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Sevencast

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Dieser Podcast hat
5 Episoden
Sprache
German
Herausgeber
AWARE7
Explizit
Nein
Erstellt am
2020/03/19
Neueste Episode
2026/10/21
Durchschnittsdauer
33 min.
Veröffentlichungsintervall
13 Tage

Beschreibung

Der Sevencast fasst die Aktivitäten im Bereich IT-Sicherheit zusammen.

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NotPetya: 10 Milliarden Dollar Schaden und niemand war das eigentliche Ziel
2026/10/21
Kopenhagen, 27. Juni 2017. In der Zentrale der größten Reederei der Welt werden die Bildschirme schwarz, einer nach dem anderen. Wenige Stunden später stehen in Häfen von Los Angeles bis Mumbai die Kräne still. Auf den Rechnern steht eine Lösegeldforderung über 300 Dollar in Bitcoin. Wer zahlt, bekommt nichts zurück. Am selben Tag trifft es eine Staatsbank in Kiew, ein Krankenhaus in Pennsylvania, einen Pharmakonzern in New Jersey und den Nivea-Hersteller Beiersdorf in Hamburg. Gemeint war keiner davon. In Folge 004 gehen Chris Wojzechowski und Silas Borgmeier den Fall NotPetya durch: wie ein ganz normales Update einer ukrainischen Steuersoftware zum Einfallstor wurde, warum eingespielte Sicherheitsupdates die Ausbreitung nicht stoppten, und weshalb die angebliche Erpressung nie eine war. Außerdem: wie Maersk sein Netz nach Angaben des Verwaltungsratschefs in 10 Tagen im Kern neu aufgebaut hat und welche Rolle ein Stromausfall in Ghana dabei spielte, warum Versicherer bei Merck und Mondelez nicht zahlen wollten und wie ein Gericht in New Jersey über die Kriegsklausel entschied. Dazu der Mythen-Check, 4 Learnings mit je einem Umsetzungsschritt und der deutsche Blick auf Beiersdorf, die BSI-Warnung von 2017 und einen Berliner Mailanbieter, der unfreiwillig Teil der Geschichte wurde. Kapitelmarken 00:00 Kopenhagen, 27. Juni 2017 01:00 Die Gäste und der Fall 03:00 Ein Dienstag in Kiew, Pennsylvania und Kopenhagen 09:06 Wie das Programm in die Netze kam 18:32 Wiederaufbau, Ghana und die Kriegsklausel 27:58 Täter und Verfahren 32:14 Der Mythen-Check 34:53 4 Learnings 38:32 Der deutsche Blick 41:39 Ausblick auf Folge 005 Quellen Primärquellen U.S. Department of Justice, Western District of Pennsylvania: Anklageschrift gegen 6 Offiziere der GRU-Einheit 74455 (unsealed indictment, 15./19.10.2020): Ablauf des M.E.Doc-Angriffs, manipulierte Updates vom 14.04., 15.05. und 21.06.2017, Auslieferung am 27.06.2017 von 12:14 bis 15:31 Uhr Moskauer Zeit über einen Server in Frankreich, Heritage Valley (Erstinfektion 7:23 Uhr EDT, Ausfälle, über 2 Mio. USD), FedEx/TNT rund 400 Mio. USD, “celebrated the attack”. https://www.justice.gov/d9/press-releases/attachments/2020/10/19/2020_10_19_unsealed_indictment_0.pdf U.S. Department of Justice, Pressemitteilung “Six Russian GRU Officers Charged …”, 19.10.2020. https://www.justice.gov/usao-wdpa/pr/six-russian-gru-officers-charged-connection-worldwide-deployment-destructive-malware The White House, Statement from the Press Secretary, 15.02.2018: “the most destructive and costly cyber-attack in history”. https://trumpwhitehouse.archives.gov/briefings-statements/statement-press-secretary-25/ Australian Government (DFAT): Attribution of the NotPetya cyber incident to Russia, 16.02.2018. https://www.dfat.gov.au/sites/default/files/australia-attributes-notpetya-malware-to-russia.pdf U.S. Department of the Treasury: Sanktionen gegen russische Cyberakteure, 15.03.2018 (u. a. NotPetya). https://home.treasury.gov/news/press-releases/sm0312 Rat der Europäischen Union: Durchführungsverordnung (EU) 2020/1125 vom 30.07.2020: Eintrag GTsST / Feldpostnummer 74455, Sandworm, NotPetya. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A32020R1125 CISA / US-CERT: Alert TA17-181A “Petya Ransomware”, 01.07.2017, aktualisiert 15.02.2018. https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2017/07/01/petya-ransomware Microsoft Security Bulletin MS17-010, März 2017. https://learn.microsoft.com/de-de/security-updates/securitybulletins/2017/ms17-010 A.P. Møller - Mærsk: Interim Report Q2 2017, 16.08.2017: Abschnitt “Cyber-attack”, Schaden 200-300 Mio. USD, Wirkungslosigkeit von Patches und Virenschutz in diesem Fall. https://investor.maersk.com/news-releases/news-release-details/interim-report-q2-2017 Merck & Co.: Form 10-Q für das 3. Quartal 2017 (SEC): Betriebsstörung, 135 Mio. USD Umsatzausfall, Gardasil-9-Entnahme aus dem CDC-Vorrat (rund 240 Mio. USD), 175 Mio. USD Kosten. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0000310158/000031015817000045/mrk0930201710q.htm FedEx: Mitteilung zum 10-K mit Angaben zum Angriff auf TNT Express. https://newsroom.fedex.com/newsroom/global-english/fedex-files-10-k-additional-disclosure-cyber-attack-affecting-tnt-express-systems Superior Court of New Jersey, Appellate Division: Merck & Co. v. ACE American Insurance Co., A-1879-21/A-1882-21, 01.05.2023 (eingeordnet über die Kanzleianalysen unten). https://www.njcourts.gov/system/files/court-opinions/2023/a1879-21a1882-21.pdf U.S. Department of State, Rewards for Justice: Belohnung bis 10 Mio. USD für Hinweise zu den 6 Offizieren. https://rewardsforjustice.net/rewards/yuriy-sergeyevich-andrienko/ Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS2), Art. 21 Abs. 2 Buchst. d: Sicherheit der Lieferkette. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32022L2555 Департамент Кіберполіції України (Cyberpolizei der Ukraine), Meldungen zu Diskcoder.C und M.E.Doc, Juni/Juli 2017. https://cyberpolice.gov.ua/news/prykryttyam-najmasshtabnishoyi-kiberataky-v-istoriyi-ukrayiny-stav-virus-diskcoderc-881/ Technische Analysen ESET (Anton Cherepanov): “TeleBots are back: supply-chain attacks against Ukraine”, 30.06.2017; “Analysis of TeleBots’ cunning backdoor”, 04.07.2017 (dt. Fassung 05.07.2017); “New TeleBots backdoor: First evidence linking Industroyer to NotPetya”, 11.10.2018. Cisco Talos: “The MeDoc Connection”, Juli 2017. Microsoft Defender Security Research: “New ransomware, old techniques: Petya adds worm capabilities”, 27.06.2017. Kaspersky / Securelist: “ExPetr/Petya/NotPetya is a Wiper, Not Ransomware”, 28.06.2017. G DATA: “Petya ist zurück: wieder einmal”, 27.-30.06.2017. Berichterstattung, Interviews, Zeitzeugen Andy Greenberg: “The Untold Story of NotPetya, the Most Devastating Cyberattack in History”, WIRED, 22.08.2018 (Auszug aus dem Buch “Sandworm”). https://www.wired.com/story/notpetya-cyberattack-ukraine-russia-code-crashed-the-world/ Gavin Ashton: “Maersk, me & NotPetya” (Erfahrungsbericht eines Maersk-Mitarbeiters aus dem Identitätsteam). https://gvnshtn.com/posts/maersk-me-notpetya/ BleepingComputer: “Maersk Reinstalled 45,000 PCs and 4,000 Servers to Recover From NotPetya Attack” (Jim Hagemann Snabe, WEF Davos, Januar 2018); “Email Provider Shuts Down Petya Inbox …”, 27.06.2017; “M.E.Doc Software Was Backdoored 3 Times …”, Juli 2017. TheJournal.ie / AFP: “Chernobyl’s radiation monitoring system hit by cyberattack”, 27.06.2017. The Record (Recorded Future News): Mondelez und Zurich einigen sich, 2022; Belohnung des State Department, 2022. DAC Beachcroft, Carter Perry Bailey, Pro Policyholder: Analysen zum Merck-Berufungsurteil und zum Vergleich 2024. SecurityWeek: “NotPetya Attack Had Significant Impact on Merck Revenue”, 2017. TSN, Ukrajinska Prawda, LB.ua: Berichte zur Beschlagnahme der M.E.Doc-Server und zu den ukrainischen Betroffenen, Juli 2017. DACH-Einordnung Posteo: “Info zur Ransomware PetrWrap/Petya: Betroffenes Postfach bereits seit Mittag gesperrt”, 27.06.2017, mit Nachtrag vom 