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Kategorien
Land
United States
Dieser Podcast hat
99 Episoden
Sprache
German
Erstellt am
2020/11/06
Neueste Episode
2026/06/04
Durchschnittsdauer
91 min.
Veröffentlichungsintervall
19 Tage

Beschreibung

Podcast by Hamburger Institut für Sozialforschung

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4. Juni. Bücher am HIS. Im Zwischenreich — Weimar und kein Ende?
2026/06/04
Muss das sein? Ja, muss es. Das Buch der Historikerin Ute Daniel zeigt, wie erhellend ein neuer Blick auf die Geschichte der Weimarer Republik 1918 bis 1933 ist. Ein Blick, der Zusammenhänge herstellt zwischen Anfang, Mitte und Ende der Republik und so die Geschichte erzählbar macht. Und eine Herangehensweise, die zwischen übergreifenden gesellschaftspolitischen Tendenzen und konkretem Handeln politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Akteure vermittelt. Eine zentrale These des Buchs ist, dass eine andere Zukunft als die, die im Januar 1933 anbrach, möglich gewesen wäre. Doch betrachtete die weit überwiegende Mehrheit der alten und oft auch neuen Eliten die Republik als vorübergehende Erscheinung. Nicht das Kaiserreich war allerdings das Ziel der Sehnsucht, sondern der schlanke Staat, der wenig kostete und nicht nach unten umverteilte. Ute Daniel ist Professorin em. für Neuere Geschichte an der TU Braunschweig. Wolfram Pyta, Univ.-Prof. Dr., Leiter der Abteilung Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart und Direktor der Forschungsstelle Ludwigsburg. Wolfgang Knöbl, Prof. Dr., Soziologe; Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. In Kooperation mit der Hamburger Edition
7. Mai 2026. Bücher am HIS: Das Elend der Geopolitik
2026/05/08
Klaus Schlichte im Gespräch mit Ulrich Schneckener Moderation: Wolfgang Knöbl Das Wort »Geopolitik« hat in den letzten Jahren eine steile Konjunktur erlebt. Eine Auffassung internationaler Politik entlang der Kategorien und Denkweisen der »Geopolitik« ist jedoch ein intellektuelles Elend. Es wird den Strukturen und Herausforderungen internationaler Politik der Gegenwart nicht gerecht. Hinter dem Begriff, wie er gegenwärtig genutzt wird, verbirgt sich bloßes Machtstaatsdenken. Zwar wird der Vorwurf der Machtstaatspolitik vor allem der russischen und US-amerikanischen Regierung gemacht, aber viele andere Regierungen folgen den Figuren eines neuen Souveränitätsdiskurses. So vermindern sie nicht nur die Chancen internationaler Zusammenarbeit, sondern gefährden den Frieden und die Möglichkeiten einer besseren Zukunft. Ob, und wenn ja, welche Alternativen es hierzu gibt, diskutieren Klaus Schlichte und Ulrich Schneckener. Klaus Schlichte ist Professor für Internationale Beziehungen und Weltgesellschaft an der Universität Bremen. Ulrich Schneckener ist Professor für Internationale Beziehungen & Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Osnabrück und Sprecher des Center for the Study of Conflict & Peace (CeCoP). Wolfgang Knöbl, Prof. Dr., Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. In Kooperation mit der Hamburger Edition
20. April 2026. Streit.Bar im April | Warum Faschismus?
2026/05/07
Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll. Der politische wie sozialwissenschaftliche Diskurs über den wachsenden Einfluss des Rechtspopulismus läuft nun schon einige Jahrzehnte, so dass man in der Flut der mittlerweile erschienenen Literatur zu diesem Thema schier zu ertrinken droht. Vieles wiederholt sich, die Diagnosen sind einigermaßen ähnlich, nicht selten schwammig, und Rezepte gegen den Rechtsruck sind nicht wirklich in Sicht. Einigermaßen neu ist immerhin die zunehmend diskutierte Frage, ob man nicht besser über einen neuen Faschismus reden sollte. Genau dies wollen wir in der Streit.Bar tun und dabei auch fragen, ob diese Redeweise mit Blick auf die heutige Situation wirklich angemessen ist. Es diskutieren: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Eva von Redecker, Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus (S. Fischer) Mark Terkessidis, Gewalt am Denken. Wann beginnt Faschismus? (Matthes&Seitz) Moshe Zimmermann, People Gone Mad. Wie die Demokratie sich selbst zerstört (Propyläen) Und ein Roman.
