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Denken, Glauben, Fragen – aus der Katholischen Akademie Berlin

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Dieser Podcast hat
72 Episoden
Sprache
German
Explizit
Nein
Erstellt am
2020/11/19
Neueste Episode
2026/06/08
Durchschnittsdauer
72 min.
Veröffentlichungsintervall
55 Tage

Beschreibung

In unserem Podcast können Sie hineinhören in die Themenvielfalt der Katholischen Akademie in Berlin mit Gästen aus den Bereichen Religion und Philosophie, Literatur und Theater, Politik und Wirtschaft. Auch der interreligiöse Dialog, besonders im Austausch mit jüdischen und muslimischen Partnern, liegt uns am Herzen. In der Mitte der Hauptstadt versuchen wir, Geistiges und Geistliches zu verbinden. Hören Sie auch unsere Podcasts "zwei nach zwölf. Gespräch über Gott und Welt" und "Tauchgänge": anchor.fm/2nach12 anchor.fm/tauchgaenge

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Korruptionskontrolle in Deutschland – Zwischen Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusion
2026/06/08
Im nächsten Ordnungspolitischen Salon spricht Prof. Dr. Georg Cremer mit Bundesverfassungsrichterin a.D. Prof. Dr. Dr. h.c. Gertrude Lübbe-Wolff. Gertrude Lübbe-Wolff ist seit 1992 Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld. Von 2002 – 2014 war sie Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Von 2015 – 2016 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und von 2017 – 2018 Fellow am Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“ in Bonn. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. In 2025 erschien ihre Studie: „Der ehrliche Deutsche: Über Problemverleugnung, Moralismus und Regelungsillusionen in Sachen Korruption“ (Verlag Vittorio Klostermann).
Gott als Dichter: Ozan Zakariya Keskinkılıç und sein Buch „Hundesohn“
2026/04/17
Unverkrampft und schön beschreibt Ozan Zakariya Keskinkılıç in seinem Roman wie Glaube, die Tradition der türkischen Eltern und syrischen Großeltern und das liebeshungrige Leben des Ich-Erzählers eine Einheit bilden – immer auf der Suche nach der eigenen Identität, zwischen Berlin, der Türkei, Dating-Apps und in Gesprächen mit seiner besten Freundin Pari. Keskinkılıç zeigt in "Hundesohn" leichtfüßig und poetisch, wie es ist, heute an Gott, den Koran und die Propheten zu glauben. Moderation: Dr. Katrin Visse und Larissa Gerg
Alles schrecklich ungerecht? Sozialdebatte in der Zeitenwende
2026/02/24
Im nächsten Ordnungspolitischen Salon ist Kerstin Griese, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu Gast. Sie diskutiert mit Prof. Dr. Georg Cremer über Leistungen und Defizite des Sozialstaats anlässlich der Neuerscheinung seines neues Buches „Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat“ (Herder Verlag 2025). Moderation: Ralph Bollmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Redaktion Berlin. Der Sozialstaat ist eine tragende Säule des demokratischen Gemeinwesens und zugleich scheint er immer zu wenig zu leisten, wenn man der öffentlichen Kritik folgt. Angesichts des Kostendrucks werden grundlegende Reformen gefordert, in ihren Konsequenzen aber mehrheitlich dann doch abgelehnt. Was sind unerfüllbare Erwartungen und was sind gerechtfertigte Anforderungen an den Sozialstaat? In seinem Buch unternimmt Georg Cremer eine Entwirrung der Sozialstaatsdebatte. Welche Prioritäten müssen jetzt gesetzt werden, damit der Sozialstaat leistungsfähig bleibt? Auf welche Gruppen und Problemlagen sollte er sich konzentrieren? Kerstin Griese, MdB ist seit 2018 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Von 2014 bis 2018 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages. Von 2002 bis 2009 war sie Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Von 2006 bis 2009 und von 2011 bis 2018 war sie SPD-Fraktionsbeauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Sie ist Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD. Von 2009 bis 2010 war sie hauptamtliches Bundesvorstandsmitglied des Diakonischen Werkes der EKD. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln?, München 2016. Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet, Freiburg 2021.