29.06.2017. https://posteo.de/blog/info-zur-ransomware-petrwrappetya-betroffenes-postfach-bereits-seit-mittag-gesperrt heise online: “Petya-Attacke: Posteo sperrt E-Mail-Adresse der Angreifer”, 27.06.2017; “BSI-Warnung: Nach wie vor hohe Gefahr durch NotPetya-Backdoor in MeDoc”, Juli 2017; “3 Jahre NotPetya: Der Erpressungstrojaner, der keiner war”, Juni 2020. silicon.de: “Petya/NotPetya wütet bei deutschen Unternehmen”, 10.07.2017 (BSI-Zitate Arne Schönbohm, TNT Deutschland, Reckitt Benckiser). apotheke adhoc / dpa: “Beiersdorf: Hacker-Angriff kostete 35 Millionen Euro”, 2017. IT-Zoom: “So geht es Beiersdorf nach der Cyber-Attacke”, Juli 2017. Hinweise zur Sorgfalt Innenansicht von Maersk: Die Szenen aus der Zentrale in Kopenhagen und der Einsatzzentrale in Maidenhead sowie die Geschichte vom überlebenden Domänencontroller in Ghana und dem Staffellauf über Nigeria nach London stammen aus der Wired-Reportage von Andy Greenberg (2018), die auf Gesprächen mit überwiegend anonymen Maersk-Mitarbeitern beruht. Maersk hat die Details nicht öffentlich bestätigt. Der Vorbehalt wird in der Folge wörtlich gesprochen. Schadenshöhe: Die oft genannten 10 Milliarden US-Dollar sind eine Schätzung des Weißen Hauses. Belegt sind die Einzelangaben der Unternehmen und Gerichte, die je nach Quelle voneinander abweichen. Zeitangaben: Für den 27. Juni 2017 nennen Quellen unterschiedliche Uhrzeiten. Die Folge verwendet die Angabe der US-Anklageschrift (Auslieferung von 12:14 bis 15:31 Uhr Moskauer Zeit), die sich mit den Serverprotokollen von Cisco Talos deckt. Verfahrensstand: Angeklagt sind 6 Offiziere der GRU-Einheit 74455. Nach dem Recherchestand vom September 2026 ist keiner festgenommen oder verurteilt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Die Zuordnung zum russischen Militär beruht auf Erklärungen mehrerer Regierungen und auf der Anklage, deren Beweise nur zum Teil öffentlich sind. Nicht namentlich genannt werden die 6 Angeklagten, der Finanzmitarbeiter in Odessa und die Maersk-Mitarbeiter aus Ghana und Nigeria. “Henrik Jensen” ist ein Pseudonym aus der Wired-Reportage. Über AKTE7 AKTE7 ist der Podcast der AWARE7 GmbH. Alle zwei Wochen donnerstags nehmen wir uns einen realen Cyberangriff vor und gehen ihn durch wie eine Akte: was passiert ist, was belegt ist, was nur behauptet wird, und was man daraus für das eigene Unternehmen mitnimmt. Mit Chris Wojzechowski und Silas Borgmeier. Mehr zu den Fällen auf Instagram unter Akte7podcast.
Deepfake-Betrug: 25 Millionen Dollar an einen Chef, den es nie gab
2026/10/07
Januar 2024, Hongkong. Ein Mitarbeiter der Finanzabteilung eines britischen Ingenieurbüros bekommt eine Nachricht vom Finanzchef der Londoner Zentrale: eine vertrauliche Transaktion, mit niemandem darüber sprechen. Der Mann hält das für einen Betrugsversuch und liegt damit vollkommen richtig. Dann lädt ihn derselbe Finanzchef zu einer Videokonferenz ein. Auf dem Bildschirm sitzen Kollegen aus der Zentrale, bekannte Gesichter, bekannte Stimmen. Danach überweist er in 15 Schritten rund 200 Millionen Hongkong-Dollar auf 5 Konten. In dieser Konferenz war außer ihm niemand echt. In Folge 003 gehen Chris Wojzechowski und Silas Borgmeier den Fall Arup durch: warum kein einziges System kompromittiert wurde, warum die Fälschung gar nicht besonders gut sein musste, und warum der entscheidende Unterschied zu den bisherigen Chef-Maschen nicht die Technik ist, sondern die Besetzung — mehrere bekannte Personen, die sich untereinander einig sind. Außerdem: warum die Konferenz nach Angaben der Polizei überhaupt kein Gespräch war, sondern eine Aufzeichnung. Warum der Betrug am Ende ausgerechnet durch den Mann aufflog, den man getäuscht hatte. Und was dieser Fall für jede Firma bedeutet, in der eine überzeugende Anweisung schneller ist als eine Prüfung. Dazu der Mythen-Check mit 5 