabschiedet. Dieser Schutzstatus nationales Naturmonument beinhaltet die Gleichgewichtigkeit von Natur und Erinnerungskultur. Ende 2023 setzte die Kultusministerkonferenz das gesamte „Grüne Band“ auf die deutsche Tentativliste für das UNESCO-Welterbe. Die Konferenz der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur forderte im Juni 2026 die Bundesländer auf, die Bewerbung des „Grünen Bandes“ als gemischtes UNSECO-Welterbe aktiv zu unterstützen, einschließlich der Gedenkstätten und Grenzlandmuseen. In Suhl wurde Peter Wurschi 1975 geboren. Von 1995 bis 2000 studierte er Politikwissenschaften, Soziologie, Philosophie und Psychologie an der Universität Leipzig. Thema seiner Abschlußarbeit war die Erforschung der Entwicklung der politischen Opposition in Suhl. Als Stipendiat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur schrieb Peter Wurschi seine Promotion zu DDR-Jugendprotestkultur in Thüringen. Im Böhlau Verlag wurde sie unter dem Titel „Rennsteigbeat. Jugendliche Subkulturen im Thüringer Raum 1952 bis 1989“ veröffentlicht. 2007 legte Peter Wurschi ein erstes Konzept zur Entwicklung einer Gedenk- und Bildungsstätte in der ehemaligen Erfurter Stasi-Untersuchungshaftanstalt Andreasstraße vor. Ab 2008 arbeitete er bei der Stiftung Ettersberg und ab 2010 als Lehrbeauftragter an der Universität Erfurt. Von 2014 bis 2016 war Peter Wurschi Mitglied der Expertenkommission des Deutschen Bundestages zur Zukunft der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Moderation Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Christian Waltenberg
2026/09/26
Seit 2022 ist Christian Waltenberg zudem Verbandschorleiter des Chorverbands Sachsen-Anhalt und sich jüngst auch beim 3. Internationalen Chorfest vom 16. bis 20. September in Magdeburg ein. 50 Chöre, hunderte Sängern aus Deutschland, der Region, sowie aus Ländern wie Kroatien, Norwegen, Lettland, Malaysia, Ghana, Brasilien und Internationalem Wettbewerb unter dem Motto „Fühelnd verbunden – Sing with emotion“ kamen zusammen. Die Nachwuchsförderung und die Stärkung der Chorlandschaft in Sachsen-Anhalt liegt Christian Waltenberg am Herzen. Neben dem schulischen Kontext gelingt ihm das als musikalischer Leiter des generationenübergreifenden Chors „Carmina Mundi“. Einmal im Jahr kommen die Sängerinnen und Sänger aus ganz Sachsen-Anhalt mit einem programmatischen Schwerpunkt zusammen. In diesem Jahr erarbeiteten sie ein Konzert zum Thema Demokratie und Meinungsfreiheit. Der Chorverband Sachsen-Anhalt e.V. wiederum brachte am 30. Juni 2026 zusammen mit dem Verein Völkerverständigung und Toleranz Hannover und weiteren internationalen Partnern ein außergewöhnliches Konzert in den Magdeburger Dom zur Aufführung. „The Night Konzert“, als Zeichen gegen Hass und Antisemitismus, verband Musik, Erinnerung und gesellschaftliches Engagement. Im Mittelpunkt stand liturgische Synagogalmusik von Leib Glantz in der Orchesterfassung von Joseph Nee aus den USA, kontrastiert mit Texten des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel aus seinem Werk „Die Nacht“. Begleitet wurde die Konzert-Lesung von der Magdeburgischen Philharmonie, dem MDR Rundfunkchor und zwei Synagogalchören. Das begleitende pädagogische Konzept für Schulprojekte wurde zuvor vom Verbandschorleiter des Chorverbands Sachsen-Anhalt Christian Waltenberg und der Fachkoordinatorin Constanze Voigt entwickelt.Vom 01. bis 04. Oktober ist Leipzig erstmals Gastgeber der chor.com. Auch da wird Christian Waltenberg mit dem Chorverband Sachsen-Anhalt e.V. vor Ort sein. Nach Dortmund und Hannover ist nun Leipzig fortan neue Heimat für das alle zwei Jahre vom Deutschen Chorverband ausgerichtete Fachtreffen der Vokalmusikszene. Zu mehr als 150 Workshops, drei hochkarätigen Masterclasses und 20 Konzerten geladen. In Bernburg wurde Christian Waltenberg 1988 geboren. Mit sieben Jahren entschied er sich in der Musikschule für das Akkordeon und nahm an mehreren Landeswettbewerben „Jugend musiziert“ teil. Von 2007 bis 2012 studierte Christian Waltenberg in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Musik und Mathematik für gymnasiales Lehramt mit den instrumentalen Fächern Akkordeon, Gesang und Klavier. Anschließend absolvierte Christian Waltenberg sein Referendariat am Geschwister-Scholl-Gymnasium Magdeburg und wurde Teil des Kollegiums. Er übernahm in Magdeburg 2013 den Kinderchor und gründete 2015 einen Jugendchor für die Mittelstufe und leitet seit 2019 den Jugendchor „ChoriuS“. Moderation Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Fridtjof Florian Dossin
