
Werben im Podcast: Matthias Zehnders Wochenkommentar
Dieser Podcast hat
252 Episoden
Sprache
GermanHerausgeber
Matthias ZehnderExplizit
Nein
Erstellt am
2021/06/18
Neueste Episode
2026/10/23
Durchschnittsdauer
19 min.
Veröffentlichungsintervall
8 Tage
Beschreibung
Matthias Zehnder gibt Ihnen hier jede Woche zu denken. Das Thema: Medien und die Digitalisierung. Das Angebot: Konstruktive Kritik.
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#Vertrauen statt Aufmerksamkeit 2: Die Aufmerksamkeitsfalle
2026/10/23
Am letzten Dienstag haben mehrere Hundert Menschen vor dem Hauptsitz von Tamedia protestiert: Sie wehrten sich gegen den Abbau von 34 Stellen auf den Redaktionen in Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf. Das Management von Tamedia liess sich davon nicht beeindrucken und will an den Abbauplänen festhalten. Begründung: Das Werbegeld fliesse nicht mehr in die Medien, sondern zu den grossen Tech-Plattformen. Das stimmt. Aber warum ist das so? Warum funktionieren Zeitungen im Internet nicht mehr so gut wie auf Papier? Was ist da schiefgegangen? Vor bald zehn Jahren habe ich diese Entwicklung in meinem Buch «Die Aufmerksamkeitsfalle» beschrieben. Jetzt müssen wir feststellen: Es ist noch schlimmer gekommen als befürchtet. Schuld daran ist ein Geschäftsmodell, das auf unsere Aufmerksamkeit setzt. In der 1. Folge meiner Serie habe ich letzte Woche gezeigt, dass unser Aufmerken evolutionär geprägt ist: Wir reagieren unwillentlich stark auf alles, was mit Gefahren, Fortpflanzung und Nachwuchspflege zu tun hat. Alle Frühmenschen, die den Löwen nicht haben kommen sehen oder sich nicht um ihre Jungen kümmerten, konnten ihre Gene nicht weitergeben. Mit den entsprechenden Reizen können Medien deshalb relativ leicht unser aller Aufmerksamkeit auf sich lenken. Schon vor fast 200 Jahren begannen die Medien, das zu nutzen. Entstanden ist die Aufmerksamkeitsökonomie. Doch heute funktioniert das Geschäftsmodell nicht mehr. Warum das so ist und welche Folgen das für unsere Medien hat, das sage ich Ihnen in dieser zweiten Folge meiner Serie. Damit Sie Ihre Reaktionen auf Schlagzeilen selbst testen können, habe ich Ihnen diese Woche ein kleines Spiel gebaut: Im «Schlagzeilen-Duell» finden Sie heraus, wie Ihre eigene Aufmerksamkeit funktioniert.
Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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Vertrauen statt Aufmerksamkeit 1: Warum wir schlechte Nachrichten lieben
2026/10/16
Der Co-Pilot in einem Flugzeug der Vereinigten Arabischen Emirate plante einen Selbstmordanschlag. Die Schauspielerin Selma Blair griff auf einem Flug nach New York Flugbegleiter an und versuchte, eine Tür zu öffnen. Und schliesslich: Bettwanzen legen einen Qantas-Flug lahm. Man könnte meinen, es vergehe kaum ein Flug ohne Zwischenfall. Die Realität freilich sieht ganz anders aus: Auf fast 39 Millionen Flüge kamen 2025 laut IATA gerade einmal 51 Unfälle. Das entspricht 1,32 Unfällen pro einer Million Flüge. Wer am Flughafen aus dem Taxi ausgestiegen ist, hat den gefährlichsten Teil der Reise bereits hinter sich. Warum berichten die Medien trotzdem nur über Flüge, auf denen etwas schief gegangen ist? Weil wir schlechte Nachrichten zwar nicht lieben, aber auch nicht ignorieren können. Schuld ist unser Gehirn: Es kann nicht anders, als auf schlechte Nachrichten anzuspringen. Die Folgen davon sind verheerend, gerade heute: Die Medien schaden sich damit selbst, uns allen und damit der ganzen Welt. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir uns von der Aufmerksamkeitsökonomie verabschieden müssen. Künftig wird nicht mehr die Aufmerksamkeit, sondern das Vertrauen im Zentrum stehen. In der ersten Folge meiner neuen Serie geht es um unser verflixtes Gehirn und die Frage, warum es auf schlechte Nachrichten so zuverlässig anspringt.