Sätzen, die über diesen Fall im Umlauf sind, 3 Takeaways mit je einem Umsetzungsschritt für die kommende Woche, und der deutsche Blick: Leitungspflicht, Haftung und ein Fall aus dem Jahr 2019, der zeigt, dass das hier nichts Neues ist. Folgenbeschreibung (Kurzfassung, für Plattformen mit Zeichenlimit) Ein Videocall mit dem Finanzchef und mehreren Kollegen — und außer dem Mitarbeiter war niemand darin echt. Der Fall Arup: 15 Überweisungen, rund 25 Millionen US-Dollar, kein einziges kompromittiertes System. Warum kein Produkt dieses Problem löst und welcher Absatz in eurer Zahlungsrichtlinie es lösen würde. Quellen Primärquellen Hongkonger Regierung, Security Bureau: Antwort auf die Anfrage LCQ9 im Legislativrat, „Combating frauds involving deepfake technology“, 26.06.2024. Bestätigt den Zeitraum „Ende Januar 2024“, die voraufgezeichnete Videokonferenz ohne Interaktion, 15 Überweisungen auf 5 lokale Bankkonten, rund 200 Millionen Hongkong-Dollar und den Ermittlungsstand. https://www.info.gov.hk/gia/general/202406/26/P2024062600192.htm https://www.info.gov.hk/gia/general/202406/26/P2024062600193.htm Hong Kong Police Force, schriftliche Antworten an den Legislativrat (Estimates 2025-26). Verfahrensstand der Hongkonger Deepfake-Fälle, Abgrenzung zur Operation Smashscam vom August 2023. https://www.police.gov.hk/info/doc/fcq/2026/sfc_e.pdf Hong Kong Police Force, OffBeat: Darstellung des Deepfake-Betrugsmusters. https://www.police.gov.hk/offbeat120/scam4/5-ai-impersonation-of-celebrities.html Arup Group Limited, Financial Statement für das Geschäftsjahr bis 31.03.2023. Umsatz 2.163,6 Millionen Pfund, Gewinn vor Steuern 38,9 Millionen Pfund, über 18.000 Mitglieder. https://www.arup.com/globalassets/downloads/corporate-documents/financial-statements/arup-financial-statement-2023.pdf Companies House, ARUP GROUP LIMITED (Nr. 01312454), Filing History. https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/01312454/filing-history World Economic Forum: „This engineering firm was hit by a deepfake fraud. Here’s what it learned“, 04.02.2025, samt Video mit Rob Greig (Arup). Einordnung des Vorfalls als „technology-enhanced social engineering“. https://www.weforum.org/stories/2025/02/deepfake-ai-cybercrime-arup/ https://www.weforum.org/videos/arup-deepfake-fraud/ Berichterstattung und Analyse Hong Kong Free Press / AFP: „Multinational loses HK$200 million to deepfake video conference scam, Hong Kong police say“, 05.02.2024 — direkte Zitate aus dem Polizei-Briefing. CNN: „Finance worker pays out $25 million after video call with deepfake ‚chief financial officer’“, 04.02.2024. South China Morning Post: „‚Everyone looked real’“, 04.02.2024, und „UK multinational Arup confirmed as victim of HK$200 million deepfake scam“, 17.05.2024. The Guardian: „Company worker in Hong Kong pays out £20m in deepfake video call scam“, 05.02.2024, und „UK engineering firm Arup falls victim to £20m deepfake scam“, 17.05.2024. The Standard (Hongkong): „HK’s first deepfake video conference scam involving HK$200 million“, 04.02.2024, und „Hong Kong sees three deepfake video scams since last year, says security chief“, 26.06.2024. Ming Pao und Wen Wei Po, Ausgaben vom 04.02.2024 — Angabe „4 bis 6 Teilnehmer“ auf dem Bildschirm. China Daily Hong Kong, Feature vom 16.08.2024 — Bestätigung des voraufgezeichneten Ablaufs. Hong Kong Free Press: „In first, Hong Kong police arrest 6 over finance scams involving deepfake technology“, 25.08.2023 — Operation Smashscam, der abzugrenzende Fall. Saunders Law: „Who is liable in a workplace deepfake fraud incident?