27. April 2026. Bücher am HIS: Vor der Apokalypse? — Preppen in der Mitte der Gesellschaft
2026/04/29
In der krisengeschüttelten Gegenwart erfreut sich Preppen immer größerer Popularität. Doch wer preppt eigentlich und warum? Wie ist Preppen von einer Randerscheinung zu einem Massenphänomen geworden? Wie verhält sich Preppen zu den Empfehlungen der Behörden, die die Bevölkerung zum Anlegen eines Notvorrats motivieren sollen? Wie politisch ist Preppen und was hat es mit rechtsterroristischen Prepper-Gruppen auf sich? Was bedeutet es, wenn für immer mehr Menschen die einzig vorstellbare (und wünschbare) Zukunft der Zusammenbruch ist? In ihren empirischen Studien zeigen Mischa Luy und Julian Genner, wie Abstiegsängste, biografische Erfahrungsbestände, ein verändertes Zukunftsverhältnis, Männlichkeitsbilder und tradierte Mangelerfahrungen die Popularität von Preppen befeuern – und damit die gesellschaftliche Entsolidarisierun und den Rechtsrutsch in der Mitte der Gesellschaft beschleunigen. Julian Genner, Dr. phil., Kulturwissenschaftler an der Uni Basel. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die politische Anthropologie sowie die gesellschaftliche Problematisierung von (Un-)Sicherheit. Mischa Luy; Dr. ist Sozialwissenschaftler und lebt in Berlin. Er arbeitet als politischer Bildner im Bereich der Antisemitismusbekämpfung. Jürgen Straub, Prof. Dr. phil., Inhaber des Lehrstuhls für »Sozialtheorie und Sozialpsychologie« an der Ruhr Universität Bochum. Diese Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Psychosozial Verlag und unserem Verlag Hamburger Edition.
31. März 2026. Bücher am HIS: Lehrer des Bösen oder Denker der Freiheit?
2026/03/31
Machiavelli zwischen Republikanismus und Radikalismus Die philosophische und historische Diskussion über Leben, Werk und Wirkung des Florentiner Theoretikers der Fortuna und des richtigen Zeitpunkts, des Renaissancemenschen, Politikers und Philosophen Niccolò Machiavelli (1469–1527), hat in den letzten Jahren eine neue Blüte erlebt. Über Jahrhunderte dominierte das Bild Machiavellis als »Lehrer des Bösen« (Leo Strauss), berühmt und berüchtigt für seine angeblich amoralische Lehre, dass der Zweck die Mittel heiligt, die unter dem Namen »Machiavellismus« heute in aller Welt geläufig ist. Dagegen wird in der aktuellen ideengeschichtlichen und politiktheoretischen Diskussion entweder der Republikaner Machiavelli in den Mittelpunkt gerückt oder sogar der radikale, protomarxistische Demokrat und Klassentheoretiker: der Denker der Freiheit. Das ist eine gleichermaßen verblüffende wie aufregende Wendung der Auseinandersetzung um Machiavelli, die nachgezeichnet und im Gespräch diskutiert werden soll. Philip Hölzing, Philosoph, Ideenhistoriker und Lektor im Wissenschaftslektoratdes Suhrkamp Verlags. Er beschäftigt sich mit der Geschichte des politischen Denkens, insbesondere der des Republikanismus, und mit Leben und Werk Machiavellis. Achatz von Müller, Prof. em. für Geschichte an der Universität Basel. Bis 2023 Co-Direktor des »Zentrums für Theorie und Geschichte der Moderne« am Hamburger Institut für Sozialforschung Wolfgang Knöbl, Soziologe; Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin.
