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Nachwuchskräfte für Europa e.V. - der neue Podcast aus Stuttgart

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Dieser Podcast hat
16 Episoden
Sprache
German
Herausgeber
Astrid Gehrig
Explizit
Nein
Erstellt am
2021/03/12
Neueste Episode
2026/04/12
Durchschnittsdauer
40 min.
Veröffentlichungsintervall
127 Tage

Beschreibung

Im neuen Podcast von NfE aus Stuttgart geht es um Europa und die EU sowie um aktuelle politische und gesellschaftliche Themen. Hier finden Sie Gespräche mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die alle mit Europa und der EU zu tun haben. Gleichzeitig lernen Sie den Menschen hinter Funktion und Amt kennen.

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Wer lernt von wem? MAGA und Europas neue Rechte
2026/04/12
Wie wichtig das kleine Ungarn für die MAGA-Bewegung ist, zeigt sich dieser Tage. Kein Geringerer als der US-amerikanische Vizepräsident JD Vance ist als Wahlkampfhelfer für den ungarischen Premier Viktor Orban unterwegs. Annett Meiritz weiß, dass dies kein Einzelfall ist. Die MAGA-Republikaner mischen sich inzwischen verstärkt in europäische Wahlkämpfe ein, unterstützen die hiesigen Rechtspopulisten und stellen sich an die Seite von Parteien, die das freiheitliche, liberale, rechtsstaatliche, demokratische und geeinte Europa zerstören wollen. Sie sagt: Nationalistische Bewegungen schließen sich da zusammen, wo es nützt. Rechte Parteien und Interessenvertreter diesseits und jenseits des Atlantiks schließen sich international schneller als je zuvor zusammen. Beide Lager lernen voneinander, beobachten intensiv, was wie funktioniert und übernehmen erfolgreiche Strategien des anderen. Intensiv wird so im MAGA-Lager das strategische Playbook des Brexit analysiert, intensiv wird am Export des Trumpismus nach Europa gearbeitet. Zwar sei man diesseits und jenseits des Atlantik durchaus nicht immer einer Meinung, beobachtet Annett Meiritz, man verfolge aber dasselbe Ziel: die demokratische Mitte zu zerrütten sowie globale Strukturen und Institutionen zu schwächen. In Europa ist die EU ist zum Angriffsziel Nummer 1 geworden. Alles, was gegen das Establishment genutzt werden kann, wird von MAGA genutzt. Um ein Trump-Europa zu formen, stärken die MAGA-Überzeugten die europäischen Rechten. So wie in Ungarn. Wer lernt von wem? Und wie läuft dieser transatlantische Schulterschluss tatsächlich ab? Im Gespräch mit Annett Meiritz geht es nicht nur darum zu verstehen, wie die Trump-Bewegung Europa erobert, sondern auch welche transatlantischen Netzwerke es gibt und wie sie bespielt werden. Annett Meiritz hat als Journalistin u.a. für Spiegel Online und von 2017 bis 2025 als US-Korrespondentin des Handelsblatts in Washington gearbeitet. Das Buch„Die Allianz der neuen Rechten. Wie die Trump-Bewegung Europa erobert“ (gemeinsam mit Juliane Schäuble) erschien 2025.
