
Werben im Podcast: Die Geldfrage
Dieser Podcast hat
41 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Dezernat ZukunftExplizit
Nein
Erstellt am
2025/04/14
Neueste Episode
2026/10/06
Durchschnittsdauer
40 min.
Veröffentlichungsintervall
19 Tage
Beschreibung
Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“ beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen oder Feedback schreibt an [email protected]
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Nach dem PISA-Schock: Chancen im Schulalltag
2026/10/06
Die PISA-Ergebnisse sind so schlecht wie nie, und laut der neuen Schulleitungsstudie ist nur rund ein Drittel der Schulleitungen mit der Situation an der eigenen Schule zufrieden. Was heißt das im Alltag einer einzelnen Schule?
Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Tilmann Kötterheinrich-Wedekind, Schulleiter des Hermann-Ehlers-Gymnasiums in Berlin-Steglitz-Zehlendorf. Sein Befund: Die entscheidende Ursache der schwachen PISA-Ergebnisse ist nicht Corona und auch nicht Social Media, sondern vor allem soziale Ungleichheit. Fast nirgendwo in der EU hängt Bildungserfolg so stark von der Herkunft ab wie in Deutschland.
Kötterheinrich-Wedekind gibt außerdem Einblicke in die Zahlen einer Schule: Wie groß ist der finanzielle Spielraum, den ein Schulleiter tatsächlich hat? Welche Rolle spielt Datenanalyse bei der Bekämpfung von Lernlücken? Und wieso ist die eigene Lehrkräfteausbildung eine der wirksamsten Antworten auf den Lehrermangel? Am Ende geht es um die großen Stellschrauben: zentralere Steuerung von Lehrkräften statt Konkurrenz zwischen Bundesländern und Bezirken, ein bundesweites Sanierungsprogramm für Schulgebäude und mehr Zeit für persönliche Beziehungsarbeit statt reiner Unterrichtsverpflichtung.
Das Wichtigste:
• Der finanzielle Spielraum eines Schulleiters ist klein: Von einem Gesamtbudget inklusive Personalkosten von 4 bis 4,5 Millionen Euro kann er nur über rund 150.000 Euro frei verfügen.
• Förderbänder statt Fachunterricht: individuelle, leistungsdifferenzierte Förderung unabhängig vom Lehrplan, hilft Schüler:innen Basiskompetenzen wie Rechnen und Sprache aufzuholen.
• Eigene Lehrkräfteausbildung als Rezept gegen Lehrermangel: Wer schon im Studium an die Schule gebunden wird, bleibt später eher an der Schule.
• Sanierungsstau als Dauerzustand: Aktuell müssen Schulen teilweise bis zu 15 Jahre auf einen Sanierungszuschuss warten aufgrund von aufgestauten Bedarfen.
• Politische Vorschläge: ein bundesweites Sanierungsprogramm für Schulgebäude, zentralere Steuerung von Lehrkräften statt Wettbewerb zwischen Ländern und Bezirken, und weniger Unterrichtsverpflichtung zugunsten individueller Förderung.
Zum Nachlesen/Nachhören:
• Die aktuellen PISA-Ergebnisse für Deutschland gibt es hier.
• Hier gibt es mehr zum erwähnten Buch von Ties Rabe "Endlich mal anfangen. Was Kinder und Schulen wirklich brauchen, um Bildung zu sichern".
• Wer erfahren will, welche Maßnahmen im Klassenzimmer besonders erfolgreich sind, findet auch Antworten in der viel zitierten Meta-Studie von John Hattie.
• Der neue OECD-Report "Bildung auf einen Blick 2026" beschäftigt sich insbesondere mit dem Lehrkräftemangel.
• Den Geldbrief des Dezernat Zukunft, in dem Hanna Merki, Dr. Florian Schuster-Johnson und Philippa Sigl-Glöckner die wirtschaftlichen Folgen der PISA-Ergebnisse einordnen, gibt es hier.
• Die neueste Schulleitungsstudie gibt es hier.