2026/09/19
Fridtjof Florian Dossin hat sich in dem Dorf Oßmannstedt in der Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, nahe Apolda gelegen, einen 1939 erbauten und 25 Meter hohen Getreidespeicher zu Eigen gemacht. Zusammen mit Freunden und Kommilitonen aus Architektur und Denkmalpflege gründete er das Institut für Graue Energie e.V., übernahm den Vorsitz und ist Projektleiter der Reallabore. 13 Mitglieder gehören zum Verein, der inzwischen mit seinen Reallaboren auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg agiert, sich um den Erhalt und die nachhaltige Weiterentwicklung bestehender Gebäude, insbesondere von Industrie- und Bestandsbauten im ländlichen Raum einsetzt. „Graue Energie“, betont Fridtjof Florian Dossin, ist kein Kunstwort. „Graue Energie“ kommt aus dem Baumanagement und beschreibt die Energie, die in unserer Umwelt durch Gestaltungs- und Bauprozesse gebunden ist. Man habe den Begriff entlehnt, um auf ihn zu verweisen, um ihn bekannter zu machen und ihn mit dem Thema Bestandsgebäude zu verbinden, führt der Industriedenkmalpfleger aus. In Gebäuden steckt am meisten Energie, weil der Bauprozeß so energieaufwendig ist. Die Baustoffe müssen abgebaut, bearbeitet und auf die Baustelle transportiert werden. Energie, die man nicht sieht, daher „Graue Energie“ und diese kann man nachhaltig nutzen, wenn das Gebäude erhalten- oder einer neuen Nutzung zuführt, das Kulturdenkmal, den Erinnerungsort als Ressource nutzt. Das Erdgeschoss des Getreidespeichers in Oßmannstedt wird als Vereinsraum genutzt in dem bald eine kleine Fachbibliothek einziehen soll. Im Keller wird eine Werkstatt entstehen. Schon jetzt wird zu Erzähl-Cafés geladen, Anfang September geschah dies in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratiegeschichte. Am 13. 09. öffnete das Reallabor Getreidespeicher Oßmannstedt zum vierten Mal seine Türen zum Tag des offenen Denkmals, am 21.09 lädt das Institut für Graue Energie e.V. zur Sommerakademie in Hohenmölsen ein und präsentiert sich am 08.10 beim Forum Industriekultur Berlin. In Jena wurde Fridtjof Florian Dossin 1995 geboren. Nach dem Abitur studierte er von 2014 bis 2018 Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar und von 2018 bis 2021 Denkmalpflege an der Universität Bamberg. 2016 absolvierte Fridtjof Florian Dossin ein Praktikum im Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und 2017 im Bundesdenkmalamt Österreich, wurde studentischer Mitarbeiter u.a. an der Bauhaus-Universität Weimar, im Keramik Museum Bürgel und in der Bauhaus-Keramikwerkstatt Dornburg, war 2019 Werkstudent bei einem Kirchenmaler- und Restauratorenfachbetrieb in der Fränkischen Schweiz. Seit 2020 ist Fridtjof Florian Dossin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität Weimar, forscht zu Fragen des industriellen Erbes, der Baukultur, der Transformation von Bestandsgebäuden und schreibt an seiner Promotion mit dem Arbeitstitel „Erinnerung an Arbeit. Die Betriebsmuseen der VEB in der DDR“.Moderation Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf
MDR Kultur trifft Alexandra Husemeyer
2026/09/12
In Eisenach kam Alexandra Husemeyer zur Welt, dort wuchs Sie auf und dort lebt sie noch immer. Fragt man Sie auf Reisen, woher sie kommt, dann sagt sie aus Thüringen, ansonsten aber begreift sie sich als Europäerin. Seit 2019 ist Alexandra Husemeyer Projektleiterin der interkulturellen ACHAVA Festspiele in Eisenach und organisiert dafür jährlich an die 30 Veranstaltungen. Im Jahr 2015 wurden die ACHAVA Festspiele in Thüringen unter Leitung und Intendanz von Kulturmanager Martin Kranz in Weimar ins Leben gerufen, um ein Zeichen für Toleranz und Dialog zu setzen. Das hebräische Wort ACHAVA steht für Brüderlichkeit. Neben Konzerten renommierter internationaler Künstler gehören Ausstellungen, Tanz, Theater, Gespräche und Podiumsdiskussionen, sowie thüringenweite Schüler-Angebote zum Programm. Die 12. ACHAVA Festspiele Thüringen bringen vom 23. September bis 11. Oktober mehr als 80 Veranstaltungen in die sieben Städte Eisenach, Gera, Erfurt, Gotha, Mühlhausen, Weimar und Bad Salzungen. In Eisenach vom 13. September bis 10.Oktober. Höhepunkt ist das ACHAVA Familienfest am 04. Oktober im E-Werk Eisenach. 1972 in Eisenach geboren, besuchte nach der Oberschule von 1989 bis 1992 das Evangelisches Gymnasium in Potsdam-Hermannswerder. Anschließend absolvierte sie im Rahmen der Ausbildung zur Evangelischen Paramentikerin und Prüfung vor der EKD Hannover eine zweijährige Lehre in Handstickerei. In der Paramentenwerkstatt der von Veltheim-Stiftung Kloster St. Marienberg Helmstedt und in der Handweberei Peters in Königslutter ließ sich Alexandra Husemeyer von 1994 bis 1996 zur Handweberin ausbilden. 