Tödliche Evolution: der Drohnenkrieg in der Ukraine . NfE e.V. im Gespräch mit dem Kriegsreporter Till Mayer
2025/12/27
Manchmal wache er morgens auf und frage sich, ob alles nur ein böser Traum sei, so unlängst Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser tägliche Albtraum ist der Krieg in der Ukraine und Alltag für die Menschen seit Februar 2022. Für die Menschen im Donbas sogar seit 2014. Russland überzieht die Ukraine täglich mit Drohnen-, Raketen- und Fliegerbombenangriffen. Diese richten sich mitnichten nur gegen militärische Stellungen. Gezielt wird die zivile Energieinfrastruktur angegriffen mit dem Ziel, dass die Menschen in der gesamten Ukraine frieren, keinen Strom haben, zermürbt werden und schlussendlich aufgeben. Was macht so ein Krieg mit einer Gesellschaft? Wie steht man zu den Bemühungen der USA und Europas, wenigstens in Ansätzen zu Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine zu kommen? Till Mayer positioniert sich hier ganz klar: Ein Frieden zu russischen Bedingungen würde den russischen Präsidenten nur zu weiteren Aggressionen ermutigen. Dass mit einer ukrainischen Kapitulation auch der Konflikt enden würde, ist für ihn einfach nur naiv. Der Kriegsreporter sagt: „Die Leute wissen: Verlieren sie den Krieg, ist ihre Freiheit weg.“ Den Krieg in der Ukraine begleitet und dokumentiert er seit 2017 und zwar an vorderster Front, sei es in Charkiw, Cherson, Bachmut, Kramatorsk, Konstjantyniwka oder Pokrowsk. Er berichtet von einer Frontzone, die ständig näher rückt und in der Sichtbarkeit tödlich ist. Er kennt das Sirren der Drohnen, das Dröhnen der Einschläge und die Wucht der Explosionen. Er beschreibt verlassene Landstriche und totale Verwüstung. Er begleitet ukrainische Drohnenpiloten und Evakuierungsteams. Er spricht mit Folterüberlebenden und entlassenen Kriegsgefangenen. Er erzählt von Deserteuren und denen, die sich freiwillig zur Armee melden. Er erzähle den Krieg anhand der Menschen, denen er begegne, sagt Till Mayer. Mit großem Respekt und Einfühlungsvermögen porträtiert er seine „Helden“. Und verglichen mit dem alltäglichen Terror, dem die Menschen in der Ukraine seit vier Jahren ausgesetzt sind, seien die Gefahrensituationen, in die er sich als Journalist begebe, wirklich nur „Peanuts“. Till Mayer (*1972) ist ein mehrfach ausgezeichneter Kriegsreporter und Fotograf aus Bamberg, seine Reportagen erscheinen u.a. in der „Augsburger Allgemeinen“ und der „Frankfurter Rundschau“. Seit vielen Jahren hält er die Langzeitfolgen von Konflikten und Kriegen in seinen Fotos und Reportagen fest. Diese werden europaweit in Ausstellungen gezeigt, und er ist Autor mehrerer Bildbände.
Deutsch-polnische Brückenbauer gesucht: Schwierige Zeiten nach der Präsidentschaftswahl
2025/09/06
NfE e.V. im Gespräch mit Monika Sus, Professorin an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau und Expertin im Team Europe Direct Poland Mit Karol Nawrocki hat Polen einen Präsident ins Amt gewählt, der von der rechtskonservativen PiS-Partei unterstützt worden war. Polens Premierminister Donald Tusk hatte bei den Wahlen auf einen langjährigen Vertrauten seiner Partei Bürgerplattform (PO) gesetzt, den liberalen Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski. Mit ihm im Präsidentenamt sollte endlich der Weg frei gemacht werden für die lange versprochenen Reformen. Es ist anders gekommen. Die Kohabitation zwischen der Mitte-Links-Regierung unter Tusk und einem rechtskonservativen Präsidenten geht in eine neue Runde. Eineinhalb Jahre bereits musste die Regierung unter Tusk mit dem PiS-Präsidenten Andrzej Duda klarkommen. „Wir werden Präsident Duda noch vermissen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Monika Sus. Auch wenn dieser der Regierung von Tusk alles andere als zugetan gewesen sei und sein Veto-Recht eingesetzt habe, so habe er doch in seiner 10jährigen Amtszeit eine Wertschätzung für das hohe Staatsamt gezeigt. Mit Nawrocki, so prognostiziert Sus, wird das Regieren für Premierminister Tusk noch schwieriger werden. Auch weil niemand so genau weiß, was von Navrocki zu halten ist. Er ist ein politisch völlig unbeschriebenes Blatt. Auf jeden Fall müsse die Regierung Tusk - ein Bündnis aus Liberalen, Linken und Bauernpartei - jetzt in die Gänge kommen, ihre inneren Konflikte überwinden und zeigen, dass sie trotz Gegenwind aus dem Präsidentenamt in der Lage ist, ihre Reformvorhaben umzusetzen, so die Expertin. Im