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Helle Panke

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Dieser Podcast hat
406 Episoden
Sprache
German
Herausgeber
Helle Panke
Explizit
Nein
Erstellt am
2019/05/22
Neueste Episode
2026/09/09
Durchschnittsdauer
63 min.
Veröffentlichungsintervall
4 Tage

Beschreibung

Ihr habt es mal nicht zu einer unserer Veranstaltungen geschafft? Hier könnt ihr viele Vorträge und Diskussionen nachhören.

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Italien unter Giorgia Meloni - Wenn die extreme Rechte an der Regierung ist
2026/09/09
Derzeit richten sich viele Augen auf Sachsen-Anhalt. Ist es doch möglich, dass hier zum ersten Mal seit 1945 eine Partei der extremen Rechten in einem Bundesland an die Regierungsmacht kommt. Damit würde sich in Sachsen-Anhalt vollziehen, was in vielen Ländern der EU längst Alltag geworden ist: Extrem rechte Parteien sind an Regierungen beteiligt oder führen diese an – wie etwa im Lieblingsurlaubsland der Deutschen, Italien. Giorgia Meloni ist seit Oktober 2022 Ministerpräsidentin Italiens und führt die Regierung für die Partei Fratelli d’Italia (FdI) – auf Deutsch „Brüder Italiens“. Bereits als fünfzehnjährige Jugendliche trat Meloni der Jugendorganisation der (post-)faschistischen Partei Movimento Sociale Italiano (MSI) bei und machte anschließend in der Partei und deren verschiedenen Nachfolgeparteien Karriere. Diese politische Karriere führte sie schließlich in das italienische Regierungsamt, das sie zumindest in außenpolitischen Fragen relativ geräuschlos ausübt. Aber wie sieht Melonis Regierungsstil in Italien aus? Was hat sie in den drei Jahren und zehn Monaten ihrer Regierungszeit konkret in der italienischen Politik und Gesellschaft verändert? Ist die politische Landschaft Italiens mit der in Deutschland zu vergleichen, und was können wir von dort lernen? Darüber wollen wir mit dem Journalisten und Kulturkritiker Georg Seeßlen sprechen. Er lebt teilweise in Ligurien (Italien), von wo aus er zu unserer Online-Veranstaltung zugeschaltet wird. Moderation: Fabian Kunow
Against Tradition
2026/08/16
In each of their books, Libman, Lerman, and Loftin ask what it means to belong to a tradition in the wake of that tradition’s moral collapse. As Loftin wrestles with Christianity amid the resurgence of fascism, Libman wrestles with Judaism amid the destruction in Gaza, and Lerman wrestles with philosophy and literature's complicity in the creation of the pacified, helpless contemporary subject, all three explore whether standing against one’s tradition might in fact be the only way left of remaining faithful to that tradition. Mac Loftin is a theologian, writer, and teacher at Harvard University, where he earned his PhD. His research explores the intersection of Christian theology and politics in the modern West. His new book is In the Twilight of the Christian West: A Theology of Mourning and Resistance. Benjamin Libman is a writer and translator based in Paris. His book, The Third Solitude, A Memoir Against History, was published in 2025. His next book, Voyeur, will be published in 2027. He holds a PhD in English from Stanford University. Lindsay Lerman is a writer and translator. Her first book, I'm From Nowhere, was published in 2020. Her second book, What Are You, was published in 2023. She is the translator of François Laruelle's first book. She holds a PhD in Philosophy from the University of Guelph in Ontario, Canada. Her short stories, essays, and interviews have been published in the Los Angeles Review of Books, New York Tyrant, The Creative Independent, and elsewhere. She lives in Berlin.