Maultaschen, Milliarden und die Mütterrente: Ein Blick ins Zahlenwerk des Bundeshaushalts
2026/07/30
Der Bundeshaushalt ist ein 3000-Seiten-PDF in Verwaltungssprache, aber wer ihn richtig liest, findet mehr über unsere Gesellschaft heraus, als man denkt. Dafür hat das Dezernat Zukunft zwei interaktive Tracker entwickelt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit DZ-Data-Scientist Alexander Marx über die beiden neuen interaktiven Dashboards des Dezernat Zukunft: der Haushalts-Tracker, der jeden Haushaltstitel seit 2016 erfasst, kategorisiert und ihn auch für Menschen ohne Vorwissen durchsuchbar macht, und den Investitions-Tracker, der private Unternehmensinvestitionen von der Ankündigung bis zur Umsetzung verfolgt.
Beide Datensätze erzählen ähnliche Geschichten. 22 Prozent der Haushaltsausgaben gehen ins Alter, fast exakt der Bevölkerungsanteil über 65. Auch die Investitionsdaten zeigen den demografischen Wandel, mit starkem Wachstum bei Kliniken, Pharma und Biotech. Im Haushalt finden sich zudem lange Linien, von DDR-Rentenzahlungen über Corona-Hilfen bis zu Flutschäden. Und politische Kompromisse wie Rente mit 63 und Mütterrente lassen sich bis heute in einzelnen Titeln nachverfolgen.
Das Wichtigste:
Der Haushalts-Tracker erfasst alle Bundeshaushalte seit 2016 auf Titelebene und kategorisiert sie nach Verwendungszweck. Damit man nicht die Verwaltungssprache kennen muss, hat das Team zusätzlich Begriffe aus der politischen Debatte auf die Titel gelegt. Wer nach Mütterrente sucht, findet sie, obwohl sie im Haushalt als Beitragszahlungen für Kindererziehungszeiten geführt wird. Der Investitions-Tracker verfolgt angekündigte Unternehmensinvestitionen und ob sie tatsächlich umgesetzt werden.Die Rente im Bundeshaushalt: 22 Prozent der Bundesausgaben fließen ins Alter, 23 Prozent der Bevölkerung sind über 65. Haushalt und Demografie laufen parallel, auch bei privaten Investitionen in Gesundheit und Pharma. Die Digitalausgaben sind stark gewachsen. Von 17 Titeln mit rund 450 Millionen Euro 2016 auf 35 Titel mit knapp 10 Milliarden Euro heute. Die Zahl der Titel hat sich verdoppelt, das Volumen verzwanzigfacht.Der Haushalt reicht weit zurück. Über eine Milliarde Euro für Rentenleistungen an ehemalige NVA-Angehörige, Zahlungen an NS-Opfer, ein sichtbarer Corona-Buckel zwischen 2020 und 2023Zum Nachlesen/Nachhören:
Der neue Haushaltstracker des Dezernat Zukunft.
Der neue Investitionstracker des Dezernat Zukunft.
Mehr zur Investition von Sanofi in das Insulinwerk.
Mehr zum Erdinger Datenzentrum.
Ein Artikel der Zeit über das Geschäftskonzept der Harry Bäckerei.
Bundeshaushalt 2027 (Die Geldfrage live)
2026/07/06
Am 6. Juli 2026 hat das Kabinett den Bundeshaushalt 2027 verabschiedet. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson haben diese Folge live aufgenommen (die Soundqualität kann daher eine andere als sonst sein) und analysieren, was drinsteckt und was fehlt. Ihr zentraler Befund: Verteidigung prägt diesen Haushalt wie nie zuvor und überholt erstmals die Rente als größten Posten. Die öffentliche Spardebatte trifft dagegen Größenordnungen, die das eigentliche Problem kaum berühren.