12. März 2026. Andreas Wirsching: Democracy and violence - a historical perspective
2026/03/13
From a historical vantage point, democracy denotes a system of government founded on constitutional statutes and institutionalized frameworks of civic participation. Yet, beyond its formal structures, democracy has always been associated with movement, hope and promise — and all too often, disappointment. Consequently, a persistent tension has emerged between »formal democracy« and the ideals of democratic justice, equality and freedom. Violence, in this context, assumes a multifaceted role within modern democracies. It emerges during crises of democratic revolution or consolidation as well as periods of state repression. On the other hand, it stems from the democratic state itself—whether in the enforcement of law and order or the preservation of entrenched power hierarchies, which may entail systemic forms of coercion. This lecture will explore historical dimensions of the topic through concrete examples, examining the tension between democratic government and persistent ideals and promises of democratic equality. Andreas Wirsching, Historiker, Professor emeritus; von 2011 bis 2025 Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München Moderation: Dieter Gosewinkel, Historiker und Rechtswissenschaftler; Senior Research Fellow des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Professor für Neuere Geschichte, FU Berlin
17. Februar 2026. Bücher am HIS: FRANCO 1936-1975
2026/02/17
Eine Neuvermessung des Diktators und seiner Herrschaft Der Spanier Francisco Franco zählt zu den prägenden Diktatoren der jüngeren Vergangenheit. Anders als seine Verbündeten Hitler und Mussolini konnte er sich über den Zweiten Weltkrieg hinaus bis 1975 an der Macht halten. Die Einordnung seiner Person und seiner beinahe 40-jährigen Herrschaft in die europäische Zeitgeschichte ist dabei auch heute noch umstritten. Nach 1945 galt Franco vielen als ewiger Faschist, der nicht mehr in das neue demokratische Europa passte. Und doch diente er sich der westlichen Welt erfolgreich als Partner an und genoss bis zu seinem Tod 1975 eine beträchtliche Popularität in der spanischen Bevölkerung. Er kultivierte ein Image als effizienter Modernisierer und ließ sich von westlichen Experten beraten, doch beruhte seine Herrschaft auch auf der massenhaften Verfolgung Andersdenkender und zeichnete sich durch extreme soziale Gegensätze, verbreitete Korruption und Mangelwirtschaft aus. Auf der Grundlage der aktuellen Forschung unternimmt der Vortrag eine historische Neuvermessung Francos und seiner Herrschaft. Till Kössler ist Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. die Geschichte von Gewalt und Gewaltüberwindung sowie die Geschichte autoritärer Regime nach 1945 Philipp Müller, PD Dr., Historiker, Sprecher der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit am HIS In Kooperation mit dem Instituto Cervantes Hamburg und dem Verlag C.H.Beck
4. Februar 2026. Bücher am HIS. Im Sog der totalen Subkultur
2026/02/06
Wie junge Menschen zu Dschihadisten werden. Im letzten Jahrzehnt zogen rund 5.000 junge Europäerinnen und Europäer nach Syrien, um sich dschihadistischen Gruppierungen wie dem sog. Islamischen Staat anzuschließen. Die meisten von ihnen wuchsen in Europa auf und fanden erst in ihrer Jugend zum Islam. Auf ihren Wegen brachen sie mit ihrem bisherigen Alltag, suchten nach einem religiösen Leben, verschrieben sich dem riskanten Aktivismus und teils sogar einem bewaffneten Kampf, der ihnen als Dschihad galt. Warum schlagen junge Menschen solche Wege ein, die auf ideologische Unterwerfung zielen und von Brüchen, Konflikten und Risiken geprägt sind? Ist es religiöser Fanatismus, Spaß an der Gewalt oder politische Strategie? Auf Basis seiner empirischen Studie zu militant-salafistischen Werdegängen junger Männer aus dem deutschsprachigen Raum argumentiert Felix Roßmeißl, dass Wege in den Dschihadismus als Karrieren in einer totalen Subkultur begriffen werden müssen. Schritt für Schritt versuchen die jungen Männer, sich an den Ansprüchen einer total-religiösen Welt- und Selbstdeutung zu bewähren, und geraten dadurch in einen destruktiven Sog, der in manchen Fällen sogar tödlich endet. Felix Roßmeißl, Dr., wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Forschungsimpuls »SaFe. Shaping Future Societies« an der Hochschule Fulda. Stefan Malthaner ist kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen, für ihn nahm Prof. Dr. Wolfgang Knöbl teil, der Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Moderation: Eddie Hartmann, Privatdozent an der Universität Potsdam und ehemaliger Projektleiter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Verlag Hamburger Edition statt . Aufgrund eines technischen Problems gibt es in der Mitte der Aufzeichnung leider einen kurzen inhaltlichen Sprung, wir bitten dafür um Ihr Verständnis und Nachsicht.
