
Werben im Podcast: Kiezmenschen
Bewertung
5von
Dieser Podcast hat
143 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Hamburger MorgenpostExplizit
Nein
Erstellt am
2020/07/20
Neueste Episode
2026/01/28
Durchschnittsdauer
69 min.
Veröffentlichungsintervall
31 Tage
Beschreibung
Von Rotlicht bis Blaulicht, von Glamour bis Gosse – jede Woche trifft die MOPO Menschen, die den Hamburger Kiez prägen. Sie nehmen uns mit in ihre Welt, plaudern offen über Persönliches und legendäre Geschichten. Diese Menschen sind es, die den weltweiten Ruf von St. Pauli ausmachen. Herzlich, persönlich, nah dran. Der Podcast erscheint begleitend zur Serie „Kiezmenschen“ in der Wochenendausgabe der Hamburger Morgenpost.
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Jan Schütt - Rotlichtexperte und Ex-Wirtschafter
2026/01/28
Es ist früher Abend auf dem Hans-Albers-Platz. Touristen bleiben stehen, zücken Handys, aus den umliegenden Bars dringt Musik. Jan Schütt schaut auf das Kopfsteinpflaster, als würde er etwas suchen. „Hier“, sagt er dann ruhig, „hier hat mir ein Typ ein Faustmesser in die Brust gerammt.“ Die Gruppe um ihn herum verstummt.
Jan Schütt (45), groß, durchtrainiert, wacher Blick, war jahrelang Wirtschafter in Bordellen auf dem Kiez. Heute ist er Fitnessstudio-Leiter, Türsteher und führt als Kult Kieztour-Guide Touristen über St. Pauli. Ein Mann, der viele Leben gelebt hat – und der heute mit Abstand auf die Jahre im Rotlichtmilieu zurückblickt.
Der ehemalige Wirtschafter berichtet darüber, wie er durch eine Frau im Rotlichtmilieu landete. Er spricht über Luxus und Statussymbole, was er verdiente und wo das Geld geblieben ist. Jan berichtet von Gewalt und einer Nacht, in der der Streit um eine Hure blutig endete. Er erzählt von seinem Doppelleben, warum er aus dem Rotlichtmilieu ausstieg und wie er heute auf seine Vergangenheit zurückblickt.
Susanne Fink-Knodel (62) - Nachbarschaftsheim St Pauli
2025/12/22
An Weihnachten trifft es sie am härtesten. Kein funkelnder Baum, kein Duft von Festessen, keine liebevoll verpackten Geschenke. Niemand, der am Esstisch Platz nehmen wird – wie die meisten Tage im Jahr. Nur die Stimmen aus dem Radio durchbrechen die Stille. Susanne Fink-Knodel (62) weiß, wie schmerzhaft das Fest für viele ihrer Senioren ist. Als Leiterin des Nachbarschaftsheims St. Pauli an der Silbersackstraße erlebt sie ihre Not jeden Tag. Für manche Kiezianer ist der Treffpunkt mehr Zuhause als die eigenen vier Wände und der einzige soziale Halt, der ihnen nach einem bunten Leben auf St. Pauli geblieben ist.
Die Leiterin des Nachbarschaftsheims berichtet von ehemaligen Sexarbeiterinnen, Wirtschaftern, Barbesitzern und Kellnern. Von Armut, Erkrankungen und fehlenden Hilfsangeboten. Von bunten Nachmittagen mit Brettspielen, lautem Lachen und manchmal auch mit mächtig Zoff. Susanne erzählt von schweren Schicksalen, der Einsamkeit, dem demenzkranken Mann, dessen Leben ein tragisches Ende nahm und dem unermüdlichen Engagement ihres Teams.