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#Herbstklassiker 2: Friedrich Dürrenmatt und der grosse Preis
2026/10/09
In den letzten Wochen habe ich immer wieder an zwei Theaterstücke aus der Schweizer Literatur gedacht: an «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch und an «Der Besuch der alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt. Es sind zwei Klassiker der Schweizer Literatur. Die Gefahr besteht, dass wir sie deshalb musealisieren und nicht mehr für voll nehmen. Gerade diese beiden Stücke haben uns heute aber viel zu sagen. Für meine kleine Herbstserie habe ich die beiden Stücke neu gelesen. Letzte Woche habe ich mich dem so schweizerischen Biedermann gewidmet, der sich aus Angst und Eitelkeit mit den Brandstiftern in seinem Haus verbrüdert und dabei zuschaut, wie sie den Brand legen. Diese Woche nehme ich mir Claire Zachanassian und die Bürger von Güllen aus dem Stück von Dürrenmatt vor. Er schildert damit den zweiten wichtigen Mechanismus, warum Menschen plötzlich gegen ihre eigene Moral handeln. Auch hier geschieht nichts im Verborgenen. So, wie die Brandstifter offen sagen, was sie tun, sagt die Milliardärin offen, was sie will. Wo Biedermann sich Freundschaft einbildet, schwadronieren die Bürger von Güllen von Gerechtigkeit. Doch sie alle haben ihren Preis. In der zweiten Folge meiner kleinen Herbstklassiker-Serie fragen wir deshalb: Was macht uns alle zu Güllenern?
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#Herbstklassiker 1: Max Frisch und die Brandstifter
2026/10/02
In Europa feiern extrem rechte Parteien Wahlerfolge. In den USA verbannt der Präsident unliebsame Medien aus dem Weissen Haus. Tech-Firmen «spenden» Millionen an Politiker. Und wir alle sitzen in der warmen Stube und … ja, und was? In den letzten Wochen habe ich immer wieder an zwei Theaterstücke aus der Schweizer Literatur gedacht: an «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch und «Der Besuch der alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt. Es sind zwei Klassiker der Schweizer Literatur. Die Gefahr besteht, dass wir sie deshalb musealisieren und nicht mehr für voll nehmen. Gerade diese beiden Stücke haben uns heute aber viel zu sagen. Für meine kleine Herbstserie habe ich die beiden Stücke neu gelesen. Diese Woche widme ich mich dem so schweizerischen Biedermann, der im Theaterstück von Max Frisch die Brandstifter in sein Haus lässt. Spannend an dem Stück ist, dass Max Frisch die Frage verschiebt. Nach einem Brand lautet normalerweise die erste Frage: «Wer sind die Brandstifter?» Max Frisch stellt aber den Biedermann ins Zentrum. Sein Stück stellt uns die Frage: «Was macht mich zu Biedermann?» Max Frisch interessiert sich also nicht für die Täter, sondern für alle, die sie gewähren lassen. Das scheint mir vor dem Hintergrund der Wahlerfolge der AfD die richtige Frage. Im ersten Teil meiner kleinen Herbstklassiker-Serie fragen wir also: Was macht uns alle zu Biedermännern?
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#Verantwortungslücke 7: Was jetzt, liebe Anwenderin?