Roter Säkularismus - Philosophische Gespräche
2026/08/16
Aus welchen Quellen schöpfte die radikale Tradition der deutschen Arbeiterbewegung im 19. und 20. Jahrhundert? Die Linie von Marx und Engels über Bebel, Kautsky und Rosa Luxemburg ist bekannt. Aber was ist mit der Linie, die sich durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung und den Antiklerikalismus inspirierte? Die Ausleihekataloge der sozialistischen Arbeiterbibliotheken zeigen, dass die Leser viel lieber populärwissenschaftliche Werke von Ernst Haeckel oder Ludwig Büchner, als die Klassiker des Marxismus, entliehen. Und in Arbeiterbiographien waren es oft die Lektüre dieser materialistisch-monistisch Autoren und ein Konflikt mit einem Pfarrer, die den ersten Schritt hin zur Opposition markierten. In der Weimarer Republik nahmen hunderttausende Sozialisten und Kommunisten an der freigeistigen Bewegung, vor allem als Mitglieder der Freidenkervereine teil. In einem neuen Buch argumentiert der in den Niederlanden lehrende amerikanische Historiker Todd H. Weir, dass viele deutsche Linke aus zwei miteinander verwobenen, jedoch distinkten Traditionen schöpften, die sozialistische und die freigeistige. Er nennt die Schnittstellen zwischen den beiden den "roten Säkularismus". In dem Vortrag geht es darum, die These des roten Säkularismus auszuleuchten und zu debattieren. Todd H. Weir hat sich als Historiker an der Humboldt-Universität und Columbia University ausgebildet. Er hat zwei Monographie zur Kultur- und Politikgeschichte des Säkularismus in Deutschland geschrieben. Er lehrt an der Universität Groningen (NL) und leitet dort ein Forschungsprojekt über die globale Geschichte des Begriffs „Weltanschauung“. Wer sich vorab in das Buch vertiefen will, kann es hier kostenlos downloaden oder online lesen. Moderation: Falko Schmieder
„Armut und Krieg überwinden mit Gerechtigkeit“
2026/08/14
Lutz van Dijk und Petra Pau im Gespräch über Zuhause sein auf verschiedenen Kontinenten, queere Menschenrechte und die Idee des Pazifismus in kriegerischen Zeiten „Armut und Krieg überwinden mit Gerechtigkeit“ Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Südafrika Lutz van Dijk, geboren in Westberlin, blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Es führte ihn über New York, Hamburg, Amsterdam und Jerusalem bis nach Kapstadt. In der politischen Autobiografie „Die weite Welt“ (Querverlag 2026) beschreibt er u.a. seine Anfänge in der Friedensbewegung als Lehrer, den Einsatz gegen Diskriminierung von sexuellen Minderheiten sowie seine Arbeit als Journalist, Historiker und Pädagoge, unter anderem bei der Anne-Frank-Stiftung. Nach einem Einreiseverbot als Anti-Apartheid-Aktivist gründete er später mit seinem Mann ein Haus für Straßenkinder in Kapstadt, das 2002 von Erzbischof Tutu eröffnet wurde. Lutz van Dijks Engagement zeigt eindrucksvoll, was Einsatz für Gerechtigkeit bewirken kann. Lutz van Dijk wird sein Buch vorstellen und spricht mit Petra Pau, die ihn vor Kurzem in Südafrika in seinem Township-Kinderhaus besuchte. Schließlich freuen wir uns über Fragen und die Diskussion mit dem Publikum. Grußwort: Julia Ehrt, Geschäftsführerin der queeren Weltorganisation ILGA World Moderation: Manu Costa und Bodo Niendel Eine Kooperationsveranstaltung von "Helle Panke" e.V. und der RLS.
Hakenkreuz und Heimatschutz - Die Umweltbewegung und der Nationalsozialismus
2026/08/07
Das Dritte Reich war ein zerstörerisches Gewaltregime, das der europäischen Natur auf brutalster Weise schadete. Dennoch gab es frühe Umweltbewegungen, die mit dem Nationalsozialismus verstrickt waren. Als bedeutendes Beispiel untersucht Peter Staudenmaier die Geschichte der biodynamischen Bewegung zwischen 1933 und 1945. Mit Marken wie Demeter und Weleda ist die biologisch-dynamische Landwirtschaft möglicherweise die bekannteste Form in der heutigen Bio-Branche. Auch in der NS-Zeit war die biodynamische Bewegung erfolgreich, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen. Der Vortrag geht dieser komplexen Vergangenheit nach, als Beispiel der historischen Gemengelage von Reformbewegungen im Zusammenspiel mit dem Nationalsozialismus. Prof. Peter Staudenmaier lehrt Geschichte an der Marquette University in den USA und ist langjähriger Mitarbeiter des Institute for Social Ecology. Sein Buch "The Politics of Nature in Nazi Germany" ist vor kurzem bei Cambridge University Press erschienen. Moderation: Dr. Sina Arnold
Literarisches Feld DDR
2026/08/07