Das Wichtigste:
Verteidigung ist das Thema des Haushalts. Mit rund 150 Milliarden Euro überholt sie erstmals die Rente. Etwa ein Fünftel der Bundesausgaben fließt in Verteidigung, und sie erklärt fast 75 Prozent der Neuverschuldung. Das Defizit des Bundes dürfte 2027 bei rund 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.Die Spardebatte verfehlt die Dimension. Beim Sparen geht es meist um hunderte Millionen, bei der Verteidigung um hunderte Milliarden. Die 20-Milliarden-Lücke wurde vor allem über Haushaltstechnik geschlossen, über Rücklagen, Verschiebungen zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen und Entnahmen aus dem Klima- und Transformationsfonds.Es wird in Beton investiert, weniger in Köpfe. Straße, Schiene, Krankenhäuser, Digitalisierung stehen im Vordergrund. Die Kitas bekommen unterm Strich rund eine Milliarde weniger, obwohl Bildung und Betreuung für den technologischen Anschluss an China und die USA zentral wären.Der deutsche Fiskalrahmen zwingt zu Kurzfristdenken. Die Schuldenbremse rechnet jährlich ab, dazu kommt ein zweites, europäisches Regelwerk. Beide Regime auf denselben Haushalt zu legen, erzeugt Komplexität. Die 2024 reformierten europäischen Regeln mit ihrer mittelfristigen Perspektive wären eine bessere Blaupause.
Zum Nachlesen:
Mit unserem Haushaltstracker können Sie den Haushalt selbst durchsuchen.
Unsere neueste Ausgabe des Geldbriefs behandelt ebenfalls den Bundeshaushalt 2027.
Können die USA es sich leisten, Europa bei KI auszusperren?
2026/06/23
Die USA haben Europa den Zugang zu Claude Mythos, dem leistungsstärksten Modell von Anthropic, gesperrt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Paul Görlich vom Dezernat Zukunft darüber, ob ein vollständiger KI-Abschnitt Europas realistisch ist und was das Szenario "Europe 2031", ein vielbeachtetes Zukunftsbild einer Gruppe von KI-Experten, richtig und falsch einschätzt.
Das Wichtigste:
Die US-Hyperscaler planen bis 2031 ungefähr 5,2 Billionen Dollar Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur. Allein 2026 werden rund 700 Milliarden Dollar ausgegeben, ungefähr dreimal so viel wie das gesamte Apollo-Programm. Wer Europa ausschließt, kann diesen Ausbau nicht refinanzieren. Ein vollständiger Abschnitt Europas wäre für die US-Labs ein doppeltes Eigentor: Er würde den Markt kampflos an chinesische Open-Source-Modelle übergeben, die bereits heute nur ungefähr vier bis sechs Monate hinter den amerikanischen Frontier-Modellen liegen. Europa hat kein eigenes Frontier-Modell und keinen Chip-Hersteller auf NVIDIA-Niveau. Dafür hält es einen entscheidenden Hebel weiter oben in der Wertschöpfungskette: ASML und sein Exzellenzcluster aus deutschen Zulieferern wie Trumpf und Zeiss produzieren die einzigen Maschinen der Welt, mit denen Chips der neuesten Generation hergestellt werden können. Die EU plant 20 Milliarden Euro für große Datenzentren, die europäische Grundlagenmodelle trainieren sollen. Das Geld wäre besser in Infrastruktur investiert, die KI-Modelle laufen lässt statt sie zu trainieren, und in die Breitenadoption von KI im Mittelstand.Zum Nachlesen/Anschauen:
Programm der EMPN Conference (Link zum Stream auf LinkedIn, auf X vormittags (9:30–13:30 CEST) und auf X nachmittags (14:00–18:00 CEST))
Europe 2031 Projekt
KI-Modellpreise
Adoption Index und Ausgaben für die USA
China & KI im High Capacity Podcast
Fantastisches Energiekapital und wo es zu finden ist
2026/06/04
Ein Drittel der Stromkosten entsteht im Verteilnetz. Und das steht unter Druck: Solarstrom fließt dezentral ein, E-Autos laden, Wärmepumpen ersetzen Gas. Die rund 900 deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen bis 2045 rund 647 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze investieren. Doch vielen kommunalen Stadtwerken fehlt dafür das Eigenkapital. Die Lücke, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, beträgt 13 Milliarden Euro bis 2035.
Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds.
Das Wichtigste:
Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken. Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert. Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.Zum Nachlesen/Nachhören:
Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“
Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert.
Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind.
Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt.
Die Geschichte der Stromnetze
Die neuen Eckwerte: Zwei Haushalte in einem
2026/04/29
Heute hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt. Die Ausgaben sind 36 Milliarden Euro höher als zuletzt geplant, und trotzdem soll irgendwie gespart werden. Wie passt das zusammen?
Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben.
Das Wichtigste:
Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft.Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt.Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen.Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen.
Zum Nachlesen:
Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027
Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts
Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
Chinas massiver Vorsprung: Roboter-Revolution in den Fabriken
2026/04/17
Mehr Roboter, weniger Menschen und Automatisierung in Rekordzeit: Ein Blick nach China zeigt, wie sich die industrielle Produktion gerade verändert.
Gemeinsam mit Tech-Investor Andreas Fischer spricht Philippa Sigl-Glöckner über dessen Reise durch chinesische Fabriken und die Frage, was die dortigen Entwicklungen für den Technologiestandort Deutschland bedeuten.
Das Wichtigste:
In chinesischen Fabriken wird die Automatisierung massiv vorangetrieben. Mittelfristig könnte 30 bis 50 Prozent der Fertigungsarbeit durch Roboter ersetzt werden. Dabei setzt China vor allem auf Cobots, also kollaborative Roboter. Diese können direkt mit Menschen zusammenarbeiten und rentieren sich häufig schon nach wenigen Monaten.Die rasante Entwicklung stellt nicht nur China vor gesellschaftliche Herausforderungen. Eine entscheidende Frage: Nehmen die Roboter uns Arbeit ab oder weg?Für Deutschland gilt: Um im Wettbewerb mitzuhalten, müssen technologische Innovationen schneller skaliert und besser kommerzialisiert werden.Zum Nachlesen:
John Maynard Keynes: Economic Possibilities for our Grandchildren
Die Studie von Frey und Osborne: The Future of Employment
Leseempfehlung von Andreas Fischer: Works in Progress
America’s Seed Fund
Studie über den Einsatz von Cobots
Waffenruhe im Iran? Unsicherheit und Inflationsdruck bleiben
2026/04/08
Die USA und Iran haben sich auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Was ist davon zu halten und wie entwickeln sich jetzt die Preise? Philippa Sigl-Glöckner und Janek Steitz analysieren, wie stabil die Lage ist, warum die Märkte optimistisch sind und welche Risiken für Europa bestehen.
Das Wichtigste:
Der Waffenstillstand ist fragil: Beide Seiten halten an ihren Maximalpositionen fest. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar.Auch wenn die Energiepreise jetzt fallen – das Preisniveau bleibt hoch und könnte die Inflation weiter antreiben.Selbst im besten Fall droht zusätzliche Inflation, die Wachstum und Wohlstand gefährden kann.Europa ist verwundbar: Wir sind abhängig von Öl- und Gasimporten und spüren höhere Energiepreise sofort.Aber: Durch konsequente Elektrifizierung, den Ausbau der Erneuerbaren und mehr Speicherkapazitäten kann man sich von fossilen Energien unabhängig machen und Inflation mittelfristig abfedern.Zum Nachlesen:
Geldbrief des Dezernat Zukunft zum Irankrieg von Anfang März
Geldbrief des Dezernat Zukunft über Preisbildung
Clusterfuck Wohnungspolitik
2026/03/31
Jedes Jahr gibt der Staat rund 30 Milliarden Euro für Wohnen aus und trotzdem wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Wie passt das zusammen?
Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Sara Schulte. Gemeinsam klären sie, wie die deutsche Wohnungspolitik heute funktioniert, warum ein Großteil der Mittel gar nicht in neuen Wohnraum fließt und wie politische Entscheidungen der 2000er Jahre die aktuelle Lage geprägt haben.