Annette Kaiser vom CaFee mit Herz
2025/11/27
Eine Frau streckt den anderen Gästen mit einem zahnlosen Lachen ihren Hintern entgegen. Ein Mann drückt sich im Flur schimpfend an ihr vorbei: „Ich hab schon tausend Mal gesagt, dass ich nicht angefasst werden will.“ Ein anderer ruft fröhlich dazwischen. „Wem gehören diese Socken?“ Mittendrin steht Annette Kaiser (56) vor einer weißen Klotür. Dahinter das Wimmern einer Frau. Mit sanfter Stimme fragt die Sozialarbeiterin, ob sie helfen könne.
Es sind Szenen voller Leid, voller Kuriositäten, Hoffnung und Wärme, die sich jeden Tag im „CaFée mit Herz“ an der Seewartenstraße auf St. Pauli abspielen. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht. Für die Einen Lichterglanz, für die Anderen Überlebenskampf.
Annette Kaiser berichtet von den härtesten Momenten in ihrem Job, von schweren Schicksalen, Rückschlägen und ihrer Wut auf die Sucht. Sie erzählt von ihrer eigenen, höchst skurrilen Abhängigkeit und Momenten des Glücks. Wie hart das Leben auf der Straße ist, davon berichtet ihr Schützling „Gabi“, der nach dem Knast obdachlos wurde und mit Hilfe des „CaFée mit Herz“ zurück ins Leben fand.
Inkasso-Ingo - Influencer und Kiez Comedian
2025/10/29
Breitbeinig, die Arme vor der Brust verschränkt, sitzt er auf dem roten Ledersofa. Schwere Goldkette, Tätowierungen an Hals und Händen. Der Blick gespielt finster. Ein ganz schön harter Kerl, mag man meinen. Besonders, wenn seine laute raue Stimme erklingt. Doch hinter dem harten Kerl steckt Inkasso-Ingo. Ein Comedian und Influencer, der Millionen mit seinen Videos erreicht, in denen er die verstorbene Kiez-Größe „Inkasso-Henry“ imitiert.
Der 34-Jährige berichtet von seinen Anfängen auf dem Kiez, als er gerade mal 16 war, von seiner Drogensucht wenige Jahre später, als er manchmal vier Tage am Stück arbeitete. Er erzählt von dem Moment, den er als seinen Durchbruch bezeichnen würde, von Menschen,
die ihm auf dem Kiez hinterherbrüllen und solchen, die nicht checken, dass er Comedian ist. Inkasso-Ingo spricht über sein Leben im Rampenlicht und seinen großen Traum.
Pastor Frank Hoffmann
2025/10/06
Lächelnd steht der Mann in schwarzen Turnschuhen, Jeans und Sakko auf der mit rotem Samt bezogenen Drehscheibe. Normalerweise rekeln sich hier verführerisch die Damen. Eigentlich kein Ort, an dem Männer etwas zu suchen haben. Doch bei Frank Hoffmann (56) ist das was anderes. Der darf.
Er ist Kiez-Pastor und die Bühne in „Susis Show Bar“ seine „Kanzel“. Regelmäßig feiert der Pastor in dem Stripclub Gottesdienste. Und nicht nur dort. Mit seiner mobilen Kiez-Kirche verbreitet er den Glauben auf St. Pauli. Egal bei wem, egal in welchem Etablissement.
Der Pastor berichtet von dem „lästigen Glauben“, den er als Kind aufgezwungen bekommen hat und den er nicht spüren konnte. Er spricht über seine „Gotteserlebnisse“, über seine Streifzüge über den Kiez und warum die Menschen des Viertels gläubiger sind als anderswo. Der Kiez-Pastor erzählt von den Momenten, die ihn besonders berührt haben, den Problemen seiner Schäfchen, wie er einen Kiezianer aus der „Versklavung“ rettete und von seinen Gottesdiensten im Stripclub.
Maren Dickers - vom Frieda B.
2025/08/21
Mit dem Frieda B. ist das so eine Sache. Der Club am Hans-Albers-Platz ist stets rappelvoll, jeder kennt ihn. Doch dort gewesen sein will niemand. „Wir sind halt ein Baggerschuppen“, sagt Betriebsleiterin Maren Dickers (54), die gerne mal als die „Löwenmutter“ des Ladens bezeichnet wird.