2002 bestand sie die Meisterprüfung im Weber-Handwerk vor der Handwerkskammer Hannover, eröffnete in Eisenach die Werkstatt "Der rote Faden“ und arbeitete als selbständige Paramentikerin, Textildesignerin und Textilrestauratorin, aber auch Kulturkoordinatorin und Moderatorin. Alexandra Husemeyer qualifizierte sich zur zertifizierten Gästeführerin im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V., wurde von 2008 bis 2013 im Wartburgverlag GmbH, Lutherhaus Eisenach Mitarbeiterin für Museumspädagogik und Öffentlichkeitsarbeit und besuchte berufsbegleitend von 2009 bis 2012 die Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen "Lutherfinder“ in Erfurt und Schulungen bei der Thüringer Tourismus GmbH. Von 2014 bis 2020 arbeitete Alexandra Husemeyer in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland als Mitarbeiterin für Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement und entschied 2020 wieder in die Freiberuflichkeit zu gehen. Über ihr Kulturbüro "Der rote Faden“ in Eisenach arbeitet sie als Moderatorin für die französische Botschaft in Berlin, die Evangelische Akademie Thüringen, lädt zu Stadtführungen, ist Kuratorin zahlreicher Ausstellungen über den Kunstverein in der Predigerkirche und im Stadtschloß, arbeitet als Museumspädagogin und an der Entwicklung neuer Bildungsangebote für Museen. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf
MDR Kultur trifft Gitte Zschoch
2026/09/05
Doch mit der jüngsten Ankündigung der Schließung der deutschen Goethe-Institute in Rußland endet im 75. Jahr auch eine Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 03.09.2026, mit der Maßnahme reagiere man auf das angekündigte Ende für das „Russische Haus“ in Berlin. Die Bundesregierung hatte am 01.09. Rußland für einen versuchten Anschlag mit einer am Flughafen Leipzig/ Halle gefundenen Drohne verantwortlich gemacht, neue Schutzmaßnahmen gegen mögliche russische Angriffe verkündet und die Schließung vom „Russischen Haus“ in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn beschlossen. Das Goethe-Institut betreibt neben seiner Hauptstelle in Moskau weitere Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Nowosibirsk. Bereits im Mai 2023 setzte die russische Regierung eine strikte Personalobergrenze für deutsche Auslandsvertretungen und Kulturorganisationen durch. Von den 200 Mitarbeitern in den drei Goethe-Instituten durften nur noch 15 tätig bleiben. Das am 09.08.1951 in München gegründete „Goethe-Institut e.V.“ ist seit den 1960er Jahren die größte und international bekannteste der so genannten Mittlerorganisationen der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Als privater Verein im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes nimmt das Goethe-Institut zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn die kulturelle Selbstdarstellung Deutschlands im Ausland wahr. Die Zentralverwaltung sitzt in München. Das Goethe-Institut vermittelt in hundert Ländern deutsche Sprache und fördert den Kulturaustausch. In vielen autoritären Regimen werden so auch Schutzräume für einen freien Austausch geschaffen. Aber auch das Goethe-Institut unterliegt seit einigen Jahren einem umfassenden Transformations- und Sparkonzept. So mußten in den vergangenen Jahren mehrere Standorte geschlossen und Stellen abgebaut werden. Dennoch steht demnächst die Eröffnung eines Goethe-Institutes in den USA und in Polen an. Seit 2009 war Gitte Zschoch in verschiedenen Positionen für das Goethe-Institut tätig: In Seoul, Tokio, Johannesburg, zuletzt von 2015 bis 2018 als Gründungsdirektorin des Goethe-Instituts in der Demokratischen Republik Kongo. 1984 in Borna geboren und in Frohburg aufgewachsen, studierte Gitte Zschoch Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihr Master-Studium in Moderner Koreanischer Literatur absolvierte sie an der Seoul National University, Südkorea, wo sie auch als Dozentin für Deutsch tätig war. Anschließend arbeitete sie als freie Kulturmanagerin und Autorin. 2021 war sie in der Kategorie „Kulturmanagerin des Jahres“ beim Europäischen Kulturpreis“ nominiert.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
MDR Kultur trifft Klaus Dörr
2026/08/29