Das Wichtigste:
Rund 80 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Subjektförderung – also in Wohngeld und die Übernahme von Mieten. Nur 20 Prozent bleiben für die Objektförderung, welche Bau, Erwerb und Modernisierung von Wohnraum unterstützt.Bis Anfang der 2000er Jahre war das Verhältnis von Subjekt- und Objektförderung noch umgekehrt. Seitdem wurde der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren, während die Hartz-Reformen mit den Kosten der Unterkunft ein neues Instrument der Subjektförderung schufen.Wenn der Staat Wohnkosten übernimmt, treibt das die Mieten weiter nach oben – besonders in ohnehin angespannten Wohnungsmärkten. So fördert man sich in eine wohnpolitische Zwickmühle.Eine Reduktion der Subjektförderung ist nicht ohne Weiteres möglich. Echte Entlastung lässt sich nur langfristig erreichen: Es braucht höhere Investitionen in den Wohnungsbau, auch wenn das kurzfristig zusätzliche Mittel erfordert.Zum Nachlesen:
Hier der erwähnte Artikel der Zeit über die Studie
Studie des Dezernat Zukunft „Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik“
Der Bundeshaushaltsmonitor des Dezernat Zukunft
Klingbeils Reformrede und warum schnelles Sparen nicht funktioniert
2026/03/27
Lars Klingbeil hat bei der Bertelsmann Stiftung eine vielbeachtete Rede gehalten, über Reformen, den schwächelnden Arbeitsmarkt und den Bundeshaushalt. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson rechnen die Reformvorschläge einmal durch.
Beim Arbeitsmarkt macht Klingbeil konkrete Vorschläge:Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren, mehr Anreize für Erwerbstätigkeit. Aber ab 2028 fehlen jährlich 60 bis 70 Milliarden Euro, und von den 76 Milliarden, über die der Bund noch frei verfügen kann, geht schon die Hälfte für Unternehmenssubventionen drauf. Was bleibt für Bildung, Kitas, Infrastruktur?
Ob Mehrwertsteuer, Schuldenbremse oder neues Wirtschaftsmodell: Diese Folge zeigt, warum kurzfristige Lösungen das Problem oft vergrößern und was wirklich helfen würde.
Das Wichtigste:
Klingbeils Rede enthält echte Arbeitsmarktansätze –Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren –, aber die Frage, in welche Jobs die Menschen gehen sollen, bleibt offen.Ab 2028 fehlen jährlich 60–70 Milliarden Euro im Bundeshaushalt – eine historisch einmalige Lücke, die sich weder durch Rasenmäherkürzen noch durch eine Mehrwertsteuererhöhung nachhaltig schließenlässt.Von den 76 Milliarden Euro disponiblem Spielraum fließt bereits über die Hälfte in Unternehmenssubventionen, vor allem Strompreishilfen – für Bildung, Kitas und Integrationskurse bleibt kaum Raum.Echter Haushaltsausgleich braucht mindestens fünf bis zehn Jahre: Subventionen strukturell abbauen, gleichzeitig in Menschen investieren, auch wenn das kurzfristig erst Geld kostet.Österreich zeigt, wie eine Reform der Schuldenbremse hin zu einem mittelfristigen Finanzpfad nach EU-Vorbild funktionieren kann – und Deutschland könnte davon lernen.Zum Nachlesen/Nachhören:
Der erwähnte Geldbrief des Dezernat Zukunft zur Mehrwertsteuer „Droht jetzt die Mehrwertsteuererhöhung?“
Die Rede von Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung
Der Bundeshaushaltsmonitor ist ab 31.03. auf https://dezernatzukunft.org zu finden.
Inflationsschock durch Iran-Krieg?
2026/03/06
Droht der Welt die nächste Energiekrise? Nach dem US-Angriff auf den Iran ist die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Flüssiggas – faktisch geschlossen. Tanker fahren kaum noch durch die Meerenge, weil Versicherer den Schutz für Schiffe ausgesetzt haben. Gleichzeitig hat der Iran eine zentrale LNG-Anlage in Katar getroffen.
Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Janek Steitz darüber, was diese Eskalation für die globalen Energiemärkte bedeutet – und wann auch in Deutschland die Preise steigen.
Das Wichtigste:
Da die globalen LNG-Märkte kaum Überkapazitäten haben, ist der Gaspreis deutlich empfindlicher: Er stieg in der letzten Woche um etwa 50 Prozent, während der Ölpreis um etwa 20 Prozent zulegte.Besonders betroffen ist Asien, das den Großteil des LNG aus der Golfregion importiert. Jetzt entsteht ein globales Wettbieten um alternative Gaslieferungen.Deutschlands Gasspeicher sind aktuell nur zu 20 Prozent gefüllt. Dass das Gas kurzfristig knapp wird, ist dennoch unwahrscheinlich – nicht zuletzt aufgrund des milden Wetters.Infolge der Energiekrise könnte vieles teurer werden: Je nach Dauer des Krieges droht dem Euro-Raum ein Inflationsschock von bis zu 2 Prozentpunkten.Zum Nachlesen:
Studie des Dezernat Zukunft „Europe’s Trump Cards“
Geldbrief des Dezernat Zukunft „US-Iran-Krieg– Inflationsschock in der EU von 2 Prozentpunkten möglich“
Faktenblatt zur Straße von Hormus der IEA
Guardian-Artikel über die Schiffsversicherer
Artikel von History Today „The First Tanker War with Iran”
Übersicht Gasspeicher
Die in der Folge erwähnte Schriftliche Anfrage an die Bundesregierung
Europas Trümpfe gegen Trump
2026/02/20
In der 30. Folge von „Die Geldfrage“ diskutiert Philippa Sigl-Glöckner mit ihren Kollegen Janek Steitz und Dr. Maximilian Paleschke über die Machtposition Europas. Während die USA unter Trump 2.0 oft als übermächtig wahrgenommen werden, zeigt unsere Analyse: Europa hat handfeste Hebel – von der Energieversorgung bis hin zu kritischen Industriekomponenten.
Das Wichtigste:
Kein zweites Russland-Szenario: Die Abhängigkeit von US-Flüssiggas (LNG) ist nicht mit der früheren Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas vergleichbar. Der globale Markt wird liquider und flexibler, was Europa ermöglicht, im Notfall leichter auf Alternativen auszuweichen.Industrielle Abhängigkeiten: Europa hält technologische Schlüsselpositionen. Ein Beispiel sind Gasturbinen von Siemens Energy, die für den Ausbau amerikanischer KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Exportbeschränkungen könnten dort massiven wirtschaftlichen Schaden anrichten, der die Kosten für Europa bei weitem übersteigt.Die Macht der Märkte: US-Tech-Giganten hängen stark von den Gewinnen ab, die sie in Europa machen. Da diese Unternehmen einen massiven Anteil an den Rentensparplänen (401k) der US-Bevölkerung ausmachen, würde eine restriktive europäische Position direkt die Altersvorsorge amerikanischer Wähler:innen treffen.Strategische Vorbereitung: Um diese Trümpfe gegen Trump auszuspielen, muss Europa das „Anti-Coercion Instrument“ (ACI) schärfen. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt klären, wie sie entstehende Lasten teilen, damit nationales Klein-Klein die europäische Handlungsfähigkeit im Ernstfall nicht blockiert.Zum Nachlesen:
Studie des Dezernat Zukunft: Europe’s Trump Cards
Geldbrief: Europas Trümpfe gegen Trump
Kanonen, Butter und Schulden: Wer bezahlt die Aufrüstung?
2026/02/06
Fast jeder dritte Euro im Bundeshaushalt könnte bald in die Verteidigung fließen. Wer zahlt das und was bedeutet das für Schulden, Steuern und Sozialausgaben? Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Prof. Dr. Christoph Trebesch vom IfW Kiel darüber, wie Aufrüstung und Kriege seit 1870 finanziert wurden.