In ihren 35 Jahren in der Gastronomie hat sie so einiges erlebt. Nächte mit ausgeschlagenen Zähnen und Platzwunden. Mit Promis, von denen einer ihr stundenlang beim Gläserspülen half. Diebe mit Heizkörper unterm Arm und Partyvolk mit Paarungsdrang.
Die Betriebsleiterin berichtet von Promis und Normalos. Von „Vollmondnächten“, Diebstählen und Fundsachen. Sie erzählt von sexuellen Übergriffen und ihrer Reaktion darauf. Welche Gäste sie nicht abkann und wer dringend ein Veilchen braucht, damit es eine gelungene Nacht war. Und sie berichtet von ihrer Herzenssache, dem Tierschutz und vom kleinen Dackel Kurt, der alleine vor einem Supermarkt hockte.
Micha Fritz - daueraktiver Mitbegründer von Viva con Agua
2025/07/27
Wenn es hart auf hart kommt, steht er um drei Uhr nachts auf oder macht drei Nächte am Stück durch. Anstrengend, aber kein Problem. Schließlich ist „Viva con Agua“ wie ein Kind für Micha, und zwar eines, „dass man ein Leben lang an der Backe hat“.
Die Identifikation ist riesig. Nicht nur für ihn. Viele Unterstützer haben sich das Logo des Vereins tätowieren lassen. Auch Micha trägt es mit Stolz – an besonderer Stelle. Und hat es sogar schon selbst einem bekannten Musiker tätowiert. Michael Fritz (42) ist Mitbegründer des Vereins „Viva con Agua“. Einer, dessen Energie unerschöpflich scheint, der auf Social Media Hunderttausende mitnimmt in seine Welt, geprägt von dem unbedingten Wunsch, etwas zu verändern. Und seiner „Superpower“: ADHS.
Micha berichtet von Tattoos, Leichen, Superstars und ADHS
Micha berichtet, warum er sich das „Viva con Agua“-Logo von einem sehr vermögenden Kumpel an intimer Stelle tätowieren ließ und welchem bekannten Musiker er das Logo auf den Arm tätowierte. Er erzählt, warum er schon als Kind etliche Leichen gesehen hat, welchen Berufswunsch er hatte und wie er zum Gründungsmitglied von „Viva con Agua“ wurde. Er spricht über die Unterstützung von Superstars wie Ed Sheeran, seine Reisen zu den Wasserprojekten, den kleinen Jungen in Ruanda, den er nicht vergessen wird und über seine „Superpower" ADHS.
Ivonne Knappe (57) - White Rabbit
2025/06/26
Verführerisch rekelten sich die Damen auf einer Drehscheibe. Die Männer drumherum in Kabinen, sie starrten durch kleine Fenster auf nackte Haut. 30 Sekunden für eine Mark. Dann ging die Jalousie wieder runter. Wieder eine Mark. Wieder 30 Sekunden freier Blick. Was für eine Sensation, nackte Frauen außerhalb der eigenen vier Wände. Vor mehr als 30 Jahren standen die Männer für die Peepshows Schlange. Und mittendrin Ivonne Knappe. Eine junge Frau aus Westfalen, die nur durch Zufall auf dem Kiez gelandet war und sich nun als Chefin behaupten musste. Eine Welt, damals fest in Männerhand, der die 57-Jährige bis heute treu geblieben ist.
Ivonne berichtet von den Anfängen in der Peepshow „Sexy Land“, als es noch keine anderen Chefinnen im Rotlicht-Milieu gab. Sie erzählt von ihrem Leben in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen und ihrer ganz persönlichen Freiheit, die sie in Hamburg fand. Die Kiezianerin berichtet von dem Tag, als sie in ein Hinterhofbüro zitiert und eingeschüchtert wurde. Von ihrem Rodeo-Bullen, den besonders gerne entblößte Engländer ritten und von ihrem Club „The White Rabbit“ und den aktuellen Problemen auf dem Kiez, der nichts mehr für junge Frauen sei.