10. November 2025. Streit.Bar im November: Brüche – Krisen – Apokalypse
2026/01/08
Streit.Bar will eingreifen – in die städtische Öffentlichkeit, den politischen Diskurs, die gesellschaftliche Debatte darüber, was das Neue an den derzeitigen Problemen ist und wie es weitergehen soll.  Auch wenn gerade in der Politik vermeintlich immer Krise ist, so kann man sich momentan nicht des Eindrucks erwehren, dass wir nun aber tatsächlich in besonderen Zeiten leben, in denen es von Berichten über biographische Brüche bis hin zu solchen über apokalyptische Zukunftsszenarien nur so wimmelt. Es ist schwierig bei all dem den Überblick und damit eine klare Orientierung zu behalten. Was ist dran am Krisendiskurs und über welche Brüche reden wir eigentlich?  Darüber wollen wir in der nächsten Streit.Bar diskutieren – und zwar in folgender Besetzung: Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung) und Hilal Sezgin (Freie Journalistin und Buchautorin). Die Bücher: Wolfgang Engler, Brüche: Ein ostdeutsches Leben (Aufbau) Hartmut Lehmann, Apokalypsen: Lektionen aus vergangenen Katastrophen (Wallstein) Barbara Schmitz, Offenheit und Berührbarkeit. Neue Wege zu Verletzbarkeiten und Resilienz (Reclam) Octavia E. Butler, Die Parabel vom Sämann (Heyne) Veranstaltungsort: Nachtasyl im Thalia Theater, Alstertor 1-5, Hamburg Eine Veranstaltung des Thalia Theaters und des Hamburger Instituts für Sozialforschung
10. Dezember 2025. Laura Wolters: Notfalllibertäre, Postliberale, Verfassungspatrioten?
2025/12/11
Die radikale Rechte und ihr Verhältnis zur Freiheit Wie hält es die radikale Rechte mit der Freiheit? Üblicherweise wird das Verhältnis zwischen beiden als Gegensatzpaar gedacht, gar als offene Feindschaft: Zu ausdrücklich autoritär der Kern der rechten Ideologie, zu erklärtermaßen illiberal insbesondere die europäischen (Vor )Denker. Die Vorstellung vom Liberalismus als »Hauptfeind« zieht sich durch das rechte Denken des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Allerdings – spätestens seit der Pandemie und den Erfolgen des Trumpismus ist offensichtlich, dass sich die Freiheit vom rechten Unwort zum Kampfbegriff gewandelt hat. Die Inanspruchnahme von Freiheitsrechten, etwa von Meinungsfreiheit und dem Schutz vor staatlichen Zugriffen auf die Lebensführung, hat sich zum Herzstück rechter Agitation und Mobilisierung entwickelt. Dabei handelt es sich um eine ideelle Transformation, die nicht ohne Spannungen und Brüche vonstattengeht. Ideologie oder theorieproduzierende Akteure müssen die so neu entdeckte Freiheit entweder in ihr bestehendes Koordinatensystem rechter Ideen einpassen oder sich ihr verwehren, sie müssen sich selbst und anderen plausibel machen, warum sie nun Verfechter vormals verhasster Ideen sind und sie müssen darüber reflektieren, was sie damit eigentlich aufgeben. Diese sozialen Prozesse sind alles andere als nebensächlich, baut die rechtspopulistische Erfolgswelle der letzten Jahre doch genau auf jene Anpassungsfähigkeit rechter Ideen. Dr. Laura Wolters, Sozialwissenschaftlerin, Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe »Demokratie und Staatlichkeit« Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung.