Das Wichtigste:
Historisch werden Aufrüstungsphasen selten durch Kürzungen bei Sozialausgaben finanziert – sondern kurzfristig über Schulden.Mittel- und langfristig führt dies zu erheblichen Steuererhöhungen, wobei vor allem Einkommen- und Konsumsteuern steigen – gezielte „Reichensteuern“ spielen nur eine kleine Rolle.Anders als im Krieg hat Aufrüstung in Friedenszeiten nur einen geringen Effekt auf Konsum und Inflation.Entscheidend für die Tragfähigkeit hoher Verteidigungsausgaben bleibt langfristig das Wirtschaftswachstum – und damit Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation.Zum Nachlesen:
Studie von Johannes Marzian & Prof. Dr. Christoph Trebesch „Guns and Butter: The Fiscal Consequences of Rearmament and War”
5-Milliarden-Euro-Chance für den Sozialstaat
2026/01/28
Die Vorschläge zur Sozialstaatsreform liegen auf dem Tisch. Sie können bis zu 5 Milliarden Euro Spielraum im Haushalt bringen. Philippa Sigl-Glöckner und Saskia Gottschalk schauen genau hin: Wo könnte der Vorschlag Arbeitsanreize setzen, wo entstehen Probleme und wie steht der öffentliche Haushalt unterm Strich da?
Das Wichtigste:
Die Sozialstaatskommission schlägt vor, mehrere Leistungen zu einer einheitlichen Grundsicherung zusammenzuführen und die Anrechnungsregeln zu vereinfachen, sodass sich Mehrarbeit bei höheren Einkommen spürbar lohnt.Das aktuelle Zusammenspiel aus Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag führt zu Fehlanreizen, bei denen Menschen trotz höherem Einkommen am Ende weniger Geld haben können, was die Reform gezielt beenden soll.Die Reform könnte 100.000 bis 150.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente schaffen und jährliche Mehreinnahmen von rund vier bis fünf Milliarden Euro bringen.Studien zeigen, dass Investitionen in Qualifizierung, Kinderbetreuung und individuelle Unterstützung entscheidend sind, um mehr Menschen dauerhaft in Arbeit zu bringen.Zum Nachlesen:
Studie des Dezernat Zukunft zu den Vorschlägen der Sozialstaatskommission „5 Milliarden Spielraum im Sozialstaat gewinnen“
Was tun bei Nullwachstum? Lehren aus bisherigen Industrie-Turnarounds
2026/01/15
Deutschland steckt wirtschaftlich fest, geprägt durch eine schwache Investition und eine rückläufige Industrieproduktion. Kann Deutschland der industrielle Turnaround gelingen? In dieser Folge sprechen PhilippaSigl-Glöckner und Dr. Maximilian Paleschke über die aktuellen BIP-Zahlen und drei internationale Fallstudien: den südkoreanischen Schiffbau, die schwedische Stahlindustrie und die US-Autoindustrie. Sie zeigen, unter welchen Bedingungen industrielle Comebacks gelingen können und warum sie selten sind.
Das Wichtigste:
Das leichte BIP-Wachstum von 0,2 Prozent wird vom Konsum getragen, während Investitionen und insbesondere Maschineninvestitionen weiter zurückgehen.Historische Beispiele zeigen, dass vollständige industrielle Comebacks aus bestehenden Industrien extrem selten sind und meist nur unter sehr spezifischen Bedingungen gelingen.Erfolgreiche Turnarounds beruhen auf technologischem Vorsprung und hoher Produktivität.In allen untersuchten Fällen spielte der Staat eine zentrale Rolle, allerdings mit sehr unterschiedlichen Instrumenten von strategischer Koordination bis hin zu harter Konsolidierung.Zum Nachlesen/-schauen:
Studie des Dezernat Zukunft: "Comeback Deutschland? Industrie-Turnarounds und was wir von ihnen lernen können"
Lars Klingbeil bei der DIW 100 Lecture: Rede und Video
Pressekonferenz Statistisches Bundesamt, Januar 2026
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