heutigen Gespräch nimmt uns Monika Sus mit in den polnischen Wahlkampf und erläutert, warum Nawrocki vor allem bei den jungen männlichen Wählern punkten und letztlich mit den Stimmen der rechtslibertären Partei Konfederacja gewinnen konnte. Zum einen sei der Blick der jüngeren Generation auf die EU und auch auf Deutschland wesentlich kritischer als bei der Vorgängergeneration, zum anderen habe die Unzufriedenheit der Wähler mit der Regierung von Donald Tusk eine entscheidende Rolle gespielt. Sie prognostiziert, dass schon bei den nächsten Wahlen das (Dauer)Duell zwischen PiS und Bürgerplattform Geschichte sein wird, weil es an den politischen Rändern jetzt neue, junge und dynamische Parteien gibt. Die Zeit, in der die beiden älteren Herren Donald Tusk und Jaroslav Kaczynski die politische Bühne exklusiv bespielten, sei vorbei. Der polnische Präsident kann zwar nicht selber autoritär regieren, aber er kann Gesetze per Veto blockieren und die Regierung in ihrer Außen- und Europapolitik als zu nachgiebig darstellen. Der Vorwurf der Nachgiebigkeit insbesondere gegenüber Deutschland zielt vorrangig auf Donald Tusk, der seit vielen Jahren vom PiS-Chef Kaczynski als „deutscher Agent“ diffamiert wird. Wie soll in einer solchen Atmosphäre das deutsch-polnische Verhältnis vorankommen? Monika Sus sagt: Indem man von deutscher Seite Polens Premier zur Seite springt und zum Beispiel dafür sorgt, dass das Denkmal für die polnischen Opfer der NS-Herrschaft endlich realisiert wird. Und indem man den polnischen Nachbarn ganz einfach in allen grenzüberschreitenden Formaten und Entscheidungen mitdenkt. Dann hätte es Nordstream 2 vermutlich nicht gegeben. In der polnischen Sicherheitspolitik wird es mit dem neuen Präsidenten keinen Reset geben. Auch er will, dass die Amerikaner in Europa bleiben. Insofern kann die Nähe des neuen Präsidenten zu Donald Trump auch eine Chance sein, sagt Monika Sus. Denn ohne die USA wird es nicht gehen. Aber eben auch nicht ohne Deutschland und Polen, ohne die sich Europa angesichts der veränderten Bedrohungslage nicht wird verteidigen können. Hier sieht sie gute Chancen für künftige Kooperationen zwischen beiden Ländern.
Amerika auf dem Weg zur Autokratie? Trumps radikaler Kurs und das "Project 2025"
2025/02/28
Was passiert gerade in den USA? Schockwellen richten sich gegen die Bürokratie in Washington. US-Präsident Donald Trump zertrümmert mit seinen „executive orders“ die unparteiische Verwaltung wie z.B. USAID, aber auch die von Behörden wie der Bundespolizei und des Justizministeriums. Zur Senkung der Staatsausgaben hat Trump ein Gremium mit dem Namen DOGE (Department of Government Efficiency) gebildet, das an das Weiße Haus angeschlossen ist. Von dort treibt Elon Musk den Umbau des Staatsapparats voran - inklusive Massenentlassungen. Testet der US-Präsident die Grenzen seiner präsidialen Macht aus? Oder sehen wir hier die ersten Zeichen eines Umbaus der amerikanischen Demokratie? Gilt Trump doch die Verwaltung als „Staat im Staat“ (deep state), den es zu bekämpfen gilt. Sind Gewaltenteilung und Unabhängigkeit der Justiz für die Trump-Administration also obsolet? Und welche Gesetze und Normen sind sie überhaupt noch bereit zu befolgen? Diese Art von Staatsaneignung folge einem bestimmten Drehbuch sagt Cathryn Clüver Ashbrook, welches die „Heritage Foundation“ in ihrem „Project 2025“ ausformuliert habe. Der Verwaltungsapparat solle sukzessive übernommen und ein Machtübergewicht der Exekutive hergestellt werden. Besondere Aufmerksamkeit müsse daher den Chefstrategen hinter Donald Trump gelten, denn diese bereiteten alles vor für eine Zeit nach Trump. Wer also sind diese Strippenzieher auch der „Heritage Foundation“? Welche Rolle spielt die Maga-Bewegung? Welche die republikanische Partei? Wer stellt sich dem Ganzen entgegen? Darüber spreche ich mit Cathryn Clüver Ashbrook von der Bertelsmann-Stiftung in Berlin. Seit 2022 ist sie dort Senior Advisor und eine der profiliertesten Kennerinnen der US-Politik und der transatlantischen Beziehungen. Frau Clüver Ashbrook war gerade aus den USA zurückgekehrt und auf dem Weg zur Münchner Sicherheitskonferenz, als unser Gespräch stattfand. Die Aufnahme entstand deshalb unter Kaffeehausbedingungen, weshalb ab und zu typische Hintergrundgeräusche zu hören sind. Dies bitte ich zu entschuldigen.
Schweigen ist keine Option: Der Regimekritiker und Nawalny-Vertraute Alexey Gresko im Gespräch mit NfE e.V.