2026/09/25
In den letzten Wochen haben wir hier gemeinsam über die Verantwortungslücken nachgedacht, die sich auf Seiten der grossen KI-Firmen öffnen. Sie geben vor, nichts zu wissen, wenn ihre KI-Agenten in fremde Server einbrechen, sie distanzieren sich von ihren Maschinen, indem sie ihnen Bewusstsein oder gar einen Willen zuschreiben und weil so viele Stellen involviert sind, zerbröselt die Verantwortung in viele Tausend Fragmente. An einem Ort kommt das alles zusammen: bei Ihnen, bei mir, bei uns Nutzerinnen und Nutzern. Deshalb zum Schluss meiner Serie über KI und Verantwortung die Frage: Welche Verantwortung tragen wir? Die Gefahr ist gross, jetzt mit erhobenem Zeigefinger moralisierend von Medienkompetenz und Eigenverantwortung zu reden, davon, dass wir Chancen packen müssen, keine Maschinenstürmer sein wollen und dennoch Sorgfalt an den Tag legen müssten. Doch das hilft niemandem weiter. Sie sitzen dann an Ihrem Gerät, sind so klug als wie zuvor und fragen sich, ob Sie diese App und jenen Dienst nutzen sollen oder nicht. Denn die Nutzung von KI-Diensten steigt: Je nach Studie nutzen in der Schweiz bereits zwischen 57 und 80 Prozent der Menschen KI-Anwendungen – fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Ich habe mir deshalb gedacht, dass ich diese Woche ganz konkret sage, welche Nutzung von KI ich Ihnen heute empfehlen und wo ich eher die Finger davon lassen würde. Damit Sie die Unterscheidung gleich selbst testen können, habe ich Ihnen dazu ein kleines Denkwerkzeug gebaut.
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#Verantwortungslücke 6: Was jetzt, Geoffrey Hinton?
2026/09/18
Dario Amodei möchte auf die Bremse treten. Oder zumindest vom Gas gehen: Der CEO der amerikanischen KI-Firma Anthropic hat diese Woche eine koordinierte Verlangsamung und ein temporäres Moratorium für das Training von KI-Modellen der nächsten Generation gefordert. Er erhielt dabei öffentlich Unterstützung von führenden Köpfen anderer Spitzenlabore, darunter OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk. Das ist erstaunlich, weil sich die drei nicht wirklich mögen. Anlass für den Griff zum Bremspedal ist eine ganze Reihe von Sicherheitsproblemen, die in den letzten Tagen ans Licht gekommen sind. Dario Amodei warnte deshalb vor Systemen, die in der Lage sind, eigenständig Nachfolgemodelle zu entwerfen und zu optimieren. Das könne dazu führen, dass der Mensch die Kontrolle verliere. Verschiedene KI-Systeme haben in den letzten Wochen derart ausgefeilte Angriffe ausgeführt, dass die KI-Experten fürchten, die Systeme könnten innerhalb eines Jahres schon selbstständig komplexe Angriffe auf wichtige Infrastrukturen ausführen. Also tastet Dario Amodei nach dem Stopp-Knopf. Doch die Stopp-Taste zu drücken ist gar nicht so einfach. Der erste, der sich lautstark dagegen wehrte, in Sachen KI den Fuss vom Gas zu nehmen, war Präsident Donald Trump. Aber auch die KI könnte den Bremsern einen Strich durch die Rechnung machen. Nobelpreisträger Geoffrey Hinton sagt, die KI sei längst so intelligent, dass sie die Menschen überreden werde, nicht auf die Bremse zu treten. Was jetzt, Geoffrey Hinton?
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#Verantwortungslücke 5: Ted Chiang und der Frankenstein-Moment
2026/09/11
Im Sommer 1816 ereignete sich in der Nähe von Genf Unerhörtes: In der Villa Diodati in Cologny erblickte ein Monster das Licht der Welt. Oder zumindest das Papier: Frankenstein. Die Umstände seiner Erfindung sind fast so spektakulär wie der Untote selbst: Ein Jahr zuvor war der Vulkan Tambora auf Java ausgebrochen. Es war einer der heftigsten Vulkanausbrüche aller Zeiten. Der Ausbruch beförderte so viel Material in die Atmosphäre, dass das Jahr 1816 in Europa und Nordamerika zum «Jahr ohne Sommer» wurde: Es war kalt und regnete ständig. Die 18-jährige Engländerin Mary Shelley verbrachte diese düsteren Sommertage zusammen mit ihrem späteren Ehemann Percy Bysshe Shelley, Lord Byron und John Polidori in der Villa Diodati in Cologny. Wegen des schlechten Wetters lasen sie sich Gespenstergeschichten vor. Lord Byron schlug schliesslich vor, dass jeder eine eigene Schauergeschichte schreiben sollte. Mary hatte nach Tagen voller wissenschaftlicher Diskussionen über Reanimation und Elektrizität die Idee von einem Wissenschaftler, der ein künstliches Wesen zum Leben erweckte. Diesen Albtraum verarbeitete sie zu ihrer Geschichte über den Schweizer Wissenschaftler Victor Frankenstein, der entdeckt, wie sich unbelebter Materie Leben einhauchen lässt. Aus Leichenteilen erschafft er eine menschenähnliche Kreatur. Als das Wesen erwacht, packt Victor der Ekel über sein eigenes Werk und er flieht. Was derzeit in der KI-Welt passiert, erinnert mich sehr an diese Geschichte. Allerdings aus einem anderen Grund, als Sie jetzt vermutlich denken. Der zentrale Punkt der Geschichte ist nämlich nicht, dass Frankenstein ein aus Leichenteilen zusammengestückeltes Wesen zum Leben erweckte, sondern dass er sich dadurch der Verantwortung entzog. Genau da stehen wir heute. Was tun?