28. Oktober 2025. Bücher am HIS: Versteuern, Verschulden, Vergesellschaften
2025/11/17
Der Staatshaushalt als Herrschaftsordnung Vorstellung des 43. Sonderbandes der Zeitschrift Leviathan: Politische Theorien öffentlicher Finanzen. Zur (De-)Politisierung von Geld, Eigentum und Steuern (Nomos, 2025) Kaum ein politischer Konflikt ist uns so vertraut wie der Streit um die öffentlichen Finanzen. Wem sollten größere Steuerlasten für den Betrieb des Gemeinwesens zugemutet werden, wem stehen staatliche Zuwendungen zu, wie viele und welche Schulden vertragen der Bundeshaushalt und kommende Generationen? Antworten, wenigstens intuitive, dürften viele Menschen rasch bei der Hand haben. Das theoretische Fundament des Politikfeldes der Staatsfinanzen ist der Forschung allerdings brüchig geworden: Einstmals vertraute Begriffe wie Geld, Eigentum oder Steuern werden aufgearbeitet, eingeschriebene Macht und Ungleichheitsverhältnisse kommen zum Vorschein, vermeintliche Sachzwänge werden mit Alternativen konfrontiert. Zurück bleiben Leerstellen im öffentlichen Sprechen über die Finanzierung unseres Gemeinwesens, ihre Verfahren, Mittel und Grenzen – kurz: es braucht Arbeit an den politischen Theorien öffentliche Finanzen, sowohl akademisch wie auch gesellschaftlich. David Hengsbach, Soziologe, forscht und lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschaftssoziologie der Goethe- Universität Frankfurt am Main. Prof. Dr. Sebastian Huhnholz, Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker, Privatdozent der LMU München und Gastwissenschaftler am HIS, vertritt derzeit die Professur Political and Legal Theory an der FU Berlin. Dr. Martyna Linartas, Politikwissenschaftlerin; forscht und lehrt als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin sowie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz Dr. Eva Weiler, Philosophin, Akademische Rätin a. Z. an der Professur für Praktische Philosophie der Universität Duisburg-Essen. Moderation: Dr. Aaron Sahr, Wirtschaftssoziologe und Leiter der Forschungsgruppe »Monetäre Souveränität« am HIS. Eine Fortsetzung der Diskussion des Bandes wird – in anderer Besetzung – im Frühjahr 2026 am WZB stattfinden.
11. November 2025. Bücher am HIS: Die Politik der Wirtschaft
2025/11/12
Max Webers Wirtschafts- und Finanzsoziologie Dass der sozialwissenschaftliche Großklassiker Max Weber (1864-1920) auch Wirtschaftssoziologe und Finanzökonom war, lässt schon der Titel seines berühmten Hauptwerks »Wirtschaft und Gesellschaft« erahnen. Dennoch sind Spannbreite und Systematik von Webers Denken über Wirtschaftsformen, Börsen, Zahlungsmittel, öffentliche Kredite, Parteifinanzierung oder ganze fiskalische Herrschaftssysteme erstaunlich wenig diskutiert. Jüngere Publikationen erweitern diesen Blick. Dazu zählt, dass Andrea Maurer jüngst »Max Weber’s Sociological Thought on the Economy« herausgab (Agenda; Newcastle 2024) und Sebastian Huhnholz 2025 am Hamburger Institut für Sozialforschung das Buch »Der andere Ökonom« abschloss, das Weber als fiskalpolitischen Agenten der demokratischen Revolution von 1918/19 interpretiert. Unter Leitung Lars Döpkings, dessen weberianische Studie »Fiskalische Herrschaft« 2023 in der Hamburger Edition erschien, bringt der Abend verschiedene sozialwissenschaftliche Perspektiven miteinander ins Gespräch. Zu fragen ist, was uns Max Weber über heutige Wirtschaftsumbrüche und Staatsfinanzkrisen lehrt. Prof. Dr. Andrea Maurer, ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftssoziologie an der Universität Trier. Von 2019–2024 war sie Sprecherin des Forschungsnetzwerks »Economic Sociology« der European Sociological Assocation. Prof. Dr. Sebastian Huhnholz, Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker, Privatdozent der LMU München und Gastwissenschaftler am HIS, vertritt derzeit die Professur Political and Legal Theory an der FU Berlin. Moderation: Dr. Lars Döpking, Historischer Soziologe, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Rom, externes Mitglied der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am HIS.
9. September 2025. Jan Philipp Reemtsma: „Etwas mehr Nomos ins Leben bringen“ bringen“
2025/10/08
Lars Clausens Staunen über Schlangen Lars Clausen widmet sich in einem Aufsatz von 1981 dem Phänomen der (Warte)Schlangen. Der Aufsatz „Schlangen“ mit dem ein wenig rätselhaften Untertitel „Exkursion in den Quellsumpf der Theorien“ versucht das Phänomen der spontan und ohne Nötigung sich bildenden Schlangen nebst ihren zunächst irritierenden Eigenschaften anhand eigener und angeleiteter Beobachtungen seines Seminars näher zu bestimmen. Warum machen Leute das, wenn sie nicht müssen? Der Aufsatz macht einen Sprung von den Beobachtungsbefunden in eine weitgreifende Spekulation (und versucht dabei Soziologie mit der Kulturkritik ein wenig zu versöhnen). Der Vortragende versucht, die Spekulation noch ein wenig weiter zu treiben. Jan Philipp Reemtsma ist Gründer und Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, der Arno Schmidt Stiftung sowie Gründer und bis März 2015 Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Ferdinand Tönnies Gesellschaft statt.