Bürokratie – das geliebte Monster
2025/10/14
Prof. Dr. Georg Cremer im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Normenkontrollrates Baden-Württemberg, Dr. Dieter Salomon„Bürokratieabbau“ ist wichtiger Bestandteil der angestrebten Staatsmodernisierung und sogar zur ministerialen Chefsache erklärt worden. Aber was wird unter Bürokratieabbau eigentlich verstanden, und wird er in seinen praktischen Konsequenzen tatsächlich unterstützt? Was alle sich zu wünschen scheinen, sei es im Hinblick auf die Vorgaben der Europäischen Union, sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, erweist sich in der Praxis als vertrackt. Warum ist das so? Die hohe Regelungsdichte und Verrechtlichung ist nicht zuletzt Ergebnis vielfältiger Forderungen von Bürgern und kollektiven Akteuren. Wie kann Bürokratie wieder zu einem Stützpfeiler effizienter und überschaubarer staatlicher Rahmensetzung für Bürger und Unternehmen werden?Dr. Dieter Salomon ist seit 2023 Vorsitzender des Normenkontrollrates der Landesregierung Baden-Württembergs und dort maßgeblich für Bürokratieabbau zuständig. Seit 2019 ist er außerdem Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein. Er war von 2002 bis 2018 Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau. Zuvor war er ab 1992 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg für die Grünen sowie ab 2000 deren Fraktionsvorsitzender.Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016. Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; im November 2025 erscheint ‚Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat‘.Der „Ordnungspolitische Salon“ der Katholischen Akademie in Berlin: Die Soziale Marktwirtschaft beruht auf zwei wichtigen Säulen: Der Ordnungspolitik des Liberalismus und der Gesellschaftspolitik in der Tradition einer christlich geprägten Soziallehre. Stark ist die Soziale Marktwirtschaft dort, wo beide Säulen sie gemeinsam tragen. Das gelingt nur, wenn sie wandlungsfähig ist. Prof. Dr. Georg Cremer spricht mit ausgesuchten Gästen über das Miteinander von Ordnungs- und Gesellschaftspolitik anhand zentraler sozial- und wirtschaftspolitischer Herausforderungen.
Weltbetrachtungen – Romano Guardini und Hans Urs von Balthasar über Literatur
2025/07/01
Dichtung kann mehr sein als private, anregende Lektüre. Sie kann die Theologie bereichern und verändern. Diese Überzeugung teilten gleich zwei große katholische Theologen in der Mitte des 20. Jahrhunderts: Romano Guardini und Hans Urs von Balthasar. Sie schaffen ein neues Verständnis davon, wie Literatur die Theologie gleichzeitig erden und erweitern kann. Dazu wählen sie einerseits vergleichbare Wege, andererseits deutlich voneinander verschiedene Konzeptionen. Der Vortragzeichnet diese Entwicklungen nach, fragt aber zugleich nach der Bedeutung der beiden Ansätze für heute.Der Abend findet statt im Rahmen des „Forum Guardini“, der Kooperationsplattform der Katholischen Akademie in Berlin und der Guardini Stiftung.