Die Bühnen Halle sind ein Mehrspartenhaus mit Oper, Ballett, Schauspiel (neues theater und Thalia-Theater), Puppentheater und der Staatskapelle. In fast 1000 Veranstaltungen pro Spielzeit erreichen die Bühnen Halle mehr Besuche, als Halle Einwohner zählt ist im neuen Spielzeitheft für die Saison 2026/2027 zu lesen und lädt ein, Theater als Ort der Erfahrung, des Lernen und des gemeinsamen Erlebens zu besuchen. Und, sich damit einer Kunstform zu nähern, die, wie Klaus Dörr es formuliert, im Moment ihres Entstehens vergeht, die wir nicht festhalten, nicht konservieren, sondern nur erinnern können und gemeinsam darüber sprechen. Vor Beginn der neuen Spielzeit kann das bereits bei einem großen Kulturspektakel im Rahmen des Laternenfestes erprobt werden. Drei Tage präsentieren sich alle fünf Sparten u.a. mit „It´s Showtime! – Eine Musicalrevue“, oder einer Ballettgala, mit „Entführung im Puppentheater“ oder „30-Minuten-Oper: La Traviata“. Traditionell am letzten Augustwochenende feiert die Stadt Halle, bietet zwischen Ziegelwiese und Peißnitzinsel ein vielfältiges Kulturprogramm aus Live-Musik, Kunst, Mitmach-Aktionen und dem klassischen Laternenumzug. Vielfalt steht über allem und „#Stolz auf Vielfalt“ ist die Überschrift eines breiten Bündnisses, einer Kampagne, die Menschen und Institutionen dazu einlädt, sichtbar zu machen, was Sachsen-Anhalt prägt und verbindet, und zeigt was Kultur ist. Zu diesem Bündnis gehört auch „Kultur ist Vielfalt und Heimat“. Als Kulturinstitution unterstützen die Bühnen Halle dieses Statement für Kunstfreiheit und kulturelle Offenheit und haben es mitunterzeichnet. In Neustadt an der Weinstraße wurde Klaus Dörr 1961 geboren. In Berlin studierte der gelernte Krankenpfleger Wirtschaftswissenschaften und befaßte sich in seiner Abschlußarbeit mit den „Möglichkeiten und Grenzen ökonomischer Steuerung von Theatern am Beispiel der Berliner Ensemble GmbH“. Nach einem Praktikum wurde Klaus Dörr Assistent des Technischen Direktors am Berliner Ensemble. Anschließend wirkte er als Produzent, Produktionsleiter und Berater für freies und institutionelles Theater. Von 2006 bis 2013 war Klaus Dörr Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters Berlin und von 2009 bis 2013 zudem stellvertretender Intendant, von 2013 bis 2018 Künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant des Schauspiels Stuttgart und von 2018 bis 2021 Intendant der Volksbühne Berlin. Viele Jahre war Klaus Dörr Gutachter und Berater in Strukturkommissionen. Am 01. Juli 2025 übernahm er die Geschäftsführung der Theater, Oper und Orchester GmbH.Moderation Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Marko Martin
2026/08/22
„Freiheitsaufgaben“ erschien nach seiner Festrede am 07.11.2024, dem 35. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR im Schloß Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Diese Rede erfuhr große Aufmerksamkeit, manche Kommentatoren sprachen von einer Sternstunde der Demokratie und verärgerte den Bundespräsidenten. Im Februar 2026 wurde Marke Martin in Leipzig der Werner-Schulz-Preis verliehen. Wie der Bürgerrechtler und langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete Werner Schulz, habe Marko Martin vehement die Politik Putins und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine angeprangert, so die Begründung der Jury. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzt die Autorenvereinigung PEN Berlin ihre bereits im vergangenen Jahr viel beachtete Veranstaltungs- und Gesprächsreihe quer durch Deutschland fort und fragt im August in 41 Tagen bei 36 Begegnungen mit 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Sachsen-Anhalt: „Ist das noch / schon mein Land? – Gespräche über Heimat“. Anfang Mai war Marko Martin im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Gast im Theater Görlitz. Seit Februar 2025 produziert er für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung regelmäßig den podcast „Marko Martin, einmal klingeln“. 2024 erschien im Tropen Sachbuch Verlag zudem der Essayband „Und es geschieht jetzt. Jüdisches Leben nach dem 7. Oktober“. „Marko Martin ist ein wahrer Humanist.