2024/06/08
Alexey Gresko gehört zum Nawalny-Team und arbeitete für diesen in der Millionenstadt Jekaterinburg - 1700 km von Moskau entfernt und östlich des Urals gelegen. Er kennt mit Alexej Nawalny nicht nur die Gallionsfigur der russischen Opposition, sondern auch die bekannten Regimegegner Leonid Volkov, Ilja Jaschin und Wladimir Kasa-Mursa. Als Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds 2021 verboten wird, hat das auch für Gresko dramatische Folgen: Hausdurchsuchungen, Haft und das Leben im Versteck. Heute lebt Gresko dank eines humanitären Visums mit seiner Familie im südbadischen Freiburg. Dann der Schock über Nawalnys Tod im Februar dieses Jahres. Was wird aus Nawalnys Kampf für ein besseres, ein freieres Russland? Wer kann ihn im derzeitigen Russland überhaupt führen? Im Gespräch mit NfE e.V. erzählt Gresko von den kleinen, anonymen Aktionen des Widerstands in Russland. Eine politische Opposition im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr, Gresko nennt die mutigen Menschen lieber Widerstandskämpfer. Ihre Aktionen zeigten nicht nur ihm im Ausland, sondern auch der russischen Gesellschaft, dass trotz anderslautender Kreml-Propaganda längst nicht alle Russinnen und Russen hinter Putin und seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine stehen. Für Gresko sind sie momentan die einzigen Hoffnungszeichen für ein anderes, ein freieres Russland.
Unterm Radar: Irans Geiseldiplomatie. NfE e.V. im Gespräch mit Mariam Claren, Tochter der in Teheran inhaftierten deutschen Staatsbürgerin Nahid Taghavi
2024/04/14
Die Lage ist mehr als angespannt in Nahost und mit dem Drohenangriff des Iran auf Israel weiter eskaliert. Bislang hatten die von Iran geförderten und ausgerüsteten Milizen seit dem 7. Oktober 2023 ihre Schlagkraft beweisen können, ohne dass Teheran selbst groß aktiv werden musste. Die Arbeitsteilung der „Achse des Widerstands“, wie das Mullah-Regime sein Bündnis aus israelfeindlichen Regierungen und Milizen wie Hamas, Hisbollah und Huthis nennt, funktionierte. Und doch lenkt der Gaza-Krieg ab vom eigentlichen Patron hinter den Milizen. Er lenkt auch ab von einem ganz anderen Drama. Seit Jahren benutzt das Mullah-Regime seine Geiseldiplomatie als außenpolitisches Druckmittel, um eigene Staatsangehörige freizupressen, aber auch um politisch Druck auszuüben. Unter fadenscheinigen Vorwürfen geraten vor allem Doppelstaatler, die ebenfalls eine iranische Staatsangehörigkeit haben, ins Visier der Sicherheitskräfte. Das Schicksal dieser Menschen spielt eine erhebliche Rolle bei der Frage nach dem Umgang mit Iran. Vertreter der iranischen Diaspora fordern seit langem eine härtere Gangart auch der Bundesregierung. So auch Mariam Claren, deren Mutter seit 2020 in den Händen des Mullah-Regimes und im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert ist. Im Gespräch mit NfE e.V. berichtet Mariam Claren über die 200 Tage Isolationshaft, den Scheinprozess und die Verurteilung ihrer Mutter. Die heute 69jährige Nahid Taghavi, Architektin aus Köln, zog als Aktivistin, Frauenrechtlerin und Regime-Gegnerin die Aufmerksamkeit der Revolutionsgarden auf sich. Zu mehr als zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, dient die Deutsche dem Regime seitdem als Faustpfand für ihre sogenannte Geiseldiplomatie. Was aber macht die deutsche Regierung, um ihre Staatsangehörigen aus der Geiselhaft herauszuholen? Diese Frage treibt die Tochter um, denn Mariam Claren kann keine erfolgreiche Strategie erkennen. Während es mehreren europäischen Staaten und den USA im letzten Jahr gelungen ist, Staatsbürger frei zu bekommen, ging Deutschland leer aus. Mit deutlichen Worten kritisiert sie die deutsche Leisetreterei und fordert, Irans Staatsverbrechen öffentlich zu machen.