Ästhetische Bildung und liturgischer Aufbruch: Kunst und Reform bei Romano Guardini
2025/06/24
Liturgie und Kunst haben vieles gemeinsam, jedenfalls im Denken und Werk Romano Guardinis. Beide vereint eine ästhetische Prägekraft. Zugleich fordern sie zur Unterbrechung gängiger Wahrnehmungsmuster heraus, schaffen alternative Welten und Realitäten. Im Kontext der Frage nach einer zeitgemäßen liturgischen Bildung gilt es deshalb, das Verhältnis von Kunst und Liturgie auszuloten. Beispielhaft sollen daraufhin anhand von Odo Casels Primat des Objektiven vor dem Subjektiven Ansprüche an die Liturgie markiert und die Unterschiede zu Romano Guardini herausgearbeitet werden. Ein Blick in die Praxis soll uns die aktuellen Herausforderungen vergegenwärtigen. Denn während in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Vatikanum vor allem die gemeinschaftliche Dimension der Liturgie betont wurde, wird heute wieder vermehrt nach der persönlichen Dimension innerhalb der Liturgie gefragt. Suchbewegungen hin zu einer „persönlichen Gebetsatmosphäre“ sind zu beobachten. Wie steht es um die Liturgiefähigkeit heute? Wie lassen sich die beiden Pole des Subjektiven und Objektiven in der Liturgie zusammenführen? Und welche Rolle spielen dabei Kunst und Ästhetik, speziell in Form des liturgischen Raums? Prof. Dr. Andreas Bieringer ist Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft, Hymnologie und christliche Kunst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: Gottesdienst in der Literatur. Entwurf einer kultursensiblen Liturgiewissenschaft, Tübingen 2023. Prof. Dr. Isabella Bruckner ist Professorin für Christliches Denken und spirituelle Praxis am Päpstlichen Athenäum Sant’Anselmo in Rom. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die philosophisch-theologische Reflexion (monastischer) Spiritualität. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: Gesten des Begehrens: Mystik und Gebet im Ausgang von Michel de Certeau, Innsbruck 2023.
Gesundheitswesen – unsteuerbar?
2025/06/10
Prof. Dr. Georg Cremer im Gespräch mit Staatssekretär a.D. Prof. Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses. Das Bewusstsein von den Folgen des demographischen Wandels für die Finanzierung des Gesundheitssystems ist jüngst im Schlepptau der Rentensicherungsdebatte stärker geworden. Ebenso hat mit den jüngsten geopolitischen Ereignissen die scharfe Konkurrenz zwischen drängenden Finanzierungsbedarfen zugenommen. Gibt es eine Perspektive für organisatorische Veränderungen im Gesundheitswesen, die den Kostendruck mindern, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden? Ist es überhaupt möglich, ein politisch so umkämpftes Feld wie die Gesundheitspolitik nach ordnungspolitischen Prinzipien zu steuern? Das Handlungsfeld ist extrem komplex. Die Krankenhausfinanzierung und Bedarfsplanung ist besonders umstritten, und das schon seit langem. Ebenso gibt es Verteilungskämpfe innerhalb der Leistungserbringer des Gesundheitssystems im ambulanten Bereich sowie an der Schnittstelle von ambulant und stationär. Was bewirkt der Fachkräftemangel und der Schwund des „Hausarztes auf dem Lande“? Sind die parallelen Versicherungssysteme ein Reformhemmnis? Über diese und weitere Fragen spricht Georg Cremer mit Josef Hecken. Prof. Josef Hecken ist seit 2012 Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses. Er war von 1999–2004 Staatssekretär im Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes und von 2004–2008 Minister für Justiz, Gesundheit und Soziales des Saarlandes sowie ab 2008 auch für Arbeit. 2004–2008 war er Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Von 2008–2009 war er Präsident des Bundesversicherungsamtes, von 2009–Juli 2012 Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016.
Der Becher meiner Lust ist voller Tränen.