Zum Abschluss unserer antiquarischen Buchwoche widmen wir uns in einem Werkstattgespräch einem neuen digitalen Lexikon zur Literatur in der DDR, das gerade entsteht. Ziel des Lexikons ist eine umfassende Bestandsaufnahme ihrer Autorinnen und Autoren. Wir sprechen mit einem der Mitarbeiter Thomas Möbius. Moderation: Birgit Ziener
Vom Unwesen des Menschen - Negative Anthropologie und kritische Gesellschaftstheorie nach Ulrich Sonnemann
2026/08/07
Der Sozialphilosoph, Schriftsteller und Psychologe Ulrich Sonnemann (1912–1993) zählt zu den markantesten und zu Unrecht wenig rezipierten Denkern der Kritischen Theorie. Sein Hauptwerk Negative Anthropologie (1969) entwirft eine Bestimmung des Menschen, die vom Nichtgewordenen ausgeht: vom Unterdrückten, Verdrängten, Abwesenden und noch Ungelebten. Zugleich entzündet sich die Kritik am bestehenden Unheil gesellschaftlicher Verhältnisse. Der Vortrag rekonstruiert diesen Ansatz anhand konkreter Geschichtserfahrungen, die das Menschliche in seiner Deformation und unabgegoltenen Möglichkeit zeigen. Im Mittelpunkt steht dabei Sonnemanns Kritik an der positivistischen Anthropologie Arnold Gehlens sowie seine Verschränkung von Sprachkritik, Psychoanalyse und kritischem Humanismus. Kann dieser Ansatz – auch angesichts aktueller Debatten um künstliche Intelligenz und die Zukunft des Humanen – dazu beitragen, am Menschlichen festzuhalten? Referent: Dr. Martin Mettin ist Philosoph und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humanistischen Hochschule Berlin, wo er zu Ästhetik, Ethik und philosophischer Bildung lehrt und forscht. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Echo im Sprachwald (Neofelis, 2019) über Walter Benjamin und Kritische Theorie des Hörens. Untersuchungen zur Philosophie Ulrich Sonnemanns (Metzler, 2021), das mit dem Wissenschaftspreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen ausgezeichnet wurde. Zudem ist er Mitherausgeber des Briefwechsels zwischen Sonnemann und Theodor W. Adorno (Zeitschrift für Kritische Theorie, 2019) und eines Sammelbandes zur Negativen Anthropologie (Neofelis, 2021).
"Nur zwei Geschlechter?"
2026/08/07
Anmerkung: Der Ton wird ab Minute 03:45:00 besser. Was hat die uns die Evolutionsbiologie tatsächlich über Geschlecht zu sagen? Wo stoßen populäre Vorstellungen davon an ihre Grenzen? Andreas Hejnol ist Evolutionsbiologe und leitet als Professor das Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In seinem Vortrag fragt er, was die Evolutionsbiologie über Geschlecht weiß – und wie vielfältig, fluide und überraschend die „Lösungen" sind, die das Tierreich im Laufe der Evolution hervorgebracht hat. Er zeigt, warum verbreitete Vorstellungen einer klaren biologischen Zweigeschlechtlichkeit dem aktuellen Forschungsstand nicht standhalten. Referent: Prof. Dr. Andreas Hejnol (Direktor des Instituts für Zoologie und Evolution am Phyletischen Museum Jena) Moderation: Inga Jacobsen (Umweltwissenschaftlerin)
75 Jahre Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft"
2026/08/04
Zum 75-jährigen Jubiläum von Hannah Arendts monumentaler Studie The Origins of Totalitarianism (1951, dt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 1955) erscheint in der Hannah Arendt Edition eine kritische Neuausgabe des Bandes. Die HerausgeberInnen stellen diese vor, präsentieren den Mehrwert einer kritischen Edition und beleuchten das Spektrum von Arendts politischem Denken. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf Arendts Verhältnis zu Rosa Luxemburg gelegt. Referierende: Hanno Berger, Christian Pischel, Annette Vowinckel Moderation: Elena Stingl
Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie in und nach dem Ersten Weltkrieg
2026/07/29
Dr. Uli Schöler bei einem Vortrag im Willy Brandt Haus Foto: privat Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie in und nach dem Ersten Weltkrieg beeinflusst in ihren (auch internationalen) Auswirkungen die Parteienlandschaft bis heute. Eine häufig anzutreffende Deutung sieht die Verantwortung dafür bei den verschiedenen Gruppen der innerparteilichen Linken. Dies betrifft das "marxistische Zentrum" um Haase, Hilferding, Ledebour und andere. Gleichermaßen gilt es für den Spartakusbund um Liebknecht und Luxemburg. Neben den nur schwer zu vereinbarenden und auseinander driftenden Haltungen zur Kriegsfrage steht dabei vor allem das strenge organisatorische Gebot der Fraktionsdisziplin im Mittelpunkt. Dieses sei durch das Verhalten der Linken gröblich verletzt worden. Dabei gerät aus dem Blick, dass die Spaltung eine längere Geschichte hat. Sie wurde von einer innerparteilichen "pressure group" um den Reichstagsabgeordneten Eduard David und einige Gewerkschaftsvertreter generalstabsmäßig