Inge Malewitsch (69) - die Frau hinterm Tresen im Gretel & Alfons
2025/05/29
Alles, bloß nicht Mutti. „Bei Mutti krieg ich Pickel. Das wissen die Gäste“, sagt Inge mit tiefer, donnernder Lache. Dabei wäre der Kosename durchaus passend gewesen. 30 Jahre lang kümmerte sich Inge Malewitsch (69) um die Gäste im „Gretel & Alfons“ an der Großen Freiheit. Sie schenkte aus, hörte zu und teilte auch mal aus, wenn es nötig war.
Die gerade mal 1,54 Meter große Frau hatte den legendären Laden im Griff. Einst war er Wohnzimmer der Star-Club-Musiker. Die Stammkneipe der Beatles, in der sie zwischen ihren Auftritten schnell mal ein Bier kippten und in der die Pilzköpfe 20 Jahre lang Schulden hatten.
Inge berichtet von den alten Zeiten, als Gretel noch stets Eintopf und Mettbrötchen für die Star-Club-Musiker bereithielt. Die Beatles über der Kneipe wohnten und einmal ihren „Deckel“ nicht bezahlten. Die Schulden beglich erst Jahrzehnte später einer der Pilzköpfe. Die Wirtin erzählt von der Zeit, als ihr Mann verstarb, sie mit drei Kindern alleine da stand und zufällig vom Gast zur Kellnerin im „Gretel & Alfons“ wurde. Sie berichtet von ihrer „automatischen Aufstehhilfe“ und dem ein oder anderen Backs. Von übergriffigen Gästen, wilden Partynächten und der Veränderung auf dem Kiez. Und sie spricht über ihren Ruhestand und ihren großen Wunsch für die Zukunft.
„Kiezmenschen“ wird von KultKieztouren.de unterstützt – dem wahrscheinlich bekanntesten Anbieter von Reeperbahn-Führungen. Zusammen erzählen wir die Geschichten der Menschen, die St. Pauli ausmachen, aber in der Öffentlichkeit oft zu kurz kommen. Viele der KultKieztouren-Guides waren als „Kiezmenschen“ selber schon im Podcast zu Gast (u. a. Veuve Noire, Fabian Zahrt, Olli Zeriadtke uvm.). Die ganze Liste unter: www.kult-kieztouren.de/kiezmenschen
Dennis Schmidt - Security-Chef der Olivia Jones-Familie
2025/04/16
Hätte er doch mal eine Vorstrafe kassiert. Ein Dämpfer wäre gut gewesen, da ist sich Dennis Schmidt (50) sicher. „Verdient hätte ich es auf jeden Fall.“ Drogen, Inkasso-Aufträge, „Hamburger Zuwendungen“ – der 50-Jährige hat so einiges hinter sich.
Seit fast 30 Jahren ist er auf dem Kiez als Türsteher, Bordell-Wirtschafter und heute Security-Chef der Olivia Jones-Familie und Kult Kieztouren-Guide. Ein richtig harter Kerl, mag man meinen. Aber da sind ja auch noch die Kirchenfreizeiten, die Arbeit als ehrenamtlicher Richter und sein Job als Betriebsratsvorsitzender der Hamburger Wasserwerke.
Dennis berichtet von Spaß an der Tür, aber auch von penetranten und aggressiven Gästen. Er spricht von „Hamburger Zuwendungen“, die er früher häufiger mal verteilt hat, von brenzligen Situationen und dem einen Mal, als er sich nicht unter Kontrolle hatte. Der Security-Chef erzählt von Attacken, Drogeneskapaden, höchst fragwürdigen Inkasso-Aufträgen mit Zuhälter Thomas „Karate-Tommy“ Born und seinem Job im Bordell. Aber er berichtet auch von seinem sozialen Engagement, was die Wende in seinem Leben brachte und seinem Job als Betriebsratsvorsitzender.