2025/04/08
Weibliche Stimmen in der islamisch-mystischen Dichtung persischer Sprache.Sufis und ihr mystischer Zugang zu Gott und dem Koran sind weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist jedoch die mystische Literatur, die Frauen verfasst haben – auf Persisch. Kurt Scharf und Ali Abdollahi haben diese Texte erstmalig ins Deutsche übertragen und stellen diese und das Leben und Denken ihrer Autorinnen vor.Aus der christlichen religiösen Tradition ist uns der Widerspruch zwischen Gesetz und Liebe, Orthodoxie und Mystik vertraut. Aber zumindest dem eigenen Anspruch nach wird er im Christentum zugunsten der Liebe aufgelöst. Sie, heißt es in Röm 13,10, sei des Gesetzes Erfüllung.Im Islam ist diese Spannung stärker. Einerseits gibt er mit seinen fünf Säulen ein Fundament aus Regeln, zu denen noch detaillierte Vorschriften hinzukommen, die das Leben des Einzelnen bestimmen. Andererseits hat die Mystik unter Muslimen und Muslimen große Bedeutung. Ihr Inhalt ist die Liebe, die Sehnsucht nach der Vereinigung mit Gott. Und ihre Anhänger haben wahrscheinlich mehr für die Verbreitung des Islams getan als die orthodoxen Religionslehrer. Anders als diese verstehen und lesen die Sufis die Botschaft des Korans auf eine eigene Weise: Danach hat das Heilige Buch eine äußere und eine innere Seite. Die Regeln seien nur die äußere, die wichtigere aber sei die innere.Damit setzten Sufinnen und Sufis sich in einen scharfen Gegensatz zur iranischen Orthodoxie. Dennoch wurden sie unter Chomeyni, der selbst eine Ausbildung als Sufi durchlaufen hatte, geduldet; unter Chamene’i dagegen macht man ihnen das Leben schwer: Schreine von Sufischeichs werden zu einfachen Gräbern zurückgebaut, sodass man dort nicht mehr spenden kann und die Gelder für Stipendien für die Schulung von Sufijüngern ausgehen, und gegen mehrere Sufischeichs ist Hausarrest verhängt worden.Eine besondere Provokation stellen für die herrschende Orthodoxie der Islamischen Republik sowohl die weibliche Seite und als auch die erotische Orientierung dieser Glaubensrichtung dar. Der Mystiker, der sich nach der Vereinigung mit Gott sehnt, wird gewissermaßen zur Braut Gottes. Insofern ist es besonders, die Stimmen von Sufidichterinnen zu hören, die diese feminine Seite des Glaubens noch verstärken.Ali Abdollahi ist Dichter, Literaturkritiker und Übersetzer von Lyrik und Erzählprosa und Philosophie. Er lebt in Berlin.Kurt Scharf war stellvertretender Leiter des Goethe-Instituts in Teheran und Gründungsmitglied des Hauses der Kulturen der Welt. Er ist Herausgeber und Übersetzer von Literatur aus u.a. dem Persischen.Mahya Taheri ist Buchillustratorin und lebt in Berlin.Udo Steinbach war bis 2007 Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg. Seit 2019 verantwortet er das Programm MENA Study Centre bei der Maecenata-Stiftung.
Morde nicht! Maria-Maria
2025/03/03
Am 2. Februar wird weltweit in den katholischen Kirchen Maria Lichtmess gefeiert. Anlass für uns, einen Abend mit einer besonderen Lesung zum Thema Maria anzubieten. Die Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu liest ihren Text „Morde nicht! Maria-Maria“. Darin denkt die Figur der Maria-Maria, rumänische Tochter einer jüdisch-katholischen Mutter, über die Entstehung der Ambivalenzen in ihrem Verhältnis zur Mutterschaft nach. Diese ergeben sich aus einer doppelten Strenge, der sie in ihrem Heranreifen ausgesetzt war. „Marie, die reine Magd“ war das stumme Ideal – es geriet in einen stürmischen Konflikt mit anderen Idealen, mit einer harten „sozialistischen“ Wirklichkeit und mit den unter all den verschiedenen Anforderungen verschütteten oder verbogenen eigenen Wünschen. Carmen-Francesca Banciu ist eine deutsche und rumänische Schriftstellerin. Sie studierte Kirchenmalerei in Arad und Außenhandel in Bukarest. Die Verleihung des Internationalen Kurzgeschichtenpreises der Stadt Arnsberg für die Erzählung Das strahlende Ghetto (1985) hatte für sie ein Publikationsverbot in Rumänien zur Folge. 1991 kam Banciu nach Deutschland, eingeladen durch das Künstlerprogramm des DAAD, und lebt seit 1992 als freie Autorin in Berlin. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählt die Nominierung ihres Romans Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! für den Deutschen Buchpreis 2018. Ihre Texte wurden in viele Sprachen übersetzt.  Aktuelle Veröffentlichungen: 2024 ILSEBILL salzt nach. Ein Briefroman, PalmArtPress 2024 MUTTERS TAG. Das Lied der traurigen Mutter, PalmArtPress, Neuauflage, mit einem Nachwort von Sieglinde Geisel
Ordnungspolitischer Salon: Welche Zukunft haben die Sozialversicherungssysteme?