Kriegsgefahr auf dem Balkan? Die Suche nach einer europäischen Antwort auf territoriale Konflikte. NfE e.V. im Gespräch mit Gerald Knaus von der Europäischen Stabilitätsinitiative e.V. (ESI) in Berlin
2023/11/24
Die Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo ist zu einer gefährlichen Bruchlinie in Europa geworden. Nach umstrittenen Kommunalwahlen im Mai 2023 in mehrheitlich serbischen Gemeinden in Nord-Kosovo gab es teils gewaltsame Proteste, sogar Kfor-Soldaten wurden attakiert. Für Serbien bleibt das Kosovo eine serbische Provinz, die ihr die Kosovaren 1999 mithilfe der Nato entrissen haben. Serbiens Kriegsrhetorik ist heute auf einem neuen Höhepunkt und Gerald Knaus mahnt, dies sehr ernst zu nehmen. Seiner Ansicht nach müsste auf territoriale Konflikte in Europa eine wahrhaft europäische Antwort erfolgen - eine Antwort, in der Grenzen ihre Bedeutung verlieren. Stichpunkte: Binnenmarkt und Schengenraum. Doch das Gegenteil ist der Fall. Den EU-Beitrittsprozess der sechs Westbalkanstaaten bezeichnet Knaus als "absurdes Theater", der zu Apathie und Zynismus führe. Eindringlich wirbt er daher für ein doppeltes Versprechen vonseiten der EU an diese Staaten. Bei entsprechenden, von der EU-Kommission bestätigten Reformen sollten sie binnen fünf Jahren nicht nur dem Binnenmarkt, sondern auch dem Schengenraum beitreten können. Damit wären sie noch lange keine (Voll)Mitglieder mit Vetorecht, aber die Menschen hätten ein erreichbares Zwischenziel vor Augen. Und könnten Druck auf ihre Politiker machen, diese Reformen auch umzusetzen. Für Gerald Knaus ist klar: Es liegt an der EU, den Westbalkan zu verlieren.
Shared and divided memory oder die Frage: Was bindet uns Europäer zusammen? NfE e.V. im Gespräch mit Dr. Constanze Itzel, der Leiterin des Hauses der Europäischen Geschichte in Brüssel
2023/07/02
Ein sechs Meter langes, aufgeblättert auf dem Buchrücken liegendes Papierobjekt. Ein Buch, in dem man alle EU-Rechtsakte bis 2003 findet. Ein einziger Band mit 80 000 Seiten. Zu besichtigen ist dieses Kunstwerk im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel. Für die einen steht es für die Errungenschaft eines gemeinsamen Rechtsraumes, für die anderen ist es ein Sinnbild für die Überregulierung durch überbordende EU- Rechtsvorschriften. Die Museumsmacher legen sich in der Interpretation nicht fest, der Besucher ist selber gefordert. Nicht eindeutig, sondern offen für unterschiedliche Interpretationen, daher multiperspektivisch und mehrdimensional - so sieht Constanze Itzel die ganze Ausstellung in ihrem Haus aufgestellt. Kein Wunder also, dass das riesige Buch eines ihrer Lieblingsexponate ist. Folgerichtig auch, dass es in dem Museum keine Meistererzählung gibt. Nie ging es darum, von oben herab eine scheinbar konsistente europäische Identität zu definieren. "Geschichtsschreibung ist immer Konstruktion", sagt Constanze Itzel, Museumschefin seit 2017. Wenn das Museum also ein europäischer Gedächtnisspeicher werden will, der die Erfahrungen und Interpretationen in ihrer Verschiedenheit und Widersprüchlichkeit umfasst, dann kann das nur durch das Beschreiben gemeinsam erlebter Geschichtsprozesse geschehen. Im Gespräch mit NfE e.V. erzählt sie uns von den Herausforderungen, ein transnationales Ausstellungsnarrativ zu entwickeln, von Mikronarrativen und der Wichtigkeit eines geteilten europäischen Gedächtnisses.