„Star-Club"-Groupie Carmen Doose (75)
2025/03/20
Morgens um zehn in der „Ritze“. Am Stammtisch hinten links sitzt eine kleine Frau mit langen blondierten Haaren unter einem stylischen Strick-Beanie. Rote Lederhose, schwarze Lederjacke, Stiefel in Leopardenoptik. „Geilo-scheilo Bootis, oder? Ich bin nicht so der Faltenrocktyp“, sagt Carmen schmunzelnd. Müde ist sie. Die Nacht war kurz. Mal wieder. Den Abend zuvor war die Frau bei einer Geburtstagsparty. Einen draufmachen – das kann sie noch immer gut mit ihren, wie sie selber sagt, „knackigen 75“. Seit mehr als 60 Jahren ist Carmen Doose auf dem Kiez unterwegs. Schon im zarten Alter von 14 Jahren ging sie im legendären „Star-Club“ auf „Männerjagd“ und verdrehte so manch bekanntem Musiker den Kopf.
Die flippige Frau berichtet von den „Leckerchen“ im „Star Club“. Wie sie auf „Männerjagd“ ging und es trotz ihres zarten Alters von 14 Jahren schaffte, nicht ein einziges Mal rauszufliegen. Mit großen Gesten und ständig in Bewegung spricht sie von den Stars, die sie in dem legendären Musikclub erlebte und vom Aus des Ladens.
Wie es danach für sie an der Seite ihres Verlobten weiterging – seinem Vater gehörte St. Paulis ältestes Bordell. Carmen berichtet, wie sie einmal eine Prostituierte zusammenschlug und was das für Folgen hatte. Sie erzählt von ihrem luxuriösen Leben an der Seite verschiedener Männer, dem Moment, als ihr Mann in den Knast wanderte, von einer Nacht mit „Depeche Mode“ und dem großen Bruch. Und sie spricht über ihr nach wie vor buntes Leben auf dem Kiez.
Ronny Petzet - von Chez Ronny
2025/02/27
Ronny liebt das „puffige“. Ein Hauch Rotlicht-Flair, ein bisschen Glitzer, schwere Möbel, goldene Rahmen, die ein oder andere Skulptur. Und dazu ein aufwendiges Lichtkonzept. „Alles, was man sieht, was mich umgibt, reflektiert mein Inneres“, sagt der Mann, der sich selber als Paradiesvogel bezeichnet.
Vor 36 Jahren über die Prager Botschaft in den Westen geflüchtet, machte er sich auf die Suche nach der Freiheit. An der Seite eines Millionärs. In einer Schwulenbar. Und als „singender Kellner“. Seine Freiheit fand er schließlich auf dem Kiez. Anfangs als Betreiber eines Männer-Puffs, betreibt Ronny Petzet (58) heute die Pension „Chez Ronny“ an der Reeperbahn und die Cocktailbar „Chez Ronnys Lounge“ an der Silbersackstraße.
Von der Volksarmee zum Betreiber eines Männer-Puffs
Der Paradiesvogel berichtet von seiner Arbeit bei der Nationalen Volksarmee, dem Moment, als er spontan entschied, in den Westen abzuhauen. Wie er die historische Balkonrede von Genscher und seine Einreise mit Bananen und Haribo im Westen erlebte. Er erzählt von seinem Job in einer Schwulenbar, dem Leben an der Seite eines alternden Millionärs und seinem Weg auf den Kiez als Inhaber eines Männer-Puffs. Und Ronny berichtet, was man so alles erlebt, als Betreiber einer Bar und einer Pension mitten an der Reeperbahn.
Domina Aurora Nia Noxx (nicht jugendfrei. Frei ab 18)
2025/01/30
Ach herrje. Wie konnte das nur passieren? Aurora Nia Noxx hat ihren BH vergessen. „Und die Nippelpads auch“, sagt die Frau mit den Katzenaugen verführerisch lächelnd und zieht die perfekt geschwungenen Augenbrauen empor. In ihrem transparenten Spitzen-Kleid mit knappem Jäckchen darüber nimmt sie auf einem Barhocker Platz.