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#Verantwortungslücke 4: Wovor fürchtet sich Jeff Bezos?
2026/09/04
Ich liebe diese klaren Nächte im Frühherbst. Es ist noch nicht kalt, der Himmel ist von diesem durchscheinenden Blau. Etwa um 22 Uhr steht im Nordwesten der Grosse Wagen. Verlängert man seine Hinterachse nach oben, kommt man zum Polarstern, der Jägern und Seeleuten über Jahrtausende den Weg gewiesen hat. Und dann, dann zieht, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, ein Lichterzug aus vielen kleinen Sternen über den Himmel. Die Dutzenden von Lichtpunkten folgen derselben Spur hintereinander. Sie leuchten gleichmässig, etwa so hell wie Sterne und bewegen sich viel schneller als jedes Flugzeug, aber langsamer als Sternschnuppen. Es sind Satelliten. In den unendlichen Weiten über unseren Köpfen wird es in den nächsten Jahren ein ziemliches Gedränge geben. Die Rede ist von über einer Million Satelliten, die bald die Erde umkreisen sollen. Sie stören nicht nur den Grossen Wagen, sondern auch die Erd-Atmosphäre: In einigen Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten verglüht jeder dieser Satelliten. Schon 2022 brachten verglühende Satelliten fast 30 Prozent mehr Aluminiumoxid in die obere Atmosphäre als alle Meteoriten zusammen. Einer, der dort oben mitmischen will, ist Jeff Bezos. Der Gründer von Amazon hat mit seiner Firma Blue Origin längst in den Weltraum expandiert. Da will er die rund um die Uhr verfügbare Solarenergie ausnutzen und damit Rechenzentren betreiben. Er ist nicht der einzige. Die grosse Frage, die sich dabei stellt: Was richten die Herren der Satelliten im Weltraum an? Welche Probleme hinterlassen sie unseren Kindern und Kindeskindern? Wer übernimmt die Verantwortung für Schäden in der Zukunft?
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#Verantwortungslücke 3: Wer, wenn nicht Jensen Huang?
2026/08/28
Der 6. Juli 2026 war ein Sonntag wie jeder andere in Saporischschja: Es war warm, aber mit 28 Grad nicht zu warm. Ein Sommertag. Aus diesem heiteren Sommerhimmel stiess eine russische Drohne vom Typ «Molniya» auf die ukrainische Stadt hinunter. Die Drohne zielte auf eine Tankstelle, schlug aber in eine Hauswand ein. Ihre Sprengladung tötete drei Menschen: die 19-jährige Buchhaltungsstudentin Tetiana Bubynets und zwei Männer im Alter von 41 und 48 Jahren. Ein ganz normaler Sonntag also. Und doch hat sich mit diesem Drohnenangriff etwas fundamental verändert: Die Drohne hatte keine Antennen. Da war kein russischer Soldat hinter der Front, der sie gesteuert hätte. Die Drohne hat selbstständig entschieden, was sie angreift. Ukrainische Forensiker haben die Trümmer untersucht. Sie fanden einen kleinen Steuerungscomputer vom Typ Jetson Orin von Nvidia. Darauf waren Geländebilder und Zielerkennungscodes gespeichert. Die «New York Times» hat über den Angriff berichtet. Laut der Zeitung ist es der erste dokumentierte Fall ziviler Toter durch eine vollautonome russische Drohne. Die grosse Frage, die sich danach stellt: Wer hat Tetiana Bubynets umgebracht? Wer ist verantwortlich für ihren Tod, wenn das Jetson Orin-Modul selbstständig über das Ziel entschieden hat? Nvidia sagte gegenüber der «New York Times», beim Minicomputer handle es sich um ein Produkt, das für Studierende, Entwickler und kleine Unternehmen gedacht sei. Ich frage mich: Was denkt Jensen Huang? Wer ist für den Tod von Tetiana Bubynets verantwortlich?