“, 07.01.2026 — Verfahrensstand, keine Festnahmen. University of Hawaii West Oahu, Forensics Weekly Executive Summary zum Arup-Fall — Stand Ende 2025. DACH-Einordnung Süddeutsche Zeitung zum Voice-Deepfake gegen die britische Tochter eines deutschen Energiekonzerns (2019) und zur Regulierung des Schadens durch den Vertrauensschadenversicherer. Der Spiegel und Die Zeit zum gefälschten Videoanruf mit einem angeblichen Vitali Klitschko bei der Berliner Bürgermeisterin, Juni 2022. Handelsblatt Live: „Prozesslücken, die kein Pentest findet“ — Leitungspflicht nach der deutschen NIS2-Umsetzung. Hinweise zur Sorgfalt Ablauf der Videokonferenz: Alles, was über den technischen Ablauf bekannt ist, stammt aus einer einzigen Richtung — von der Hongkonger Polizei, dargestellt im Medienbriefing vom 04.02.2024 und schriftlich wiederholt durch das Sicherheitsbüro der Regierung im Juni 2024. Arup hat den Ablauf nie im Detail bestätigt. Es gibt kein forensisches Gutachten, keine Aufzeichnung und keine unabhängige technische Prüfung. Der Vorbehalt wird in der Folge wörtlich gesprochen. Teilnehmerzahl: Die Polizei spricht von einer Konferenz „mit mehreren Personen“ ohne Zahl. Die Angabe „4 bis 6 Teilnehmer“ stammt aus der Hongkonger Presse vom Tag des Briefings, nicht aus einer Primärquelle. Schadenssumme: Robust ist die Angabe von rund 200 Millionen Hongkong-Dollar. Alle Beträge in US-Dollar, Pfund oder Euro sind redaktionelle Umrechnungen zu unterschiedlichen Stichtagen und weichen entsprechend voneinander ab. Verfahrensstand: Nach dem Recherchestand vom September 2026 gibt es in diesem Fall keine bekannte Festnahme, keine Anklage, keinen öffentlich benannten Verdächtigen und keine dokumentierte Rückholung der Gelder. Für alle Personen, gegen die kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung. Nicht namentlich genannt werden der betroffene Finanzmitarbeiter und der imitierte Finanzchef. Der Mitarbeiter ist in keiner Quelle identifiziert und hat sich nie öffentlich geäußert; der Name des imitierten Finanzchefs ist öffentlich nicht bekannt. Nicht verwendet wurde der behauptete Zusammenhang zwischen dem Vorfall und einem Führungswechsel in der Ostasien-Region von Arup. Diesen Zusammenhang stellt genau eine Quelle her, und die dortige Darstellung der Rollenfolge ist nachweislich falsch. Über AKTE7 AKTE7 ist der Podcast der AWARE7 GmbH. Alle zwei Wochen donnerstags nehmen wir uns einen realen Cyberangriff vor und gehen ihn durch wie eine Akte: was passiert ist, was belegt ist, was nur behauptet wird — und was man daraus für das eigene Unternehmen mitnimmt.
Ein einziges Passwort und der halben USA ging das Benzin aus
2026/09/23
Freitag, der 7. Mai 2021, kurz vor 6 Uhr morgens. Im Leitstand einer Pipeline in Alpharetta, Georgia, erscheint eine Lösegeldforderung auf einem Bildschirm. Ein Mitarbeiter meldet es weiter, sein Schichtleiter entscheidet allein. Um 5:55 Uhr beginnt die Abschaltung, um 6:10 Uhr steht alles: 15 Minuten für 9.000 Kilometer Rohr. 6 Tage später wird an der amerikanischen Ostküste Benzin in Plastiktüten abgefüllt. Dabei haben die Angreifer nie eine Pumpe berührt und nie eine Steuerung. Sie waren in der Buchhaltung. Für den Weg hinein reichten ein Benutzername und ein Passwort, an einem alten Zugangsprofil ohne zweiten Faktor. In Folge 002 gehen Chris Wojzechowski und Silas Borgmeier den Fall Colonial Pipeline durch: warum der berühmteste Angriff auf kritische Infrastruktur streng genommen keiner war, warum ein Unternehmen 4,4 Millionen Dollar für ein Entschlüsselungswerkzeug zahlt, das anschließend im Schrank bleibt, und was das FBI einen Monat später davon zurückholt: die Münzen, nicht das Geld. Der rote Faden ist eine Frage, die in jeder Firma gilt: Was kostet Nichtwissen? Sie wussten nicht, wie die Täter hereinkamen. Sie wussten am Morgen nicht, ob die Betriebstechnik betroffen war. Sie wussten am Abend nicht, ob die Sicherungen tragen. Und bis heute weiß niemand, was der Vorfall gekostet hat. Außerdem: der Mythen-Check mit 5 Sätzen, die über diesen