Früher arbeitete die studierte Marketing-Managerin bei einer Krankenkasse, heute ist sie eine der bekanntesten Dominas Deutschlands. Beim Live-Podcast im „KultKieztürchen“ an der Friedrichstraße gab sie den Gästen tiefe Einblicke in eine Welt voller Demütigungen, Schmerzen und Lust – faszinierend und schockierend zugleich. An ihrer Seite: Einer ihrer Sklaven.
Domina berichtet von krassen Wünschen, Fetischen und Tabus
Aurora berichtet davon, wie sie von der Marketing-Managerin zur Domina wurde. Wie Familie und Freunde reagierten. Sie berichtet detailliert von den krassen Wünschen ihrer Sklaven. Von Fetischen, Tabus und „Behandlungen“, die sogar sie ekeln. Sie erzählt von Kunden, die sich in sie verliebten. Und dieses eine Mail, als auch sie Gefühle entwickelte. Und sie spricht über ihren Job auf St. Pauli – als „KultKieztouren“-Guide.
Die Redaktion empfiehlt: Dieser Podcast ist für Hörer unter 18 Jahren nicht geeignet!
Uli Zöller - Der Hausmeister im Regenbogenhaus
2024/12/26
Schwer atmend nimmt Uli die letzten Stufen und drückt der vor der Tür wartenden, ausgemergelten Frau die ausrangierte Stereoanlage in den Arm. Sie schenkt ihm ein zahnloses Strahlen. „Du bist echt der Beste.“ Uli winkt ab. „Kein Ding. Gerne doch“, sagt er. Nachdem Uli im Knast saß, lebte er viele Jahre lang auf der Straße. Der eigene Verfall. Die Blicke und Beschimpfungen der anderen. Uli weiß, wie es ist, ganz unten und auf die Gaben anderer angewiesen zu sein.
Heute hat er „den Sprung zurück ins Leben“ geschafft. Ulrich Zöller (59) ist Bewohner und Hausmeister des Regenbogenhauses an der Reeperbahn. Ein Ort, an dem die Hoffnungslosen wieder zu hoffen wagen. Der Mann mit der tätowierten Träne unter den strahlend blauen Augen berichtet von seiner Zeit im Knast. Von den Menschen, denen er Leid zugefügt hat.
Er berichtet von den Jahren als Obdachloser. Den Monaten, in denen er vier Promille brauchte, um klarzukommen. Den Beschimpfungen und Angriffen der Passanten. Der Kälte und seiner größten Angst auf der Straße. Und er berichtet von seinem „Sprung zurück ins Leben“. Von der Wärme im Regenbogenhaus. Seinen Mitbewohnern und dem Kumpel, den er im Arm hielt, als er seine letzte Reise antrat.
Marco Apfler - Tattoos bis unter die vier Augen
2024/11/28
Manche halten ihn für einen Satanisten. Für andere ist er ein Knacki. Vielleicht auch nur ein Kleinkrimineller. Mit Sicherheit aber einer, der nicht lange fackelt. Marco Apfler (48) kennt sie – die Vorurteile. Klar, auf Fremde wirkt er mitunter bedrohlich mit dem von Tattoos übersäten Körper, den rot gespritzten Augäpfeln und von Horror-Motiven gezeichneten Gesicht. Dass er so aussieht, war harte Arbeit. Für seine Tätowierer. „Ich bin eine Heulsuse. Schmerzen kann ich nicht ertragen“, sagt Marco lachend. Der Tätowierer und „Lehmitz“-Geschäftsführer gibt tiefe Einblicke in seine Welt.
Er berichtet von seiner Kindheit, vom „bösen“ Tod der Mutter. Warum er so viele Tattoos hat und sich besonders gut mit Schuhen auskennt. Er spricht über seinen Glauben, seine Lieblingsschnulze, die enge Beziehung zum „Schönen Klaus“. Und warum der Kiez alles verändert hat.
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