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Die #Verantwortungslücke 2: Wem schuldet Peter Thiel Rechenschaft?
2026/08/21
Vor dem Haus von Peter Thiel in Buenos Aires versammelte sich diese Woche eine seltsame Gruppe: Demonstranten in Gandalf-Kostümen protestierten mit Transparenten, auf denen «You shall not pass!» stand. Fans von «Der Herr der Ringe» wissen: Das ruft Gandalf, als er bei der Flucht aus den Minen von Moria das Monster Balrog auf der Brücke von Khazad-dûm stoppt. Anlass für die Demonstration sind Investitionen von Peter Thiel in Argentinien, insbesondere eine Beteiligung von 76 Millionen Dollar am Ölkonzern Vista Energy. Thiel sollte deshalb Anfang September zusammen mit Präsident Javier Milei an einem Wirtschaftsgipfel in Buenos Aires auftreten. Kurz nach dem Protest sagte er ab: Er könne aufgrund von Terminkonflikten nicht teilnehmen. Ein Zusammenhang mit den Protesten gebe es (natürlich) nicht. Es ist, zumal in Europa, keine grosse Nachricht. Doch sie weist auf eine sehr grundsätzliche Frage hin: Wem schuldet Peter Thiel Rechenschaft? Vielleicht zucken Sie jetzt die Schultern und sagen: «Niemandem!» Peter Thiel ist ein erfolgreicher und schwerreicher Unternehmer – solange er sich an die Gesetze hält, darf er tun und lassen, was er will. Das geht niemanden etwas an. Doch so einfach ist es nicht.
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Die #Verantwortungslücke 1: Was wusste Sam Altman?
2026/08/14
Sie haben es sicher mitbekommen: Eine KI von OpenAI hat sich aus ihrer gesicherten Testumgebung befreit und das Unternehmen Hugging Face angegriffen. Die KI sollte Testaufgaben lösen und versprach sich von Codes auf den Servern von Hugging Face Hilfe. Sam Altman, der Chef von OpenAI, betonte danach, man habe nicht geahnt, dass das Modell eigenständig mehrere unentdeckte Lücken miteinander verknüpfen könnte, um die Barrieren der gesicherten Laborumgebung zu durchbrechen. Wenn eine KI so selbständig zu handeln beginnt, stellt sich eine grosse Frage: Wer ist dafür verantwortlich? Die Frage stellt sich vor allem dann, wenn es nicht der Hersteller ist, der die KI einsetzt, sondern Sie oder ich: Wer ist verantwortlich dafür, wenn Sie einer KI eine Anweisung erteilen und dann fällt die KI eigenständig eine Entscheidung, beginnt vielleicht sogar zu handeln? Was heisst Verantwortung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz? Für mich ist diese Frage Anlass, dem Thema Verantwortung im Rahmen einer kleinen Serie auf den Grund zu gehen. Heute geht es in der ersten Folge darum, was Sam Altman wusste. Oder etwas allgemeiner formuliert: Wer ist verantwortlich, wenn Sie nicht wissen, was Sie tun? Mit einem kleinen Denkwerkzeug biete ich Ihnen eine Möglichkeit, gezielt über den Punkt der Verantwortung nachzudenken.