Fall im Umlauf sind, 3 Takeaways mit je einem Umsetzungsschritt für die kommende Woche, und der Blick nach Deutschland: Meldepflicht, BSI-Lagebild und die Frage, warum erst gehandelt wurde, als es Bilder gab. Folgenbeschreibung Ein altes Zugangsprofil ohne zweiten Faktor, und an der US-Ostküste wird Benzin in Plastiktüten abgefüllt. Der Fall Colonial Pipeline: Kein Angreifer hat je ein Ventil angefasst. Abgeschaltet hat das Unternehmen selbst. Warum 4,4 Millionen Dollar für ein Werkzeug bezahlt wurden, das im Schrank blieb, und was Nichtwissen im Ernstfall kostet. Quellen US-Senat, Committee on Homeland Security and Governmental Affairs: „Threats to Critical Infrastructure: Examining the Colonial Pipeline Cyber Attack“, Anhörung vom 08.06.2021. Aussage von Joseph Blount unter Eid: Ablauf der Abschaltung, Zahlungsentscheidung, Zustand der Sicherungen. https://www.govinfo.gov/content/pkg/CHRG-117shrg46569/html/CHRG-117shrg46569.htm US-Repräsentantenhaus, Committee on Homeland Security: „Cyber Threats in the Pipeline: Using Lessons from the Colonial Ransomware Attack to Defend Critical Infrastructure“, Anhörung vom 09.06.2021. Enthält die Aussage von Charles Carmakal (Mandiant) zum Einstiegsweg und zum offenen Punkt der Herkunft der Zugangsdaten. https://www.govinfo.gov/content/pkg/CHRG-117hhrg45085/html/CHRG-117hhrg45085.htm US-Justizministerium: „Department of Justice Seizes $2.3 Million in Cryptocurrency Paid to the Ransomware Extortionists Darkside“, 07.06.2021. Beschlagnahme von 63,7 Bitcoin, angeordnet von einer Bundesrichterin in Nordkalifornien. https://www.justice.gov US-Justizministerium: Erklärung von Deputy Attorney General Lisa Monaco zur Pressekonferenz, 07.06.2021. https://www.justice.gov CISA und FBI: Joint Cybersecurity Advisory AA21-131A, „DarkSide Ransomware: Best Practices for Preventing Business Disruption from Ransomware Attacks“, 11.05.2021, aktualisiert 19.05.2021. Belegt, dass der Vorfall das IT-Netz betraf. https://www.cisa.gov FMCSA: Amended Regional Emergency Declaration No. 2021-002 unter 49 CFR § 390.23, 09.05.2021, erweitert 12.05.2021. Amtlicher Wortlaut zur Aussetzung der Lenkzeiten: 18 Bundesstaaten und der District of Columbia. https://www.fmcsa.dot.gov TSA/DHS: „DHS announces new cybersecurity requirements for critical pipeline owners and operators“, 20.07.2021. Die zweite, weitergehende Sicherheitsanweisung für die Branche. https://www.tsa.gov Einordnung und Berichterstattung Bloomberg, William Turton und Kartikay Mehrotra: „Hackers Breached Colonial Pipeline Using Compromised Password“, 04.06.2021. CNN: „Colonial Pipeline did pay ransom to hackers, sources now say“, 12.05.2021. CNN Business: „Gas shortage fears lead to station outages in the Southeast as pipeline shutdown continues“, 12.05.2021. Tankstellendaten von GasBuddy. Krebs on Security: „A Closer Look at the DarkSide Ransomware Gang“, Mai 2021. Trend Micro Research: „What We Know About Darkside Ransomware and the US Pipeline Attack“, 12.05.2021. Truth or Fiction: Faktencheck zur Behauptung, die Abschaltung sei wegen des Abrechnungssystems erfolgt. DACH-Einordnung BSI: Gefährdungslage der Kritischen Infrastrukturen (Lagebericht), bsi.bund.de. Führt Colonial Pipeline ausdrücklich als Beispiel. BSI: FAQ zur Meldepflicht für Betreiber Kritischer Infrastrukturen nach BSI-Gesetz, bsi.bund.de. Hinweise zur Sorgfalt Umfang der Datenexfiltration: Die verbreitete Angabe zum Datenvolumen stammt aus Sekundärberichterstattung, nicht aus einer Primärquelle. Belegt ist über die Anhörungen nur, dass Daten von gemeinsamen Laufwerken abflossen. Der Vorbehalt wird in der Folge wörtlich gesprochen. Motiv der Abschaltung: Es gibt zwei konkurrierende Darstellungen: Schutz der Betriebstechnik (unter Eid vorgetragen) und ein verschlüsseltes Abrechnungssystem (mehrere eingeweihte Personen gegenüber CNN, zuvor von Kim Zetter berichtet). Das Unternehmen hat der zweiten Darstellung widersprochen, ein Faktencheck konnte sie nicht unabhängig bestätigen. Die Folge stellt das als offen dar und wählt keine Seite. Herkunft der Zugangsdaten: Belegt ist die Nutzung eines Legacy-VPN-Profils ohne zweiten Faktor. Wie die Täter an die Zugangsdaten kamen, ist unbekannt; die verbreitete Erzählung einer Passwort-Wiederverwendung ist eine Vermutung, keine gesicherte Erkenntnis. Gesamtschaden: Es gibt keine öffentliche Gesamtschadenssumme. Der CEO verweigerte im Kongress auf mehrfache Nachfrage jede Schätzung. Kursierende Summen sind Schätzungen Dritter. Verfahrensstand: Es ist bis heute niemand namentlich für diesen Angriff angeklagt oder verurteilt worden. Dokumentiert ist ausschließlich die Beschlagnahme der Bitcoin am 07.06.2021. Für alle Personen, gegen die kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung. Alle Täterangaben in der Folge sind als mutmaßlich gekennzeichnet, eine Zuschreibung an einen Staat findet nicht statt. Nicht namentlich genannt werden der Schichtleiter, der Mitarbeiter im Leitstand und der Mitarbeiter, dessen Zugangsdaten benutzt wurden. Keiner von ihnen ist je öffentlich aufgetreten. Namentlich kommen nur Personen vor, die selbst öffentlich ausgesagt haben. Zur Rückholung des Lösegeldes: Die verbreitete Angabe, das FBI habe 85 Prozent des Lösegelds zurückgeholt, gilt für die Zahl der Bitcoin, nicht für den Dollarwert. Gezahlt wurden rund 75 Bitcoin (damals etwa 4,4 Millionen Dollar), beschlagnahmt wurden 63,7 Bitcoin, zum Zeitpunkt der Beschlagnahme rund 2,3 Millionen Dollar wert. Der Kurs war dazwischen eingebrochen. Über AKTE7 AKTE7 ist der Podcast der AWARE7 GmbH. Alle zwei Wochen donnerstags nehmen wir uns einen realen Cyberangriff vor und gehen ihn durch wie eine Akte: was passiert ist, was belegt ist, was nur behauptet wird, und was man daraus für das eigene Unternehmen mitnimmt. Mit Chris Wojzechowski (Geschäftsführer) und Silas Borgmeier (Informationssicherheitsbeauftragter). Feedback, Themenwünsche und Widerspruch: gern per Mail oder über die Bewertung in eurem Player.
Ein Anruf, 100 Millionen Dollar: Wie Hacker Las Vegas lahmlegten
2026/09/09
Im September 2023 stehen in Las Vegas die Spielautomaten still. Zimmerkarten funktionieren nicht, Gewinne werden mit Stift und Quittungsblock ausgezahlt, die Fernseher auf den Zimmern bleiben schwarz. Betroffen sind Bellagio, Aria, Mandalay Bay, MGM Grand, ein Konzern mit einem Börsenwert von über 30 Milliarden Dollar. Der Auslöser war kein Zero-Day und kein Hollywood-Hack. Es war ein Telefonanruf beim IT-Helpdesk. Angeblich hat er zehn Minuten gedauert. In der ersten Folge von AKTE7 gehen Chris Wojzechowski und Silas Borgmeier den Fall MGM Resorts durch: wie Scattered Spider vorgeht, warum Muttersprachler am Telefon die wirksamste Waffe dieser Szene sind, was der Angriff MGM gekostet hat, und warum die spannendste Lehre nicht in der Technik liegt, sondern im Prozess am Helpdesk. Außerdem: der Mythen-Check zum Fall, drei konkrete Takeaways mit je einem Umsetzungsschritt, und was aus den mutmaßlichen Tätern geworden ist. Quellen Primärquellen MGM Resorts International, SEC-Filings zum Vorfall (2023). Enthält die Bezifferung der Auswirkung auf das bereinigte Property-EBITDAR für die Las-Vegas-Strip-Resorts und die Regional Operations sowie die Einmalaufwendungen für Technologieberatung, Anwälte und weitere Dritte. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/789570/000119312523233855/d502352dex991.htm https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/789570/000078957023000022/mgmex991q32023earningrelea.htm US-Justizministerium, Central District of California: „5 Defendants Charged Federally with Running Scheme that Targeted Victim Companies via Phishing Text Messages“, 20.11.2024. Anklage gegen fünf Beschuldigte wegen Verschwörung zum Überweisungsbetrug, Verschwörung und schweren Identitätsdiebstahls. https://www.justice.gov/usao-cdca/pr/5-defendants-charged-federally-running-scheme-targeted-victim-companies-phishing-text US-Justizministerium: „Alleged Member of Criminal Cyber Hacking Group ‚Scattered Spider’ Arrested in Finland and Extradited to the United States“. https://www.justice.gov/opa/pr/alleged-member-criminal-cyber-hacking-group-scattered-spider-arrested-finland-and-extradited FBI und CISA, gemeinsames Advisory AA23-320A „Scattered Spider“, 16.11.2023, aktualisiert 29.07.2025. Gemeinsam mit RCMP, ASD/ACSC, AFP, CCCS und NCSC-UK. Beschreibt Social Engineering, Push Bombing und SIM-Swapping als Kerntechniken der Gruppe. https://www.cisa.gov/news-events/cybersecurity-advisories/aa23-320a Fassung 2023: https://www.cisa.gov/sites/default/files/2023-11/aa23-320a_scattered_spider_0.pdf Fassung 2025: https://www.cisa.gov/sites/default/files/2025-08/aa23-320a-scattered-spider-508c.pdf Okta: Cross-Tenant Impersonation — Prevention and Detection. Primärquelle zum Angriffsweg über den IT-Helpdesk und die Wiederherstellung von Authentifizierungsfaktoren. Meldungen an Generalstaatsanwaltschaften: Breach Notice California Attorney General; Breach Notice Iowa Attorney General vom 05.10.2023. Einordnung und Berichterstattung MGM Resorts, öffentliche Stellungnahme vom 05.10.2023 zum Umfang der betroffenen Kundendaten. Recherchen von Reuters und Vice/Motherboard zum Ablauf des Angriffs und zur Struktur von Scattered Spider. Hinweise zur Sorgfalt Diese Folge nennt Angaben, die aus Aussagen mutmaßlicher Täter stammen. Sie sind im Skript und in der Folge jeweils als solche gekennzeichnet und nicht unabhängig bestätigt, insbesondere die Dauer des Anrufs beim Helpdesk. Für alle Personen, gegen die kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung. Mitarbeitende von MGM Resorts, die Ziel des Angriffs waren, werden nicht namentlich genannt. Folge 002 erscheint am 24.09.2026: Colonial Pipeline. Ein Passwort ohne zweiten Faktor, sechs Tage Stillstand und 4,4 Millionen Dollar für ein Werkzeug, das nie gebraucht wurde.
Trailer AKTE7
2026/09/01
AKTE7 ist der Podcast, in dem wir uns alle 2 Wochen einen echten Fall aus der Cybersicherheit vornehmen und ihn durchgehen wie eine Akte. Was ist passiert, mit Datum und Uhrzeit. Was davon ist belegt, und durch welche Quelle. Was wird nur behauptet, von Tätern, von Medien, von Beteiligten, die ein Interesse an ihrer Version haben. Und am Schluss die Frage, auf die es ankommt: Was nehmt ihr davon mit in die eigene Firma. Am Mikrofon sitzen zwei, weil ein Fall zwei Seiten hat. Chris Wojzechowski ist Geschäftsführer der AWARE7 und schaut darauf, was so ein Vorfall am Ende kostet, wer dafür geradesteht und was davon in einer Geschäftsführung überhaupt ankommt. Silas Borgmeier ist Informationssicherheitsbeauftragter und schaut auf Technik und Prozesse: Berechtigungen, Notfallpläne, die Frage, wer im Zweifel was darf und wer es entscheiden muss. Fest dabei ist in jeder Folge der Mythen-Check. Wir nehmen die Sätze, die über einen Fall im Umlauf sind, und halten sie gegen die Akte. Erstaunlich oft bleibt davon wenig übrig. Worauf ihr euch einstellen könnt: Wo die Quellenlage dünn ist, sagen wir das. Wo Zahlen kursieren, die niemand belegen kann, sagen wir das auch. In den Shownotes steht jedes Dokument, aus dem wir zitiert haben, mit Link, und das ist bei uns keine Floskel. Jede Folge endet mit Punkten, die ihr in der eigenen Firma anfassen könnt, nicht mit einem Appell. Los geht es am 10.09.2026. Danach alle 2 Wochen donnerstags. Alle Folgen und Quellen: a7.de/podcast

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