“, schrieb die US-amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum zu diesem Buch. Marko Martin bereist das Land seit 1991 und war zuletzt im Juni 2026 in Tel Aviv, berichtete von dort über das erste „Gay Pride“ nach dem 7. Oktober 2023 als Fest der Lebensfreude.Im Burgstädt in Sachsen wurde Marko Martin 1970 in geboren. Seine Eltern waren Zeugen Jehovas, lösten sich jedoch in den 1980er Jahren von diesen. Marko Martin wurde Kriegsdiensttotalverweigerer und erfuhr die Repressalien des Staates namens DDR. Unter anderem wurde ihm die Hochschule verwehrt. Im Mai 1989 siedelte die Familie in die Bundesrepublik Deutschland über und lebte fortan am Bodensee. Im Sommer 1990 reiste der inzwischen 19jährige Abiturient durch die frühere Heimat und veröffentlichte 2004 bei DVA „Sommer 1990. Er studiert zunächst Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der TU und FU Berlin. Nach langjährigem Aufenthalt in Paris lebt Marko Martin, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller und Publizist in Berlin. Zahlreiche Bücher erschienen im Rahmen seiner Reisen rund um den Globus zu Themen wie Welt- und Fremdheitserfahrungen. Marko Martin ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2022 auch Mitglied im PEN Berlin. Er erhielt den Ovid-Preis und den Reiner Kunze-Preis, ist Jury-Mitglied des Karl-Wilhelm Fricke-Preises und war von 2015 bis 2017 auch Jury-Mitglied des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Jonas Seufert
2026/08/15
Über fünf Jahre arbeiteten Jonas Seufert und Lisa Frühbeis an dem Buch „Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen“ und führten zahlreiche Interviews mit den Menschen, die in dem Comic sichtbar werden. Wie viele Menschen in Deutschland ohne Aufenthalts-Papiere leben und wie dieses Leben aussieht, darüber gibt es bislang kaum eine öffentliche Debatte. Mitte Juni 2026 trat die größte EU-Asylreform seit 1983 in Kraft. Doch in den immer schärferen Diskussionen um Migration gehen die Lebensbedingungen der Betroffenen unter. Jeder offizielle Kontakt kann ihre Abschiebung bedeuten. Doch der Comic kann überall dorthin, wo Kamera und Mikrofone nicht hinkommen und so konnten die Protagonisten Brienne, Charlotte, Nasir und Dau ihm in langen Gesprächen ihre Geschichten anvertrauen und dennoch anonym bleiben. Die Transfrau Brienne aus Thailand, die dort von ihrer Arbeit als Tierarzthelferin nicht leben konnte, kämpfte sich mutig aus der Zwangsprostitution heraus und erreichte, daß ihre Chefin ins Gefängnis kam. Charlotte aus dem Senegal flüchtete vor ihrem Onkel, der sie vergewaltigt hatte. In Mainz mußte sie Jahre später ihr Kind beinahe auf der Straße zur Welt bringen, da sie keinen Arzt aufsuchen konnte. Nasir, geboren in Somalia und 25 Jahre in Deutschland lebend, hat noch immer keine Aufenthaltspapiere, obwohl er die Pfalz längst sein Zuhause nennt und Dao erlebte auf ihrer Irrfahrt durch Europa, um ihre Eltern daheim finanziell zu unterstützen, neben regelrechter Ausbeutung in der vietnamesischen Community auch große Solidarität. Jonas Seufert, geboren 1989 in Würzburg, lebt heute in Leipzig. Von 2011 bis 2015 studierte er „Internationale Beziehungen“ an der TU Dresden und absolvierte ein Auslandssemester in der Türkei. Anschließend besuchte er bis 2018 die Deutsche Journalistenschule und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2019 erhielt Jonas Seufert den Grimme Online Award für die Bürgerrecherche zusammen mit Correctiv „Wem gehört Hamburg?“. Zahlreiche Preise und Stipendien folgten über die Jahre. 2019 bis 2021 war er Mitbegründer von „Hermes Baby - Gemeinschaft für gute Geschichten“. 2020 bis 2022 wirkte Jonas Seufert als Co-Host und Coach für den Knast-Podcast „Zweidrittel FM“ und 2024 als Autor für den Dokumentarfilm „The Pickers“. Zehn Jahre arbeitete Jonas Seufert zudem als freier Reporter u.a. für DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Correctiv und Taz. 2024 hatte er ein Stipendium der Otto-Brenner-Stiftung inne. 2025 war er Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln. Seit 2025 ist Jonas Seufert Teil des Investigativ-Teams von FragDenStaat. Seine journalistische Arbeit konzentriert sich auf die Themen soziale Ungleichheit, Migration, prekäre Arbeit und globale Lieferketten.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Dieter König
2026/08/08
1.248 UNESCO-Welterbestätten gibt es derzeit in 170 Ländern weltweit. Sachsen-Anhalt hat mit fünf UNESCO-Welterbestätten die meisten in einem ostdeutschen Bundesland aufzuweisen: Die mittelalterlich geprägte Stadt Quedlinburg, der Dom in Naumburg, die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und das Bauhaus in Dessau. Hinzu kommt das UNESCO Weltdokumentenerbe wie die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit oder seit vergangenem Jahr der literarische Nachlaß des Philosophen Friedrich Nietzsche. Das 1994 als Welterbestadt aufgenommene Quedlinburg ist ein Gesamtkunstwerk. Hier treffen mittelalterliche Stadtstruktur und ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtbaugeschichte aufeinander. An die 