2025/02/12
Die demographische Alterung setzt alle umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme unter Druck. Dies wird insbesondere im Hinblick auf die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung deutlich, mit ihren Effekten auch für Beschäftigung und Lohnkosten.Wird diese Entwicklung einen Systembruch erzwingen, oder lässt sie sich moderieren? Ist eine Bürgerversicherung die Lösung, die alle Bürger unabhängig von ihrem Beschäftigtenstatus in die gesetzliche Renten- und Krankenversicherung einbezieht, also etwa auch Beamte und Selbstständige? Welche Maßnahmen sind notwendig, um die Finanzierung tragfähiger zu machen und die Lasten fair auf die Generationen zu verteilen? Können wir uns von den Vorsorge- und Sicherungssystemen in Österreich oder der Schweiz etwas abschauen? Wie müssen die Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit und der Bedarfsgerechtigkeit in Zukunft austariert werden?Über diese und weitere Fragen spricht Georg Cremer mit Martin Werding.Prof. Dr. Martin Werding ist seit September 2022 Mitglied des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Seit 2008 ist er Professor für Sozialpolitik und öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Effekte des demografischen Wandels für die öffentlichen Finanzen, ferner Alterssicherung, Familienpolitik, Grundsicherung und weitere Zweige der Sozialpolitik sowie Bevölkerungsökonomie und Arbeitsmarktpolitik. Martin Werding war außerdem als wissenschaftlicher Politikberater für das BMFSFJ, das BMF, für den Vierten Armuts- und Reichtumsbericht sowie für den Expertenrat Demografie des BMI tätig.Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016.
“1989. Das Jahr beginnt”
2024/11/07
Zsuzsa Breier komponiert aus historischen Momenten, Zitaten und Archivtexten aus Ungarn, der BRD und der DDR einen Zeitstrom, der staunen und mitunter auch erschaudern lässt. Das dichte Panorama vereint Alltagsmenschen und Funktionäre, hohe Politik und vergessene Schicksale, Hoffnung und Niedertracht, Hellsichtigkeit und Verblendung. Mitunter kann es im Rückblick verblüffen, welche Ereignisse tatsächlich parallel geschahen. In seinem Grundgestus setzt das Buch all denen, die diktatorischer Gewalt mit Mut und Hoffnung begegneten – im Kleinen oder im Großen – ein Denkmal, ohne sich über die Zeitgebundenheit der Handelnden zu erheben. Das Buch bewahrt zugleich das Wissen um die Bedeutsamkeit der Freiheitsbestrebungen in den osteuropäischen Gesellschaften und hier insbesondere Ungarn davor, von nachfolgenden Enttäuschungen untergepflügt zu werden. Zsuzsa Breier, in Budapest geboren, erlebte das Jahr 1989 in Ungarn. Sie promovierte über Max Frisch, forschte zur deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, initiierte und leitete das Kulturjahr der Zehn und war Staatssekretärin für Europaangelegenheiten in der Hessischen Landesregierung. Seit 2016 ist sie freie Autorin und Publizistin und lebt in Berlin. Durch Lesung und Gespräch führt der Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Bernhard Viel.
Ordnungspolitischer Salon: Schieflagen des Sozialstaats – wie kann er zukunftsfähig werden?