Cold Case Aserbaidschan oder Korruption in Europa
2023/02/05
Heute Europaparlament, gestern Europarat . Der aktuelle Skandal im Europaparlament (EP) zeigt ein weiteres Mal, wie gefährlich Korruption sein kann, wenn Staaten mit Bestechung Politik machen wollen. Eine Vizepräsidentin des EP sitzt in belgischer Untersuchungshaft. Der Verdacht: Ein Golfstaat habe mit großen Geldsummen und Geschenken wirtschaftliche und politische Entscheidungen beeinflussen wollen.  2012 sorgte ein Bericht der Berliner Denkfabrik "Europäische Stabilitätsinitative" (ESI) mit dem Titel "How Azerbaijan silencend the Council of Europe" für ein mittleres politisches Erdbeben. Das Wort von der "Kaviardiplomatie" machte die Runde. Es ging um die postsowjetische Republik Aserbaidschan und den 1949 in Straßburg gegründeten Europarat. Bestochen wurden damals Abgeordnete des Europarates. Das Ziel: Unterstützung der eigenen Außenpolitik und Einflußnahme. Noch heute verweist Präsident Ilham Alijew bei Fragen zu Demokratie und Menschenrechten darauf, dass der Europarat 2013 dazu einen kritischen Bericht ablehnte. Mehrere Personen wurden in diesem Zusammenhang wegen Korruption verhaftet, gegen zwei deutsche konservative Politiker laufen die Ermittlungen noch. Zu Aserbaidschans Ressourcen gehören auch Öl und Gas, dadurch steigt seine außenpolitische Bedeutung - gerade jetzt. Unser heutiger Gesprächspartner Gerald Knaus leitet die ESI, er ist Südosteuropa-Experte und Politikberater. Er sagt, dass Aserbaidschan den Europarat mehr verändert habe als umgekehrt. Er sagt, Aserbaidschan habe die Glaubwürdigkeit dieser Organisation zerstört. Deshalb appelliert er eindringlich an den Europarat, seine eigene Satzung ernst zu nehmen und den Mitgliedsländern rote Linien aufzuzeigen.  Warum für Gerald Knaus der Europarat und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dennoch unverzichtbar und heute sogar wichtiger denn je sind, erläutert er in unserem Gespräch.
Die Rückkehr der Geopolitik: Systemkonfrontation und neue Konfliktordnung in Europa. NfE e.V. im Gespräch mit Dr. Jana Puglierin, Leiterin des European Council on Foreign Relations in Berlin
2022/08/07
Der russische Großangriff auf die Ukraine ist im Westen als Zäsur begriffen worden, der die Zeit in ein Davor und ein Danach geteilt hat. Denn mit dem Angriffsbefehl auf die Ukraine hat Wladimir Putin die europäische Friedensordnung nicht nur erschüttert, sondern regelrecht zertrümmert. Militärische Gewalt als Modus der Willensdurchsetzung ist zurück in Europa. Damit ist eine neue Konfliktordnung entstanden, wie es sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa noch nicht gegeben hat. Noch zeigt sich der Westen geschlossen gegen Putin. Auch die Staats- und Regierungschefs der G7 haben erst kürzlich ganz klar das Zeichen für eine dauerhafte Unterstützung der Ukraine gegeben. Jana Puglierin ist überzeugt, dass Putin im Grunde eine groß angelegte Revision der europäischen Ordnung anstrebt. Nie sei es ihm nach dem Zerfall der Sowjetunion ernsthaft um eine Einbindung der Russischen Föderation in eine europäische Friedensordnung gegangen, analysiert sie. Deshalb müsse man jetzt Mittelosteuropa vor Russland schützen.  Demokratie versus Autokratie? So einfach sei es nicht, sagt die Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations, denn viele Staaten gehörten weder eindeutig dem einen noch dem anderen Lager an. Puglierin spricht zwar nicht von einem „Kalten Krieg 2.0“, aber sehr wohl von einer Dynamik in Richtung „Systemkonfrontation“ zwischen der „G7-Welt“ und der „Brics-Welt“ sowie einer massiven Rückkehr der Geopolitik. Mit Blick auf das aggressive Russland spricht sie davon, dass es für Europa in Zukunft um das „Management einer Konfliktordnung“ gehe.  Dazu passt, dass der russische Präsident auf der internationalen Bühne keineswegs isoliert ist und sich eine Vielzahl von Staaten vor allem des Globalen Südens den Sanktionen des Westens erst gar nicht angeschlossen haben. Die wenigsten Länder dort wollen sich in diesem Konflikt also eindeutig auf eine Seite schlagen. Es wird in Zukunft für den Westen darum gehen, genau diese Staaten von den Vorteilen einer regelbasierten internationalen Ordnung zu überzeugen, sagt Jana Puglierin.