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#Sommerklassiker 6: Gottfried Keller und das Lachen
2026/08/06
Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb stillgelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Nach Jeremias Gotthelf, Meinrad Inglin, Conrad Ferdinand Meyer, Johanna Spyri und Olga Meyer folgt zum Abschluss heute Gottfried Keller. In seiner Jugend war er ein radikaler politischer Rebell, der gegen die Obrigkeit aufbegehrte. Längst ist er zum Klassiker erstarrt, eine Marmorbüste im Eingangsbereich des Museums, auf der man achtlos seinen Hut deponiert. Doch Kellers Erzählungen über die Leute von Seldwyla hätten heute noch Sprengkraft. Zum Beispiel die letzte Novelle des zweiten Bandes: «Das verlorene Lachen» erzählt vordergründig die Geschichte einer Ehekrise. Die beiden Eheleute Justine und Jukundus Meyenthal flüchten sich beide in einen Wahn: Jukundus landet verbittert in populistischer Politik, Justine naiv in einer bigotten Religion. Gottfried Keller kritisiert mit seiner Erzählung den Kulturkampf und die Parteipolitik der 1870er Jahre in der Schweiz. Die Jahreszahl können Sie aber getrost vergessen: Seine Kritik ist heute genauso aktuell. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker-Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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#Sommerklassiker 5: Olga Meyer und die Fabrik
2026/07/30
Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb stillgelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Letzte Woche habe ich mir die «Heidi»-Romane von Johanna Spyri vorgenommen. Diese Woche geht es um einen anderen Schweizer Kinderbuchklassiker: In «Anneli» beschreibt Olga Meyer 1918 das Leben eines Mädchens im Tösstal des 19. Jahrhunderts. Olga Meyer hat in der Erzählung die Kindheitserinnerungen ihrer Mutter Anna verarbeitet. Sie zeichnet ein authentisches Bild der damaligen Armut und Kinderarbeit. «Anneli» ist damit das Gegenstück zu «Heidi»: Heidi hüpft unbeschwert mit den Geissen über die Alp, ist weltberühmt, verkitscht, geliebt und omnipräsent. Anneli arbeitet sechs Tage die Woche in der dunklen Spinnereifabrik. Die Figur und das Buch von Olga Meyer sind weitgehend vergessen. In der fünften Folge meiner Sommerserie habe ich mich deshalb mit «Anneli» beschäftigt. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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#Sommerklassiker 4: Johanna Spyri und die Stadt
2026/07/24
Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Heute nehme ich mir Johanna Spyri vor. Ihr «Heidi» hat das Bild der Schweiz geprägt, auch das Bild, das sich die Schweizer von ihrem eigenen Land machen. Längst hat der Mythos Heidi den Roman von Johanna Spyri überlagert, ja mit Kitsch überwuchert. Wer all den bombastischen Ballast, die Serien und Zeichentrickfiguren, die Filme und Hörspiele und die ganze Werbung darum herum zur Seite schiebt, ist überrascht: Der Roman von Johanna Spyri (oder besser: die beiden «Heidi»-Romane) haben es in sich. Ich habe den Originaltext in meinen Sommerferien neu gelesen und gestaunt. «Heidi» ist für uns zum Hohelied der Alpen und des ursprünglichen Lebens in den Bergen erstarrt. Elemente davon kommen zwar im Originaltext vor, mir scheint aber, die zentrale Aussage ist eine ganz andere. In der vierten Folge meiner Sommerserie werfe ich deshalb einen frischen Blick auf «Heidi» von Johanna Spyri. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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#Sommerklassiker 3: Conrad Ferdinand Meyer und die Macht
2026/07/16
Videobeschreibung woko2629Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Heute nehme ich mir Conrad Ferdinand Meyer vor. Sein Roman über den Bündner Freiheitskämpfer Jürg Jenatsch hat mir schon immer gefallen. Wenn man den Staub von der Geschichte bläst und die Bündner Romantik beiseite lässt, dreht sich der Roman aber um eine unbequeme Frage: Heiligt der Zweck die Mittel? Meyer stellt die Frage doppelt: Politisch in Bezug auf die Befreiung von Graubünden und moralisch in Bezug auf den Tyrannenmord. Spannend am Roman ist, dass Jenatsch eine ambivalente Figur ist: Er ist Befreier und Tyrann zugleich. Er bleibt seinem Vaterland treu, verrät aber seine Freunde, seine Werte, die Religion und seine Liebe. In der dritten Folge meiner Sommerserie werfe ich deshalb einen frischen Blick auf «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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