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen noch heute das Bild der Stadt. In Quedlinburg wurde Dieter König 1949 geboren und da lebt er noch immer. Im Mai 1961, da war er elf Jahre alt, wurde zwischen Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries eine Städtepartnerschaft geschlossen, zu der auch ein Schüleraustausch gehören sollte. Mit dem Mauerbau am 13.08.1961 war die nur noch teilweise und einseitig möglich. Anders im Westen Deutschlands, da unterzeichneten im Januar 1963 Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, der bis heute den Grundstein der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich legte. Im Osten Deutschlands, nach der politischen Wende 1989/ 90, konnte in Quedlinburg erst 1991 diese Städtepartnerschaft vom Mai 1961 durch die Bürgermeister beider Städte erneuert werden. 1998 wurde der Verein zur Förderung der Freundschaft zwischen der deutschen Stadt Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries gegründet. Dieter König ist Gründungsmitglied und seit 2000 im Ehrenamt Vorsitzender des Vereins. Seine Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu erhalten, sie mit Leben zu füllen und zu festigen. Dieter Königs erste Begegnung mit den Franzosen lag im Jahr 1994: Ein Staffellauf über 730 Kilometer in 5 Tagen von Aulnoye-Aymeries nahe der belgischen Grenze bis nach Quedlinburg. Er war dabei und organsierte 1996 den zweiten Lauf in umgekehrter Richtung. Neben dem Sport kamen Kulinarik und Kultur hinzu. Dieter König organisierte den fortan jährlichen Besuch der Franzosen zum Weihnachtsmarkt in Quedlinburg, zu Wein- und Käseverkostungen, zu Begegnungen am Tag des offenen Denkmals. Chöre beider Städte singen über Jahre zusammen und in jeder der beiden Städte gibt es eine Straße mit dem Namen der Partnerstadt. In diesem Jahr feierten sie zusammen 65 Jahre Bestehen dies Vertrags.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Dirk Messner
2026/08/01
Er sei ein notorischer Nachhaltigkeitstransformationsoptimist, sagt Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes. Derzeit durchaus im Steßzustand, fügt er an. Wegen der Wirtschaftskrise würde häufig beim Klima- und Umweltschutz gekürzt. Das sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch fatal. Auch jüngste Ergebnisse aus der Studienreihe „Zukunft? Jugend fragen!“ des Umweltbundesamtes weisen auf, daß der Umwelt- und Klimaschutz bei den 14- bis 22-Jährigen in Deutschland weiter an Bedeutung verliert. Der Anteil der jungen Menschen, die das Thema als sehr wichtig einstufen, ist seit 2021 von 50 auf 30 Prozent gesunken. Das politische Interesse aber ist insgesamt hoch. 88 Prozent der Befragten ist es sehr wichtig in einer Demokratie zu leben. Dirk Messner glaubt fest daran, daß man Dinge zum Besseren wenden kann und auf die Frage nach der Lebensmaxime antwortet er: „Kooperation ist die Mutter der menschlichen Zivilisationsgeschichte“. In einer Diskussion jüngst im historischen Bauhausgebäude in Dessau unter der Fragestellung „Kultur - Fundament der Demokratie?“, organisiert vom Deutschen Kulturrat, der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Umweltbundesamt, führte Dirk Messner u.a. aus, daß es beispielsweise bei Veränderungsprozessen zur Klimaneutralität wichtig sei, Kulturschaffende für dieses Thema zu mobilisieren. Kultur helfe die Welt in ihrer Diversität zu verstehen. Die Lösung der Umweltfrage sei nicht nur Technologie, nicht nur Ökonomie, sondern habe auch mit einem kulturellen Wandel zu tun. In Bünde, in Nordrhein-Westfalen wurde Dirk Messner 1962 geboren. Von 1982 bis 1988 studierte er Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und der Sogang University in Seoul. Ab 1989 arbeitete er am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in West-Berlin, Abteilung Industrialisierung und Schwellenländer mit dem Schwerpunkt Lateinamerika. 1995 wurde er an der FU Berlin bei Elmar Altvater „summa cum laude“ promoviert. 1995 bis 2002 war Dirk Messner wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen. 2002 habilitierte er sich an der FU Berlin und hatte anschließend eine Professur für Internationale politische Ökonomie am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilins-Universität München inne. Von 2003 bis 2018 war Dirk Messner Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und ist seit 2006 außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Von 2018 bis 2019 war er Direktor des Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Bonn und Vize-Rektor der United Nations University. Von 2004 bis 2019 wirkte Dirk Messner u.a. als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, ab 2009 als stellvertretender Vorsitzender, ab 2013 als Co-Vorsitzender. Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft David Pruß