Nie wieder Grauzone Ukraine. NfE im Gespräch mit Ljudmyla Melnyk, IEP Berlin
2022/06/30
Seit dem 24. Februar 2022 führt Putins Russland offen und erbarmungslos Krieg gegen die Ukraine. Aus einem seit 2014/15  „eingefrorenen Konflikt“ im Donbass ist eine gnadenlose bewaffnete Auseinandersetzung geworden und die Ukraine ein internationaler Brennpunkt, ein „hot spot“. Und trotzdem ist dieses Land für viele Europäer immer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zusammen mit der Ukraine-Expertin Ljudmyla Melnyk wollen wir der Ukraine ein Gesicht geben. Es wird deutlich werden, dass das Verhältnis zwischen Russen und Ukrainern sowohl in sowjetischen als auch in postsowjetischen Zeiten von Asymmetrien gekennzeichnet war. Die meisten Russen betrachteten (und betrachten) die Ukrainer als einen Teil einer umfassenden orthodoxen russischen Gemeinschaft, eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte wird ihnen daher abgesprochen. Indem das westliche Ausland diese Einschätzung weitgehend übernahm, standen die Ukrainer auch im westlichen Ausland im Schatten Russlands, wurden nicht als eigenständige Akteure wahrgenommen. Nicht nur die Sowjetukraine, auch der seit 1991 unabhängige ukrainische Staat ist in weiten Teilen der (West) Öffentlichkeit ein blinder Fleck geblieben. Eine „Grauzone“ nennt es Ljudmyla Melnyk. Die westliche Ukraine-Perzeption änderte sich selbst nach der Revolution des Euro-Majdan in Kiew (2013/14) und dem militärischen Eingreifen Russlands nur zögernd. Und heute? Hat der Krieg zu einer veränderten Wahrnehmung geführt? Hat die Ukraine endlich ihren festen Platz auf der mentalen Landkarte Europas? Es hat sich seit 2014 einiges getan, sagt Ljudmyla Melnyk, aber noch nicht genug. Die Geschichte der russisch-ukrainischen Wechselbeziehungen zu kennen, sei wichtig zum Verständnis des kriegerischen Konfliktes. Deshalb sollte viel stärker auf die regionale Expertise gehört werden, um Konfliktpotenziale frühzeitig zu erkennen.
Memorial vor dem Aus - älteste Menschenrechtsorganistaion in Russland verboten
2022/02/14
Russland und kein Ende. Zur Zeit eskaliert der Ukraine-Russland-Konflikt, der seit den prowestlichen Maidan-Protesten 2014 der Ost-West-Hotspot schlechthin ist. Der russische Präsident Wladimir Putin kämpft an vielen Fronten gleichzeitig - außen wie innen. Seine Truppen stehen auf der Krim, im Donbass, im Kaukasus, russische Söldner kämpfen in mehreren afrikanischen Staaten auf der Seite von Militärregimen und Autokraten, nach Syrien schickte er Truppen zu Land, Wasser und Luft und entschied dort zusammen mit dem Iran den Krieg. Sein wunder Punkt aber ist die Ukraine, die unabhängig blieb und sich gegen alle Reintegrationsversuche Moskaus stemmte. Sowohl ihr als auch Kasachstan, in das jüngst ebenfalls Truppen geschickt wurden, werden von Putin die (Eigen)Staatlichkeit abgesprochen; beide seien Teil der "historischen Rus", eines ostslawischen Reichs zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. Das Narrativ lautet: Mit der Sowjetunion wurde das Leben besser. Die Mission lautet: Wiederherstellung der alten Einflusssphäre Moskaus.  Hierbei stören Demokratie und Menschenrechte, die in der Regel als westlich und nicht universell angesehen werden. Hierbei stören Menschen, die wie Alexej Nawalny kritisch über das Regime schreiben oder gar kritisch politisch aktiv sind. Es stören aber auch Menschenrechtsorganisationen wie Memorial International, welche im Kampf um die Erinnerung nicht nur der Opfer der Verbrechen in der Sowjetunion gedenkt, sondern auch die Täter benennt. Denn eine kritische Aufarbeitung des Unrechts findet auf staatlicher russischer Seite nicht statt, und auf zivilgesellschaftlicher Seite wird diese behindert und unterdrückt. Ende Dezember 2021 hat der Oberste Gerichtshof in Moskau die Auflösung von Memorial International und seines Menschenrechtszentrums angeordnet. Memorial widerspricht: Der Rechtsspruch sei eine "politische Entscheidung" ohne Rechtsgrundlage mit dem Ziel der "Zerstörung einer Organisation, die sich mit der Geschichte politischer Repressionen und mit dem Schutz der Menschenrechte befasst". NfE e.V. spricht mit Dr. Anke Giesen über die Auswirkungen dieses Verbots. Frau Giesen ist Memorial-Vorstandsmitglied International und von Deutschland und berichtet ganz konkret über die gezielte Behinderung der Arbeit von Memorial. Sie erzählt, was es in Russland bedeutet, als "ausländischer Agent" diskreditiert zu werden, und sie spricht über die Gefahr, dass mit diesem Urteil auch die Ergebnisse der jahrelangen Erinnerungsarbeit von Memorial "entsorgt" werden könnten.