vorbereitet und erfolgreich umgesetzt. Dieser "erfolgreichen" Spaltung von rechts folgte wenige Jahre später eine ebensolche von links - mit gleichermaßen verheerenden Auswirkungen. Bestürzend muss zur Kenntnis genommen werden, dass die rigiden Methoden wie die unduldsame Diffamierung anderer Auffassungen in beiden Prozessen ähnlichen Charakter hatten. Kann man daraus Lehren für heute ziehen? Referent: Dr. Uli Schöler, Rechts- und Politikwissenschaftler; er lehrte bis 2019 als außerplanmäßiger Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Seit 2015 ist er Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung. In der "Zeitschrift für Geschichtswissenschaft" ist zuletzt ein dreiteiliger Aufsatz zum Thema erschienen, der dritte Teil kann hier gelesen werden. Moderation: Holger Czitrich-Stahl
Kunst als Reflexion von Krisen-Verhältnissen - Überlegungen im Anschluss an Hegel
2026/07/29
In Hegels systematischer Konzeption bildet die Kunst (gefolgt von Religion und Philosophie) die erste Form des absoluten Geistes, in der sich das Absolute in der Unmittelbarkeit sinnlicher Anschauung darstellt. Als diese erste Stufe artikuliert die Kunst damit zugleich den Übergang vom objektiven Geist – als dem Inbegriff endlicher gesellschaftlich-politischer Verhältnisse – zum absoluten Geist. Im Vortrag wird diese systematische Konfiguration für Überlegungen fruchtbar gemacht, wonach die Kunst als Reflexion gesellschaftlich-politischer Krisen-Verhältnisse verstanden wird. Damit soll eine Perspektive zur Diskussion gestellt werden, die Hegels Philosophie in ihren systematischen Voraussetzungen ernst nimmt und sie gerade in diesem Anspruch als Form noch immer aktueller Gesellschaftskritik akzentuiert. Referent: Gregor Schäfer schrieb seine Dissertation zu Hegel an der Universität Basel, wo er auch als Lehrbeauftragter tätig war. Zurzeit ist er Research Fellow an der University of London mit einem Projekt zum Verhältnis von Krise und Transformation in der Klassischen Deutschen Philosophie. In seiner Forschung und in seinen Publikationen befasst er sich vor allem mit der Klassischen Deutschen Philosophie (vor allem Fichte und Hegel), mit der Geschichte und Gegenwart der Metaphysik und spekulativen Denkens, mit Ästhetik und mit politischer Philosophie.
„Schutztruppe der Republik“ - Hans-Rainer Sandvoß erinnert an den Kampf des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gegen den Faschismus
2026/07/29
Die Weimarer Republik war keinesfalls eine Demokratie ohne Demokraten. Viele Menschen erkannten rechtzeitig die wachsende faschistische Gefahr und riskierten ihr Leben im Kampf zur Abwehr einer Hitlerdiktatur. Dazu gehörten die Angehörigen einer zu Unrecht vergessenen, parteiübergreifenden Organisation, des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, das sich selbst als „Schutztruppe der Republik“ verstand. Der Historiker Hans-Rainer Sandvoß von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat sich in jahrelanger akribischer Forschungsarbeit mit deren Wirken in Berlin und Brandenburg befasst und nun eine beeindruckende Monografie vorgelegt, die aufrechte Antifaschisten und Antifaschismus würdigt, der auch heute wieder dringend notwendig ist. Moderation: Karlen Vesper
Das Ende der DDR und der Abzug der Sowjetarmee aus der Sicht von Diplomaten
2026/07/29
Wie erlebten Botschaftsmitarbeiter aus der Bundesrepublik und der DDR den Kalten Krieg in den 1980er Jahren, den Herbst 1989 und den Abzug der Sowjetarmee in den Neunzigern? Darüber tauschen sich am 22. April zwei unmittelbar beteiligte Zeitzeugen bei uns aus: Walter Stechel (*1953) erlebte der Ereignisse im Herbst 1989 als Mitarbeiter der Bundesdeutschen Botschaft in Kanada und wurde nach seiner Rückkehr 1993 Referent/Stellvertretender Referatsleiter für Wirtschaftsbeziehungen zu den Nachfolgestaaten der Sowjetunion beim Auswärtigen Amt in Bonn. In der Veranstaltung berichtet er darüber, wie er die Auflösung von DDR-Botschaften erlebte und wie in den neunziger Jahren das Wohnungsbau- und Umschulungsprogramm für die abziehenden sowjetischen Truppen ablief. Mit ihm spricht und diskutiert Dr. Oswald Schneidratus (*1951), der als DDR-Diplomat in London und bei den Wiener Abrüstungsverhandlungen NATO/Warschauer Vertrag, für die UNO auf Zypern und für die OSZE in Moldau/Transnistrien tätig war. Nach dem Ende der DDR wurde er nicht ins Auswärtige Amt übernommen. Er ging in die freie Wirtschaft und war u.a. in der GUS im Bereich Entsorgung chemischer Kampfstoffe, militärischer Altlasten und Umstellung ehemaliger Rüstungsbetriebe auf zivile Produktion tätig.