2024/07/26
„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ So die Formulierung des Sozialstaatsprinzips im Grundgesetz. Der Staat soll nicht allein formelle Rechtsstaatlichkeit sicherstellen, sondern Bedingungen schaffen, die ‚soziale Gerechtigkeit‘ ermöglichen. Soziale Gerechtigkeit ist kein Synonym für Gleichheit, andererseits können sich Bürgerinnen und Bürger in der Demokratie nur als Gleiche begegnen, wenn sie dafür die materiellen Grundlagen haben und ihre Teilhabe gesichert ist. Welche Ungleichheiten muss der Sozialstaat bekämpfen, welche sind zu akzeptieren? Wieviel Einzelfallgerechtigkeit ist möglich, wo sind Pauschalisierungen angemessener? Im Fokus von Reformforderungen stehen aktuell die Verzahnung von Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung sowie die Zukunft der Rente angesichts der demographischen Herausforderung. Welche Zielvorstellungen sollten leitend für Reformen sein? Darüber spricht Georg Cremer mit Rainer Schlegel. Prof. Dr. Rainer Schlegel trat 1987 in die Sozialgerichtsbarkeit ein. 1997 wurde er zum Richter, 2008 zum Vorsitzenden Richter am Bundessozialgericht ernannt. Von 2010 bis Ende 2013 war er Leiter der Abteilung Arbeitsrecht und Arbeitsschutz im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Nach Rückkehr an das Bundessozialgericht wurde er im Juli 2014 dessen Vizepräsident. Am 1. Oktober 2016 wurde Prof. Dr. Rainer Schlegel zum Präsidenten des Bundessozialgerichts ernannt. Seit Februar 2024 ist er im Ruhestand. Prof. Dr. Georg Cremer ist Volkswirt und Publizist. Er war von 2000-2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Zu seinen sozialpolitischen Publikationen gehören: Sozial ist, was stark macht. Warum Deutschland eine Politik der Befähigung braucht und was sie leistet. Freiburg 2021; Deutschland ist gerechter, als wir meinen. Eine Bestandsaufnahme. München 2018; Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? München 2016.
Peter Schäfer: Das aschkenasische Judentum // Herkunft, Blüte, Weg nach Osten.
2024/07/09
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer hat in seinem jüngsten Buch deren wechselvolle Geschichte aus der Perspektive der aschkenasischen Juden nachgezeichnet und wird im Gespräch mit Gesine Palmer die besonderen Aspekte dieser Geschichte hervorheben. Peter Gößwein wird aus den Quellentexten, die hier teilweise von Peter Schäfer neu übersetzt wurden, lesen. Ein frühes Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer, Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Peter Schäfer kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage – jenseits einiger bis heute verbreiteten Klischeevorstellungen – den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Sein Buch erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittelalter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittelalterliche Deutschland und in die Antike zurück. Peter Schäfer, Professor em. für Judaistik, lehrte an der Freien Universität und der Princeton University und war bis 2019 Direktor des Jüdischen Museums Berlin.
Zum Bilderverbot. Studien zum Judentum im späten Werk Max Horkheimers
2024/06/13
Als die Kritische Theorie in Deutschland breiter rezipiert wurde, war ihren Leser:innen wohl bewusst, dass ihre Begründer, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno als Juden ins Exil vertrieben und von dort nach der Shoa wieder zurückgekehrt waren. Die unermüdliche Bildungsarbeit der beiden Philosophen war getrieben von dem Auftrag, im Land der Täter das „Nie wieder!“ zu vermitteln. Wie sehr gerade Max Horkheimer sein Konzept von Herrschafts-, Ideologie- und Gesellschaftskritik in der jüdischen Tradition verankert, ist in der Rezeption wenig bemerkt worden. Kritik an „falscher Positivität“ hat ihre Wurzel bereits im biblischen Bilderverbot. In ihrer Arbeit über Max Horkheimer und seine Treue zum „säkularen Judentum des 20. Jahrhunderts“ bringt Yael Kupferberg die Tradition hinter dem Aufklärungsimpuls zur Entdeckung. Prof. Dr. Yael Kupferberg ist Literaturwissenschaftlerin am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin.