30. September 2025. Heiko Biehl: Die Wehrpflicht — mehr als ein Rekrutierungstool?
2025/10/07
Thesen und Befunde zu einer Form des militärischen Dienstes Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine wird in Politik, Öffentlichkeit, Streitkräften und Wissenschaft über eine Reaktivierung der Wehrpflicht diskutiert. Dabei sind die Auseinandersetzungen selten auf militärisch-funktionale Aspekte, wie die Personalgewinnung, beschränkt. Vielmehr sind mit der Wehrpflicht weit darüberhinausgehende Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen verbunden. Den Befürworterinnen und Befürwortern gelten Wehrpflichtarmeen als gesellschaftlich stärker verankert als Freiwilligenarmeen, nicht zuletzt, weil sich ihr Personal aus allen sozialen Bereichen rekrutiere. Die Wehrpflicht sei das »legitime Kind der Demokratie« (so bereits Bundespräsident Heuss) und sorge für eine gerechte Verteilung der Verteidigungslasten. Dem steht die Sorge entgegen, die Wehrpflicht trage militärische Denkweisen in die Zivilgesellschaft und stabilisiere überkommene Geschlechtervorstellungen. Mit ihrem Zwangscharakter passe sie nicht zum Wesen liberaler Gesellschaften. Der Vortrag diskutiert und differenziert diese Annahmen und Kritikpunkte und gleicht sie mit dem militärsoziologischen Forschungsstand ab. Dr. Heiko Biehl, Politikwissenschaftler und Soziologe; Leiter des Forschungsbereichs Militärsoziologie am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe und Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung Ein Veranstaltung der Reihe Die Verfassung der Freiheit - Demokratieprobleme der Gegenwart
11. September 2025. Arlie Russell Hochschild: An Emotions Lens on the Rise of the Right
2025/09/12
To help advance our thinking about the rise of the right, I suggest to conceptualize a tool kit of emotion-management practices, the effect of which is to evoke and suppress feelings of a pre-disposed population. Most important in this tool kit is a resonant master story which evokes the feelings of a leader’s base and establishes rules governing how much of what feeling to direct at whom. In the US, Trump has strongly appealed to downwardly mobile, blue-collar white Americans whose loss of well-paid jobs, community and intact families have led many to feel in him relief from fear and shame and enjoy the elation of being chosen winners. He pictures the world as a place of brutal Hobbesian struggle of winners against losers, us against them. In this Manichean splitting, “we” are rightful winners, strong, socially attached and loveable, while people considered “them” are weak, hostile and deserving of disdain. Guided by this narrative, Trump poses himself as the powerful director of the nation’s emotional traffic. Taken as a whole, such practices effectively manage the evocation and suppression of feeling so as to legitimate his regime and to offer himself as a model to other right- wing leaders around the world. Arlie Russell Hochschild, ist emeritierte Professorin an der University of California, Berkeley. Sie gilt als eine der bedeutendsten Soziologinnen der Gegenwart, ihr vielgelobtes Buch Fremd in ihrem Land. Eine Geschichte der amerikanischen Rechten stand auf der Shortlist für den National Book Award 2016. Ihr Buch Geraubter Stolz. Verlust, Scham und der Aufstieg der Rechten (Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff) wird im September in der Hamburger Edition, dem Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung, erscheinen. Begrüßung: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Hamburger Institut für Sozialforschung Grußwort: Senatorin Maryam Blumenthal, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg Laudatio: Prof. Dr. Sighard Neckel, Soziologe, Universität Hamburg, DFG-Kolleg-Forschungsgruppe »Zukünfte der Nachhaltigkeit«. Die Kultur des emotionalen Kapitalismus. Einleitung. In: Arlie Russell Hochschild: Das gekaufte Herz. Die Kommerzialisierung der Gefühle. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/New York 2006: Campus.

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