Rudolf Bahros Gefängnisschriften von 1978/79 - Selbstverständigung eines marxistischen Häretikers
2026/07/28
Rudolf Bahro ist einer der bekanntesten SED-Kritiker aus der DDR. Sein 1977 im Westen erschienenes Buch "Die Alternative" machte ihn über Nacht weltbekannt. Bahro war ein Häretiker aus der Partei, der den Machthabern die Klassiker des Marxismus-Leninismus unter die Nase hielt und die Diskrepanzen zwischen Theorie und Realität herausarbeitete. Er wurde gleich nach Erscheinen des Buches verhaftet und wegen "Geheimnisverrats" zu 8 Jahren Haft im berüchtigten Zuchthaus Bautzen II verurteilt. Dagegen regte sich weltweit Protest. Auch deshalb entließ ihn die Staats- und Parteiführung aus Anlass des 30. Jahrestages der DDR 1979 in den Westen. Während seiner Haftmonate schrieb Bahro heimlich Texte, in denen er seine bisherigen politischen (leninistischen) Überzeugungen überdachte. Er schlug einen am Eurokommunismus orientierten Weg ein. Bahros Biograf und damaliger Weggefährte Guntolf Herzberg hat diese Texte nun veröffentlicht und kommentiert. In der Veranstaltung wird er die damaligen Geschehnisse und den Inhalt der Gefängnisschriften schildern. Referent: Guntolf Herzberg Moderation: Alexander Amberger
Widerstand in Recht und Literatur - Lesung und Gespräch zwischen dem Schriftsteller Mesut Bayraktar und dem Rechtswissenschaftler Tim Wihl
2026/07/28
Widerstand unterhält ein spannungsreiches Verhältnis zum Recht, aber auch zur Literatur. Das Recht hegt Widerstand vielfach ein, ermöglicht ihn aber zugleich durch Grundrechte auf Protest und Gelegenheiten zur Negation. Moderne Verfassungen sehen gar ein Widerstandsrecht der Bevölkerung als letztes Mittel gegen die eigene Regierung vor, so auch das Grundgesetz. Die Literatur dagegen kann Widerstand historisieren, heroisieren und verurteilen, zu ihm anstiften oder seine Ambivalenz aufzeigen. Vor allem kann sie auch reflektieren, unter welchen Bedingungen Widerstand überhaupt materiell und geistig möglich wird, wann und wie er scheitert und in welchen subtilen Formen er auftritt, ohne überhaupt ins Blickfeld des Rechts zu rücken. In diesem Gespräch denken ein Schriftsteller und ein Dozent, beide Juristen und Philosophen, gemeinsam darüber nach, inwiefern Recht und Literatur hier und heute Spiegel, Instrumente oder Bremsen des Widerstands sind. Mesut Bayraktar, geboren 1990 in Wuppertal und Kind türkischer Arbeitsmigranten, hat Jura und Philosophie studiert. Als Schriftsteller schreibt er Romane und Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke sowie Essays für diverse Zeitungen und Magazine. Er hat das Kollektiv nous – konfrontative Literatur 2013 mitgegründet und ist dort Redakteur. 2024 erschien sein Erzählband Die Lage. 2025 erschien sein Lyrikdebüt Linke Melancholie. Tim Wihl hat Politik- und Rechtswissenschaft studiert und zu Aufhebungsrechten promoviert. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gastprofessor an der Humboldt-Universität mit Aufenthalten an der Sorbonne und in Princeton sowie Fellow am The New Institute in Hamburg. Derzeit ist er Vertretungsprofessor für Öffentliches Recht und Grundlagen des Rechts an der Universität Erfurt. Von ihm erschien 2024 das Buch Wilde Demokratie. Das Recht auf Protest. Moderation: Johanna Bröse

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