2026/07/25
Mit 26 Jahren wurde David Pruß 2021 jüngster Leiter eines Zoologischen Gartens in Deutschland und trug in Hof in Bayern Verantwortung für rund 500 Tiere. Seit Juli 2025 hat David Pruß die Leitung des Magdeburger Zoos inne. Der ist an die 20 Hektar groß und beherbergt an die 700 Tiere und 177 Arten. Im vergangenen Jahr wurde unter dem Motto „Wild, wundervoll, wegweisend“ 75jähriges Jubiläum gefeiert. Historisch machte sich der Zoo Magdeburg wegen seiner Spitzmaulnashornzucht einen Namen. Aus Artenschutz- und Naturschutzgründen sind es bis heute wichtige Tiere im Bestand des Zoos Magdeburg. Er unterstützt den Erhalt bedrohter Arten durch seine Beteiligung an Zucht- und Auswilderungsprogrammen. Mit dem „Artenschutz-Euro“ möchte er mit den Besuchern des Zoos zusammen verstärkt Artenschutzprojekte im natürlichen Lebensraum weltweit und vor Ort fördern. Künftig soll zudem verstärkt auf Citizen Conversation gesetzt werden, also Zuchtbücher für Amphibien, bei denen Zoos mit Museen und auch Privathaushalten zusammenarbeiten. Zudem ist ein Ausbau der Kooperationen mit Universitäten geplant, um den Zoo als Plattform für angewandte Artenschutzforschung zu etablieren. Der Tiermediziner, Zoologe, Tierschützer und Verhaltensforscher Bernhard Grzimek ist David Pruß ein wichtiges Vorbild. Als Forscher und als Praktiker hat er gezeigt, daß Engagement für Tiere und Umwelt immer auch ein Engagement für die kommende Generation ist, führt David Pruß aus. „Sein Vermächtnis lebt in jedem verantwortungsvollen Schritt weiter, den wir im Zoo gehen, und in meiner eigenen Überzeugung, durch Bildung, Forschung und gelebten Artenschutz etwas zum Guten zu verändern.“ Für die langfristigen Pläne von David Pruß für den Magdeburger Zoo wurden von der Stadt 300.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Wichtigste Themen seines Masterplans drehen sich um die Fragen der Infrastruktur: Energie, Wärme, Logistik, Futterwege. In den Sommerferien wird im Zoo Magdeburg der Internationale Tag des Naturschutzes gefeiert, mit Klang & und Kulinarik gibt es einen Abend voller Genuß im Zoo, Kinder zwischen 6 und 8 Jahren können einen Haustierführerschein machen und ältere Kinder sich auf die Spuren der Zootierhaltung begeben. Zudem wird es im August sehr emotional im Zoo Magdeburg. Die Elefantenkuh Sweni steht kurz vor der Geburt. Im Rheinland wurde David Pruß vor 31 Jahren geboren. Dort wuchs er auf. Um die zehn Jahre alt war er wohl, als er das erste Mal „Serengeti darf nicht sterben“ von Bernhard Grzimek in den Händen hielt. Mit diesem Buch und seiner Liebe zu Tieren reifte der Wunsch einmal im Zoo zu arbeiten. David Pruß studierte Veterinärmedizin in Hannover, absolvierte ein Praktikumsjahr in Thailand und wurde nach Rückkehr und noch während des Schreibens seiner Diplomarbeit im Jahr 2021 Zoo-Direktor in Hof.Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Jacob Strobel
2026/07/20
Zusammen mit seiner Frau Martha Strobel kuratierte Jacob Strobel, Professor für Holzgestaltung, Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg, die Ausstellung „Der ungesehene Designklassiker“ im Industriemuseums Chemnitz. Sogar ein Film mit dem nüchternen Titel „Stuhl EW 1192“ entstand rund um das beliebte Sitzmöbel und wurde begleitend zur Ausstellung gezeigt. Die Geschichte dahinter: Dem Möbeldesigner Jacob Strobel, in Würzburg geboren und einst Student in Schneeberg, fiel im Laufe der Jahre immer wieder ein bestimmter Küchenstuhl in die Hände, der ihn faszinierte Minimalistische Form, erinnernd an skandinavisches Design, hoher Sitzkomfort. Er stand in nahezu jeder Küche im Osten Deutschlands, doch keiner wußte woher er kam, wer ihn entworfen hatte. Nach vielen Jahren als Designer und Produktmanager in Österreich, auf internationalen Möbelmessen präsent und mit eigenen preisgekrönten Stuhlentwürfen versehen, kehrte Jacob Strobel 2015 als Professor für Holzgestaltung an die Fakultät Angewandte Kunst nach Schneeberg zurück und stieß erneut auf den Küchenstuhl EW 1192, der ihm noch immer außerordentlich gefiel. Er begann zu forschen und bat „Freie Presse“ - Leser um Mithilfe. Sein Email-Fach quoll in kürzester Zeit über, viele rührende Erzählungen kamen zutage. Im Stuhlmuseum im sächsischen Rabenau fanden sich zudem Unterlagen die bezeugten, daß der