Papst und Zeit. Heilsgeschichte und Weltpolitik
2024/04/29
Am 7. März 2024 erschien das umfängliche Buch “Papst und Zeit. Heilsgeschichte und Weltpolitik” im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Die Buchvorstellung am 12. März wird einige ausgewählte Aspekte diskutieren. In der Einleitung charakterisiert Otto Kallscheuer seinen Angang folgendermaßen: “PAPST UND ZEIT – Dumpf mag dieser Titel tönen, oder allzu erhaben, auf fundamentalontologische Tonart gestimmt. Doch es geht in diesem Buch nicht um Holzwege im Unbegangenen, sondern … um Macht: um die Macht (in) der Kirche, um die Vollmacht ihres Chefs, um den Wandel und die Zukunft dieser Institution. Zugegeben, ich hätte auch den Titel PONTIFEX UND SAECULUM wählen können. Das klingt weniger flott, meint aber dasselbe: Als Oberhaupt der weltgrößten Institution (mit weit über einer Milliarde Mitglieder) beansprucht der Papst geistliche Macht – aber er übt diese aus in unserer weltlichen Zeit. Der Papst ist ein PONTI-FEX, ein Brücken-Bauer: zwischen dem vor aller Zeit, in der Ewigkeit gründenden göttlichen Willen und dem Handeln sterblicher Menschen in der Weltzeit – auf Kirchenlateinisch: im Saeculum. WORT UND WELT – Darum braucht die Analyse des Papsttums beides, theologische Semantik und Weltgeschichte. Um diese Institution zu begreifen, um die Ziele und das Handeln der Päpste zu verstehen, dürfen wir uns nicht auf nur eine der beiden Dimensionen beschränken: Beide Instanzen (in)formieren, strukturieren, modifizieren einander wechselseitig. Das ewiggeltende WORT Gottes (der Logos allen Sinns von Sein) hat unter uns gewohnt – in der Zeit. Diese Frohe Botschaft verkündet uns die Kirche: ebenjenes Corpus, dem der Papst vorsteht. Aufgabe der Kirche und Job des Papstes ist es, dieses WORT so zu artikulieren, dass es der Welt verständlich wird: auf dass es die Wirklichkeit von (uns) Sterblichen zu berühren, zu verändern, zu heilen vermag. GESCHICHTE UND AKTUALITÄT – Hier folgt keine neue Geschichte des Papsttums, die sich chronologisch von Pontifex zu Pontifex hangelt. (Wo sollte man da überhaupt anfangen?) Und auch kein weiteres Buch über Papst Bergoglio. Freilich stehen auch die Pontifikate, die Profile und Projekte heutiger und morgiger Päpste von vorneherein im Focus. Dieses Buch versucht eine konzeptionelle oder Problemgeschichte des Papsttums. Wer will, kann auch Theorie sagen. Eine deduktive Theorie allerdings ist hier nicht möglich – eher schon eine historische Semantik: Der weltliche Erfahrungsraum des Corpus der Kirche hat sich in zwei Jahrtausenden verändert, ihr politischer Horizont erweitert, vom römisch-hellenistischen Mediterran bis zur Globalisierung.” Detlef Pollack diskutiert mit Otto Kallscheuer über ausgewählte Abschnitte aus dieser historisch-politikwissenschaftlichen Vermessung des Papsttums: die „Päpstliche Revolution“ des 11.-12. Jahrhunderts, Reformation und Tridentinum, die Entwicklung der Sakramente, sowie in der Moderne das Verhältnis von Demokratie und Kirche mit einem Ausblick auf aktuelle Herausforderungen für das Papstamt.

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