Afghanistan - schon vergessen? NfE im Gespräch mit Ellinor Zeino, KAS-Büro Kabul
2021/12/29
Afghanistan ist eines der gefährlichsten Länder der Welt. Die Machtübernahme durch die Taliban nach dem Rückzug der westlichen Streitkräfte im August hat die schwierige Lage der Zivilgesellschaft noch potenziert: Bilder von Leid, Angst und den Fluchtversuchen der Zivilbevölkerung schockierten die internationale Öffentlichkeit. Dr. Ellinor Zeino war schon vor dem Machtwechsel Zeugin der alltöglichen Lage in Afghanistan. Die Leiterin des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul sagt, dass Menschen- und Frauenrechte in Afghanistan auf Dauer nur gesichert werden können, wenn mit den Taliban auf Augenhöhe - und das bedeutet: religiös - argumentiert und ihnen nicht das Deutungsmonopol über den Islam und die Scharia überlassen wird. Das Scheitern des Westerns sieht Ellinor Zeino mit darin begründet, dass die Strategie des Nation Buildings nicht an die veränderten Rahmenbedingungen angepassst wurden. Zu lange habe der Westen ausschließlich auf Gesprächspartner der pro-westlichen afghanischen Regierung gesetzt, auch als die Talban schon längst wieder ein ernst zu nehmender Machtfaktor im Land geworden waren. Sie glaubt, dass die Lücke, die durch den Abzug der westlichen Kräfte entstanden ist, sehr rasch durch andere regionale Kräfte gefüllt werden. Vor allem in China, dem "leisen" Player, sieht sie den entscheidenden Faktor für die Zukunft Afghanistans.
Ein Jahr nach Beginn der Massenproteste in Belarus, kurz nach dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und wenige Wochen vor der Bundestagswahl - NfE im Gespräch mit Renata Alt, MdB
2021/08/10
Sie war im diplomatischen Dienst erst der Tschecheslowakei, dann der Slowakei. Einsatzgebiet: Deutschland. Heute sitzt sie für die FDP im Deutschen Bundestag und ist seit 21 Jahren deutsche Staatsbürgerin. Renata Alt spricht in unserem Sommerinterview über ihre Sozialisation in einem kommunistischen System, ihren Weg in die Politik, ihren Blick auf Frauenemanzipation und Feminismus sowie ihre Arbeit im Auswärtigen Ausschuss. Für die FDP-Fraktion im Bundestag ist sie sowohl als Obfrau (Unterausschuss Zivile Krisenprävention) als auch als Berichterstatterin (für Mittel- und Osteuropa, den Balkan, Russland und die Ukraine) eine unverzichtbare Mittlerin der Ausschussarbeit und eine gefragte Fachfrau.  Afghanistan, Mali, Russland und Belarus - in unserem Gespräch spannen wir einen weiten Bogen und lernen eine versierte Außen- und Sicherheitspolitikerin kennen, die überzeugt ist, dass im bevorstehenden Bundestagswahlkampf der Außen- und Sicherheitspolitik endlich die Aufmerksamkeit zuteil werden wird, die aufgrund der weltweiten Krisen und ungelösten Konflikte dringend vonnöten ist.
Nach dem Start der "Konferenz zur Zukunft Europas" - NfE im Gespräch mit Anna Deparnay-Grunenberg, MdEP
2021/06/04
Vom lokalen Klein-Klein in die Hauptstadt Europas. Die 44jährige Anna Deparnay-Grunenberg ist seit 2019 Abgeordnete der Grünen im EU-Parlament. Sie lebt ein Leben aus dem Koffer zwischen Stuttgart, Brüssel und Straßburg. Das politische Geschäft kennt sie aus dem FF: Sie war zehn Jahre lang Stadträtin in Stuttgart. Wir sprechen über ihre Motivation, ihre Themen, ihre Anliegen, ihre Aufgaben in der Fraktion. Und lernen eine leidenschaftliche Europäerin kennen. Zielstrebig, engagiert, bürgernah - Anna Deparnay-Grunenberg macht Lust auf Politik.

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