Vierbeiner aus dem Entwurfsbüro Waldheim stammt. Von 1954 bis 1989 wurden dort Sitz- und Polstermöbel für die industrielle Fertigung entworfen. Prägender Kopf war der Formgestalter Horst Heyder, einer der bedeutendsten Möbel-Designer der DDR. Ihm und seinem Kollektiv wird der Entwurf des am meisten gekauften und genutzten Küchenstuhls von einst zugeschrieben und der nun eine Renaissance erfährt. Jacob Strobel hatte selbst einst eine Vision von einem Stuhl: Ein Lounge-Chair ohne Polster, der flexibel sein sollte, einen Komfort besitzen, den man nicht sehen, aber spüren sollte. Der Stuhl „lux“ wurde der Abschluß seiner Diplom-Arbeit und Beginn seines Berufseinstiegs. In Würzburg wurde Jacob Strobel 1978 geboren. Von 1999 bis 2002 absolvierte er eine Ausbildung zum Schreiner/ Tischler bei seinem Onkel in der Schreinerei Strobel. Von 2002 bis 2007 nahm er ein Studium der Holzgestaltung an der Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg auf. 2004 studierte er ein Jahr an der Gray`s School Of Art in Aberdeen an der schottischen Nordseeküste 3D Design und nahm anschließend eine Assistenz im Studio Christian Haas auf. Von 2007 bis 2008 war Jacob Strobel Designer und Produktmanager von TEAM 7 in Österreich und von 2008 bis 2015 dort Head of Design. Anschließend und bis heute ist er freischaffender Möbeldesigner. Er erhielt jeweils mehrfach den Red Dot Design Award, den Designerpreis der Bundesrepublik nominee, den German Design Award nominee und den Interior Innovation Award. Moderation Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf
MDR KULTUR trifft Katharina Germo
2026/07/11
Katharina Germo, geboren in Halle, bringt langjährige Co-Leitungs-, Theater- und Theaterfestivalerfahrungen aus der Schweiz mit. Juliane Hahn, geboren in Friedrichroda in Thüringen, arbeitete von 2020 bis 2024 in Zürich, wo sie Co-Leiterin des Theaterhauses Gessnerallee war. Vom 21.08. bis 06.09. präsentieren sie ein internationales Programm der Gegenwartskünste aus Theater, Tanz, Performance, Musik, Film, Literatur und Bildender Kunst. Neben etablierten Kulturorten werden auch öffentliche Räume in Weimar und in der Region bespielt. Erstmals gibt es mit dem Lichthaus wieder ein Festivalzentrum als zentralen Ort des Festivals. Eröffnet wird das Kunstfest Weimar am 21.08. mir der Open-Air-Performance „RoZeO“ der französischen Kompanie Gratte Ciel im Ilmpark. Artistinnen und Artisten werden auf sechs Meter hohen biegsamen Stangen über der Landschaft schweben. Auf der Festwiese Apolda kommt am selben Abend das außergewöhnliche Konzertprojet „Soundtrack for Midnight TAMURO“ von Masamitsu Araki zur Aufführung. Inspiriert von Erinnerungen des Künstlers an das Aufwachsen im ländlichen Raum Japans und von der Begegnung mit der Thüringer Autotuning-Szene entstand eine Suite für ein Ensemble von Fahrzeugen mit getunten Soundanlagen. 1990 wurde das Kunstfest Weimar als eine der ersten gemeinsamen Kulturinitiativen im wiedervereinigten Deutschland gegründet. Es widmete sich zunächst Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Bach und Liszt und die Einnahmen flossen in die Restaurierung der Kulturdenkmäler Weimars. Als inzwischen internationales Festival der Gegenwartskünste soll mit der diesjährigen Ausgabe die lebendige, verbindende Kraft künstlerischen Schaffens gefeiert werden und Räume für Begegnungen und gemeinsam geteiltes Erleben. In Halle an der Saale kam Katharina Germo 1991 zur Welt. In Hildesheim studierte sie von 2010 bis 2015 Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit dem Schwerpunkt Theater und Literatur, welches einen viermonatigen Studienaufenthalt an der Université Aix-Marseille im Fach Szenische Künste enthielt. Von 2015 bis 2019 absolvierte Katharina Germo dem Masterstudiengang Theater mit Vertiefung Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie arbeitete als freischaffende Dramaturgin für freie Tanz- und Theaterproduktionen, übernahm Mentoring und Gesprächsmoderationen, war von 2016 bis 2022 Programmdramaturgin am Theater ROXY Birsfelden und arbeitet 2019 bis 2024 in der Programmgruppe des Theaterfestival Basel. Von 2023 bis 2025 hatte sie die Co-Leitung im Fabriktheater Rote Fabrik Zürich inne. Seit 2020 war sie in zahlreichen Jurys und Kommissionen in Deutschland und der Schweiz vertreten. Ihre letzte eigene künstlerische Arbeit trug den Titel „What We Know“, eine Installation im öffentlichen Raum für das About Us! Festival Zürich. Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf
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